Scientology: Gehirnwäsche, Schwerstarbeit und Misshandlung

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Der Pulitzer-Preisträger Lawrence Wright nimmt die Scientology-Sekte unter die Lupe und deckt dabei Strukturen, Ideologien und Machtmissbrauch auf. Jenna Miscavige Hill liefert dagegen einen emotionalen Insider-Bericht eines Scientology-Opfers.

„Einer der beiden reichte mir ein Blatt Papier mit dem Wappen der ‚Sea Org‘, dem Wort Revenimus in der Kopfzeile und mit Linien für Datum und Unterschriften in der Fußzeile. ‚Was heißt Revenimus?‘, erkundige ich mich neugierig. ‚Das ist lateinisch und heißt ‚Wir kommen wieder‘, erklärt die Anwerberin. Sichtlich erfreut, eine mögliche Kandidatin zu belehren, erklärt sie mir weiter, dass dies das offizielle Motto der Sea Organization war.

(Foto: Blick auf den Eingang des Scientology-Hauptquartiers in Berlin)

‚Wohin kommen wir denn wieder?‘, fragte ich. ‚Leben für Leben‘, erklärte sie. ‚Du unterzeichnest hier einen Vertrag, der eine Milliarde Jahre gültig ist.‘ ‚Ach so‘, sagte ich und erkannte, wie dumm und unwissend meine Frage geklungen haben musste.“

Jenna Miscavige war keine sieben Jahre alt, als sie diesen folgenreichen Vertrag, quasi für die Ewigkeit, unterzeichnete. Sie hatte keine Angst, sondern war stolz darauf. Schließlich waren sowohl ihre Großeltern als auch ihre Eltern bei Scientology. Und so erzählt die heute 29-Jährige sehr unaufgeregt aber dennoch eindringlich, was ihre „Kindheit“ bestimmte.

„Die Liste der Pflichten und Prozeduren war endlos, und das Resultat dieser unzähligen Maßnahmen, Formulare und Regeln war, dass es auf der Ranch keine Kinder mehr gab, sondern nur noch kleine Erwachsene.“

Um kurz nach sechs klingelte der Wecker. Der gesamte Tag war minutengenau unterteilt: Erst ein morgendlicher Appell mit Kontrolle der Kinder und Schlafräume, danach viel harte körperliche Arbeit, etwas Schule und sehr viel scientologisches Büffeln bestimmten die Tage der kleinen Erwachsenen. Dazu wurde jedem Kind noch eine spezielle Aufgabe übertragen. Die siebenjährige Jenna Miscavige wurde ein „medizinischer“ Verbindungs-offizier, und war damit für die Gesundheit der anderen zuständig. Waren viele Kinder krank, wurde das Jenna angekreidet. Wer seine Aufgaben nicht erfüllte, dem drohten Strafen:

„Im schlimmsten Fall musste man in den sogenannten Schweinestall. Das bedeutet, dass man auf einer alten Matratze im verfallenen Big House schlafen musste, wo es Fleder-mäuse gab.“

Doch im Laufe der Jahre regte sich Widerstand in dem Mädchen. Der Kontakt zu den Eltern wurde streng reglementiert: Nur zweimal durfte sie sie für einige Stunden sehen – zweimal innerhalb von sechs Jahren. Statt Elternliebe gab es viele Regeln, Vorschriften und immer wieder Strafen.

„Das ist für mich das größte Mysterium dieser Kirche: Die Anziehungskraft, die sie auf ihre Mitglieder ausübt, sogar auf solche, die sich unterdrückt oder eingeengt fühlten.“

Lawrence Wright hat Dutzende Ex-Scientologen befragt und auch mit Jenna Miscavige gesprochen. Es brauche schon viel Zeit, bis ein Scientologe die Organisation verlasse, sagt er. Und: Es sei unglaublich, welche Strafen und Erniedrigungen selbst die Mitglieder der Führungscrew, also der Sea Org, über sich ergehen ließen.

„Sicherlich gibt es eine ‚Kultur der Misshandlungen‘ in den höchsten Kreisen der Kirche. Und nach allem, was ich von ehemaligen Führungskräften darüber gelernt habe, ist der Ursprung dieser Misshandlungskultur der Kirchenführer, David Miscavige. Ich habe mit vielen Leuten gesprochen, die mir erzählt haben, dass sie von ihm körperlich misshandelt worden sind.“

Während das Buch von Jenna Miscavige wie ein sehr guter Krimi daherkommt und inner-halb kürzester Zeit verschlungen ist, braucht es etwas mehr Zeit um Lawrence Wrights Werk zu lesen: Denn die vorgelegte Menge an Fakten ist geradezu erschlagend. Der Journalist hat akribisch alles zusammengetragen, was er über Scientology herausfinden konnte. Hier die Daten, die Scientology nennt, und dort der Gegenbeweis von Wright.

