Fukushima: Verstrahlter Spielplatz, Kritik an Dekontaminierung – Aktuelle und alte (vertuschte) Störfälle – Erdbeben (Videos)

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Knapp zwei Jahre nach dem GAU im Atomkraftwerk Fukushima Dai-Ichi ist die Bevölkerung noch immer teils extrem hoher radioaktiver Strahlung ausgesetzt. Auf einem Kinderspielplatz der rund 284.000 Bewohner zählenden Provinzhauptstadt Fukushima zeigten Messinstrumente der Umweltschutzorganisation Greenpeace am Dienstag über 10 Mikrosievert pro Stunde an.

“In Deutschland mit einem Grenzwert von einem Millisievert im Jahr wäre der schon nach etwa vier Tagen erreicht”, erklärte Heinz Smital, Atomexperte bei Greenpeace Deutschland, in Fukushima. Auf einem Parkplatz am Bahnhof der Stadt wurden sogar 40 Mikrosievert gemessen.

Kritik an Dekontaminierung

Es sei unverständlich, dass der Staat dagegen in evakuierten Landstrichen einen enormen Aufwand treibe, um auf bewaldeten Berghängen und verlassenen Grundstücken die Strahlendosis zu senken, sagte Smital. Das Umweltministerium in Tokio wies die Kritik zurück.

“Wir als Staat übernehmen die höher verstrahlten Gebiete, weil man für die Dekontaminierung solcher Gebiete mehr Aufwand braucht”, sagte der im Ministerium für Dekontaminierung zuständige Beamte Shota Kato. Für Regionen wie die Stadt Fukushima seien die jeweiligen örtlichen Regierungen verantwortlich. Diese seien angewiesen worden, Stellen, wo sich viele Kinder aufhalten, “mit Vorrang” zu dekontaminieren. “Und es wird auch meistens so gemacht”, sagte Kato.

Die Meldungen der letzten Monate zeigen was anderes, Schlamperei, Vertuschung und Halbwahrheiten.

Hier die vergangenen Tage:

Hohe Radioaktivität während Fukushima-Krise bereits vor Reaktor-Entlüftung

Die Präfektur Fukushima betrieb vor der Krise insgesamt 25 Messposten um das AKW Fukushima Daiichi, von denen jedoch fünf der Tsunami mitriss und die übrigen 20 durch den Stromausfall unbrauchbar wurden. Ihre Daten enthüllen nun erstaunliches.

Seit September 2012 arbeitete die Präfekturverwaltung an der Auswertung der Daten. Diese wurden zwar auf der Webseite der Präfektur veröffentlicht – nach Angaben der Mainichi Shimbun wurde jedoch verschwiegen, dass die Strahlung sich bereits ausge-breitet hatte, bevor TEPCO die Notentlüftung zum Druckausgleich angeordnet hatte.

Keines der Untersuchungskomitees zur Fukushima-Katastrophe wurde über die Tatsache informiert, dass etwa in einem Gebiet die Strahlungswerte auf das siebenhundertfache des Normalwerts stiegen, so dass vermutlich viele Einwohner bereits kontaminiert wurden, bevor die Evakuierung angeordnet wurde.

TEPCO-Angestellte hatten erstmals am 12. März 2011 um 10:17 Uhr versucht ein Ent-lüftungsventil zu öffnen, ein Erfolg wurde erst nach dem vierten Entlüftungsvorgang um 14:30 Uhr bestätigt. Messposten in vier Ortsteilen der Stadt Futaba maßen jedoch bereits Stunden zuvor angestiegene Strahlungswerte.

Vor der Katastrophe betrug die Strahlung an allen vier Standorten zwischen 0,04 and 0,05 Mikrosievert pro Stunde.

Im Ortsteil Koriyama, 2,5 Kilometer nördlich des AKW stieg die Belastung

Um 5:00 Uhr auf 0,48 Mikrosievert pro Stunde.
Um 6:00 Uhr auf 2,94 Mikrosievert pro Stunde.
Um 9:00 Uhr, etwa eine Stunde vor Beginn der Entlüftung, stieg er auf 7,8 Mikrosievert pro Stunde.

Im Ortsteil Yama, etwa 5,5 Kilometer westlich des AKW betrug die Strahlung um 10:00 Uhr 32,47 Mikrosievert pro Stunde – etwa das 720-fache des Normalwerts.

Um 15:00 Uhr und damit eine halbe Stunde nach der vierten Entlüftung betrug der Wert im Ortsteil Kamihatori dann 1.591 Mikrosievert.

Der schnelle Anstieg in diesen einzelnen Bereichen, die deutlich über dem gesetzlichen Grenzwert von 0,23 Mikrosievert pro Stunde liegen, wird zwar auf Wechsel in der Windrichtung zurückgeführt, die genaue Leckstelle, durch die bereits so früh Radioaktivität austrat, ist jedoch bislang unbekannt.

Die Regierung erliess die ersten Evakuierungen, die zunächst nur für Personen innerhalb eines Zwei-Kilometer-Radius um das AKW galten, erst um 20:50 Uhr und erst am folgenden Tag, dem 12. März 2011 um 8:00 Uhr morgens begann die Großevakuierung von etwa 50.000 Einwohnern.

