Phytopharmaka: Heilpflanzen und Klostermedizin

Vieles, was wir täglich zu uns nehmen, hat eine heilende Wirkung: Das Pektin im Apfel ist ein echter Darmsanierer, Kaffee kann die Konzentrationsfähigkeit steigern, Thymian kommt bei Husten zum Einsatz und Meerrettich wirkt antibakteriell.

Das Wissen über Heilpflanzen war in Europa lange verloren / Erst Mitte des 20. Jahrhunderts begann man daran zu forschen / Arzneimittel aus Heilpflanzen heißen Phytopharmaka / Heilen oder töten – die Dosis macht das Gift / Manche Heilpflanzen sind vom Aussterben bedroht.

Geschichte der Heilpflanzen

Schon die Jäger und Sammler in der Jungsteinzeit setzten Pflanzen zur Heilung ein: So wurden bei der etwa 5300 Jahre alten Gletschermumie Ötzi Birkenporlinge gefunden. Der Pilz hilft unter anderem gegen Magen-Darm-Beschwerden.

In babylonischen, altägyptischen, indischen und chinesischen Texten tauchen immer wieder Hinweise auf, wie Pflanzen medizinisch genutzt und angebaut werden.

Eines der ältesten medizinischen Schriftstücke ist der sogenannte „Papyrus Ebers“. Er wurde im 16. Jahrhundert vor Christus im alten Ägypten verfasst. Auf knapp 19 Metern Länge finden sich in den Texten des Papyrus ausführliche Beschreibungen von Krankheiten und Anweisungen zu deren Behandlung.

In Europa wurde die Wirkung der Heilpflanzen erst im Mittelalter systematisch erfasst. Mönche und Nonnen katalogisierten in den Klöstern die verschiedenen Pflanzen und bauten sie in den Klostergärten an.

In den folgenden Jahrhunderten drängte die moderne Medizin die Heilpflanzenkunde in den Hintergrund. Je mehr Medikamente sich chemisch herstellen ließen, desto mehr ging das Wissen um die Wirkung der Heilpflanzen verloren.

Erst Ende des 19. Jahrhunderts plädierten der Priester Johann Künzle aus der Schweiz und der deutsche Pfarrer Sebastian Kneipp für eine Rückbesinnung auf die pflanzlichen Heiler.

Doch erst in den 1950er und 1960er Jahren begann die wissenschaftliche Forschung, sich mit Heilpflanzen zu beschäftigen. Und das mit Erfolg: Heute enthalten viele Medikamente wieder natürliche Inhaltsstoffe statt chemisch produzierter Substanzen (Natürliche Antibiotika aus Wildpflanzen und Heilkräutern).

 

Pflanzen als Arzneimittel

Heutzutage gibt es genaue Vorgaben, wie viel Wirkstoff in einem Medikament aus Pflanzen enthalten sein muss. Wissenschaftliche Studien belegen die Wirksamkeit und Nebenwirkungen von Pflanzen.

Heilpflanzen können für viele medizinische Zwecke genutzt werden: Zum einen kann die Pflanze direkt als Medizin genommen werden. Zum anderen gibt es Arzneien, die aus rohen oder zubereiteten Pflanzenteilen – der sogenannten Droge – bestehen.

Die Pharmazie nutzt meist pflanzliche Drogen als natürliche Rohstoffe. Die Inhaltsstoffe dieser Droge werden extrahiert, um daraus ein Arzneimittel herzustellen. Allerdings: Je nachdem, wie ein Wirkstoff extrahiert wird, oder aus welchem Teil einer Pflanze, können unterschiedliche Extrakte gewonnen werden.

Ein phytogener Arzneistoff ist ein bestimmter Stoff einer Heilpflanze, der medizinisch wirksam ist. Ein Phytopharmakon ist schließlich ein Arzneimittel, das aus einer Heilpflanze gewonnen wird und meist mit anderen Hilfsstoffen versetzt wird. Seine Wirkung ist experimentell geprüft und seine Wirksamkeit in klinischen Studien und durch ärztliches Erfahrungswissen nachgewiesen.

