Couchsurfing und Wwoofing: Vom Gast zum Freund (Videos)

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Couchsurfing bietet viel mehr als eine kostenlose Unterkunft – das authentische Leben der Anderen / Bei Freiwilligenprojekten wie bei Wwoof können sich Menschen für die Umwelt engagieren. Einen Tag, eine Woche lang oder den ganzen Sommer über.

Couchsurfing:

Es ist früher Donnerstagmorgen. Kathleen Starke lümmelt noch bequem auf ihrer riesigen grauen Couch unter der holzverkleideten Dachschräge. Ihr Chef weiß schon Bescheid, dass sie heute etwas später ins Büro kommen wird: wegen dem Volksfest und wegen ihrer Couch. Diese bietet die 31-Jährige nämlich im Internet an. Nicht etwa zum Verkauf, sondern zum Surfen. Wer für eine Nacht in der Stadt ist und eine Couch zum Schlafen sucht, der kann Kathleen über die Website www.couchsurfing.org kontaktieren und anfragen, ob sie gerade Platz auf ihrem Sofa hat.

Seit 2009 vermietet Kathleen ihre Couch inzwischen für lau. Zuvor reiste sie ein halbes Jahr durch Neuseeland und die USA und kam mit der Welt des Couchsurfings in Kontakt. „Am Anfang hatte ich noch Bedenken und habe nur nach Frauen gesucht, die eine Couch anbieten. Es ist ja doch ein nicht einschätzbares Risiko“, sagt Kathleen, „mittlerweile schaue ich mir die Profile genau an und habe auch schon alleine bei Männern über-nachtet“. Ihre heimische Couch vermietet sie nur, wenn das Bauchgefühl stimmt. Hat sie Magengrummeln, erteilt sie Surfern eine Absage, auch wenn sie gerade Zeit und Lust hat, jemanden aufzunehmen.

„Es gab mal einen Herren, der konnte mir nicht genau sagen, was er eigentlich in Straubing vorhat. Er wäre zufällig in der Stadt und wir könnten ja gemeinsam was kochen oder rausgehen…da hatte ich dann ein schlechtes Bauchgefühl“, erzählt Kathleen. Doch auch wenn das Onlineprofil Vertrauenswürdigkeit ausstrahlt und erste Nachrichten diesen Eindruck bestätigen, wird Kathleen nicht leichtsinnig. Das Schlafzimmer ihrer 74-Quadratmeter-Wohnung ist tabu. Hat sie einen Surfer auf der Couch, schließt sie ab und behält wirklich wichtige Wertgegenstände in ihrer Nähe. Den Flat-screen aus dem Wohnzimmer? „Da muss ich einfach vertrauen. Und schlechte Erfahrungen habe ich noch keine gemacht.“

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Mit Gästen, die nur eine kostenlose Bleibe suchen, kann sie in ihrem privaten Reich nichts anfangen. Zum einen, weil es unter Couchsurfern ungeschriebenes Gesetz ist, ein Gast-geschenk aus der eigenen Heimat mitzubringen. Zum anderen, weil sie Menschen nicht nur beherbergen, sondern kennenlernen will. Kathleen will Menschen und Mentalität erleben, auf fremden Sofas oder mit Fremden auf ihrem Sofa.

„Der perfekte Couchsurfer“, sagt sie, „ist aufgeschlossen, weltoffen, kennt Höflichkeits-normen und hat eine eigene Meinung. Alles andere ist eigentlich zweitrangig“. Kathleen, die bei couchsurfing.com den Spitzname Schnattelkat trägt, diskutiert nämlich gerne. Wer keine Lust hat, sich vor dem Schlafengehen ein, zwei Stunden Zeit zu nehmen und sich bei einem Glas Wein zu unterhalten, der ist in der Straubinger Birkenstraße an der falschen Adresse. „Aber ein gutes Gespräch ist bislang immer zustande gekommen.“

Videos:

Info
Die größte und bekannteste Plattform für Couchsurfer ist die Internetseite www.couchsurfing.org. Jeder, der eine Couch sucht oder anbieten möchte, kann sich hier anmelden und ein Profil anlegen. Mit der Anmeldung geht natürlich keine Verpflichtung einher, auch tatsächlich Surfer aufzunehmen. Das entscheidet jeder Gastgeber individuell anhand des Profil des Surfers, dessen Bewertungen oder nach persönlichem Vorab-Kontakt.

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(Bilder: Voller Einsatz im Alpenpark Karwendel: Ranger Lukas Rinnhofer klettert in den Fels, um nachwachsende Neophyten zu beseitigen. Diese nehmen den einheimischen Pflanzenarten den Lebensraum / Begegnung auf dem Wanderpfad: Die Freiwilligen lernen bei der Arbeit auf der Alm viel über das empfindliche Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur)

Wwoofing:

Freiwilligenprojekte in Österreich oder die Auszeit auf der Alm. Sie reißen Unkraut im Wald aus, pflegen Wanderwege, zählen seltene Tiere oder arbeiten als Senner.

Gegen Mittag werden die Arme langsam schwer. Die Sonne brennt vom Himmel, die Luft ist feucht und schwül – vor allem an den Forstwegen, an denen sich das Indische Springkraut, die Goldrute und der Sommerflieder wie eine Plage ausbreiten.

