
Israel und die USA haben den Iran angegriffen. Samstag 7 Uhr Ortszeit schlug die erste Rakete in Teheran ein. Explosionen erschütterten das Regierungsviertel.
Israel hat einen Präventivschlag gegen den Iran gestartet, um Bedrohungen für den Staat Israel zu beseitigen, heißt es in einer Erklärung des israelischen Verteidigungsministers Israel Katz. Nach Meinung religiöser Beobachter wurde der Tag nicht zufällig gewählt wurde, um den Iran anzugreifen. Von Frank Schwede
Religiöse Beobachter sind sich sicher, dass US Präsident Donald Trump und Israels Premierminister Benjamin Netanjahu den 28. Februar bewusst gewählt haben, um den Iran anzugreifen.
Es ist Shabbat Zachor, den Shabbat vor dem Purimfest, an dem in ganz Israel der Vernichtung und der Rache an Amalek gedacht wird. An diesem ganz besonderen Tag wird folgende Torastrophe, die Teil der Bibel ist, gebetet:
„Gedenke dessen, was Amalek dir getan hat auf dem Wege, als ihr aus Ägypten zoget, wie er dir auf dem Wege entgegentrat und deinen Nachtrab schlug, alle Schwachen hinter dir her, als du matt und müde warst; und er fürchtete Gott nicht.
Und wenn Jehova dein Gott dir Ruhe geschafft hat vor allem deinen Feinden ringsum, in dem Lande, welches Jehova dein Gott, dir als Erbteil gibt, es zu besitzen, so soll es geschehen, dass du das Gedächtnis Amaleks unter dem Himmel austilgest. Vergiss es nicht.“
Der Angriff von Amalek auf die Israeliten in der Wüste ist auch im Buch Exodus, den 2. Buch Mose im Kapitel 17 ab Vers 8 beschrieben. Auch im Buch Samuel Kapitel 15 liest man von der Aufforderung, sich an Amalek zu rächen:
„Darum zieh jetzt in den Kampf und schlag Amalek! Weihe alles, was ihm gehört, dem Untergang. Schone es nicht, sondern töte Männer und Frauen, Kinder und Säuglinge, Rinder und Schafe, Kamele und Esel!“

Amalek bezeichnet in der hebräischen Bibel das Volk der Amalekiter, die als Erzfeinde Israels gelten und für ihre Angriffe auf die Nachzügler des Volkes Israel nach dem Auszug aus Ägypten bekannt sind.
Als Enkel Esaus verkörpert Amalek in der jüdischen Tradition den irrationalen Hass auf das jüdische Volk, wobei die Auslöschung ihrer Erinnerungen gefordert wird. Die Tora befiehlt, das Andenken an Amalek auszulöschen.
Dieser Befehl wird oft als symbolisch verstanden, um das Böse in der Welt zu bekämpfen, da der historische Stamm ja nicht mehr existiert. Der Begriff Amalek wird gelegentlich auch von israelischen Politikern verwendet, um existentielle Bedrohungen zu beschreiben.
Natürlich sind auch die Palästinenser laut Israel Teil der Achse des Bösen, weil sie vom Iran unterstützt werden. Israels Premierminister Benjamin Netanjahu erinnerte wenige Wochen nach dem 7. Oktober 2023 daran, dass man sich im Kampf gegen die Hamas daran erinnern müsse, was Amalek den Israeliten angetan habe.
Auch aus einem Artikel der New York Times aus dem Jahr 2009 geht deutlich hervor, dass Netanjahu den Iran mit Amalek vergleicht. So behauptete es zumindest der jüdische New York Times-Autor Jeffrey Goldberg.

Das Ziel ist totale Zerstörung
Auch israelische Politiker aus der ultrareligiösen Ecke, die oft auch Netanjahu sehr nahe stehen, spucken gerne Gift und Galle auf den Iran. Der ehemalige Kulturminister Amichay Eliyahu forderte die Israeliten dazu auf, die Erinnerung an Amalek auszulöschen.
Tally Gotliv, Parlamentsabgeordnete von Netanjahus Likud-Partei, sagte im August letzten Jahres gegenüber den israelischen Fernsehsender Channel 14 zum Kampf gegen die Hamas, Zitat:
„Das Auslöschen der Erinnerung an Amalek, das ist meine moralische Verpflichtung.“
Der israelische Finanzminister Bezalel Smotrich forderte im April 2024:
„Es gibt keine halben Sachen. Die Städte im Gaza Streifen Rafah, Deir al-Balah, Nuseirat – totale Vernichtung. Du sollst das Gedächtnis am Armalek unter dem Himmel auslöschen. Es gibt keinen Platz unter dem Himmel.“
Der religiöse Zionist Rabbi Ronen Shaulov forderte in einer öffentlichen Predigt am 28. Juli 2025:
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„Ganz Gaza und jedes Kind in Gaza müssen verhungern. (…) Wir haben nichts von Amalek gelernt, wenn nur eine Spur von ihnen übrig bleibt.“

