Die Schande von Europa: Deutschland beutet seine Arbeiter aus

niedriglohnsektor

Deutschland schafft seine Arbeiter ab. Der Niedriglohnsektor boomt in kaum einem europäischen Land so wie in Deutschland. Von einer sozialen Marktwirtschaft kann nicht mehr die Rede sein. Die deutschen Arbeiter bezahlen den Preis für die hemmungslose Globalisierung.

Die deutsche Lohnentwicklung zeigt die deutlichsten Spuren des schrittweisen Untergangs der Sozialen Marktwirtschaft. Besondere Stichworte sind: Lohnquote, Globalisierung, Niedriglöhne, Niedriglohnfalle, Aufstocker.

Der deutsche Durchschnittslohn stand seit dem Jahr 2000 unter besonderem dreifachem Druck nach unten. Das war erstens der von der Bundesregierung vor allem durch Ver-weigerung gesetzlicher Mindestlöhne und durch Erleichterung der Leiharbeit geförderte Niedriglohnsektor.

Zweitens war es der Abbau der Arbeitslosenversorgung im Rahmen der Hartz-Gesetze, was immer mehr Arbeitnehmer veranlasste, jede Arbeit anzunehmen.

Drittens war es der zunehmende Wettbewerb der Niedrigstlohnländer wie China, der ebenfalls von der Bundesregierung über die EU-Handelspolitik gefördert wurde. So unter Druck gesetzt konnte sich der Durchschnittslohn nicht mehr der Preisentwicklung an-passen und schon gar nicht der Entwicklung der Produktivität.

Der Anteil der Löhne erreichte am jährlichen Volkseinkommen 1973 seinen oberen Wendepunkt und trat dann seinen ständigen Abstieg bis zum vorläufigen Tiefstpunkt um 2007 an, von dem er sich zwar etwas erholte, aber nur, weil nun mit der Weltkreditkrise auch die Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen ziemlich stark ein-brachen.

Die Produktivität ist seit 2000 um rund 14 Prozent gestiegen, seit dem Jahr 1970 sogar um 85 Prozent. Das wurde durch mehr Arbeitsdruck einerseits und durch immer mehr Industrieautomaten andererseits erreicht.

Nach Korea und Japan hat Deutschland den im internationalen Vergleich höchsten Einsatz von Industrierobotern pro Beschäftigte und mehr als doppelt so viel wie in den USA. Doch selbst Fachkräfte haben davon wenig in ihrer Lohntüte gesehen. Ihre Brutto-Monatsverdienste stiegen verbraucherpreisbereinigt in 7 Jahren nur um magerste 1,2 Prozent.

Die Entwicklung der Arbeitseinkommen fällt als besonders unsozial auf, wenn man sie mit den Unternehmens- und Vermögenseinkommen und deren Entwicklung vergleicht. Über die längere Frist seit dem Jahr 2000 haben diese inflationsbereinigt um stattliche 30,3 Prozent zugelegt, während die Nettolöhne und -gehälter pro Arbeitnehmer immer noch bei minus 0,3 Prozent pendeln.

Schließlich ist bei den Löhnen die zunehmend starke Differenzierung nach Leistungs-gruppen zu berücksichtigen, die einen Großteil der Arbeitnehmer mit einer noch schlechteren Lohnentwicklung zurücklässt. Besonders stark steigen die Gehälter der leitenden Angestellten, bei den Unternehmensbossen angefangen und – wenn auch in deutlich geringerem Umfang – bei den sogenannten „herausgehobenen Fachkräfte”.

So gelang es den Vorständen der 30 deutschen DAX-Unternehmen, ihr Durchschnitts-einkommen bis 2012 auf 5,33 Millionen Euro hochzuschießen, mehr als das Hundertfache der Durchschnittslöhne ihrer betrieblichen Mitarbeiter.