„Diese Pflanzen sind eingeschleppt, sie sind nicht in unseren Wäldern heimisch“, sagt Lukas Rinnhofer, der als Ranger im Alpenpark Karwendel arbeitet. Und damit diese Pflanzen sich nicht weiter in Kranebitten westlich von Innsbruck ausbreiten, ist er mit einer Gruppe von Freiwilligen im Wald unterwegs, um sie zu entfernen. „Das ist oft das einzige Mittel gegen invasive Arten, die den heimischen Pflanzen den Lebensraum nehmen“, sagt er.

Auch wenn der violette Sommerflieder gut riecht und den Bienen und Schmetterlingen einen Anlaufpunkt bietet – er ist keine Nahrungspflanze für die Insekten. „Der Sommer-flieder überwuchert artenreiche Waldlichtungen innerhalb kurzer Zeit“, sagt Christina Thurner, die in Kranebitten lebt. Sie engagiert sich für den Erhalt der heimischen Arten und rupft in ihrer Freizeit immer wieder Neophyten aus, so der Fachbegriff für ein-geschleppte Arten. Und sie weiß, wo sie stehen.

Der Alpenpark Karwendel schreibt, ebenso wie die anderen Tiroler Naturparks, seine Aktionen für freiwillige Helfer auf seiner Webseite aus – Touristen sind dabei ebenso willkommen wie Einheimische. Da geht es um Neophyten ebenso wie um die Pflege von Biotopen, die Erneuerung von Wegen oder darum, den Flussuferläufer zu beobachten. Auch die Almpflege steht immer wieder auf dem Programm. Das heißt: Weidezäune herrichten, eine Viehtränke bauen, Lawinen aufräumen.

Kühe hüten statt Patienten betreuen

Almhelfer allerdings kann man nicht nur für einen Tag sein – und nicht nur in Tirol. Auf der Amoseralm hoch über Dorfgastein im Salzburger Land etwa arbeitet Jessica Raisch. Die 25-Jährige ist eigentlich in einer Arztpraxis in München angestellt. Doch von ihrem Job hat sie sich über den Sommer eine Auszeit genommen. „Ich wollte auf eine Alm und dort die Arbeit der Sennerin machen“, sagt sie. Auf der Amoseralm heißt das: Kühe melken, jeden zweiten Tag Käse machen, den Streichelzoo pflegen, Wanderer und Radfahrer verköstigen.

Donnerstag ist hier oben ein besonderer Tag: Dann heizt Margarethe Röck, die Oma Greti, den alten Holzbackofen an und richtet schon früh am Morgen den Brotteig in einer großen Wanne her. Sauerteig, ein bisschen Hefe, Roggenmehl, Gewürze – und ordentlich Kraft in den Armen. Das ist das Rezept für ihr Brot.

Die Helfer kneten und kneten, dann geht der Teig in aller Ruhe. Um 12 Uhr übernehmen die Kinder das Regiment. Sie dürfen aus dem hergerichteten Brotteig Schnecken, Mäuse und Brezeln formen – oder was ihnen sonst noch einfällt. Oma Greti verfrachtet die Mini-Brote dann in den Ofen, und nach ein paar Minuten sitzen die Kinder glücklich mampfend an den Holzbänken. Derweil hat sie gut 40 Laibe Brot zu je einem Kilogramm geformt, die sie für etwa eine Stunde in den glühenden Ofen gibt.

Am Nachmittag kommen nur noch vereinzelte Wanderer und Mountainbiker auf die Alm – und dann ist wieder Zeit für die alltägliche Arbeit auf dem Berg. Jessica schläft in einem einfachen Zimmer auf 1075 Meter Höhe und geht nur zu besonderen Gelegenheiten ins Tal. „Genauso wollte ich es“, sagt sie.

Wwoofer gehen auf Biohöfe

Wer sich nicht für einen ganzen Sommer verpflichten will oder nur einen Eindruck davon bekommen möchte, wie es sich fernab von W-Lan und Fernseher lebt, kann auch in Ost-tirol auf einem Bergbauernhof anpacken. Auch hier geht es darum, bei der Feld- und Stallarbeit zu helfen und Butter, Joghurt und Brot herzustellen.

In der Wachau in Niederösterreich helfen die Volunteers bei der Erhaltung des Naturparks Jauerling im Unesco-Welterbe Wachau. Hier lernen sie, wie die Bergwälder, Donauauen, Steinterrassen, Orchideenwiesen und Viehweiden gepflegt werden. Das Besondere beim Projekt Wachau Volunteer: Die jungen Leute, die aus verschiedenen Ländern nach Österreich kommen, werden in einer Schule untergebracht. Camp-Sprache ist Englisch. Zusammen mit einheimischen Teams gehen sie ihre Projekte an.

In ganz Österreich gibt es Höfe, die zur Organisation Wwoof-World wide opportunities on organic farms (deutschsprachig) gehören. Das ist eine weltweite Bewegung von Freiwilligen, die auf bio-logischen Höfen für freie Kost und Logis mithelfen, um Erfahrungen im biologischen Land- und Gartenbau zu lernen.

Die Arbeit der Freiwilligen wird sehr geschätzt, sagt Hermann Sonntag. Er ist Geschäfts-führer des Alpenparks Karwendel, der verschiedene Freiwilligenaktionen organisiert und begleitet hat. Touristen und Einheimischen mache es Spaß, sich zu engagieren und etwas Sinnvolles für die Umwelt zu machen, sagt Sonntag. „Und nebenbei lernen sie noch etwas über die einzigartige Natur.“

Videos:

Quellen: PRAVDA TV/PublicDomain/SpiegelOnline/idowa.de vom 16.09.2014

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