Spanier in Berlin: »Trotz allem will ich hier bleiben«

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Die Krise hat Tausende Spanier nach Deutschland getrieben. Die meisten sind hochqualifiziert und ­müssen sich als Kellnerinnen und Möbelpacker durchschlagen. Nur wenige fanden ihren Traumjob, doch zurück will fast niemand.

Francisco Sánchez del Pino, 27 Jahre alt, aus Andalusien, Diplom-Sozialwissenschaftler, seit sechs Monaten in Berlin.

Warum Sind Sie nach Deutschland gekommen?

Im letzten Jahr habe ich mich für eine staatliche Prüfung als Geschichtslehrer vorbereitet. Dann hat die Regierung die Schuldenbremse in die Verfassung geschrieben. Seither schreibt der Staat keine Stellen mehr aus. Tausende junge Leute, die etwa Lehrer werden wollten, stehen seither auf der Straße. In meiner Heimatstadt Jaén in Andalusien sind 40 Prozent ohne Arbeit. Ich wollte etwas tun, doch das geht dort nicht. Weil ich im Studium Deutsch gelernt hatte, entschied ich mich, in Berlin mein Glück zu suchen. Geplant woanders zu leben, hatte ich eigentlich nie.

Was machen Sie gerade in Berlin?

Meinen ersten Job hatte ich nach drei Wochen, das war bei einer Umzugsfirma. Ich war dort als Minijobber angestellt, mußte aber praktisch die volle Woche arbeiten. Die bezahlten acht Euro die Stunde, plus Trinkgeld. Arbeitskleidung wie Handschuhe, Sicherheitsstiefel oder Haltegurte für die schweren Möbel konnten wir uns selber besorgen, wir mußten auch immer auf Abruf bereitstehen. Deshalb habe ich gekündigt. Danach habe ich in einem Restaurant im Stadtteil Steglitz gearbeitet. Der Chef versprach mir einen Arbeitsvertrag, doch der kam nie zustande. Der Laden schuldet mir noch Geld. Dort habe ich nur 4,50 Euro die Stunde verdient. Die deutschen Kollegen bekamen dasselbe – die haben aber alle aufgestockt, ich nicht. Nun bin wieder auf Jobsuche. Zumindest kann ich mir jetzt vorstellen, wie sich die Migranten gefühlt haben, die nach Spanien kamen, als es uns noch gutging. In meinem dritten Monat in Berlin hatte ich keine Krankenversicherung. Einmal mußte ich mich in einem Krankenhaus für Obdachlose behandeln lassen. Das war das einzige, was mir die spanische Botschaft anbieten konnte.

Was mögen Sie besonders in Deutschland?

Berlin gefällt mir. Obwohl es eine riesige Stadt ist, lebt es sich vergleichsweise billig hier.
Was gefällt Ihnen hier weniger als in Spanien?

Am meisten hat mich das brutale Arbeitssystem überrascht. Außerdem haben die Deutschen Angst vor Gefühlen. Es fällt ihnen schwer, Emphatie für Leute zu empfinden, die zeitweise in komplizierten Situationen sind. Freunde zu finden ist schwieriger als in Spanien.

Welche Pläne haben Sie für die nächsten fünf Jahre?

Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung. Mein Leben hat sich in nur einem Jahr komplett verändert. Jetzt an die Zukunft denken? Ich würde gerne wieder nach Jaén zurückkehren, meine Prüfung machen und endlich Lehrer werden. Doch gerade habe ich dringendere Fragen in meinem Kopf. Ich will nichts dramatisieren, aber ich warte noch immer auf meinen Lohn aus dem Restaurant. Die Jacke, die ich trage, hat mir mein Mitbewohner Ángel geliehen. Es ist sehr interessant, zu sehen, daß meine sozialen Netzwerke viel besser funktionieren als die Ämter.

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Eva Gutiérrez Alonso, 25 Jahre alt, aus Madrid, Diplom-Künstlerin, ­Master als Lehrerin, seit vier Monaten in Berlin (www.evisuals.me)

Warum Sind Sie nach Deutschland gekommen?

Bevor ich nach Deutschland kam, habe ich in Madrid an verschiedenen Theatern gearbeitet. Das waren kleine Jobs, aber man konnte überleben. Als fast alle Subventionen für Kultur gestrichen wurden, hat sich die Situation allerdings verschlechtert. Das Theater als Hauptberuf war immer schon kompliziert, aber jetzt ist es viel schwieriger geworden. Ich kam nach Berlin, weil ich glaubte, hier gäbe es bessere Chancen, ein »Low-cost Theater« zu betreiben. Das Leben ist viel billiger als in Madrid.

Was machen Sie gerade in Berlín?

Momentan lerne ich Deutsch an der Volkshochschule. Ich suche einen Job, und jetzt habe ich meine erste Ausstellung mit Bildern in einer Bar im Stadtteil Wedding, »Kamin und Weine« heißt sie. Meine Eltern unterstützen mich.