Bei den anderen Leistungsgruppen sah es sehr viel schlechter als bei diesen zwei Spitzen-gruppen aus. Hier reißt also ein weiterer unsozialer Graben innerhalb der Arbeits-einkommen auf. Er kommt zu dem Hauptgraben zwischen Arbeitsentgelt einerseits und Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen andererseits noch hinzu.

Im internationalen Vergleich Westeuropas hatte Deutschland zwischen den Jahren 2000 und 2013 die schlechteste Lohnentwicklung in Westeuropa (ohne Griechenland) und auch verglichen mit den USA. Besonders schlimm ist, dass Deutschland zusammen mit Österreich in Westeuropa die höchste Lohndiskriminierung der Frauen aufweist.

Die Entwicklung der Löhne und vieler Sozialleistungen steht in engem Zusammenhang mit der Entwicklung der Verbraucherpreisinflation. Die Gewerkschaften zielen in Deutschland vorrangig darauf ab, mit den in den Tarifverhandlungen angestrebten Lohnsteigerungen den Kaufkraftverlust durch die erwartete oder in der jüngeren Vergangenheit amtlich gemessene Inflation auszugleichen.

An der Lohnentwicklung orientieren sich dann die Sozialrenten und Pensionen im öffent-lichen Dienst. Die Sozialleistungen, wie Hartz-4, werden direkt an die Verbraucherpreis-inflation angebunden. Damit ist die Berechnung der Inflationsrate ganz entscheidend für die soziale Verteilung in Deutschland.

Doch genau an dieser Stelle hat die amtliche Politik unter Schröders rot-grüner Koalition 2002 und 2003 gleich zwei gravierende Neuerungen eingeführt, die beide durch ziemlich künstliche Rechentricks eine niedrigere Inflationsrate herbeiführen, als sie von den meisten Menschen, besonders am unteren Ende der Einkommens-Skala, täglich empfunden wird.

Noch bis zum Ende des Jahres 2002 wurde die Inflationsrate in Deutschland für die einzelnen Haushaltstypen getrennt berechnet. So gab es neben dem Preisindex für Beamte und Angestellte mit höherem Einkommen einen Index für Arbeiter und Angestellte mit mittlerem Einkommen und den Preisindex für Rentner und Sozialhilfe-empfänger mit geringem Einkommen.

Natürlich haben sich die Lebenshaltungskosten für die verschiedenen Haushaltstypen sehr unterschiedlich entwickelt. Während z.B. der Preisindex für die höheren Ein-kommensgruppen von 1995 bis Ende des Jahres 2002 nur um 9,7 Prozentpunkte gestiegen war, mussten Geringverdiener im selben Zeitraum einen Kaufkraftverlust in Höhe von 11,2 Prozentpunkten ertragen.

Doch zum Beginn des Jahres 2003 wurde diese Aufgliederung zugunsten eines einheit-lichen Verbraucherpreisindexes abgeschafft. Dieser Index liegt deutlich unter dem von vielen Menschen empfundenen Preisanstieg.

Wer wie beispielsweise Sozialrentner seine knappen Einkünfte im Wesentlichen auf Nahrungsmittel, Strom, Gas, Brennstoffe, Wasser, Wohnung, Verkehrsdienstleistungen, Sprit und Fahrzeugwartung sowie Gesundheitspflege ausgab, hat seit dem Jahr 2000 um etwa 7 Prozentpunkte mehr Inflation ertragen müssen, als die amtliche Berechnung ausweist.

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(Einkommensentwicklung bis Q3 2013. Werte zu Preisen von 2000, Nettolöhne und -gehälter verbraucherpreisbereinigt, Unternehmens-Vermögenseinkommen BIP-Inflator bereinigt)

Zweitens wurde 2002 nach dem Vorbild der USA, wo die Statistik schon seit vielen Jahren beliebig manipuliert wird, die sogenannte „hedonistische” Methode der Preis-berechnung eingeführt. Das Statistische Bundesamt berücksichtigt dabei die ange-nommene Qualitätssteigerung von Produkten und verkaufte das als „Qualitäts-bereinigung” der Statistik.