Rabi Josef Isaac Schneerson, Schwiegervater von Rabbi Menachem Mendel Schneerson und sein Vorgänger als spirituelles Oberhaupt der jüdischen Chabad-Lubawitsch-Bewegung, schrieb in diesem Zusammenhang in einem alten Buch:
„Amalek ist der erste unter den Nationen und am Ende soll er zerstört werden.“
Die Amalekiter erscheinen insgesamt 23-mal in der Bibel und wurden laut der Erzählung im Buch Samuel von König Saul und David bekämpft.
Amalek bleibt der ewige Erzfeind der Israeliten. Der Grund ist, die unverzeihliche Sünde der Amalekiter einen Hinterhalt gegen die Israeliten bei Refidim während des Auszugs aus Ägypten geschaffen zu haben.
Ihre Niederwerfung ist nur schwer zu erreichen. „ Ziehe raus, streite!“ Das waren Moses klare Worte an Josua, als Amalek kam, um gegen Israel zu kämpfen – und Israels militärische Stärke hing ganz vom Vermögen des Moses ab.
Die erschütternde Immoralität des amalekitischen Hinterhalts gegen gerade befreite Sklaven führte zu einer besonders harschen biblischen Anordnung, die sich in Deuteronomium wiederfindet:
„Erinnere dich, was Amalek dir auf deinem Weg antat, nachdem du Ägypten verlassen hattest. Wie er dich, unbeeindruckt von der Furcht Gottes, während des Marsches überraschte, asl du noch ausgehungert und matt warst, und wie er alle Nachzügler am Ende des Zuges niedermähte.
Also, wenn dir dein Gott der Herr Sicherheit vor allem Feinden um dich herum gewährt, in dem Land, das Gott der Herr dir zum Erbteil gibt, sollst du das Gedächtnis an Amalek unter dem Himmel austilgen. Vergiss es nicht. (Dtn 25,17-19)

Von Haman bis Hitler
Beim Krieg gegen Amalek ging es immer um die vollständige Vernichtung. Dieses Ziel wurde allerdings in der biblischen Ära nie erreicht. Das typische Bild des Amalek als das Böse in Person, den Feind Israels, der sich der totalen Zerstörung des jüdischen Volkes verschrieben hat, führte Juden dazu, Amalek mit allen zu identifizieren, die ihre Ausrottung verfolgten – von Haman bis Hitler.
Auch drei der 613 Gebote der jüdischen Religion, die sich aus der Tora ableiten, beschäftigen sich mit der Vernichtung Armaleks.
In der israelischen Internetzeitung The Times of Israel erschien zwei Tage vor dem jüngsten Angriff auf den Iran, ein Artikel mit der Erinnerung, Amalek auszulöschen. Und genau der 28. Februar, Shabbat Zachor, ist der Beginn des Krieges, vor dem Fest Purim, der Tag, an dem der Tod Hamans gefeiert wird. Haman war ein persischer Anführer, der in der jüdischen Tradition ebenfalls ein Abkomme Amaleks war.

In einem weiteren Blogartikel in der Times of Israel von 2015, ging es um das religiöse Portal Israel National News, die einen Meinungsartikel veröffentlicht haben, in dem ein renommierter Autor forderte, man sollte auf den Iran und nebenbei auch auf Deutschland abwerfen.
Das sei eine angemessene Rache für die Verbrechen Amaleks, da der Iran und Deutschland heutige Repräsentanten von Amalek seien, heißt es weiter in dem Artikel. Außerdem ist von einem Präventivschlag gegen den Iran die Rede, so wie am Samstag geschehen.
Es liegt also mehr als nahe, dass der 28. Februar bewusst als Tag des Angriffs gewählt wurde, der Tag, wo man den Sieg über einen persischen Herrscher feiert.
Das Amalek noch immer der Erzfeind Israels ist, glauben laut einer Umfrage aus dem Jahr 2025 immerhin 66% aller Israelis – also zwei von drei glauben daran. Allerdings sollte man nicht vergessen, dass die religiösen Extremisten nur Außenseiter in der liberalen weltoffenen Demokratie Israels sind.
Tatsache ist: Amalek ist keine zufällige, beiläufige Erscheinung in der Geschichte Israels. Amalek ist viel mehr. Er erscheint bis zum heutigen Tag immer und immer wieder auf der Bildfläche.

So alt wie das Judentum
Das heißt, das Prinzip Amalek ist so alt wie das Judentum. Amalek ist immer wieder mal Symbol, um dann Realität zu sein. Amalek steht aber auch für eine abstruse und fatalistische Selbstdefinition unter Jüdinnen und Juden, die die Feinde zum maß aller Dinge machen wollen.
Tatsache ist auch: Wer sich über das Böse definiert, ohne es zum eigenen Ausgangspunkt zu nehmen, kommt davon nicht mehr los. Das heißt, gefangen ist, wer Amalek zu seinem Lebensprinzip macht.
Israel befand sich gerade dieser Tage wieder in so einem Spannungsfeld von Zuwendung zum amalekitischen Prinzip und der Furcht davor, sich ihm zu unterwerfen – was ja mit dem Angriff auf den Iran auch geschehen ist.
Die Versklavung der Menschen mit Mythen, auch wenn sie aus der Bibel stammen, die irgendwann vielleicht mal in Erfüllung gehen, ist ein schmaler Grad und gefährlich obendrein.
Deshalb steht am Ende die Frage: Wer ist Amalek heute? Ägypten hatte versucht, die Erlösung zu verhindern und das Volk weiter in der Knechtschaft festzuhalten.

Nun aber kam Amalek und stellte sich Israel in der Wüste erhobenen Hauptes entgegen. Das Ziel war bei den Ägyptern wie bei Amalek dasselbe – nämlich zu verhindern, dass das Volk Gottes das Land des Segens erreicht.
Das Prinzip Amalek funktioniert bis zum heutigen Tag – und das nicht nur in Israel. Gerne werden mythische Figuren, egal ob Amalek oder Satan vorgeschoben, um einen Grund zu liefern, einen Krieg anzufangen.
Egal, ob diese Figuren tatsächlich existiert haben. Die Geschichte verfolgt uns bis zum heutigen Tag – Zeit sie umzuschreiben und sich von diesen Barbaren vergangener ein für alle mal zu verabschieden und sie zu Grabe zu tragen.
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Quellen: PublicDomain/Frank Schwede für PRAVDA TV am 03.03.2026
