
US-Präsident kündigt Luftangriffe auf IS-Stellungen in Syrien an. »Gemäßigte Rebellen« sollen Bodentruppen stellen. Nur wer die sind, weiß keiner.
Barack Obama plant einen Krieg gegen Syrien. Das konnte man schon länger zahlreichen Anzeichen entnehmen. Seit einigen Tagen weiß man es definitiv durch Interview-Äußerungen des US-Präsidenten, durch seine Mitteilungen an führende Kongreß-mitglieder und nun auch ganz offiziell durch seine Rede an die Nation.
Aus der theatralisch vorbereiteten Ansprache, die Obama (Foto vom Gehörnten) am Mittwochabend (Ortszeit) zur besten Sendezeit verlas, konnte man zu diesem Thema allerdings nichts Neues erfahren. Der Präsident sagte sehr viel weniger, als ohnehin schon vorher allgemein bekannt war. Seine Ansprache bestand größtenteils aus einer selbstge-fälligen Darstellung des »Krieges gegen den Terror« als gigantische Erfolgsgeschichte und aus Lobliedern auf die unerläßliche »Führerschaft« der USA über die gesamte übrige Welt.
Was Obama zu Syrien sagte, war lediglich, er werde »nicht zögern«, den sogenannten Islamischen Staat (IS) auch dort anzugreifen. Kein weiteres Wort dazu, weder zum Zeitplan noch zu den geplanten Umständen. Und: Die USA würden ihre militärische Unterstützung der »syrischen Opposition« verstärken. Der Präsident erwähnte in diesem Zusammenhang die von seiner Regierung schon vor Monaten beantragte, aber vom Kongreß noch nicht genehmigte Ausrüstungs- und Ausbildungshilfe in Höhe von 500 Millionen Dollar. Zu der peinlichen, aber wichtigen Frage, wen er mit der »syrischen Opposition« oder den »gemäßigten Rebellen« meint, schwieg Obama indes.
Die von Washington offiziell unterstützte »Freie Syrische Armee« (FSA) jedenfalls ist nach übereinstimmenden Berichten aus verschiedenen Landesteilen militärisch nahezu irrelevant. Mancherorts arbeiten ihre Einheiten aus taktischen Gründen eng mit den Islamisten zusammen und ordnen sich ihnen unter. Vielfach sind aber auch ganze Truppenverbänden der FSA mit ihren Waffen zum IS übergelaufen. Saudi-Arabien und andere Staaten der arabischen Halbinsel haben mit Einverständnis der USA seit Beginn des Bürgerkriegs im Frühjahr 2011 unkontrollierbar große Mengen an Waffen nach Syrien gepumpt. Teils wurde direkt an islamistische Organisationen und Milizen geliefert, teils an die FSA, die aber praktisch nur als Zwischenstation fungierte. Das meiste ist inzwischen beim IS gelandet. Es ist nicht zu erkennen, wie das bei der beabsichtigten Verstärkung der Militärhilfe für »die syrische Opposition« anders laufen könnte.
Sicher ist nur: Obama will den Bock auch weiterhin als Obergärtner beschäftigen. Aus-gerechnet das islamistische Regime der Saudis wird den Stützpunkt zur Verfügung stellen, auf dem die »gemäßigten syrischen Rebellen« in Zukunft von US-Militär- und CIA-Offizieren ausgebildet werden sollen. Das hat Obama, einer Mitteilung des Weißen Hauses zufolge, persönlich in einem Telefongespräch mit König Abdullah vereinbart.
Den »gemäßigten Rebellen« – wer auch immer diese Rolle künftig spielen wird – kommt in Obamas Strategie eine zentrale Rolle zu: Sie sollen die Bodentruppen sein, die mit US-amerikanischer Luftunterstützung in bisher vom IS kontrollierte Gebiete vorrücken. Das kann aber wegen der Schwäche dieser Kräfte nur funktionieren, wenn die USA mit der Androhung weiterer Luftangriffe die syrischen Regierungstruppen davon abhalten, vom IS geräumte Territorien zu besetzten. Deshalb ist bereits die Einrichtung von großflächigen »Schutzzonen« in Nordostsyrien im Gespräch.
Video: Retired Lt. Colonel: Obama Is Arming ISIS to Fight ISIS / Obama bewaffnet erst die ISIS Terroristen um sie dann zu bekämpfen
Video: US-Luftschläge brechen das internationale Recht – wieder mal – und sind wahrscheinlich gegen die syrische Armee gedacht
Quellen: PRVDA TV/EPA/dpa/jungewelt.de vom 12.09.2014
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