Asteroiden-Armageddon-Roulette gefällig? (Videos)

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Spielt die Wissenschaft Roulette? Forschern zufolge ist es nur eine Frage der Zeit, bis ein Asteroid Kollisionskurs auf die Erde nimmt: Die Folgen wären verheerend. Um besser gerüstet zu sein, startet die Esa ein neues Frühwarnsystem. Vier Feuerbälle über USA gesichtet.

Im Februar flog der Asteroid 2012 DA 14 unterhalb von Satelliten-Umlaufbahnen nur knapp an der Erde vorbei. Fast zeitgleich sorgte ein viel kleinerer Brocken aus dem All im russischen Tscheljabinsk für erhebliche Sachschäden und zahlreiche Verletzte. Und weil nach Murphys Gesetz bekanntlich auch schief geht, was nur irgendwie schief gehen kann, ist es wohl nur eine Frage der Zeit sein, bis ein gefährlich großer Asteroid direkten Kurs auf die Erde nehmen wird.

Um eine solche Gefahr möglichst frühzeitig zu erkennen, durchmustert die Europäische Weltraumagentur Esa jetzt mit einem neuen Früherkennungssystem den Himmel, auf der Suche nach Bedrohungen aus dem All. Denn die würden die Europäer künftig gerne als solche identifizieren, bevor es zu spät ist.

Dabei helfen soll das neue „Koordinierungszentrum für erdnahe Objekte“ im italie-nischen Frascati in der Nähe von Rom, das heute seine Arbeit aufnimmt. Es soll die Bahnen potenziell gefährlicher Asteroiden künftig frühzeitig bestimmen.

„Wie kann ich einen Asteroiden aus seiner Bahn ablenken?“ fragt sich Detlef Koschny aus der Abteilung für Sonnensystem-Missionen der Esa am europäischen Weltraum-forschungszentrum Estec im holländischen Noordwijk. Damit denkt der Deutsche als Leiter des neuen Asteroiden-Früherkennungsprogramms bereits einen Schritt weiter: Befindet sich ein Asteroid auf Kollisionskurs mit der Erde, muss er irgendwie aus dem Weg geräumt werden.

Einschlag zur Ablenkung

„Aida“ nennt sich ein Forschungsprojekt, das die Esa derzeit gemeinsam mit der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa entwickelt. Diese klingende Abkürzung steht für „Asteroid Impact and Deflection Mission“ – eine Mission also, bei der eine Sonde auf einem Asteroiden einschlagen und ihn dadurch ablenken soll.

Vergleichsweise einfach wäre das bei einem sogenannten Binärasteroidt, eine Konstellation, bei der sich zwei Asteroiden gegenseitig umkreisen. Der Aufprall einer Sonde auf dem kleineren der beiden Himmelskörper würde die Umlaufzeit der beiden Objekte verändern, die Bahn des kleineren Asteroiden also entweder beschleunigen oder – wenn der Aufprall entgegen seiner Bewegungsrichtung geschieht – ihn abbremsen.

„Diese Veränderung könnten wir von der Erde aus messen“, so Detlef Koschny. So soll erst einmal ein Doppel-Asteroid attackiert werden: das vor 13 Jahren entdeckte Didymos-Duo. Bei dem Projekt entwickeln die Amerikaner die Sonde entwickeln, die sich in Kamikaze-Manier auf einen der beiden Asteroiden stürzt und ihn leicht aus der Bahn schubst. Europa konstruiert die Beobachtungssonde und schickt sie zum Asteroiden-Duo. Sie soll dort bereits vor der Aufschlagsonde eintreffen und das Asteroidenpaar be-obachten, bevor die Attacke erfolgt.

Video: Die „Aida“-Mission

Aus-der-Bahn-werfen ist nicht immer der Königsweg

Didymos besteht aus einem Asteroiden mit 800 Metern Durchmesser, der einen Kilometer entfernt einen kleineren Begleiter mit 150 Metern Durchmesser hat. Didymos zieht seine Bahnen nicht im Asteroidengürtel zwischen den Planeten Mars und Jupiter, sondern gehört zu den erdnahen Asteroiden – solche also, denen sich die Esa künftig verstärkt widmen will.