Diese Phytopharmaka gibt es unter anderem als Dragees, Tropfen und Tabletten. Damit in jeder Arzneiform auch immer die gleiche Menge an heilkräftigen Pflanzenstoffen enthalten ist, muss der gesamte Herstellungsprozess ständig überwacht werden. Nur so ist eine gleichbleibende Wirkqualität zu gewährleisten (Von wegen Un-Kraut! Unkraut vergeht nicht? Wie wahr! (Video)).

Selbstmedikation

Heilpflanzen sind nur auf den ersten Blick ungefährlich. Viele Pflanzen können in bestimmten Dosen heilen, in anderen Dosen hingegen großen Schaden anrichten. Nur weil etwas pflanzlich oder natürlich ist, ist es nicht frei von Nebenwirkungen. Dieses Missverständnis herrscht leider immer noch zu oft vor.

Zudem kann der Wirkstoffgehalt einer Pflanzenart stark variieren – je nach Pflanze, Jahreszeit oder Erntejahr. Vor allem wer sich nicht auskennt, sollte nicht einfach losgehen und sich seine Heilpflanze im Wald pflücken. Es ist immer ratsam, einen Arzt oder Apotheker zu fragen. Das gilt besonders dann, wenn schon andere Medikamente eingenommen werden oder eine Operation bevorsteht.

Raubbau für die Gesundheit

Heilpflanzen sind beliebt – und leider auch gefährdet. Zehntausende Tonnen werden pro Jahr in Deutschland verbraucht. Damit ist Deutschland in Europa die Nummer eins unter den Nutzern und Händlern von Heilpflanzen.

Viele der Pflanzen, die bei uns besonders beliebt sind, werden in Ländern der Dritten Welt gesammelt. Die Pflanzen werden dort jedoch nicht systematisch angebaut, sondern in der freien Natur wild gesammelt. Extremer Raubbau ist die Folge – vor allem wegen der Unerfahrenheit vieler Sammler, die Pflanzen einfach ausreißen und somit ihre eigene Lebensgrundlage zerstören (Die heiligen Pflanzen unserer Ahnen: Volksmedizin, Pflanzenzauberer und praktische Anwendung).

 

Beispiel Teufelskralle

Die Teufelskralle wächst in Namibia, Botswana und Südafrika. In Deutschland ist die Pflanze wegen ihrer Wirkung gegen arthritische Beschwerden und Rheuma sehr beliebt. Aufgrund der hohen Nachfrage kam es schnell zu einer Übernutzung der Teufelskralle.

Des Weiteren führte unsachgemäßes Sammeln dazu, dass die Teufelskralle schnell vom Aussterben bedroht war. Das wäre jedoch nicht nur ökologisch ein Desaster, sondern es würde auch die Lebensgrundlage der Sammler zerstören.

Inzwischen gibt es Projekte, die auf ein nachhaltiges Ernten der Heilpflanze zielen. So können die Bestände gesichert werden und sowohl die Sammler als auch die Nutzer der Teufelskralle profitieren langfristig davon.

Klostermedizin

Das Wissen der Mönche machte die Klostermedizin in Europa fünf Jahrhunderte lang zum Träger der medizinischen Versorgung. Grund genug für Wissenschaft und Pharmaindustrie, sich auf die jahrhundertealten Erkenntnisse zurückzubesinnen.

Gegen viele Krankheiten ist ein Kraut gewachsen / Ob als Salbe, Tinktur oder Tee – Pflanzen haben heilende Kräfte / Einige Heilkräuter stellen wir Ihnen hier vor.

Echter Alant

Die Wurzel hilft bei Bronchitis, Luftröhrenentzündungen und Dauerhusten. Auch bei Gallen- und Magenschwäche sowie gegen Blaseninfektionen und Entzündungen der Harnwege wurde sie angewendet. Alant ist bereits seit der Antike als Heilmittel bekannt, findet aber heute nur noch selten Anwendung.

Arnika

Arnika war als Arznei schon bei den Germanen bekannt und wurde in der Volksmedizin bei Wunden und Entzündungen, als Kreislaufstimulans und Abtreibungsmittel verabreicht. Heute verwendet man die Blüten in Salben, Tinkturen und Fertigpräparaten äußerlich zur Wundbehandlung bei Prellungen, Zerrungen, aber auch gegen rheumatische Beschwerden.