Zwar gehen Experten davon aus, dass die Strahlungsmenge vor der Entlüftung nicht gesundheitsgefährdend sei, da die stündliche Belastung noch unter der eines Thorax-Röntgens liege, dennoch müsse ermittelt werden, wieviel Strahlung die Bevölkerung tatsächlich ausgesetzt war.

Da die Abschlussberichte zur Fukushima-Katastrophe noch vor Abschluss der Messposten-Analyse vorgelegt wurden, finden sich die neu entdeckten Werte auch nicht in den Einschätzungen zu den gesundheitlichen Auswirkungen der Krise.

Schaden an Fukushima-Deckenkran

Bei einer Demontageinspektion der Räder des Deckenkrans in Reaktor 3, die Aufgrund von Geräuschen, die seit dem 21. Februar aufgetreteten waren durchgeführt wurde, entdeckte man am Freitag eine Beschädigung der Radhalterung, die auch die Bewegungsfunktion des Deckenkrans einschränkt.

Der betroffene Teil soll nun genauer untersucht werden, um die Ursache des Schadens zu ermitteln. Die Entdeckung hat keinen Einfluss auf den Austritt von Strahlung in die Umgebung.

Zwei Wasserlachen in Turbinengebäude von Fukushima-Reaktor

Am Samstag entdeckte der Angestellte eines Partnerunternehmens nahe der Mitte des Heizraumes im ersten Stock des Turbinengebäudes von Reaktor 2 eine Wasserlache von 5m x 1m, die auf herabtropfendes Wasser an einigen Teilen der Decke zurückzuführen war.

Es wurden keine undichten Stellen an Rohren und Schläuchen in der Nähe der Leckstelle gefunden. Die Strahlungsmessung einer Wasserprobe ergab folgende Werte:

Cäsium-134: 1,3×102 Becquerel pro Kubikzentimeter
Cäsium-137: 2,5×102 Becquerel pro Kubikzentimeter

Eine Messung der Kontamination des Bodens ergab folgende Werte:

Cäsium-134: 1,2×102 Becquerel pro Kubikzentimeter
Cäsium-137: 2,1×102 Becquerel pro Kubikzentimeter

Kontaminationswerte der Luft: Gamma und Betastrahlung: 0,7 Millisieviert pro Stunde.

Außerdem wurde im Abluftfilter-Raum im zweiten Stock des gleichen Turbinengebäudes eine weitere Wasserlache von etwa 15m x 11m festgestellt. Da sich die Stelle oberhalb der Tropfstelle im ersten Stock befindet, könnte hier die Ursache liegen. Die genauen Umstände werden nun ermittelt.

Bilder aus Reaktor 3 dem Abklingbecken, eine Menge Stahl muss zuerst beseitigt werden, um den eigentlichen Schaden zu begutachten:

Untersuchungen aus Reaktor 1, die Kondensationskammer (verläuft torusförmig um den Reaktor) im Kellerbereich:

Aufbau der Reaktoren im Fukushima Kernkraftwerk:

aufbau-atomreaktor-fukushima

• 1. Reaktorkern mit Brennstäben
• 2. Betondeckel
• 3. Becken für Reaktorausrüstung
• 4. Druckkammerdeckel
• 5. Abklingbecken für Brennstäbe
• 6. Befüllungs-Kaverne
• 7. Druckkammerflansch
• 8. Reaktordruckbehälter
• 9. Biologischer Schild
• 10. innere Betonschutzmauer
• 11. freistehende Stahldruckkammer
• 12. radiale Verstrebungen
• 13. Betoneinbettung
• 14. Düsen
• 15. Ausdehnungsausgleich
• 16. Ventilkopf
• 17. Kondensationsrohr
• 18. Wasser
• 19. einbetonierter Bereich der Druckkammer
• 20. Fundament
• 21. Reaktorgebäude
• 22. Plattform mit Kran zum Wechseln der Brennstäbe
• 23. Schott
• 24. Kondensationskammer (verläuft torusförmig um den Reaktor)
• 25. Abzug
• 26. Kran
• 27. verbrauchte Brennstäbe im Abklingbecken
• 28. Rohr mit Kühlflüssigkeit
• 29. Kaltwasserrohr (vom Generator)
• 30. Dampfrohr (zum Generator)
• 31. Steuerstab-Motoren
• 39. Steuerstäbe
• 40. Wasserabscheider (Wasseroberfläche im Normalzustand bis hier)
• 41. Dampftrockner
• 42. Sicherheitsventil mit Dampfauslass

Erdeben der Stärke 5.7 im Landesinneren 

Ein Erdbeben der Stärke 6,2 (auf 5.7 abgestuft) hat am Montag um 16:23 Uhr (8:23 Uhr MEZ) die Präfektur Tochigi und angrenzende Gebiete erschüttert. Das Epizentrum des Bebens befand sich im Norden der Präfektur in einer Tiefe von zehn Kilometern.

erdbeben-japan-detail

Bislang gibt es keine Meldungen über Verletzte. Die JR East setzte kurzzeitig den Betrieb von drei Linien des Shinkansen-Schnellzugs aus. Die Regierung setzte eine Task Force im Krisenmanagementzentrum im Büro des Premierministers Shinzo Abe ein, um mögliche Folgen des Erdbebens zu ermitteln.

erdbeben-japan

Video in japanischer Sprache, 54 Nachbeben und diverse Sinklöcher:

Quellen: PRAVDA-TV/APA/derStandard.at/JMA/EMSC/spreadnews.de vom 27.02.2013

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