Preisentwicklungen werden fortan heruntergerechnet, wenn das Amt eine Qualitäts-steigerung annimmt. Wenn z.B. bei einem neuen Computermodell die Taktfrequenz gestiegen ist, dann wird dies vom Statistischen Bundesamt als Preissenkung berück-sichtigt. Ähnliche fiktive Preissenkungen in der deutschen Statistik gibt es z.B. bei Gebrauchtwagen, Waschmaschinen und Fernsehern sowie bei Immobilien.

Also sinken die angenommenen Preise für viele Artikel in der amtlichen Preisstatistik immer mehr, obwohl sich die Verkaufspreise nicht entsprechend ermäßigt oder sogar erhöht haben. Anders als in Deutschland gibt es in USA allerdings eine viel beachtete private Berechnung der echten Inflationsrate in ShadowStats. Die amtliche Statistik lag danach seit dem Jahr 2000 jedes Jahr um etwa 3 Prozentpunkte unter der von ShadowStats berechneten.

Diese doppelte Statistikumstellung war also Teil der Schröderschen Reformen. Die Gewerkschaften, die ihren Mitgliedern Erfolge in den Tarifverhandlungen vorführen wollen, orientieren sich natürlich lieber an der künstlich nach unten gerechneten amtlichen Inflationsrate.

Insgesamt hat die seit etwa dem Jahr 2000 verstärkt einsetzende weltwirtschaftliche Integration Osteuropas und der großen Schwellenländer China und Indien mit einer Bevölkerung von circa 2,7 Milliarden Menschen das Verhältnis von Kapital und Arbeit in der Welt grundsätzlich und für sehr lange Zeiten geändert.

So hat sich nach Schätzungen von Harvard-Professor Richard Freeman die Zahl der Arbeitskräfte im globalen Wirtschaftssystem von 1,46 Milliarden auf 2,93 Milliarden verdoppelt, ohne dass das über Investitionen nach Arbeit suchende Kapital (im Unterschied zum Spekulationskapital) entsprechend zunahm. Mehr als die Hälfte der Zunahme an Arbeitskräften und wahrscheinlich 80 Prozent der exportrelevanten Arbeitskraft entfällt dabei allein auf China.

China hat extrem niedrige Arbeitskosten und kann mit der Ausbeutung seiner etwa 250 Millionen Wanderarbeitnehmer immer mehr Industrieproduktion aus der Welt an sich ziehen und zugleich in den alten Industrieländern die Löhne unter Druck setzen.

In China gibt es nur die Staatsgewerkschaften, die sich mehr für die Unternehmens-leitungen einsetzen als die Rechte der Arbeitnehmer. Das Streikrecht ist nicht anerkannt, sodass nur wilde Streiks stattfinden können. Die Sozialversicherung ist bisher trotz aller Pläne nur rudimentär, sodass die Arbeitnehmer für alle Schicksalslagen sparen müssen.

Eine Studie der Boston Consulting Group zeigte, dass im Jahr 2000 der Lohn einer chinesischen Arbeitskraft noch etwa 3 Prozent von dem eines amerikanischen Arbeit-nehmers betragen hat. Dieser Anteil ist auf 4 Prozent in 2005 und 9 Prozent in 2010 gestiegen.

In der chinesischen Stadt Guangzhou, wo sehr viel Exportindustrie angesiedelt ist, soll der durchschnittliche Monatslohn nach Boston Consulting zwischen 405 und 473 US$ (entspricht 355 Euro) betragen, was die schlechter bezahlten Wanderarbeitnehmer einschließt. Der monatliche Mindestlohn lag 2012 für Shenzhen, eines der Haupt-exportzentren, bei 240 US$/180 Euro.

Besonders die Bundesregierung hat unter dem Druck der deutschen Exportkonzerne auf eine rasche Aufnahme Chinas in die für Marktwirtschaftsländer konzipierte Welthandels-organisation gedrängt und so entscheidend mitgeholfen, China die Märkte der alten Industrieländer für seine Exportoffensiven zu öffnen.

