Hilft Youtube Kriegsverbrechen zu vertuschen? (Video)

falludscha-november-2004

Wenn von Youtube Videos gelöscht werden, lautet die Rechtfertigung meist, dass es sich um eine Verletzung des Copyrights handle. Genau so geschah es mit Feurat Alanis schockierendem Dokumentarfilm, in dem ein eindeutiger Verstoß gegen die Genfer Konvention Behandlung findet.

Es geht sowohl um den illegalen Einsatz von Brandbomben durch die US-Streitkräfte in der Schlacht um Falludscha, 2004, als auch um die Verwendung von Uranmunition. Christopher Busby, irischer Biomediziner und Professor an der Universität Ulster, dem es gelang, nicht nur ab-, sondern auch angereichertes Uran in Falludscha nachzuweisen, vermutet, dass Youtube das Video deswegen löschte, um insbesondere Amerikanern Informationen über die Vorgangsweise ihrer eigenen Regierung zu verheimlichen. Sonderbarerweise, in arabischer Sprache ist genau diese Dokumentation seit zwei Monaten verfügbar.

In Falludscha kommt jedes fünfte Baby mit Missbildungen zur Welt. Die internationale Presse schweigt. Dem engagierten irischen Professor ist es jedoch gelungen, die Verwendung von Uranmunition in der erbitterten Schlacht um Falludscha nachzuweisen. Nicht nur The Intelligence hat darüber berichtet, auch bei Wikipedia findet sich ein Hinweis.

In einer kurzen Videobotschaft erklärte Christopher Busby kürzlich, dass es nicht länger als zwei Minuten gedauert hätte, bis Feurat Alanis erstklassige Dokumentation, „Falludscha, eine verlorene Generation“ (in englischer Sprache, Originaltitel: „Fallujah, A Lost Generation“), von Youtube gelöscht war. Bei Vimeo funktionierte es jedoch und unter folgendem Link ist sie – noch – abrufbar:

Die Dokumentation berichtet über den Widerstand in Falludscha, der durch brutale Gewalt gebrochen wurde. Und bis heute ist es Menschen, auch Irakern, die über keinen Wohnsitz in Falludscha verfügen, nur mit Sondererlaubnis möglich, die zerbombte Stadt zu besuchen.

Schon der Beginn des Videos schockiert. Nicht nur der Zahl der noch immer zerstörten Häuser wegen, sondern insbesondere die Bilder missgebildeter Säuglinge regen die Gemüter. Und, so erklärt Alani, es ist jedes fünfte Baby, das mit meist unbehebbaren Schäden zur Welt kommt. Woran liegt es?

Alani setzt sich mit dem Einsatz von Phosphorbomben auseinander. Weißer Phosphor.

Die Waffenkonvention von 1980 (Exakter Wortlaut: Konvention über das Verbot oder die Beschränkung des Einsatzes bestimmter konventioneller Waffen) untersagt in Protokoll III unmissverständlich den Einsatz von Brandbomben gegen Menschen. Ein ehemaliger US-Soldat kommt zu Wort, der sich schon während der Angriffe fragte, ob dies überhaupt legal sei. Sein Vorgesetzter klärte ihn auf, dass Weißer Phosphor nur zum „Zwecke der Beleuchtung“ Verwendung fände. Ein irakischer Totengräber verfügt über Fotografien von 500 Leichen, die zweifelsfrei Opfer von Phosphorbomben waren.

„Ich fühle mich wirklich schuldig. Ich weiß, wie viele Menschen wir ermordet haben“, erklärt Ross Caputi, der zitierte US-Soldat, der kurz nach der Schlacht um Falludscha der US-Armee den Rücken kehrte und seitdem Vorträge über die Brutalität dieses Krieges hält.

Der Presse gegenüber erklärte die US-Armee im folgenden Jahr sogar, Weißen Phosphor bewusst zur Bombardierung der Stadt eingesetzt zu haben, wodurch ein klarer Verstoß gegen die Genfer Konvention eingestanden wurde. Doch nur wenige Medien, wie der Guardian oder The Independent, berichteten darüber.

Und was sagt die irakische Regierung zu diesen Verbrechen? Nicht viel, denn wir wissen, von wem diese eingesetzt wurde. Einige Zivilisten kommen zu Wort. Erzählen, wie ihre Häuser Bomben- und Raketenangriffen zum Opfer fielen. Eine Frau zeigt das Geschwür am Rücken ihres Sohnes, der ein Jahr nach der erbitterten Schlacht geboren wurde.