Was mögen Sie besonders an Deutschland?

Das beste, was ich bisher gefunden habe, ist mein Fußball-Team in Kreuzberg: »Discover football« heißen wir. Das war das erste, was ich gemacht habe, als ich angekommen war. Am Anfang haben wir uns gar nicht verstanden. Die deutsche Kultur ist ganz anders als die spanische. Ich habe immer gedacht, daß die Deutschen kalt sind. Aber beim Fußball habe ich entdeckt, daß dieses Bild falsch ist. Auch gefällt mir, daß es hier weniger Homophobie als in Spanien gibt. Ich bin homosexuell, doch mir hat noch nie jemand deswegen Probleme gemacht.

Was gefällt Ihnen hier weniger als in Spanien?

Man fühlt gerade eine bestimmte rassistische Stimmung gegenüber Südeuropäern aus Italien, Spanien, Griechenland. Klar, überall in der Welt gibt es Rassismus. Aber es ist sehr unangenehm, wenn ich immer wieder auf der Straße »Scheiß Spanier!« höre. Natürlich sind nicht alle Deutschen so, aber ich höre solche Sachen schon sehr oft. Ich glaube, daß Deutschland gerade stark von der Krise profitiert. Gleichzeitig sind die Leute nicht so politisiert wie in Spanien. Wir erleben einen sehr wichtigen historischen Moment mit der Krise, doch ich höre hier kaum jemanden über Politik reden. Aber vielleicht ist diese Stadt anders als der Rest des Landes.

Welche Pläne haben Sie für die nächsten fünf Jahre?

Zuerst will ich besser Deutsch sprechen und einen Job finden, mit dem ich durchkomme. Am besten eine Halbtagsstelle, um Zeit zu haben, nach einer Arbeit am Theater zu suchen. Ich will als Bühnenbildner oder als Beleuchter arbeiten. Dafür würde ich in Callcentern, als Babysitter oder als Kellnerin jobben. Trotz allem will ich langfristig in Deutschland bleiben, in Spanien wird es nicht besser.

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Isabel Valencia, 27 Jahre alt, aus der Extremadura, Diplom-Journalistin, seit zweieinhalb Jahren in Berlin

Warum sind Sie nach Deutschland gekommen?

Ich habe mit einem Stipendium in Mainz studiert. Als in Spanien die ersten Zeitungen geschlossen wurden und Hunderte Kollegen auf der Straße standen, war ich also hier. Deshalb blieb ich in Mainz, mit der Hoffnung, einen Job zu finden. Dort habe ich als Kellnerin und als Nachhilfelehrerin für Spanisch gearbeitet.

Was machen Sie gerade in Berlin?

Ich bin seit zweieinhalb Jahren hier. Zuerst habe ich Spanisch unterrichtet und als Kellnerin gearbeitet. Wenn man als Kellnerin arbeitet, gibt es einen bestimmten Moment, ab dem man irgendwie faul wird. Man verdient das Geld schnell und einfach. Irgendwann entschied ich mich, mir etwas als Journalistin zu suchen. Ich hatte Erfolg. Heute arbeite ich als Redakteurin mit einer Vollzeitstelle. Von den Arbeitsbedingungen können meine spanischen Kollegen nur träumen.

Was mögen Sie besonders an Deutschland?

Ich mag die Stimmung in der Kneipen und in den Straßen. Man fühlt sich sicherer hier. Ich mag auch, daß man hier ab 22 Uhr abends immer noch Alkohol kaufen kann. Zudem gefallen mir das ganze Sozial- und Bildungssystem besser. Ich will, daß meine Kinder hier erzogen werden. Meine Freunde sind der Meinung, daß Spanien pleite ist, weil wir alle faul waren. Ich glaube, daß es viel mit der Korruption zu tun hat. Die Deutschen sagen, es geht nicht, daß Länder wie Spanien nur Schulden mit in die Euro-Zone bringen. Ich kann sie verstehen. Die Dämonisierung Merkels ist eine Art Alibi für die Spanier, um die Fehler nicht bei sich selber zu suchen.

Was gefällt Ihnen hier weniger als in Spanien?

Ich finde die deutsche Bürokratie überflüssig. Es kommt zu kafkaesken Situationen: Ich habe Freunde, die um einem Mietvertrag unterschreiben zu können, eine Meldebe-scheinigung brauchten. Doch die Bescheinigung bekommt man wiederum nur mit Mietvertrag. Bürokratie gibt es überall, aber hier ist es besonderes schlimm. Auch die Wohnungsuche. Ich finde die hier beliebten »WG-Castings« sehr peinlich. Es sieht so aus, als ob man bei Big Brother mitmachen wollte.

Welche Pläne haben Sie für die nächsten fünf Jahre?