Ebenso wurde die Ausbeutung der Niedrigstlöhne in Ländern wie Kambodscha er-möglicht. Dort verdiente 2013 ein für europäische Modehäuser beschäftigter Textil-arbeiter im Monat gerade einmal 80 US$/58 Euro.

Aus ähnlichen Motiven waren deutsche Industrie und Bundesregierung an einer schnellen Erweiterung der EU auch noch um die rückständigen Niedrigstlohnländer Rumänien und Bulgarien interessiert. Die Arbeitskosten in diesen Ländern betrugen 2012 nur knapp 17 Prozent bzw. knapp 14 Prozent derer in Deutschland.

Noch bevor mit dem Auslaufen der EU-Übergangsregelung ab 2014 alle Schranken fielen und auch Arbeit frei aufgenommen werden konnte, war der Zuzug aus beiden Ländern nach Deutschland stark angestiegen. Nachdem 2007 die visafreie Einreise eingerichtet wurde, sprang die Zahl der jährlich aus beiden Länder Einreisenden von 45.000 auf 523.000 in 2011 hoch.

Auch Großbritannien, das neben Deutschland besonders für die rasche Aufnahme beider Länder in die EU eingetreten war, beklagt nun die Einwanderungswelle. Mitte 2013 kam von dort schon fast ein Drittel mehr in Großbritannien an als in der Vorjahresperiode und für die nächsten fünf Jahre wird mit jährlich 50.000 Neuankömmlingen gerechnet. Sowohl die niedrigen Produktionskosten in diesen Ländern wie die Einwanderung haben natürlich lohndrückende Auswirkungen auf Deutschland wie auf andere Länder der Alt-EU.

Die durch die schrankenlose Globalisierung ermöglichte und nun glaubwürdige Drohung der Arbeitgeber mit Betriebsverlagerungen oder -schließungen hat die Gewerkschaften erheblich geschwächt. Die größten deutschen Konzerne sind noch weit internationaler aufgestellt als der Durchschnitt ihrer Konkurrenten im Ausland. So hatten die DAX 30-Unternehmen schon 2011 nur noch 41,6 Prozent ihrer Beschäftigten im Inland. In der gewerblichen Wirtschaft insgesamt ist der Inlandsanteil am Umsatz seit 2005 weiter bis auf unter 53 Prozent gefallen.

Nach den letzten Zahlen von Eurostat für 2010 hat Deutschland den höchsten Niedrig-löhneranteil in Westeuropa. Kein anderes Land ist bei den Arbeitseinkommen so ge-spalten und vertieft diesen Riss immer weiter. Selbst das amtliche Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung stellt dazu fest:

„Fast ein Viertel aller deutschen Beschäftigten bezog im Jahr 2010 einen Niedriglohn, das heißt weniger als 2/3 des mittleren Lohns. Die auf Basis von Stundenlöhnen ermittelten Niedriglohnquoten weisen für Deutschland mit einem Anteil von 24,1 % an allen Beschäftigten den höchsten Wert unter den Vergleichsländern auf, wenn man einmal von Litauen absieht.”

Die Niedriglöhner verdienten in Deutschland im letzterfassten Jahr 2011 weniger als 9,14 Euro brutto pro Stunde. Das sind mehr als acht Millionen Menschen. Zur Gruppe der Niedriglohnbezieher gehören in Deutschland vor allem Frauen, deren Niedriglohnanteil bei einem Drittel liegt, und Teilzeitbeschäftigte mit einem Anteil von 40 Prozent.

Seit 1992 ist der Anteil von Teilzeitbeschäftigung auch bei Männern von etwas unter 3 Prozent auf fast 11 Prozent gestiegen. Gerade jüngere Arbeitnehmer unter 30 Jahren finden mit einem Anteil von über 36 Prozent den Berufseinstieg fast nur noch über Niedriglöhne.