Augentrost

Schon bei den antiken Ärzten Theophrast und Dioscurides erwähnt, ist der Augentrost ein altes Volksheilmittel gegen Augenerkrankungen. Man verwendet die blühende Pflanze. In der Homöopathie bereitet man aus frischem Kraut eine Tinktur gegen Bindehaut-, Lidrand- und Hornhautentzündung und andere Augenerkrankungen.

Baldrian

Hoch reckt der Baldrian seine schlanken kräftigen Stiele auf denen sich luftige rosafarbene Blüten sanft im Winde wiegen. Kein Wunder, dass er beruhigend auf das Nervensystem und den Körper wirkt.

Anwendung: Bei allen Zuständen von Nervosität, Schlaflosigkeit und vielen psychosomatisch bedingten Krankheiten (zum Beispiel Magengeschwüren oder -krämpfen) kann Baldrian als Tee, Tinktur oder Pulver eingesetzt werden.

Bei Schlaflosigkeit empfiehlt sich vor dem Schlafengehen ein Tee aus Baldrian, Hopfen, Beifuß und Melisse, der in kleinen Schlucken langsam getrunken wird.

Da Baldrian nicht müde macht, kann er auch bei Prüfungsangst eingesetzt werden. Inzwischen gibt es Baldrianprodukte in jedem größeren Supermarkt. Sie können viele Psychopharmaka ersetzen, weil sie nicht nur ungefährlicher wirken, sondern auch nicht süchtig machen.

Beinwell

In der Volksmedizin als „Heilwurz“ sehr bekannt. Beinwell wirkt schmerzstillend bei Verstauchungen, Prellungen, Zerrungen und Sportverletzungen.

Früher wurde Beinwell auch zur Wundheilung bei Hautausschlägen, Furunkeln, Abszessen und den sogenannten „offenen Beinen“ angewendet. Heute ist Beinwell wegen seiner giftigen Anteile bei nicht-intakter Haut nicht mehr gebräuchlich.

Brennnessel

Zu Unrecht wird die Brennnessel als lästiges Unkraut verunglimpft. Sie ist ein Heilkraut, das eine lange Tradition aufweist. Auch in der Küche findet sie nach wie vor Verwendung.

Junge Blätter der Brennnessel sind würzig und etwas herb im Geschmack, mit ihnen verfeinert man zum Beispiel Kalbs- oder Lammgerichte oder auch Salate und Kräuterquark. Typische Brennnesselgerichte sind darüber hinaus Brennnesselsuppe und Brennnesselspinat.

Da die Brennnessel entwässernd wirkt, wird sie gerne bei Gicht, Arthritis und Rheuma eingesetzt. Gegen rheumatische Beschwerden wird die Pflanze auch äußerlich wegen ihrer brennenden Wirkung verwendet. Dadurch werden die entsprechenden Körperstellen gut durchblutet.

Wissenschaftlich erwiesen ist ihre Wirkung bei Harnwegsinfekten. Ihre Wurzel ist erst seit kurzem Gegenstand der Forschung, ihre heilsame Wirkung gegen Prostataleiden eine gesicherte Tatsache.

Brennnesseltee nutzt man zur Durchspülungstherapie: Auf eine Tasse kochendes Wasser kommen ein bis zwei Teelöffel Brennnesselblätter, zehn Minuten ziehen lassen, dann abseihen. Dreimal täglich eine Tasse trinken. Zur Unterstützung der Durchspülung sollte zu jeder Tasse Tee ein Glas Wasser getrunken werden.

Echinacea

Echinacea, zu Deutsch Sonnenhut, stammt ursprünglich aus Nordamerika. Die aufrechten Pflanzenstängel, an deren Ende sich jeweils eine einzelne Blüte befindet, können bis zu 1,40 Meter groß werden.

Der Sonnenhut ist seit Langem als Heilpflanze bekannt. Schon die Ureinwohner Amerikas schätzten die immunstärkende Wirkung der Pflanze. Bei uns ist Echinacea häufig in Form von Saft oder Tabletten zu finden. Auch die Homöopathie setzt Echinacea ein – vor allem zur Behandlung von Infekten.

Eibisch

Es hilft bei Bronchitis, Durchfall, Husten, Luftröhren- und Halsentzündungen, Magen- und Darmschleimhautentzündungen sowie bei leichten Verbrennungen. Es können fast alle Bestandteile des Eibisch genutzt werden: die getrockneten Blüten, die ebenfalls getrockneten Laubblätter und die Wurzel.

