
Finnland will nicht um jeden Preis in der Eurozone bleiben. Weil der ESM künftig Staatsanleihen kaufen soll und Eurobonds geplant sind, bereitet das Land seinen Austritt aus der Gemeinschaftswährung vor. Ein finnischer Diplomat sagte, dass Mario Monti in seiner Euphorie über die Rettung die Unwahrheit gesprochen habe. Auch die Niederländer wollen keine Schuldenunion.
Finnland will nicht um jeden Preis am Euro festhalten. Vor allem die Vergemein-schaftung der Staatsschulden in Form von Eurobonds wäre für Finnland ein Argument, die Eurozone zu verlassen.
„Finnland ist engagiert, ein Mitglied der Eurozone zu sein und wir glauben, der Euro nutzt Finnland. Dennoch wird Finnland nicht um jeden Preis am Euro festhalten und ist auf alle Szenarios vorbereitet“, sagte die finnische Finanzministerin Jutta Urpilainen (Foto) in einem Zeitungsinterview.
„Gemeinschaftliche Verantwortung für die Schulden und das Risiko anderer Länder ist nicht, worauf wir uns vorbereiten müssten“, sagte Urpilainen in einem weiteren Interview. Finnland hatte bereits früher angekündigt, den Kauf von Staatsanleihen durch den ESM blockieren zu wollen. Für das geplante Banken-Bailout in Spanien fordert Finnland außerdem Sicherheiten, um sein Risiko eindämmen zu können.
Gipfel-Beschlüsse: Finnland bezichtigt Mario Monti der Lüge
Ein finnischer Diplomat hat sich mit heftiger Kritik an Italiens Regierungschef Mario Monti zu Wort gemeldet. Er sagte der FT, dass Monti die Unwahrheit über die Gipfel-Ergebnisse gesagt habe: „Es ist ein starkes Stück, dass Herr Monti herumrennt und sagt, es habe eine einstimmige Entscheidung über die Intervention in den Sekundärmärkten gegeben. Dies ist schlicht unwahr.“ Monti hatte nach dem Gipfel verkündet, dass Europa nun bereit sei, Staatsanleihen von in Not geratenen Staaten in unbegrenztem Ausmaß zu kaufen.
Auch der niederländische Premier Mark Rutte distanzierte sich von Monti. Er sagte niederländischen Parlamentsabgeordneten, dass der ESM nicht über ausreichende Mittel verfüge, um Staatsanleihen zu kaufen.
Auch EU-Beamte gestanden am Freitag etwas kleinlaut ein, dass der EU-Gipfel doch wohl eher ein Flop gewesen ist.
Quellen: Deutsche Wirtschafts und Mittelstands Nachrichten vom 07.07.2012