Auch Beschäftigte, die zum Kernbereich des „ersten” Arbeitsmarkts gezählt werden können, nämlich über 30-jährige vollzeitbeschäftigte Männer mit inländischer Staats-angehörigkeit und unbefristeten Verträgen, abgeschlossener Ausbildung oder Studium, zählen hierzulande häufiger zu den Geringverdienern; mehr als 6 Prozent dieser Gruppe sind schon betroffen. Selbst unter den sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten ist der Anteil der Niedriglöhner über die letzten 20 Jahre ständig gestiegen.

Immer mehr Menschen müssen einen Zweitjob aufnehmen und nach Feierabend weiter-arbeiten, meist weil sie mit dem ersten nicht genug verdienen. Ende vergangenen Jahres besserten 2,7 Millionen Menschen ihr Einkommen aus einer regulären Hauptbe-schäftigung mit einem Minijob auf. Damit arbeiteten 9 Prozent aller sozialversicherungs-pflichtig Beschäftigten nebenbei in einem Zweitjob. Dieser Anteil hat sich innerhalb von zehn Jahren mehr als verdoppelt.

Der Staat subventioniert in Deutschland offen die Arbeitgeber, indem er Löhne unterhalb des Hartz-IV-Niveaus auf dieses anhebt. Das ergibt dann die sogenannten „Aufstocker”. Der durchschnittliche Stundenlohn der Aufstocker beträgt 6,20 Euro.

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(Reale Lohnentwicklung in Westeuropa und USA)

Auch unter den armutsgefährdeten Arbeitnehmern – den „Working poor” – hat Deutschland mit fast 8 % einen der höchsten Anteile in Westeuropa. Rechnet man Luxemburg und die Schweiz als Sonderfälle mit besonders hohem Durchschnittslohn als Basis für die Berechnung der Armutsschwelle heraus, so liegt der Anteil der armutsge-fährdeten Arbeitnehmer nur in den Krisenländern Griechenland, Spanien und Italien noch höher als in Deutschland.

Der Niedriglohnsektor war in Deutschland immer als gute Startposition in den regulären Arbeitsmarkt angepriesen worden. Diese Mär ist generell statistisch längst widerlegt. Schon 2005 zeigten die Zahlen der Bundesregierung, dass es eine „Niedriglohnfalle” war. 2013 hat das Institut für Berufs- und Arbeitsmarktforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit als Ergebnis einer neuen Untersuchung der 1,4 Millionen Aufstocker mitgeteilt:

„Geringfügige und befristete Beschäftigungsverhältnisse, Zeitarbeit oder niedrig ent-lohnte Tätigkeiten bahnen nur selten den Weg in eine ungeförderte Beschäftigung.”

Im Jahr 2011 waren nur 17 Prozent der Aufstocker des Vorjahres nicht mehr auf Hartz-4-Zahlungen angewiesen, 61 Prozent waren weiter Aufstocker und 22 Prozent hatten keinen Job mehr und lebten nur noch von Hartz-4. Das ist die traurige Wahrheit.

Der durchschnittliche Stundenlohn der Aufstocker erreicht dabei nur etwa ein Drittel des deutschen Stundenlohns.

Ähnlich erging es übrigens den 87.000 Langzeitarbeitslosen, die durch das von Arbeits-ministerin von der Leyen mit viel Tamtam aufgelegte Programm der Bürgerarbeit wieder in den Arbeitsmarkt eingegliedert werden sollten. Nur 20 bis 25 Prozent waren nach Ausscheiden aus der Bürgerarbeit in sozialversicherungspflichtigen Jobs gelandet und bis zu 23 Prozent waren sogar schlicht völlig aus der Statistik verschwunden.

Deutschland ist eines der Schlusslichter in der Entwicklung der Lohnstückkosten, die aus Lohnkosten und Entwicklung der Produktivität bestehen und die seit dem Jahr 2000 um 3,5 Prozent gefallen sind, während sie beispielsweise in Frankreich um 2,5 Prozent stiegen.

