Occupy-Camp in Kiel durch Feuer zerstört

Aufregung und Bestürzung im Kieler Occupy-Camp: Das Zeltlager am Kleinen Kiel ist am Sonnabend gegen 6 Uhr niedergebrannt. Die Bewohner gehen von Brandstiftung aus. Ein 44-Jähriger wurde vorläufig festgenommen.

Als Magdalena Tuve vom Joggen zurückkam, loderten die Flammen meterhoch aus dem orangefarbenen Hauptzelt: „Ich konnte das gar nicht fassen. Alle Kerzen waren doch aus“, sagt die 31-Jährige, die seit November im Kieler Occupy-Camp lebt. Wie ihre Mitbewohner geht die Sozialpädagogikstudentin von Brandstiftung aus: „Kurz vorher rüttelte noch jemand an den Zelten“, sagt sie. Wer das gewesen sei, weiß sie nicht: „Vielleicht ein Betrunkener?“

Jörg Großmann vom zweiten Polizeirevier Kiel will die Vermutung der Camp-Bewohner weder dementieren, noch bestätigen: „Wir ermitteln in alle Richtungen. Zur Brandursache können wir noch nichts genaueres sagen.“ Die Kriminalpolizei hat die Arbeit aufgenommen. Die Spuren sollen am Dienstag gesichert werden. Eine politisch motivierte Tat schließt die Polizei derzeit aus.

Nach KN-Online.de-Informationen wurde am Sonnabendvormittag ein 44-jähriger Kieler vorläufig festgenommen. Da es keinen hinreichenden Tatverdacht gab, ließ die Polizei ihn wieder frei.

Zum Zeitpunkt des Feuers hielten sich sieben Bewohner im Camp auf. Sie alle konnten geweckt und in Sicherheit gebracht werden. Niemand wurde verletzt. Am Sonnabendvormittag haben die Bewohner basisdemokratisch abgestimmt, wie es mit dem Kieler Occupy-Camp weitergeht: „Wir wollen uns nicht unterkriegen lassen“, sagt Jacob Reichel. Die vom Feuer verschont gebliebenen Zelte werden versetzt. Sie sollen an der Stelle aufgebaut werden, wo sie vor der Immobilia-Messe bereits gestanden haben.

Da durch die Flammen das Eingangszelt, das Hauptzelt und das Versorgungszelt zerstört wurden, bitten die Bewohner um Spenden: „Wer Geschirr, Decken, Regale oder Tische über hat, kann die Sachen gerne bei uns vorbeibringen.“ Auch Geldspenden sind im Camp gerne gesehen – mehrere Laptops gingen in den Flammen auf.

Der Schaden wird nach ersten Erkenntnissen auf rund 10.000 Euro geschätzt.

Die für Donnerstag, 31. Mai, angekündigte Veranstaltung mit Ralph Boess im Occupy-Camp soll wie geplant stattfinden. Mit einer Einschränkung: Statt im Zelt, wird der Vortrag um 18.30 Uhr im Freien abgehalten.

Quelle: Kieler Nachrichten vom 26.05.2012

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