
Die Wachstumsraten in Bakken sinken, Landverkäufe gehen zurück, neue Meinungen zum Fracking tauchen auf.
Seit 2005 ist die konventionelle Ölförderung auf diesem Planeten auf einem Niveau angekommen, auf dem sie sich nicht mehr steigern lässt. Dass die Ölbereitstellung dennoch weiter wächst, kommt allein aus der Anwendung unkonventioneller Förder-techniken und hier insbesondere vom Ölsand-Abbau in Kanada und dem Fracking in den USA.

Bakken: Fracking-Dorado in den USA am Scheideweg
Es mehren sich die Anzeichen, dass der Fracking-Boom in den USA an Schwung verliert. Am deutlichsten wird dies im Bakken-Areal, dem derzeit bedeutsamsten Fördergebiet für unkonventionelle Techniken. Es liegt im US-Bundesstaat Nord-Dakota. Noch im Dezember 2007 lieferten Förderungen in Bakken 1 Million Barrel Öl, im Mai 2013 wurden bereits 23 Millionen Barrel gefördert. Um diese Ausbaustufe zu erreichen, wurden im gleichen Zeitraum 5300 Bohrungen gesetzt. Sowohl die Fördermenge wie auch die Zahl der Bohrungen nahmen exponentiell zu:


Um die Förderung von Bakken wie in den vergangenen Jahren weiterhin exponentiell zu steigern, müsste die Zahl der Bohrungen ebenfalls exponentiell zunehmen. Doch genau deren Wachstumsdynamik schwächt sich ab, wie ein Blick auf die Wachstumsraten zeigt:

Es liegt in der Natur exponentiell ablaufender Prozesse, dass es umso schwieriger wird den nächsten Zuwachs herbeizuführen, je höher das erreichte Niveau ist. Sinkende Wachstumsraten sind daher ein sehr natürliches Phänomen. Nur: Wenn die Bohrungen in Bakken sich nicht schnell genug ausweiten lassen, wird die Ölförderung bald wieder sinken. Sie wird nicht nur auf hohem Niveau stagnieren, sondern sehr schnell wieder abfallen, weil jede einzelne Bohrung am ersten Tag ihr Tagesfördermaximum erreicht und die geförderten Tagesmengen in der Folge sehr schnell sinken (decline). Nach einem Jahr fördern die meisten Fracking-Quellen 40% weniger als am ersten Tag und nach 3 Jahren liegt der Output bei nur noch 10% des Anfangsoutputs.
Um die Gesamtförderung im Bakken-Areal zu steigern, müssten also ausreichend viele Bohrungen gesetzt werden, um den Förderrückgang der bereits existierenden Bohrungen auszugleichen plus Bohrungen, die die Gesamtförderung steigern. „Die Decline-Kurve schläft nie“, hat der Chef von Corelabs, David Demshur, kürzlich gesagt und ergänzt: „Die Decline-Kurve gewinnt immer.“ Um die Steigerungsraten in der Ölförderung, die von 2011 zu 2012 erreicht wurden, auch von 2012 zu 2013 wieder zu erreichen, müssten nach seiner Rechnung in diesem Jahr über 4.000 neue Bohrungen gesetzt werden. Diese Zahl entspricht fast der Zahl an Bohrungen, die in den Jahren 2009 bis 2012 zusammen gesetzt wurden.
Die Zahl der Bohrungen in Bakken steigt, doch die Fördermenge pro Bohrung nimmt seit kurzem kontinuierlich ab. Auch die zusätzliche Förderung pro neu gesetzter Bohrung sank 2012 gegenüber dem Vorjahr:

Woraus sich schließen lässt: Entweder lässt die Qualität der neuen Bohrungen spürbar nach oder die Fracking-Teams kommen nicht schnell genug voran und zu viele Bohrungen bleiben vorerst trocken. Auf jeden Fall ist die Entwicklung längst nicht mehr so dynamisch und dies ist beachtlich denn: Eigentlich ist dieser Hype gerade einmal 5 bis 6 Jahre alt. Und bereits jetzt zeigen sich seine Grenzen.
Wie diese Technologie die globale Ölversorgung über das Jahr 2020 weiter steigern lassen soll, erscheint zunehmend fraglich.
Es hat sich ausgebohrt…
Quelle: heise.de vom 04.09.2013
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