
Seit 1993 hatte es die US-Regierung hingenommen, dass der Farmer Cliven Bundy alle Anordnungen der Bundesbehörden in einem Streit um Weideland ignoriert und die Bezahlung von Schulden und Strafen verweigert. Am Wochenende wollte Washington mit einem Räumungsbefehl des umstrittenen Geländes und der Pfändung von Vieh zu seinem Recht kommen – und musste unverrichteter Dinge wieder abziehen.
(Foto: Bundys Unterstützer feiern die „gewonnene Schlacht“)
Der Einsatz vom Wochenende war sorgfältig geplant – die Bundesbeamten des Bureau of Land Management (BLM) wussten, dass Bundy die Regierungsvertreter nicht einfach so auf „sein“ Land vorlassen würde. Auch Bundy wusste, was kommen würde. Der Räumungsbefehl ist seit dem 7. März im Internet nachzulesen. Auf dem Blog seiner Familie wurde daraufhin gedroht, die „Viehdiebe“ würden „gehängt“. Die Bundes-behörden rückten am Samstag mit Sondereinsatzkommanden (SWAT) und Hubschrauber an. Doch auch Bundy bekam Verstärkung.
Vier Stunden Nervenkrieg
Die Federal Agents sahen sich bei ihrem Eintreffen auf dem Ranchgelände, das etwa 130 Kilometer nordöstlich von Las Vegas liegt, einer Armee aus Cowboys und rechten Milizen gegenüber. Ungefähr 100 Mann davon waren bewaffnet, viele von ihnen maskiert und in Tarnanzügen und zum Teil mit schweren automatischen Waffen ausgestattet. Insgesamt fanden sich rund 1.000 Menschen ein, die Bundys „Widerstand“ gegen die Bundes-regierung unterstützten. An ihrer Gewaltbereitschaft ließen sie keinen Zweifel.

„Ich bin bereit, den Abzug zu ziehen, wenn auf mich gefeuert wird“, sagte ein schwer bewaffneter Unterstützer Bundys gegenüber einem anwesenden Reporter der Nachrichtenagentur AP. Vier Stunden lang standen die beiden Gruppen einander gegenüber, die Interstate-15-Autobahn wurde aus Sicherheitsgründen gesperrt. Schließlich verhandelte der örtliche Sheriff mit den Bundesbehörden deren Abzug, um eine Eskalation zu vermeiden. Die 300 bereits zusammengetriebenen Rinder aus Bundys Bestand wurden wieder freigelassen.
So viele gute Menschen
„Wegen ernsthafter Bedenken hinsichtlich der Sicherheit der Bediensteten und von Mitgliedern der Öffentlichkeit“ sei die Räumung abgebrochen worden, gab das BLM danach bekannt. Man werde nun nach Wegen suchen, um auf dem Gerichtsweg dem Recht Genüge zu tun. Cliven Bundys Sohn Ammon befand aber: „Wir haben die Schlacht gewonnen.“ Cliven Bundy dankte seinen Unterstützern und sagte, er sei „demütig angesichts der Tatsache, dass es so viele gute Menschen gibt“.
Dass Bundy im Unrecht ist, steht fest. Schon 1993 hörte er damit auf, die üblichen Gebühren für das Weiden seines Viehs auf öffentlichem Boden an die Bundesbehörden zu bezahlen, wie es 16.000 andere Farmer in den USA tun. 1998 wurde für jenes Stück Land überhaupt ein Weideverbot erlassen, um die dort vorkommende bedrohte Art der kalifornischen Gopherschildkröte (Gopherus agassizii) zu schützen. Bundy schuldet der US-Regierung wegen unbezahlter Gebühren und Strafen inzwischen über eine Million Dollar.
Ein Freiheitskämpfer?
Jene Stimmen, die den vermögenden Bundy als opportunistischen Schmarotzer kritisieren, bleiben nun in der klaren Minderheit. Zu gut eignet sich sein „Widerstand“ als Symbol für die Gegner Washingtons im Westen der USA. Bundy sieht die Bunde-sregierung als nicht rechtmäßig an, sondern fühlt sich nur dem „souveränen“ Staat Nevada unterstellt. Dass er und seine Anhänger zugleich wegen ihres Rechts auf Bewaffnung auf das US-Bundesverfassungsrecht pochen, ist nur eine von vielen Ungereimtheiten dabei.
Rechtslastige US-Medien von Fox bis Infowars schilderten die Ereignisse als Pochen auf „Freiheit“ und heroisches „Kräftemessen“ mit dem Staat. Bundy bekommt sogar Unter-stützung von demokratisch gewählten Vertretern des Staates. Der Gouverneur von Nevada, der Republikaner Brian Sandoval, machte die Bundesbehörden für eine „Atmosphäre der Einschüchterung“ verantwortlich und warf ihnen indirekt die Verletzung der Meinungs- und Versammlungsfreiheit vor.
„Das war ein großer Wendepunkt“
David Livingston, im Bundesstaat Arizona ins Repräsentantenhaus gewählt, reiste am Wochenende zur Unterstützung des Farmers eigens auf die Bundy-Farm. Nach dem Abzug der Bundesbeamten jubelte er, der Kampf um Bundys Vieh werde die Abge-ordneten „vereinen“, die sich in den elf westlichen US-Staaten mit „Angelegenheiten der staatlichen Souveränität“ beschäftigen. „Das war ein großer Wendepunkt“, erklärte Livingston gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.
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Verweise:
Quelle: orf.at vom 14.04.2014
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