Fukushima: TEPCO behinderte vorsätzlich Inspektion – Ermittlungen gegen Verantwortliche der Katastrophe (Videos)

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Die Angst vor Radioaktivität und schweren Erdbeben schreckt Menschen ab und möglicherweise hat TEPCO die Angst vor Verstrahlung gezielt genutzt, um unliebsame Inspektionen zu verhindern.

Dies legen zumindest die im Zusammenhang mit Kontrollen am AKW Fukushima am Donnerstag veröffentlichte Informationen nahe.

Die Angst vor Erdbeben ist auch in Japans Hauptstadt Tokyo berechtigt und neuste Untersuchungen könnten die Besorgnis noch verstärken.

Nach Angaben des Wissenschaftsjournalisten Mitsuhiko Tanaka verhinderte TEPCO die Besichtigung Fukushima-Reaktor 1 durch Mitglieder des parlamentarischen Unter-suchungsausschusses, indem vor Dunkelheit, Trümmern und extrem hoher Strahlung gewarnt worden war – falsche Behauptungen, wie sich herausstellte.

Bei der Kontrolle des Reaktors sollte ermittelt werden, ob wichtige Teile des Reaktors, insbesondere des Notkühlsystems bereits durch das Erdbeben beschädigt worden waren, da dies noch strengere Erdbebensicherheitsstandards für Kernkraftwerke zu Folge hätte. Der Ausfall des Systems unmittelbar nach dem Beben hatte die Kernschmelze begünstigt.

TEPCO bestreitet die Beschädigung des Kühlsystems, obwohl mehrere Arbeiter zum Zeitpunkt des Erdbebens ein Wasserleck im vierten Stock festgestellt hatten.

In einem Gespräch mit Toshimitsu Tamai, damaliger Leiter der Abteilung von Unter-nehmensplanung bei TEPCO, am 28. Februar 2012 habe Tamai mehrfach Gründe ge-nannt, die eine Besichtigung des Reaktors als “zu gefährlich” erscheinen liessen und sich im Nachhinein als Täuschung herausstellten.

  • Tamai behauptete, das vierte Stockwerk sei unbeleuchtet und legte zum Beleg ein Foto vor, auf dem ein nur schwach beleuchtetes Stockwerk zu sehen war. Dabei habe es sich um den Zustand vor der Anbringung des Schutzmantels gehandelt, nun herrsche im Inneren völlige Dunkelheit.
  • Das Risiko mit schweren Dosimetern in völliger Dunkelheit im Reaktor unterwegs zu sein, über herumliegende Trümmer zu stolpern, aufgrund der Finsternis in Panik zu geraten und die Möglichkeit in Bereiche mit gefährlich hoher Strahlung zu gelangen seien sehr hoch, erklärte Tamai.

Diese Aussagen sind durch Tonaufnahmen belegt, die der Asahi Shimbun vorliegen. Nach einer Beratung entschlossen sich die Ausschussmitglieder aus Sicherheitsgründen auf eine Besichtigung der Anlage zu verzichten. In ihrem Bericht Ende Juli äußerte der Ausschuss die Annahme, sicherheitsrelevante Teile könnten Erdbebenschäden aufweisen.

Link zum Artikel und Video in englischer Sprache

Die Behauptungen stellten sich bei Nachforschungen als falsch heraus

Da sich das gleiche Foto später auf der Webseite von TEPCO fand und dort auf den Oktober 2011 datiert wurde, bedeutet dies, dass zum Zeitpunkt als das Foto entstand, der Schutzmantel bereits seit vier Tagen aufgebaut war.

Ein Artikel, der in einem Magazin der Bauindustrie veröffentlicht wurde belegt, dass die Decke des Schutzmantels mit fünf Quecksilberlampen ausgestattet worden war, die eine Helligkeit von Autoscheinwerfern von 40 Fahrzeugen lieferte. Weitere fünf Lampen be-fanden sich zusätzlich dort auf Stand-by.

TEPCO bestreitet vorsätzliche Täuschung

Der Kraftwerksbetreiber TEPCO leugnet eine vorsätzliche Täuschung, sondern be-hauptet, bei der Erklärung zur Unsicherheit habe es Fehler gegeben. Auch sei der Mit-arbeiter irrtümlich davon überzeugt gewesen, dass das angebliche Beweisfoto vor der Anbringung des Schutzmantels entstanden sei. Es habe keine vorsätzliche Täuschung gegeben.

Wissenschaftsjournalist Tanaka, früheres Mitglied der Kommission hatte seine Aussagen heute den Vertretern von Oberhaus und Unterhaus des japanischen Parlaments vorge-legt. Über den Fall berichteten Kyodo, jiji, NHK und Asahi Shimbun.

Missgeschick bei Fukushima-Räumarbeiten

Gestern begann um 10:37 Uhr die Bergung von Stahlgerippe-Trägern aus dem oberen Bereich von Reaktor 3. Gegen 13:00 Uhr brach ein Teil des Stahlgerippes beim Anheben in zwei Teile.

Dadurch blieb eines der beiden Stücke zunächst im Abklingbecken, wurde jedoch um 13:18 Uhr erneut gehoben.

Um 14:06 Uhr waren die Arbeiten erfolgreich abgeschlossen worden und die geborgenen Teile des Stahlgerüsts auf die Südseite des Geländes transportiert.

Nach Angaben von TEPCO gab es trotz des kleinen Zwischenfalls keine nennenswerten Änderungen des Wasserstands im Abklingbecken.

