
Aus Angst um ihr Geld haben am Montag erneut zahlreiche Bulgaren die Banken gestürmt. Staatliche Garantien Bulgariens und eine EU-Kreditlinie von 1,7 Milliarden Euro haben die Lage offenbar nicht beruhigen können. Die Behörden machen Falsch-Informationen im Internet für die Bank-Runs verantwortlich.
Die Chronologie des bulgarischen Banken-Dramas:
*Erster Bank-Run auf die Corpbank
*Verstaatlichung und schlechte Nachrichten für Frankreich und Russland
*Zentralbank vermutet Internet-Kriminelle als Urheber
*Regierung garantiert Spareinlagen und klopft in Brüssel an
*Bank-Run in Bulgarien: EU muss Finanz-System mit Milliarden-Kredit retten
(Bild: In Filialen der First Investment Bank bildeten sich wie am Freitag so auch am Montag erneut Schlangen)
Trotz einer staatlichen Garantie für Sparguthaben haben erneut zahlreiche Bulgaren aus Angst um ihr Geld die Banken gestürmt. In Filialen der First Investment Bank bildeten sich am Montag Schlangen. Der Andrang fiel aber geringer aus als in der vergangenen Woche.
Nach Angaben von Regierung und Notenbank haben Kriminelle über Internet und SMS-Botschaften Falschinformationen verbreitet, um Bürger zum Abheben ihres Geldes zu bewegen. Nach einem Krisentreffen sprach Präsident Rossen Plewneliew am Wochenende die Garantie für Sparguthaben aus. Die EU-Kommission gab grünes Licht für eine Kredit-linie von umgerechnet 1,7 Milliarden Euro des Staates für die Banken.
In Bulgarien war es bereits vergangene Woche zu einem Kundenansturm auf zwei große Banken gekommen: Neben der First Investment Bank als drittgrößtes Geldinstitut des Landes war auch die Nummer vier der Branche betroffen, die Corporate Commercial Bank (Corpbank). Die Zentralbank übernahm daraufhin die Kontrolle über die Corpbank.
An der Börse sorgten die Garantie für Sparguthaben und die Finanzspritze für eine Beruhigung: Nach Kurseinbrüchen in der vergangenen Woche erholte sich die Aktie der First Investment Bank um rund 24 Prozent.
Nach einem Treffen mit Vertretern der Parteien, der Zentralbank und dem Finanz-minister sagte Plewneliew am Sonntag, die Institute würden ihren normalen Betrieb aufrechterhalten. Die Banken seien stabil, würden gut beaufsichtigt und verfügten über genügend Kapital.
„Es gibt keine Bankenkrise“, sagte das Staatsoberhaupt. Er räumte aber eine Vertrauens-krise ein. Bei der Verfolgung der Verantwortlichen müssten die Gesetze voll ausgeschöpft werden. Die Behörden nahmen fünf Verdächtige fest. Einer von ihnen sei wieder frei-gelassen worden.
Auch die EU-Kommission bezeichnete das bulgarische Bankensystem als gut finanziert. Gleichwohl kam die Brüsseler Behörde der Bitte aus Sofia nach, eine Kreditlinie von umgerechnet rund 1,7 Milliarden Euro zu bewilligen.
Diese Maßnahme sei angemessen und notwendig, um in der derzeitigen Lage das Bankensystem mit genügend Liquidität zu versorgen, erklärte die EU-Kommission. Das Geld sei als vorsorgliche Maßnahme zu verstehen, um das Finanzsystem zu stabilisieren. An sich seien Bulgariens Banken aber gut mit Kapital ausgestattet verglichen mit anderen Ländern in der EU.
Obwohl Bulgarien eines der ärmsten EU-Länder ist und Probleme mit Korruption und Vetternwirtschaft hat, gilt das Finanzsystem des südosteuropäischen Landes als stabil. Die Vorgänge im Bankensystem treffen das Land allerdings in einer politisch schwierigen Lage.
Die von den Sozialisten geführte Regierung hat einen baldigen Rücktritt angekündigt. Termin für eine vorgezogene Parlamentswahl ist der 5. Oktober. Plewneliew kündigte an, das Parlament aufzulösen und am 6. August eine Übergangsregierung einzusetzen.
Quellen: dpa/Deutsche-Wirtschafts-Nachrichten vom 30.06.2014
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