Eisenkraut

Das Eisenkraut war früher eine der wichtigsten Heilpflanzen, es wurde sogar zur rituellen Reinigung der Tempel verwendet. Heute wird hauptsächlich sein südamerikanischer Bruder Verbena angeboten. Die europäische Pflanze ist fast in Vergessenheit geraten.

Die Heilwirkung (lindernd bei Bronchitis, Husten, Katarrh der oberen Luftwege, harntreibend, menstruationsfördernd, milchbildend) wird jedoch eher dem europäischen Eisenkraut zugeschrieben, wohingegen die südamerikanische Verbena stärker zitronig schmeckt und daher als Haustee besser geeignet ist.

Estragon

Im Mittelalter verwendete man Estragon gegen die Pest. Der Hauptwirkstoff ist ein ätherisches Öl, weiterhin kommen Bitter- und Gerbstoffe in Estragon vor. Estragon-Tee wird zur Appetitförderung, zur Unterstützung der Magensaftbildung und der Verdauung, zur Anregung des Stoffwechsels und zur Stärkung des Organismus angewendet.

Goldrute

Die Goldrute steht sinnbildlich für das üppige Gelb des Spätsommers. In großen Kolonien wächst sie auf Schotter und an Wegen und lässt die Welt ein wenig leuchten, wenn die Blumen des Hochsommers längst verblüht sind. Ihr Haupteinsatzgebiet in der Heilkunde ist der Nieren-Blasen-Apparat. Sie wirkt stark harntreibend.

Johanniskraut

Viele Stimmungsschwankungen im Winter haben hauptsächlich etwas mit einem Mangel an Sonnenlicht zu tun. Hier springt das Johanniskraut ein. Es ist das wichtigste Mittsommerkraut und sammelt in der Zeit des Hochsommers massenhaft Sonnenlicht, um es in seinem roten Farbstoff zu speichern. Dieser rote Farbstoff gibt uns in der dunklen Jahreszeit das Licht der Sommersonne zurück. Daher ist Johanniskraut das wichtigste Kraut gegen schwächere Depressionen.

Kamille

Die Kamille begleitet uns schon seit der jüngeren Steinzeit. Kamillentee wirkt vor allem bei Magen-Darm-Beschwerden. Warme Umschläge mit Kamillentee und Kamillenbäder heilen Wunden, Entzündungen und Geschwüre. Bei Erkältungen hilft ein Kamillendampfbad.

Königskerze

Die Königskerze sieht genau so aus, wie sie heißt. Majestätisch wächst sie kerzengrade bis zu zwei Meter nach oben und blüht auf einem Großteil ihrer Höhe mit leuchtendgelben runden Blüten. Sie ist eine wichtige und bekannte Heilpflanze bei Husten, vor allem bei Reizhusten.

Lavendel

Lavendel ist ein beliebtes Duftkraut und wird bis heute im Mittelmeerraum auf großen Feldern kultiviert und angebaut. Im 11. Jahrhundert brachten Mönche das Kraut über die Alpen und siedelten es in Mitteleuropa an.

Der Einsatz der Lavendelblüte geht weit über die heilkundliche Verwendung hinaus. Lavendel kommt frisch geschnitten, aber auch getrocknet als Blumenschmuck zum Einsatz. Sein intensives Öl wird in der Parfümverarbeitung genutzt.

Verbreitet ist der Brauch, mit Lavendel gefüllte Stoffsäckchen zwischen die Kleider zu legen. Denn Lavendel duftet nicht nur gut, sondern vertreibt auch Motten und lästiges Ungeziefer. In der Küche kommt Lavendel als aromatisches Gewürz zur Verfeinerung von Fleischgerichten zur Geltung.

In der Klostermedizin wurde Lavendel bei Verbrennungen und Insektenstichen eingesetzt. Bei Kopfschmerzen und Erkältungen hilft Lavendeltee: Ein bis zwei Teelöffel Lavendelblüten werden auf eine Tasse heißes Wasser gegeben, den Tee fünf Minuten ziehen lassen. Entspannung verheißt das Lavendelbad: 100 Gramm Lavendelblüten mit zwei Litern Wasser aufkochen, abseihen, den Badezusatz dem Badewasser zugeben.