Damit treibt Deutschland die Lohnspirale in der Eurozone immer mehr nach unten und trägt entscheidend zu der den Euro bedrohenden Auseinanderentwicklung der Eurozone bei. Besonders Frankreich als der wichtigste deutsche Partner hält mit Kritik nicht mehr zurück. So beklagte Benoît Hamon, beigeordneter Minister für soziale Ökonomie und Solidarität, im September 2013:

„Ich möchte, dass Deutschland fair mit einem Wirtschaftsmodell spielt, das nicht auf einem Wettbewerb nach dem Prinzip gründet, wer kann den Arbeitnehmern die niedrigsten Löhne zahlen. Ich bin müde, Ermahnungen für Arbeitsmarktreformen zu hören, wenn einige Länder in Europa an den Beschäftigungsdirektiven der EU vorbei-kommen und ihre Arbeitnehmer unterbezahlen. Ich möchte, dass Deutschland eine Sozialpolitik hat, wo die Wettbewerbsfähigkeit nicht von 400 Euro-Jobs abhängt. Wir lassen Arbeitnehmer zu 7 Euros gegen solche kämpfen, die 10, 11 oder 14 pro Stunde verdienen. Das kann nicht in dem gleichen Territorium funktionieren. Das ist nicht möglich. Das geht nicht.”

Autor: Joachim Jahnke, geboren 1939, promovierte in Rechts- und Staatswissenschaften mit Anschluss-Studium an französischer Verwaltungshochschule (ENA), Mitarbeit im Kabinett Vizepräsident EU-Kommission, Bundeswirtschaftsministerium zuletzt als Ministerialdirigent und Stellvertretender Leiter der Außenwirtschaftsabteilung. Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung in London, zuletzt bis Ende 2002 als Mitglied des Vorstands und Stellvertretender Präsident. Seit 2005 Herausgeber des „Infoportals“ mit kritischen Analysen der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung (globalisierungskritisch). Autor von 10 Büchern zu diesem Thema, davon zuletzt „Euro – Die unmöglich Währung“, „Ich sage nur China ..“ und „Es war einmal eine Soziale Marktwirtschaft“. Seine gesellschaftskritischen Analysen beruhen auf fundierter und langjähriger Insider-Erfahrung.

Sein Buch über das Ende der sozialen Marktwirtschaft (275 Seiten mit 176 grafischen Darstellungen) kann unter der ISBN 9783735715401 überall im Buch- und Versandhandel für 15,50 Euro bestellt werden.

Quellen: AMECO/Destatis/Deutsche-Wirtschaft-Nachrichten vom 29.03.2014

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33 comments on “Die Schande von Europa: Deutschland beutet seine Arbeiter aus

  1. >In China gibt es nur die Staatsgewerkschaften, die sich mehr für die Unternehmens-leitungen einsetzen als die Rechte der Arbeitnehmer. Das Streikrecht ist nicht anerkannt, sodass nur wilde Streiks stattfinden können. Die Sozialversicherung ist bisher trotz aller Pläne nur rudimentär, sodass die Arbeitnehmer für alle Schicksalslagen sparen müssen.

    Und dieses Land nennt sich noch heute kommunistisch. Eine Megalüge ist das!

    Aber noch zur ganzen Misere. Es stellt sich doch die berechtigte Frage, wann es denn soweit ist, dass ein so richtiger Revolutions-Flächenbrand entsteht und die Arbeiterschaften die Macht an sich reissen und die wahren Schuldigen der Superreichen am Galgen landen, – denn so kann es ja unmöglich weiter gehen!!!

    Man lernt doch tatsächlich nichts aus der Geschichte. Wie schon Lenin gesagt haben soll, als er sich zur Reise von Genf nach Leningrad bereit machte: Die Revolution ist verraten.

