Es wird eng für WikiLeaks, zumindest finanziell

Für die Finanzierung von Wikileaks wird es eng und Julian Assange droht laut Aussage der isländischen Politikerin und WL-Unterstützerin Birgitta Jónsdóttir immer noch eine Vendetta der US-Justiz. Von über einer Million sind nur noch 100 000 Euro für laufende Ausgaben übrig, so die erfolgreichste Whistleblower-Plattform der Geschichte. Rechtsvertretung, neue Leaks wie die SyriaFiles und Kampagnen haben 2011 viel Geld verschlungen – und die Spenden sind knapper geworden, so Wikileaks.

Vor allem die US-Finanzblockaden (Visa/Mastercard und andere) dürften die Geldknappheit verursacht haben, denn gerade zu Zeiten des Aufmerksamkeit-Hypes wurde die Spendenmöglichkeit stark eingeschränkt. Ein kleiner juristischer Sieg über die blockierenden Finanzfirmen hat noch keine nennenswerte Entlastung gebracht.

Hauptsächlich die deutsche Wau-Holland-Stiftung (WHS) aus dem Umfeld des Chaos Computer Clubs (CCC) hat überhaupt noch Geld für Assange und seine Projekte einsammeln können (siehe Transparenz-Berichte der WHS). Die gemeinnützige Stiftung in Hamburg ist nach dem Mitbegründer und langjährigem Alterspräsidenten des CCC, Herwart “Wau” Holland-Moritz (1951-2001), benannt. Im ersten Halbjahr 2012 stehen bislang Einnahmen von 32.838 Euro Ausgaben von 246.620 Euro gegenüber.

Die vorhandenen Mittel sind somit trotz viel ehrenamtlich geleisteter Arbeit in wenigen Monaten aufgebraucht, falls nicht neue Spenden eingeworben werden können. Die WHS leidet auch unter verschärfter Verfolgung durch deutsche Kontrollbehörden: Seit der Unterstützung des Projektes “WikiLeaks”, völlig legal im Rahmen des gemeinnützigen Stiftungszieles “Informationsfreiheit” gefördert, wurde auf Anordnung des Finanzamtes Kassel im Dezember 2010 die Gemeinnützigkeit der Stiftung in Frage gestellt. Bis zur Klärung dieser Angelegenheit darf die Stiftung keine Zuwendungsbescheinigungen für Spenden ausstellen. Diese Prüfung dauert bis heute (so die WHS im März 2012) ohne Entscheidung des Finanzamtes an.

Wikileaks beziffert seinen akuten Finanzbedarf mit einer Million Euro

Eine neue Möglichkeit für Spenden per Kreditkarte hat jetzt der französische Fonds für die Verteidigung der Netzneutralität FDNN oder FDN2 (Fonds de Défense de la Neutralité du Net) eingerichtet. Wikileaks rief dazu auf, diese französische “Carte Bleu” zu nutzen, „bevor Visa/Mastercard versucht, auch diese lahmzulegen“. Carte Bleu steht mit Visa und Mastercard in Geschäftsbeziehungen, weshalb fraglich ist, wie lange die Konstruktion funktioniet. Julian Assange betonte kämpferisch, obgleich immer noch asylsuchend in der Botschaft Ecuadors in London: „Wir haben sie in Island besiegt und bei Gott, wir werden sie auch in Frankreich besiegen.“

Die FDNN fördert in Frankreich auch das Linuxianer-Projekt Framasoft/Logiciel (Logikhimmel) und “La Quadrature du Net”, einen Netzrechte-Verein der u.a. gegen ACTA kämpft.

Quelle: theintelligence.de vom 23.07.2012

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