Löwenzahn

Der Löwenzahn gehört zu den gewöhnlichsten heimischen Heilpflanzen. Es ist unnötig, ihn extra anzupflanzen, er siedelt sich von alleine an. Obwohl er als Unkraut verschrien ist, kann er vielseitig eingesetzt werden.

In der Küche werden die jungen Blätter als Salat gegessen. Aus den Blüten lässt sich Honig herstellen, während sich seine Knospen wie Kapern einlegen lassen. Sogar die Wurzel wurde benutzt, um Kaffee-Ersatz herzustellen.

In der Heilkunde findet Löwenzahn als Stoffwechsel und Verdauung anregende Pflanze Verwendung. Auch hier wird er als Salat gegessen oder mit zwei Teelöffeln Blätter auf eine Tasse Wasser als Tee getrunken. Löwenzahn wirkt harntreibend, daher gaben ihm die Franzosen den treffenden Namen „pis-en-lit“ (Mach ins Bett!).

Malve

Malventee zeigt Wirkung bei Bronchitis, Ekzemen, Hautentzündungen, Weißfluss, Kehlkopf- und Stimmbänderentzündungen, Magen- und, Darmschleimhautentzündungen, Mund- und Rachenentzündungen.

Mariendistel

Bei Paracelsus wurde die Mariendistel „Frauendistel“ genannt und sollte gegen Rückenschmerzen und Seitenstechen helfen. Man verwendet die Früchte/Samen gegen Leberbeschwerden und allgemein für das Verdauungssystem. Homöopathisch werden Mariendisteln auch gegen Krampfadern verwendet.

 

Melisse (auch: Zitronenmelisse, Bienenkraut)

Die Melisse ist eine Urpflanze der Heilkunde. Zu allen Zeiten wurde das Kraut zu medizinischen Zwecken genutzt. Es war eine Nonne, Maria Clementine Martin, die 1775 den berühmten „Klosterfrau Melissengeist“ erfand. Ursprünglich stammt das Gewächs aus Kleinasien und dem östlichen Mittelmeerraum, wurde aber sehr bald auch bei uns heimisch.

Melisse wirkt gegen Schlafstörungen, Kopfschmerzen und Nervosität. Wissenschaftlich erwiesen ist die Anwendung von Melissenblättern bei Magen-Darm-Beschwerden, die nicht durch organische Krankheiten hervorgerufen sind.

Das Heilkraut nutzt man als Badezusatz oder bereitet daraus den folgenden Tee: Ein Teelöffel Melisse wird auf eine Tasse kochendes Wasser gegeben. Den Tee zehn Minuten ziehen lassen, abseihen. Zwei bis drei Tassen täglich trinken.

Petersilie

Um die Petersilie ranken sich viele Geschichten und Legenden. Schon die Gladiatoren im alten Rom nahmen sie vor Kämpfen ein, da sie glaubten, dass sich das Volumen ihres Bizeps durch die Wirkung der Pflanze verdoppeln würde.

In der Volksmedizin wurde Petersilie lange Zeit als Abtreibungsmittel eingesetzt, während Männer an ihre Potenz steigernde Wirkung glaubten. Seit dem 16. Jahrhundert ist die Petersilie ein beliebtes Küchenkraut.

Wissenschaftlich gesichert ist die heilsame Wirkung der Petersilie gegen Magen-Darm-Beschwerden und als harntreibendes Mittel bei Nieren- und Harnwegserkrankungen. Tee wird mit einem Esslöffel Petersilienkraut und -wurzel auf eine Tasse kochendes Wasser zubereitet. Zehn bis 15 Minuten ziehen lassen und abseihen. Bei einer Entwässerungskur über den Tag verteilt drei Tassen trinken und jeweils zwei Gläser Wasser nachtrinken.

Pfefferminze

Schon den Ägyptern war Pfefferminze als Heilpflanze bekannt. Die kultivierte echte Pfefferminze kann nur durch Stecklinge vermehrt werden. Ihr ätherisches Öl enthält zwei starke Aromatica: Menthol und Menthon. Die getrockneten Blätter helfen als Tee bei Verdauungsstörungen, Magen-, Darm- und Gallenbeschwerden, bei Nervosität, Schlaflosigkeit und Migräne.