Als „erdnah“ bezeichnen Astronomen all jene Asteroiden, deren Bahnen auf dem Weg um die Sonne irgendwann einmal die der Erde kreuzen oder ihr zumindest sehr nahe kommen. Das gilt auch for Didymos: Im Punkt seiner größten Annäherung an die Sonne ist er genauso weit von ihr entfernt wie die Erde. Seine größte Entfernung erreicht er etwas außerhalb der Mars-Bahn, wo er sich auch derzeit befindet.

Video: Im Jahr 2022 soll als Teil der „Aida“-Mission die 300kg schwere Raumsonde DART mit einer Geschwindigkeit von 22.530 km/h den kleineren Asteroiden treffen, der Einschlag wird von der Raumsonde AIM aufgezeichnet

Doch das Aus-der-Bahn-Werfen eines Asteroiden muss nicht immer der Königsweg sein, betont Riccardo Nadalini vom Institut für Planetenforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Berlin. „Eine Alternative wäre, das Objekt zu zerstören und es so in sehr kleine Teile zu zerbrechen.“ Diese Bruchstücke würden dann beim Eintritt in die oberen Schichten der irdischen Atmosphäre verglühen und wären für die Erde nicht länger gefährlich.

Nur ein winziger Schubs

„Wenn wir nur noch wenig Zeit haben, um zu reagieren, ist es auf jeden Fall sicherer, solche Objekte zu zerstören als zu versuchen, sie von ihrem Kurs abzubringen“, erklärt Nadalini. Stünde jedoch mehr Zeit für Abwehrmaßnahmen zur Verfügung, käme eine künstlich herbeigeführte Bahnveränderung des Asteroiden in Betracht.

Solche Gefahren also möglichst Jahre im Vorfeld zu erkennen – dies wird Aufgabe des neuen Esa-Frühwarnsystems sein. Denn für die Vermeidung eines „Armageddon“ à la Hollywood gilt die einfache Regel: Zeit ist alles. Je früher ein herannahender Asteroid erkannt wird, umso besser. Je weiter ein solches Objekt weg ist, desto mehr Zeit steht zur Verfügung, um zu reagieren – und desto leichter ist es.

Und: Je kleiner das Objekt, desto einfacher ist es abzulenken oder zu zerstören. „Bei Zeiten erkannt, müssten wir einem kleinen heranfliegenden Asteroiden nur einen winzigen Schubs geben, um seine Bahn zu ändern“, erklärt Nadalini.

In den USA beschäftigt sich der theoretische Astrophysiker Dave Dearborn am Lawrence Livermore Forschungslabor in Kalifornien mit solchen Vermeidungsstrategien, wie also welcher Typ von Asteroiden wann beeinflusst werden muss, damit er die Erde verfehlt.

200 potenziell gefährliche Asteroiden

Als potenziell gefährlich gelten derzeit rund 200 erdnahe Asteroiden. „Wenn wir einen gefährlichen Himmelskörper 50 Jahre vor seinem Zusammenstoß mit der Erde erkennen, hätten wir in diesem Zeitraum sieben oder acht Startfenster, in denen wir eine Rakete zu dem Asteroiden schicken könnten“, sagt Dearborn, „dabei sollten wir in jedem Start-fenster mehrere Raketen starten, die sich dem Brocken auf unterschiedlichen Bahnen nähern.“ Denn sicher ist sicher. Bei genügend Vorlaufzeit könnte es sich die Menschheit leisten, speziell auf den Asteroiden designte Abwehrsonden zu kreieren und gleich mehrere davon Richtung Zielobjekt zu schicken.

Im Gegensatz zur europäischen „Aida“-Mission favorisieren die Forscher am Lawrence Livermore Forschungslabor die brutale Variante: „Ideal wäre, den Asteroiden nicht zu zerstören, sondern in seiner Nähe eine Atombombe zu zünden, die einen Krater auf der Oberfläche hinterlässt“, sagt Dearborn. Der Effekt wäre der gleiche wie bei „Aida“: Eine solche Impulsübertragung, verursacht durch eine Explosion in unmittelbarer Nähe, würde die Bahn des Asteroiden leicht verändern.

„Wichtig ist, den Asteroiden nicht zu sprengen“, warnt der kalifornische Experte. Denn ist die Explosion zu stark, würde sie nicht seine Bahn verändern, sondern ihn in tausend Einzelteile zerbrechen lassen, was unbedingt vermieden werden sollte.