Auch der Einsatz einer Unterwasserkamera zeigte keine Schäden am Becken oder anderen Strukturen.

Die radioaktive Belastung der Luft im oberen Teil des Abklingbeckens lag vor der Entfernung der Trümmer bei 25,7 Millisievert pro Stunde.

Nach der Entfernung sank der Wert leicht auf 21,3 Millisievert pro Stunde.

Risiko eines schweren Erdbebens in Tokyo durch Tachikawa-Verwerfung

Ein Seismologenteam unter der Leitung des Erdbebenforschungsinstitus der Universität Tokyo hat alarmierende Prognosen für Tokyo.

Seit Oktober durchgeführte Studien, zu denen auch eine Erdaushebung von 250 Metern Länge und zehn Meter Tiefe gehörten, deckten eine Schicht aus Lehm und Ton auf, die vertikal verläuft, was auf eine horizontale Bewegung der Verwerfung hindeutet.

Sollte sich die Verwerfung gleichzeitig horizontal und vertikal bewegen, könnte dies in größeren Gebieten zu starken Erdbeben führen, als bislang angenommen. Bereits nach dem Tohoku-Erdbeben 2011 war vor dem Risiko der Verwerfung gewarnt worden.

Die Regierung geht davon aus, dass es sich bei der Tachikawa-Verwerfung im Westen von Tokyo nur um eine von mehreren Verwerfungen handelt, die in Japans Hauptstadt schwere Schäden anrichten könnten.

Staatsanwaltschaft befragt Ex-Atomaufsichtsvorsitzenden

Haruki Madarame, früherer Vorsitzender der mittlerweile aufgelösten Atomsicherheits-kommission (NSC), hat sich im Rahmen einer  freiwilligen Befragung durch die Staats-anwaltschaft geäußert.

Es wird vermutet, dass Madarame Auskunft über die Tsunami-Schutzmaßnahmen am AKW Fukushima Daiichi und deren Durchführung während der Tohoku-Katastrophen gab.  Der frühere TEPCO-Chef Tsunehisa Katsumata war bereits Ende Januar befragt worden.

Im August vergangenen Jahres war der Strafanzeige mehrerer Organisationen gegen insgesamt 40 Personen aus Politik und Wirtschaft – darunter neben Madarame auch Ex-Premier Naoto Kan.

Im Fall von Madarame wird unter anderem argumentiert, hätte er die Daten des SPEEDI-Systems zur Ausbreitung von Radioaktivität früher veröffentlicht, so wären viele Menschen deutlich weniger belastet worden, da sie irrtümlich durch stark kontami-niertes Gebiet evakuiert worden waren.

Wie japanische Medien unter Bezug auf namentlich ungenannte Quellen berichten, will die Staatsanwaltschaft möglicherweise bereits im März entscheiden, ob man eine Klage einreicht und so einen Strafprozess gegen diese Personen beginnt.

Ihnen würde dann vermutlich der in Deutschland unbekannte Straftatbestand “Nach-lässigkeit mit Todesfolge und Körperverletzung” vorgeworfen werden. Während Fahrlässigkeit bedeutet, dass jemand unvorsichtig gehandelt hat, bedeutet Nach-lässigkeit, dass berufliche Sorgfaltspflichten vernachlässigt wurden.

Über die Befragung berichteten unter anderem Kyodo und Yomiuri Shimbun.

Staatsanwaltschaft beschlagnahmt Fukushima-Aussagenprotokolle

Die Staatsanwaltschaft hat die Aufzeichnung von Befragungen des früheren Leiters des AKW Fukushima durch einen Untersuchungsausschuss der Regierung beschlagnahmt. Das berichten jiji und Mainichi Shimbun unter Bezug auf nicht genannte Quellen.

Man habe diesen Schrit unternommen, da der Ex-Kraftwerksleiter Masao Yoshida aufgrund seiner Erkrankung nicht persönlich an langen Befragungen durch die Staatsanwaltschaft teilnehmen kann. Diese Aufzeichnungen bei den Ermittlungen zu nutzen, anstatt andere Verantwortliche zu befragen sei ungewöhnlich, heisst es in der Berichterstattung.

Ex-Atomaufsichtsmitglied mehrfach illegal aktiv

Ein früheres Mitglied von Japans Atomaufsicht NRA hatte die Behörde in einen Skandal verwickelt, als bekannt geworden war, dass Dokumente vor der Veröffentlichung an Vertreter der Atomindustrie weitergegeben worden waren.

Montag hiess es nun, der Ex-Generaldirektor Tetsuo Nayuki habe häufiger als zunächst bekannt an derartigen Treffen teilgenommen.

Wie die jiji berichtet hatte sich Nayuki nach der allgemeinen Entscheidung seiner Be-hörde am 10. Dezember 2012, dass die Verwerfung unter dem AKW Tsuruga wahr-scheinlich aktiv sei, insgesamt sieben Mal mit Vertrern des Betreiberkonzerns Japan Atomic Power getroffen.

Derartige Einzeltreffen sind Mitgliedern der Atomaufsicht NRA untersagt, um Manipula-tionen und Absprachen zu verhindern, so wie die Transparenz der Entscheidungsfindung zu erhalten. Die Behörde war als Nachfolger der NISA geschaffen worden, da die Be-völkerung aufgrund von Interessenkonflikten in der Behörde  kein Vertrauen mehr in die Angaben der Regierung hatte.

Bilder aus Fukushima:

Quellen: PRAVDA-TV/NHK/Tepco/spreadnews.de vom 09.02.2013

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