    Dass der Bolschewismus keine Problemlösung sein konnte, war schon ziemlich früh klar. Es käme also darauf an, dass man es beim nächsten Mal besser macht. Vor allem mit einer ideologiefreien rationaleren Gesinnung. Ein Zerstreiten unter „Genossen“ wird immer zur Selbstzerstörung führen.

    Ich hege allerdings wenig Hoffnung, weil, wenn man die Welt besser machen will, mit dem Menschen ist das definitiv langfristig nicht möglich. Dieser Homo-Knallkopf ist schlichtweg zu blöd.

  2. Das reiche, gierige Pack muss endlich zur Rechenschaft gezogen werden, so wie dieses Ausbeutersystem aufgebaut ist, sind die Zustände kaum anders wie zu Zeiten der Sklaverei. Einerseits ist der Mensch intelligent genug modernste Technik zu entwickeln, andererseits ist er zu dumm seinen Lebensraum zu erhalten und zu schützen und gerecht zu teilen, weil die Gier einzelner ins Unermessliche ausufert. Jeder der logisch denken kann, erkennt recht schnell, das die Ausbeutung von Mensch, Tier und Natur in jeder Form zwangsläufig zum Untergang führen wird.
    Das Wirtschaftssystem ist mittelalterlisch und basiert zum größten Teil auf Ausbeutung ohne jegliche Rücksicht auf Lebewesen und Ökosysteme. Nur Gewinn, Leistung, Macht und Konsum zählen. Der Mensch hat sich seine Hölle auf Erden selbst geschaffen! Und das beweist einmal mehr, wie dumm und primitiv der Mensch letztendlich ist, obwohl ihm bewusst ist, das er seinen Lebensraum durch eine andere gerechte Lebensweise erhalten könnte, macht er so weiter wie bisher. Die Natur kommt ohne Menschen aus, der Mensch hingegen ist auf die Natur in jeder Hinsicht angewiesen, doch leider wollen das diese Raffgeier nicht einsehen. Wenn der Planet zu Grunde gerichtet ist, nützen weder Gier noch Unsummen von Geld etwas, dann gilt das oberste Naturgesetz. Die Natur holt sich mit aller Macht das wieder, was der Mensch ihr rücksichtslos genommen hat und die Natur wird auch keine Rücksicht auf die Menschen nehmen!
    Das beruhigende daran ist, dass sich das reiche Pack vom obersten Naturgesetz nicht freikaufen kann und genauso draufgeht!

  3. > Jeder der logisch denken kann, erkennt recht schnell, das die Ausbeutung von in jeder Form zwangsläufig zum Untergang führen wird.

    Aber jeder Egoist der ausbeutet denkt auch, dass es ihn nicht treffen wird, und darum bleibt er raffgierig. Es gilt für ihn „nach mir die Sintflut“. Würde der Mensch 500 Jahre alt werden, wäre er vielleicht umsichtiger…

    > Mensch, Tier und Natur

    Es beginnt auch in den Formulierungen der Worte. Nicht den Vollidioten Mensch sondern die Natur an erster Stelle setzen. Daher besser „Natur, Tier und Mensch“. Ich pflege so zu sprechen und schreiben. Wenn das viele machen, kann man damit das kollektive Unbewusste günstig beeinflussen.

    Man bedenke: Der Mensch ist nur schon auf den Regenwurm (Boden/Agrar-Basischemie) angewiesen. Die ganze Natur mit dem Regenwurm kann auf den Homo-Deppus verzichten.

    > Das beruhigende daran ist, dass sich das reiche Pack vom obersten Naturgesetz nicht freikaufen kann und genauso draufgeht!