Ich will nicht nach Spanien gehen, weil ich denke, daß ich dort nicht solche Arbeitsbe-dingungen bekomme wie hier. Mit einigen Kollegen planen wir, einen Radiosender für Spanier in Deutschland zu gründen.

Patricia López Reus*, 30 Jahre alt, Architektin, seit einem Jahr in Berlin, aus Galicien

Warum sind Sie nach Deutschland gekommen?

Ich und mein Freund waren arbeitslos. Lange Zeit war es für Architekten kein Problem, eine Stelle zu finden. Doch dann kam die Krise. Wir waren schon lange arbeitslos, als Angela Merkel im März 2011 nach Spanien kam und im Fernsehen über Fachkräfte-mangel in Deutschland sprach. Wir konnten zwar am Anfang kein Wort Deutsch, aber wir wollten unbedingt einen Job finden.

Was machen Sie gerade in Berlín?

Momentan lerne ich die Sprache und gebe Spanisch-Unterricht. Ich habe schon sechs Monate als Praktikantin in einem Architektenbüro in Berlin gearbeitet. Die Firma bezahlte mir 300 Euro pro Monat. Meine Ersparnisse sind aufgebraucht. Meine Eltern haben mir auch geholfen. Ich wußte schon, daß die Firma mich ausbeuten wollte, aber ich habe kein besseres Angebot gefunden. Als Kellnerin hätte ich mehr verdient. Aber es gibt schlimmere Fälle. Ich kenne zwei spanische Architekten, die hier schon seit Monate für umsonst arbeiten, bei großen Architektenbüros, die an Wettbewerben teilnehmen.

Was mögen Sie besonders an Deutschland?

Die Deutschen sind viel ruhiger als die Spanier. Das paßt besser zu meinem Charakter.

Was gefällt Ihnen hier weniger als in Spanien?

Die Deutschen sind sehr seriös. Auch das Wetter ist schlecht, aber ich dachte, daß es schlimmer wäre. In Galicien ist es sowieso nicht so warm wie Südspanien.

Welche Pläne haben Sie für die nächsten fünf Jahre?

Ich würde gerne hier in Deutschland eine Arbeit als Architektin in einem Büro finden. Ich und mein Freund suchen gerade in anderen Städten wie München oder Frankfurt. Dort scheinen die Chancen besser zu sein. Wahrscheinlich werden wir in fünf Jahren nicht mehr in Berlin leben.

* Name von der Redaktion geändert. Patricia schämt sich für ihre Situation so sehr, daß sie weder ihren Namen noch ein Foto von sich in der Zeitung sehen wollte.

Andrés Anca Couca, 28 Jahre alt, Dr.-Ing. für Maschinenbau, vier Jahre in Berlin, aus Galicien

Warum sind Sie nach Deutschland gekommen?

Ich kam hierher, bevor die Krise ausbrach. Ich wollte andere Universitäten und Kulturen kennenlernen. Hier sind die Unis auch technisch besser ausgestattet als in Spanien.

Was machen Sie gerade in Berlin?

Ich habe in Vigo, Galicien, studiert und war als Austauschstudent in Holland. Vor vier Jahren bekam ich die Chance, in Deutschland meine Doktorarbeit mit einem spanischen Stipendium zu schreiben. So kam ich zum Institut für Energie und Technik an der Technischen Universität Berlin. Seit September habe ich die Arbeit abgeschlossen, mit Auszeichnung. Ich forsche zur Erzeugung von Energie aus Biomasse, vor allem aus Holz.

Was mögen Sie besonders an Deutschland?

An Berlin gefällt mir das aktive kulturelle Leben. Auch was die Fächerwahl an der der Universität angeht, gibt es hier mehr Möglichkeiten als in Spanien.

Was gefällt Ihnen hier weniger als in Spanien?

Ich finde Deutschland sehr dunkel. Die theoretische Ausbildung ist an spanischen Unis besser als hier. In Deutschland ist alles sehr praxisnah. Das muß an sich aber nicht negativ sein, da die Studenten auch besser vorbereitet sind, um ihre Kenntnisse einzusetzen.

Welche Pläne haben Sie für die nächsten fünf Jahre?

Jetzt gehe ich nach Graz in Österreich. Ich werde dort die nächsten sechs Jahre meinen Post-Dok machen. Ich glaube, daß es dort stabiler ist. Ich habe aber nicht versucht, hier einen ähnlichen Vertrag zu bekommen. Die Idee, irgendwann in Galicien arbeiten zu können, will ich aber nicht aufgeben. Ich bin in Kontakt mit einer Abteilung der Universität von Vigo, aber sie besetzen gerade keine Stellen. In Spanien wird im Moment auf allen Feldern gespart, aber in der Wissenschaft sind die Kürzungen viel drastischer als in allen anderen Bereichen. Da sind 35 Jahre alte Menschen, die immer noch nur tausend Euro pro Monat bekommen und keine Aussicht darauf haben, daß ihre Situation besser wird.

Quelle: jungewelt.de vom 26.01.2013

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