Auch Prof. Christopher Busby erzählt von seinen Erfahrungen. Ihm persönlich wurde keine Erlaubnis erteilt, seine Recherchen in Falludscha durchzuführen. Er heuerte Ein-heimische an, die der Bevölkerung Fragen stellten. Und die Marionettenregierung ließ durch die Medien Warnungen verbreiten, dass es sich es bei Busbys Helfern um Terroristen handle, und jede Zusammenarbeit zu unterlassen sei.

Trotzdem gelang es ihm, genügend Daten zu sammeln, um die erschreckende Situation der Bevölkerung von Falludscha zu beleuchten. Es gibt 38 Mal mehr Fälle von Leukämie als in Ägypten. Brustkrebs tritt 10 Mal häufiger auf und Krebs bei Kindern 14 Mal. Wobei Busby die wahre Ursache für die Seuche nicht im verwendeten Weißen Phosphor erkennt, sondern im Uran, wie er durch Erd- und Wasserproben, aber auch durch Haare der Be-wohner eindeutig belegen kann. Busby zufolge sind die Auswirkungen schlimmer als nach 1945 in Hiroshima.

Das Filmteam spricht mit Doug Rokke, einem pensionierten Armeeoffizier. Er erklärt, mit welcher Begeisterung die Wirkung von Uranmunition aufgenommen wurde. Er selbst war Teil einer Gruppe, die einen dieserart zerstörten irakischen Panzer inspizierte. Er ist der einzige der insgesamt 22 Armeeangehörigen, der noch am Leben ist. Und er leidet unter mehrfachem Krebs.

Seine Warnungen blieben ungehört. Das Filmteam bemühte sich erfolglos um offizielle Stellungnahmen durch die US-Streitkräfte. Es erfolgt ein Verweis auf die Webseite des US-Verteidigungsministeriums (Deparment of Defense), auf der Einiges über die Wirkung von abgereichertem Uran nachzulesen ist. Verharmlosend wird erklärt, dass abgereichertes Uran 40 Mal weniger radioaktiv sei als natürlich vorkommendes. Was die Auswirkungen auf die Gesundheit betrifft, findet sich lediglich der Hinweis, dass ent-sprechende Studien durchgeführt wurden und werden. Die Fakten, die sich überall belegen lassen, wo Uranmunition verwendet wurde, werden restlos ignoriert.

Das nächste Gespräch wird mit Bing West geführt, einem ehemaligen hochrangigen Mitarbeiter des US-Verteidigungsministeriums und Autor des Buches „No True Glory“, das sich mit der Schlacht um Falludscha befasst. In einem Interview bezeichnet er die Behauptung, dass Uranmunition negative Auswirkungen auf die Gesundheit hätte, als „Unsinn“. „Eine Bombe ist eine Bombe. Und wäre Uranmunition wirklich gefährlich, dann würden doch auch unsere eigenen Soldaten davon betroffen sein. Und das ist nicht der Fall“, gibt er sich überzeugt. Für das Filmteam war es jedoch kein Problem, eines von vielen amerikanischen Opfern zu finden.

Gerard Matthew diente nicht länger als sechs Monate im Irak und leidet unter den Symptomen von Strahlenerkrankung. Ebenso wie acht seiner Kameraden. Gerards Tochter wurde nach seiner Rückkehr gezeugt. Sie kam mit einer verformten Hand zur Welt – ähnlich wie die Kinder in Falludscha. Allerdings, von offizieller Seite wurde der Zusammenhang nie anerkannt. Und deswegen stehen auch keine offiziellen Statistiken zur Verfügung.

Ein, im Dezember 2006 bei Wire veröffentlichter Artikel berichtet, dass, zumindest zum damaligen Zeitpunkt, 15 Jahre nachdem Uranmunition zum ersten Mal Verwendung fand, bloß eine einzige offizielle Studie vorlag, die an 32 Armeeangehörigen durchgeführt wurde. 32 von insgesamt 900.000, die in beiden Golfkriegen zum Einsatz kamen. Und, wie nicht anders zu erwarten, unter diesen ausgewählten 32 Soldaten fanden sich keinerlei Schäden. Im genannten Artikel wird geschätzt, dass ein Drittel unter den Symptomen von Strahlenerkrankung leidet.