    Naja, ich bedaure trotzdem die enorme Lebensvielfalt die der moderne Homo-Deppus vor diesem Untergang kaputt macht. 🙁

  4. Das kann man wohl sagen.
    Die ganze Ordnung, die Sicherheit der Existenz, alles wird vollkommen durcheinander gebracht, vernichtet aus lauter Gier, wo immer die regiert.
    Nichts ist mehr geordnet.
    Man übt schon mal zu hause, probiert aus, was man der ganzen Welt aufzwingen will
    Wenige Herrscher und Reiche, dazu ein Heer von Arbeitssklaven.
    Verstehen sie mich nicht falsch, ich habe nichts gegen Reiche, die das ehrlich erarbeitet haben. Ich habe aber was dagegen, das man die ganze nachwachsende Generation um ihre Zukunft betrügt.
    Es gibt Zeitfenster im Leben,,,. Kindheit,,,Jugend …Ausbildung. Arbeit ..Familie und eine berechenbare Existenz.
    Wer nach der Ausbildung, keine berechenbare Arbeit mit kalkulierbaren , existensichernden Einkommen hat, der wird auch keine Kinder bekommen, keine Familie gründen , somit ist der ganze Generationenvertrag gefährdet.
    Genau für das „Kinderkriegen“ gilt besonders ein begrenztes Zeitfenster.
    Wer keine Familie ernähren kann, der wird sich das heute sehr gut überlegen, ob er sich freiwillig zum Sozialamt .Kostgänger des Staates macht.
    Natürlich wird es auch immer solche Fälle geben, die nur gering entlohnt werden können , weil die eigenen Leistungsfähigkeit ,warum auch immer , eingeschränkt ist.
    Aber , jeder normale Bürger mit Ausbildung und Abschluss hat entsprechend entlohnt zu werden, um sein Leben, auch mit Kindern finanzieren zu können.
    Kommt das nicht bald wieder in die richtigen Bahnen, dann ist das Zeitfenster für eine ganze Generation zu.
    Die Politiker sollten sich gut überlegen, was sie derzeit lanfristig anrichten..
    Wer ab 30 ewig immer noch nur Zeitverträge und Praktikas bekommt. der kann nur von einem Tag auf den anderen planen und leben, geschweigedenn eine Wohnung einrichten mit diesen paar Hundert Euros. Da haben auch Kinder keinen Platz.
    Vor allem, weg mit diesen verdammten priv. Arbeitsagenturen. da blüht die Schikane besonders.
    Wo Familien untergehen, ist der Untergang der Gesammtgesellschaft vorprogrammiert.
    Aber die heilige Kuh WIRTSCHAFT darf nicht angestastet werden.
    Die Investoren müssen freie Fahrt haben, egal wo und wie, ob sie sinnvoll investieren, oder nur Betriebe kaputt, machen, weiterverschachern und absahnen. Dieser Wirtschaftszweig macht uns kaputt, der rettet nichts, der zockt. kaufen und weiterreichen mit Gewinn, Arbeiter auf die Straße, oder es geht mit Dampinlöhnen weiter.
    Das ist keine Wirtschaftspolitik, das ist Ganoventum.

  5. In diesem Zusammenhang wäre auch ein Blick auf unser Arbeitsrecht sinnvoll. Denn es läßt zu, dass sich Arbeitnehmer nur kostenpflichtig gegen Straftaten wie ausbleibende Lohnzahlungen wehren können. D.h. er bleibt in jedem Fall auf seinen Anwaltskosten sitzen, bzw. muß diese sogar gegenrechnen. D.h. er ist schlechter gestellt als im BGB, bei der der Schädiger den Schaden so zu korrigieren hat, als wäre dieser nie entstanden. Zusätzlich dürfen Arbeitgeber den Prozeßbeginn monatelang aufschieben, obwohl dieses Verhalten für Arbeitnehmer existenzbedrohend ist. (D.h. Arbeitgeber und Arbeitsamt zahlt nicht, weil Arbeitgeber blockiert) Er hat nur die Wahl und Flucht auf Grundsicherung. (Es kann also dadurch drohen, Wohnungsverlust, sozialer Abstieg, massive Behinderung bei der anschließenden Jobsuche) Daher nenne ich dieses Verhalten auch kriminell.

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