Futtermittelskandal: Schimmelpilze im Mais – Die Spur des Giftfutters

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In sieben Bundesländern ist tonnenweise vergiftetes Rinderfutter ausgeliefert worden – der mit Aflatoxin verseuchte Mais gelangte per Schiff aus Serbien nach Niedersachsen. Futtermittelhersteller werfen dem Agrarkonzern Toepfer zu laxe Kontrollen vor. Betroffenen Milchbetrieben droht die Schließung.

Die Futtermittelbranche ist in heller Aufregung: Nach dem Dioxinskandal vor zwei Jahren stehen sie erneut im Zentrum eines Giftskandals. Acht Betriebe verarbeiteten 10.000 Tonnen einer mit dem Schimmelpilzgift Aflatoxin belasteten Maislieferung. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE war es der Handelsgigant Alfred C. Toepfer International, der die Ware aus Serbien nach Niedersachsen transportiert hat. Die Kraftfutterhersteller beschuldigen den Agrarhändler, die Ware nicht gut genug kontrolliert zu haben.

Der Weg der Ware und die Verunreinigung ist gut nachzuvollziehen: Der serbische Spätsommer 2012 war außergewöhnlich heiß und auch teilweise sehr feucht. Etwa die Hälfte der Maisernte soll vertrocknet sein, in der anderen bildete sich das Schimmel-pilzgift Aflatoxin B1. Es gehört zu den am stärksten krebserregenden Stoffen in der Natur.

Es entsteht durch einen Schimmelpilz der Gattung Aspergillus, der auch Lebensmittel im Haushalt verdirbt. Weil es sich sozusagen in „Nestern“ bildet, schwanken die gemessenen Werte auch innerhalb einer Mais-Charge teilweise extrem.

Die 45.000 Tonnen Mais, die Toepfer gekauft hat, wurden über die Donau ins Schwarze Meer transportiert und von dort per Seeschiff bis ins niedersächsische Brake gebracht. So erklärte es ein Sprecher des Unternehmens SPIEGEL ONLINE. Am 27. November wurde die Lieferung an der Unterweser gelöscht und schon dort stellte Toepfer leicht erhöhte Werte von 0,01 – 0,015 mg/Kg des Schimmelpilzgifts fest, allerdings unterhalb des Grenzwerts von 0,02 mg/Kg.

Diese Aflatoxin-Funde seien der Grund, dass „bisher nur 10.000 der 45.000 Tonnen“ verkauft wurden, vermutet Bernhard Krüsken, Geschäftsführer des Deutschen Verbandes Tiernahrung e.V. (DVT), der Branchenvereinigung der betroffenen Futtermittelhersteller. Krüsken weist darauf hin, dass es die zusätzlichen Eingangskontrollen der Futtermittel-hersteller waren, die die Belastung aufgedeckt haben und wirft dem Importeur Toepfer vor, die Lieferung nicht gründlich genug getestet zu haben.

Bund warnte Länder schon 2012 vor verschimmeltem Mais

Das Bundesverbraucherministerium hatte die Länder bereits im Herbst vor möglichen Belastungen von Mais mit dem Schimmelpilzgift gewarnt. Weil in den vergangenen Monaten EU-weit eine Reihe von Schnellwarnmeldungen zu erhöhten Aflatoxinwerten in Mais aus verschiedenen Mitgliedstaaten eingegangen sind, habe das Ministerium im Oktober die für Futtermittelkontrollen zuständigen Länderbehörden und die Wirtschaft auf die Gefahr erhöhter Werte aus der Maisernte 2012 hingewiesen und um erhöhte Wachsamkeit gebeten.

Jetzt ist der giftige Mais im Umlauf. Acht Futtermittelhersteller in sieben Bundesländern haben Lieferungen aus der Charge erhalten, deren Aflatoxin-Belastung in der Spitze den Grenzwert um das Zehnfache überschreitet. Bei den vorhergehenden Kontrollen wurden diese hochbelasteten Teile der Charge offenbar übersehen. Die Produzenten haben den Mais vor allem zu Futter für Milchkühe verarbeitet, die das Schimmelpilzgift in die Milch abgeben.

Dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zufolge besteht aktuell noch keine Gesundheitsgefahr: „Im Moment ist das ein Routinefall, kein Skandal“, sagte BfR-Präsident Andreas Hensel SPIEGEL ONLINE. „Entscheidend ist, in welchen Konzentrationen die Gifte beim Verbraucher ankommen.“ Trotzdem wurde in einem betroffenen Betrieb die belastete Milch vorsorglich weggeschüttet.

Bundesinstitut für Risikobewertung rät zu Betriebsschließungen. Tatsächlich sorgen erhöhte Aflatoxin-Funde in der Herkunftsregion des belasteten Futtermaises schon seit Anfang Februar für Aufregung. Zigtausende Liter hochbelasteter Milch wurden in Serbien, Kroatien, Slowenien und Bosnien gefunden und teilweise vom Markt genommen – da war der Mais allerdings schon längst in Niedersachsen. Auch in Deutschland könnte sich der neueste Lebensmittelskandal noch weiter entwickeln, sagt BfR-Präsident Hensel: „Das BfR rät den Bundesländern, in die Bestände zu gehen, die das Futter bekommen haben, diese zu sperren und dann zu untersuchen.“

Schon jetzt haben die Futtermittelhersteller eilig die verkauften Chargen zurückverfolgt und versuchen derzeit, die „problematische Ware“ wieder einzusammeln. Auch Ver-bandsgeschäftsführer Krüsken rechnet damit, dass die Behörden vor allem Milchbetriebe sperren werden. Derzeit untersuchten die Behörden die Lieferlisten der Futtermittelproduzenten und prüften weitere Schritte.

Der Importeur Alfred C. Toepfer International arbeitet nach eigenen Angaben eng mit den Behörden zusammen, „um den Fall aufzuklären“. SPIEGEL ONLINE gegenüber zeigte sich das Unternehmen aber selbstbewusst: Die Belastung sei schließlich durch eigene Kontrollen bei der Anlieferung aufgefallen. Warum die Ware nicht bereits bei der Übernahme in Serbien kontrolliert wurde und wer der Lieferant war, konnte Toepfer allerdings nicht sagen.

Quellen: dpa/SpiegelOnline vom 02.03.2013

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