Auch in Falludscha fehlt es an offiziellen Zahlen, denn es ist kein Geheimnis, wer über die Vorgänge im Irak bestimmt. In den restlos überlasteten Krankenhäusern werden die Daten aber trotzdem gesammelt, die deformierten Babys fotografiert, von denen viele bloß wenige Stunden zu leben haben.

Francis Boyle, Professor für Internationales Recht an der Universität von Illinois, erkennt in der Verwendung von abgereichertem Uran sowohl einen Verstoß gegen das Haager Abkommen von 1907 als auch gegen das Genfer Protokoll von 1925, auch wenn Uranmunition selbst bis dato noch keinerlei Erwähnung im Rahmen der Genfer Konvention findet. Er sagt wörtlich: „Bei der Verwendung von abgereichertem Uran handelt es sich eindeutig um ein Kriegsverbrechen!“ Warum es trotzdem eingesetzt wird?

Aus demselben Grund, aus dem von den Vereinigten Staaten auch Landminen gelegt werden. Weil das Pentagon zu mächtig ist, um sich Gesetzen zu unterwerfen. Es sei bloß daran erinnert, dass die USA sich weigern, sich dem Internationalen Gerichtshof zu unterstellen. Nachdem einige Staaten bereits freiwillig auf die Verwendung von abge-reichertem Uran verzichten, schlägt Professor Boyle vor, die USA international zu isolieren. Wenn alle anderen Staaten ein Abkommen unterzeichnen, dann könnte dies auch die Amerikaner dazu bewegen, sich anzuschließen. Es könnte. Doch die Hoffnung ist nicht groß.

Und ganz am Ende der Dokumentation wird eine relativ neu entwickelte Waffe ange-sprochen, bei der es sich um jene Geheimwaffe handeln könnte, die für das Vorhanden-sein von angereichertem Uran in Falludscha verantwortlich ist: AGM-114 – auch „Höllenfeuer-Rakete“ genannt. Der Waffenexperte Dai Williams erklärt, dass ein „geheimes Schwermetall“ als wesentliche Komponente bezeichnet wird. Seiner Über-zeugung nach handelt es sich dabei um Uran. Eine kurze Aufzeichnung von Kampf-handlungen im Irak zeigt den Einsatz dieser „Wunderwaffe“, zeigt Unmengen von radioaktivem Staub, der in die Luft geblasen wird. Zu vernehmen sind die Stimmen begeisterter amerikanischer Soldaten: „See you in fuckn’ hell!“ Dai Williams fügt hinzu: „Sie feiern, sie verstehen nicht, dass sie gerade auf ihren eigenen Krebs der Zukunft blicken!“

Wie Christopher Busby in der anfangs erwähnten Videobotschaft erklärt, berief sich Youtube nach dem Entfernen des Films auf die Rechte, die sich in Händen einer französischen Firma befänden. Bei Eingabe des Suchbegriffes „Fallujah, a lost generation“, findet sich der Film in drei Teilen – in arabischer Sprache ohne Untertitel (mit dem Sendersymbol von Al Jazeera). Auf der Webseite des Produzenten Baozi Prod erscheint ein direkter Link zu Vimeo (Titel der französischen Version: Les enfants sacrifiés de Falluja.)

Wie anfangs bereits erwähnt, bei Vimeo war die englische Version vorübergehend verfügbar.*) Unverständlich bleibt, warum dieser Dokumentarfilm nicht auf allen europäischen Fernsehkanälen – insbesondere den öffentlich-rechtlichen – ausgestrahlt wird. Denn Bürger demokratischer Länder verfügen schließlich über ein Recht auf Information – und zahlen dafür noch dazu Gebühren.

*) Gelöscht am 24. März 2012

Französisch: Die Version in französischer Sprache ist sowohl bei Ubest1 als auch bei Vimeo zu sehen.

Quelle: theintelligence.de vom 26.02.2014

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8 comments on “Hilft Youtube Kriegsverbrechen zu vertuschen? (Video)

  1. „Unverständlich bleibt, warum dieser Dokumentarfilm nicht auf allen europäischen Fernsehkanälen – insbesondere den öffentlich-rechtlichen – ausgestrahlt wird. Denn Bürger demokratischer Länder verfügen schließlich über ein Recht auf Information – und zahlen dafür noch dazu Gebühren.“

    Klar ist das unverständlich, wenn man noch an das Märchen der Demokratie und der souveränen Staaten glaubt… aufwachen, bitte!

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