
Fukushima und andere tickende Zeitbomben.
Die Radioaktivität am japanischen Unglücks-AKW Fukushima steigt weiter. In neuen Proben, die der Betreiber Tepco am Donnerstag aus einem Testbrunnen an der Meeresküste entnommen hat, wurden Werte von 2,7 Millionen Becquerel pro Liter gemessen, wie die Agentur Kyodo meldet.
Seit einer Woche sei Strahlungsbelastung deutlich gestiegen: Am 9. Januar waren es 2,2 Millionen Becquerel pro Liter gewesen, hieß es. In den neuen Proben sei ein beispiellos hoher Gehalt an Strontium-90 nachgewiesen worden.
Roboter entdeckt Wasserleck in Reaktor 3
Am Samstag meldete ein Angestellter gegen 14:40 Uhr, dass die Kamera eines Roboters, der zur Räumung von Trümmern in Reaktorgebäude 3 eingesetzt wurde, Aufnahmen eines großen Wasserlecks innerhalb des Gebäudes machte.
Die Aufnahmen zeigen eine etwa 30 Zentimeter breite Öffnung, aus der kontinuierlich Wasser dringt und über einen Schacht offenbar in das Kellergeschoss des Gebäudes gelangt. Seit der Einspeisung von Wasser zur vergeblichen Kühlung des Reaktors, hatte sich dort stark radioaktives Wasser angesammelt. Einen Austritt in die Umwelt gibt es nach Betreiberangaben nicht.
Wie hoch die Belastung mit radioaktivem Material bei dem nun entdeckten Leck ist, wird derzeit ermittelt. Die Umgebungsluft im Leckbereich weist eine Strahlung von 30 Milli-sievert pro Stunde auf. Bei der Ursachenforschung greift das Unternehmen auf die Analyse von Aufnahmen der Kamera zurück.
Die Messwerte des Reaktors – Temperatur, Wassereinspeisung etc – weisen nach Angaben von Tepco keinerlei ungewöhnliche Daten auf.
Das Strahlungsniveau im untersuchten Bereich ist sehr hoch, so dass keine direkte Prüfung an der Leckstelle erfolgen kann.
Ersten Angaben zufolge vermutet Tepco eingedrungenes Regenwasser als Quelle des Lecks. Der Kraftwerksbetreiber nannte in der Vergangenheit Regenwasser auch als Grund für die regelmäßige Dampfentwicklung über Reaktor 3.
Googlemap zeigt weltweit gefährdete AKW – Fukushima und andere tickende Zeitbomben
Weltweit versorgen über 440 Reaktorblöcke in 30 Staaten die Welt mit Strom. Das Unglück von Fukushima im März 2011 rüttelte die Regierungen vieler Länder wach, die aus Angst vor einer möglichen nuklearen Katastrophe sogenannte Stresstests für ihre Kernkraftwerke anordneten. Die Katastophe von Tschernobyl wurde wieder gegenwärtig – die Öffentlichkeit diskutierte mögliche Parallelen zu dem Reaktorunfall aus dem Jahr 1986 in der Ukraine. Verdrängt aus dem kollektiven Gedächtnis waren Beinahe-GAUs, zum Beispiel in der Kernkraftanlage Three Mile Island (US-Bundesstaat Pennsylvania) im Jahr 1979. Dort kam es ebenfalls zu einer partiellen Kernschmelze.
Fukushima war nicht neu – und doch war es anders. Der Unfall in Japan zeigte, dass nicht nur menschliches Fehlverhalten und technisches Versagen ein schwer kalkulierbares Risiko sind. Noch schwieriger einzuschätzen, ist die Natur. Und ein Beben kann jegliche Risikobewertung und erdbebensicher geglaubte Gebäude zerstören.
Überall finden sich tickende Zeitbomben
Weltweit wurden etliche Kernkraftwerke in geologisch komplexen Regionen gebaut, wo mehrere Erdplatten aufeinander treffen und starke Beben auslösen könnten. Neben Japan sind vor allem Indonesien und Taiwan akut gefährdet – beide Länder planen jedoch den Bau von weiteren Atommeilern. In Kalifornien liegen zwei AKW direkt an Verwerfungs-linien. Geologen prophezeien für diese Region Megabeben.

Die Googlemap gibt einen Überblick die Kernkraftwerke (blau), die in geologisch gefährdeten Regionen stehen. Zusätzlich sind die Erdplatten markiert. Die blauen Linien zeigen die Subduktionszonen auf. An dieser Stelle schiebt sich eine Kontinentalplatte unter die andere. In der Folge entstehen starke Erdbeben und verheerende Tsunamis wie in Japan. Außerdem: In Rot markiert sind die AKW aufgeführt, in denen es zu größeren Unfällen kam.
Farblegende:
• Rot: Hier findet eine Ozeanbodenspreizung statt. Die ozeanischen Platten wandern auseinander. Durch das Magma, das zwischen den Platten aufsteigt, entsteht neue Erdkruste. An den Grenzen dieser divergenten (auseinander driftenden) Erdplatten herrscht häufig eine hohe vulkanische Aktivität.
• Grün: Ozeanische Transformationsstörungen. Hier schieben zwei Erdplatten anein-ander vorbei. Wenn sie sich ineinander verhaken, bauen sich starke Spannungen auf, die sich in Erdbeben entladen.
• Orange: Grenze von konvergenten (aufeinander zu driftenden) Erdplatten. Ozeanische Platten haben eine höhere Dichte als kontinentale, deshalb sind sie schwerer und schieben sich unter die kontinentalen. Verhaken sich die Gesteinsmassen ineinander, bauen sich große Spannungen auf und laden sich in Beben ab.
• Blau: Subduktionszonen. Sie entstehen an den Grenzen von konvergenten Erdplatten.
• Türkis: Hier finden sich kontinentale Riftzonen. Durch tektonische Dehnungszonen entstehen Grabenbrüche.
• Weiß: Grenze von konvergenten Kontinentalplatten.
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Video: Fukushima – Hintergründe, Lage und Aussichten: Vortrag von Kazuhiko Kobayashi am 5.11.2013 in Potsdam
Inzwischen ist es auch „offiziell“, denn jetzt, zwei Monate nach dem Vortrag in Potsdam, hat die zweitgrößte Zeitung Japans und der Welt, Asahi Shimbun, einen Arbeiter zu Wort kommen lassen, der am Ort der Katastrophe gefährlichste Arbeiten ausgeführt hat: Japans Atompolitik geht über Leichen.
Wegen kleinlichster Gewinnmöglichkeiten spart die Betreiberfirma Tepco noch immer an einzelnen Schrauben, lässt Lecks weder sicher noch dauerhaft abdichten, verwendet gar Klebefolien, und ist damit zum größten Sicherheitsrisiko für die Geschicke des Landes und der Welt geworden.
Schon bei der Errichtung der japanischen Atomkraftwerke hatte Tepco aus reiner Geld-gier billige Technik zugekauft, die laut Produktbeschreibung nicht für den Betrieb in erdbebengefährdeten Gebieten zugelassen war. Besorgte Nachfragen der Lieferanten hatte Tepco seinerzeit abgewürgt.
Die tatsächliche radioaktive Verseuchung durch Fukushima gefährdet nicht nur einzelne Landstriche in Japan oder die ganze Insel, sondern inzwischen den ganzen Globus. Die Sicht eines Japaners aus Tokyo, der eigene Strahlenmessungen anfertigte.
Quellen: PRAVDA TV/FocusOnline/Ria Novosti/spreadnews.de vom 18.01.2014
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