Verwüstung aus dem All

Sind die einzelnen Teile nicht klein genug, um in der Atmosphäre zu verglühen, könnten sie auf der Erde regional noch Verwüstungen anrichten. Außerdem würde die Erde sich auf ihrer Bahn um die Sonne früher oder später durch das Trümmerfeld bewegen, was zu weiteren Einschlägen führen würde.

Doch was, wenn die Vorwarnzeit kürzer ist als 50 Jahre? „Wenn uns nur noch zehn Jahre von einem Aufprall trennen, müssen wir viel mehr Energie aufwenden, um den Asteroiden noch von seiner Flugrichtung abzubringen“, fürchtet der Planetenforscher. Dann wäre es wohl nötig, seine Bahn nicht um einen Zentimeter Bewegungsrichtung pro Sekunde zu verändern, sondern vielleicht um zehn Zentimeter pro Sekunde.

In diesem Fall dürfte schon aus Zeitgründen seine Sprengung der sinnvollste und sicherste Weg sein. „Es wäre dann immer noch besser, Brocken von einem Zehn-tausendstel der Ursprungsmasse des Himmelskörpers treffen die Erde als der komplette Asteroid“, findet Dave Dearborn.

Auch Veränderungen der Flugbahn sollten nur dann bei Asteroiden vorgenommen werden, wenn sie mit absoluter Sicherheit auf einem Kollisionskurs zur Erde sind. Sonst könnte ein Himmelskörper versehentlich Richtung Erde gelenkt werden – und die Menschheit hätte sich ihr Armageddon selbst eingebrockt.

Ist das dann ein wissenschaftliches Asteroiden-Armageddon-Roulette?

Was wäre wenn ein Objekt irgendwann die Erde treffen muss?

Trotz der intensiven Beobachtung des Himmels, hat niemand das Objekt im russischen Tscheljabinsk kommen sehen, weder die NASA, noch die Esa, oder Roskosmos.

So wie hier…

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Vier einzigartige Feuerball-Ereignisse in den USA

Am Sonntag hat AMS (American Meteor Society) bestätigte Berichte über vier einzigartige Feuerball-Ereignisse erhalten, die alle um etwa 4:00 Uhr morgens (UTC) stattfanden. Ein Ereignis trat am 19. Mai um etwa 3:37 Uhr (UTC) in Arkansas und Missouri auf. Zur gleichen Zeit, um 3:37 Uhr, berichteten vier Zeugen von einem Feuerball in Arizona. Die Entfernung zwischen diesen beiden Orten würde es den Zeugen nicht möglich machen, den selben Feuerball aus beiden Orten zu beobachten. Am 18. Mai wurden außerdem zwei große Feuerbälle innerhalb einer Stunde gesichtet; einer über der zentralen Ostküste der USA, der andere in Colorado.

Google Earth Benutzer können eine KMZ Datei herunterladen, welche die Flugbahn-Schätzungen dieser vier Ereignisse enthält (Sie müssen die Datei entpacken bevor Sie sie in Google Earth öffnen). Falls Sie Zeuge eines dieser Feuerball-Ereignisse wurden, füllen Sie bitte diesen offiziellen Feuerball Bericht aus.

Die ach so schlauen Wissenschaftler wollen Asteroiden abfangen, früh erkennen und warnen, doch einen Tornado auf der Erde sehen sie nicht rechtzeitig, bei dem viele Menschen in Oklahoma unnötig starben, schon allein weil es nicht genügend Schutzräume gab.

Eigene Informationen sammeln, weiterbilden, lernen und immer für einen Notfall präpariert sein.

Quellen: PRAVDA-TV/ESA/NASA/de.sott.net/WeltOnline/Science Photo Library vom 22.05.2013

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15 comments on “Asteroiden-Armageddon-Roulette gefällig? (Videos)

  1. Die momentane Anzahl von Asteroidensichtungen, mit unseren primitiven Mitteln finde ich durchaus besorgniserregend.
    Es scheint mir, daß sich wohl eine ganze Gruppe von Zielobjekten auf dne Weg gemacht hat. (Oder könnte man annehmen).
    (Wie in dem Film Meteor (Falls den alten jemand kennt, wo zuerst mehrere kleine Objekte die Erde erreicht haben).

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