Ringelblume

Ihr Ursprungsland ist Ägypten. Seit dem 12. Jahrhundert wird sie in europäischen Gärten kultiviert. Im Mittelalter wurde sie gegen Kopfgrind, Tierbisse, gemischt mit Ingwer als Magenmittel und bei Erkrankung der Milz verabreicht. Heute überwiegt die äußerliche Anwendung als Umschlag, Salbe und Ölauszug.

Sie hilft bei Blutergüssen, Gallenbeschwerden, Geschwüren, Magen- und Darmstörungen, Hautleiden, Quetschungen, Zerrungen, Verstauchungen, schlecht heilenden Wunden, Wundliegen und Ekzemen.

Die Ringelblume ist nicht nur als Heilpflanze bekannt, sondern steht auch in vielen Gärten als besonders üppig blühende Zierde. Ab Juni taucht sie viele Bauerngärten in leuchtendes Orange.

Rosmarin

Rosmarin war schon bei den Griechen und Römern geschätzt. Die Pflanze ist im Mittelmeerraum heimisch, wird aber auch in Deutschland angebaut. Mit seiner anregenden Wirkung ist er unter den Heilpflanzen relativ selten. Daher spielt er bei der Behandlung von niedrigem Blutdruck eine wichtige Rolle.

Morgendliche Armbäder in Wasser mit ätherischem Rosmarinöl sollen kleine Wunder wirken. Aber auch sonst hat er ein breites Wirkungsspektrum. Gartenbesitzer sollten auf ihn nicht verzichten, denn er ist nicht nur eine Zierde des Stein- oder Kräutergartens, sondern auch eine ganze Naturheilapotheke in einer Pflanze vereint.

Wirkung: krampflösend und anregend. Anwendungsgebiete: Blähungen, niedriger Blutdruck, nervöse Herzbeschwerden, nervöse Kreislaufbeschwerden, rheumatische und neuralgische Beschwerden, schwache Menstruation, Schwäche und Erschöpfungszustände, Verdauungsstörungen, hartnäckige Hautausschläge.

Salbei

Im alten Ägypten sollte er Frauen fruchtbar machen. Der Salbei gehört zu den Kräutern, die im Mittelmeerraum heimisch sind, bei uns aber auch gut gedeihen. An der richtigen Stelle im Garten gepflanzt, wuchert er über mehrere Quadratmeter.

Sein Spezialgebiet ist die zusammenziehende und desinfizierende Wirkung. Dadurch wirkt er gut bei Halsschmerzen und ist bei Halsentzündungen aller Art die Pflanze der Wahl.

Außerdem wirkt er bei Kehlkopfkatarrh, Nervenstörungen, Depressionen, Schwindel und Zittern, Mandelentzündungen, Mundschleimhaut- und Rachenentzündungen, Raucherhusten und gegen starkes Schwitzen.

Stockrose

Bei Paracelsus „Herbstrose“ oder „Kappel(Pappel)rose“. Die Blüten helfen gegen Bronchitis. Hat auch schmerzstillende Wirkung. Insgesamt ähnliche Verwendungsangaben wie für Eibisch- oder Malvenblüten.

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Spitzwegerich

Seit der Antike bekannt. Der Spitzwegerich wächst unauffällig an Wegrändern und auf Wiesen. Wer ihn kennt, erkennt ihn schon im zeitigen Frühjahr an seinen langen schmalen Blättern, die wie Lanzen aus dem Boden schießen.

Spitzwegerich ist ein wichtiges Hustenmittel und hat außerdem gute Fähigkeiten bei der Wundheilung. Wenn man sich in der freien Natur verletzt und weder Pflaster noch Desinfektionsmittel dabei hat, hilft es, ein paar Spitzwegerichblätter zu zerkauen und auf die Wunde aufzulegen. Mit einem unzerkauten Blatt kann man das Ganze bedecken

Wirkt bei: Bronchitis, Insektenstichen, Katarrhen der oberen Luftwege, Magen- und Darmschleimhautentzündungen, Quetschungen, blutenden Wunden, Bindehaut- und Augenlidentzündungen.

Literatur:

Quellen: PublicDomain/planet-wissen.de am 12.06.2017

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