Jede Behauptung belegt er mit Quellen in Fußnoten. Seite um Seite entzaubert er so die „moderne Kirche“, belegt Intrigen, Ränkespiele, und körperliche Misshandlungen. Den jahrelangen Kampf von Scientology gegen die amerikanischen Steuerbehörden, der schließlich in einem Vergleich mündete, hat Lawrence Wright genauso nachgezeichnet wie die Rolle des Schauspielers Tom Cruise innerhalb des Kirchengeflechts. Am meisten berührt hat den gestandenen Journalisten aber etwas anderes:

„Was mich am meisten überraschte und aufregte, war die Behandlung der Kinder in der Sea Org, der Führungsspitze der Kirche. Wie oft werden sie sehr jung für die Sea Org rekrutiert, viele von ihnen schließen mit dem Rest der Welt ab und haben kaum andere Erfahrungen. Ich denke, sie werden in einem unglaublich jungen Alter dazu aufgefordert, den Rest ihres Lebens wegzuwerfen. Und das lange bevor sie eigentlich verantwortlich für solche Entscheidungen sein sollten.“

Lawrence Wright ist übrigens auch der Autor eines Buchs über die Terroranschläge vom 11. September 2001 – dafür erhielt er 2007 den Pulitzerpreis. Dass er sich nun einer um-strittenen Organisation wie Scientology widmet, ist für ihn kein Widerspruch: Er will herausfinden, warum Menschen glauben. Was sie antreibt, dafür alles aufzugeben, bis hin zum Selbstmord. Dass er darauf keine abschließende Antwort gefunden hat, verwundert nicht. Allerdings, so sagt er, sei in ihm die Überzeugung herangereift, dass selbst eine extreme politische Einstellung nicht so einen starken Einfluss auf das Leben eines Einzelnen habe wie die Religion und der Glauben.

„Menschen, deren religiöser Glaube sehr ausgeprägt ist, werden davon auch in ihrem täglichem Leben und Verhalten beeinflusst. Im übergeordneten Sinn bedeutet das, dass eine Kultur, die stark auf eine Religion ausgerichtet ist, davon im Guten wie im Schlechten geprägt werden kann. Das ist zu einem großen Teil meiner journalistischen Arbeit geworden, zu beobachten, wie Religion das Individuum und die Gesellschaft verändert.“

Ob Scientology nun tatsächlich eine Religion ist oder nicht, spielt für den Journalisten letztlich keine Rolle. Dass einzige, was zähle, meint er, sei, dass Menschen daran glaubten. Und das machen wohl immer noch Tausende Scientologen weltweit – wie viele es genau sind, noch nicht einmal diese Zahlen wollte die Organisation dem Journalisten zur Verfügung stellen. Dafür wurde auf eine andere Art und Weise zum Autor der Kontakt gepflegt: in Form von Anwaltsbriefen und Klagen. Und, weiß er noch wie viele Klagen das waren?

„(Lachen) Nein, es gab regelmäßig Post von den Anwälten der Kirche, auch von anderen Leuten. Lassen Sie es mich so sagen: Es gab viele, viele Klagen.“

Lawrence Wrights Buch basiere auf Fiktion, statt auf Fakten, schreibt Scientology, auf einer eigens errichteten Anti-Internetseite zum Buch. Und Jenna Miscavige wolle ja nur Profit aus der Verwandtschaft zum Scientology-Chef ziehen, heißt es als Reaktion auf ihr Werk. Lesenswert sind beide Bücher: Wer sich an das Thema Scientology erst einmal herantasten möchte, bekommt mit dem Buch von Jenna Miscavige Hill einen guten und emotionalen Eindruck davon, wie diese „Religion“ ganze Existenzen gefährdet, um nicht zu sagen: vernichtet. Einen umfassenden Einblick in Geschichte – von der Gründung bis heute – Wachstum und Niedergang, Skandale, Einfluss auf Politik und in Hollywood, liefert das Buch von Lawrence Wright: nüchtern und sachlich in der Sprache, gelegentlich mit ganz trockenem Humor gewürzt.

Wer das Buch gelesen hat, mag eines auf jeden Fall nicht mehr glauben: dass Scientology „nur“ eine Religion ist.

Quellen: AP/dradio.de vom 02.09.2013

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21 comments on “Scientology: Gehirnwäsche, Schwerstarbeit und Misshandlung

  1. Im realen Leben macht glaubt man einigen Menschen eher, als anderen, einfach weil man sie vor Augen hat und ihre Seriösität einschätzen kann. Im Internet oder bei Büchern etc. fehlt diese Einschätzung oft leider bzw. ist gar nicht möglich. Bevor man Mr. Wriong äh … Mr. Wright auch nur ein Wort über Scientology glaubt, sollte man sich diese Website anschauen: http://www.lawrencewrightgoingclear.com/

  2. Anscheinend sind Scientology-Aussteiger in Deutschland eine Mangelware. Deshalb bedient man sich Aussteigern aus den USA, die widerum nichts Neues zu berichten haben.

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