
Bricht am 9. Mai der Aktienmarkt dramatisch ein? US-Anleger zittern (wieder einmal) vor einem großen Börsen-Crash.
Der Grund: Im Internet kursiert ein Untergangsszenario, in dem das Crash-Jahr 1987 mit der heutigen Situation verglichen wird. Damals erlebte der US-Leitindex Dow Jones nach einem fünf Jahre andauernden Hoch – die Kurse hatten zwischen 1982 und 1987 um 230 Prozent zugelegt – einen Rekordeinbruch.
Auch heute befindet sich der Aktienmarkt in seinem sechsten guten Jahr. Droht der Wall Street jetzt der totale Kollaps?
Die Angst vor der Finanz-Katastrophe ist indes alles andere als neu. Erst vor wenigen Wochen geisterte ein „Chart of Doom“ durchs Netz, eine „Grafik des Untergangs“, die die Kursentwicklung mit der Situation kurz vor dem gigantischen Börsencrash 1929 verglich.
Die Grafik zeigte angeblich eindeutige Parallelen zwischen der Dow-Jones-Entwicklung zwischen 1928 und 1930 sowie 2012 und 2014: Legt man die beiden Kurven über-einander, sind sie beinahe deckungsgleich.
Denn nicht nur die allgemeine Entwicklung, sondern auch alle Auf- und Abwärts-bewegungen waren so gut wie identisch. Die Angst bei den Anlegern war jedoch schnell wieder verflogen, nachdem sich die Kurven anschließend wieder auseinander bewegten.
Jetzt prophezeit eine neue Grafik den Horror-Crash am Aktienmarkt. Wiederholt sich die Geschichte dieses Mal? Das Chart sagt den ultimativen Börsen-Absturz für Freitag, den 9. Mai 2014 voraus. Alles nur Spekulation?
Fakt ist: Im Sommer 1987 wurde die Situation am US-Markt bereits brenzlig, der große Knall kam dann am 19. Oktober: Der US-Leitindex S&P500 stürzte um 21 Prozent ab – damit wurden die Kursgewinne von mehreren Jahren innerhalb von 24 Stunden vernichtet.

„Ich möchte niemanden beunruhigen, aber ganz ehrlich, ich kann mich an keinen Fall in meiner jahrzehntealten Börsenhistorie erinnern, da es zu einer solch abrupten Trendumkehr innerhalb eines Handelstages gekommen ist“, sagte Investor Dennis Gartman der „Welt“. Sein“Gartman Letter“ gehört zu den renommiertesten Börsenbriefen an der Wall Street.
Gartman bezog sich auf einen dramatischen Kursfall am vergangenen Freitag: Erst erreichte das Börsenbarometer im Handelsverlauf einen historischen Höchststand, um anschließend kurzzeitig ins Bodenlose abzustürzen. Eine ähnliche Kursentwicklung lässt sich in der Grafik auch kurz vor dem Börsencrash 1987 erkennen.
„Geschichte wiederholt sich nicht … aber reimt sie sich?“
Auch ein anderer Finanzexperte sieht Parallelen zum Börsencrash vor 27 Jahren. „Geschichte wiederholt sich nicht… aber reimt sie sich?“, fragt Jim Paulsen, Volkswirt und Anlage-Experte, in einem Online-Kommentar. „Wir stehen jetzt nur 37 Handelstage vor einem weiteren wichtigen Jahrestag in der Finanzgeschichte – dem 19.10.1987, als der S&P-500 (Aktienindex, der die Aktien von 500 der größten börsennotierten US-amerikanischen Unternehmen umfasst, Anm. d. Red.) seinen größten Tagesverlust aller Zeiten erlitt.“
Zwar wolle Paulsen keine Entwarnung geben – ganz ernst meint es der Experte mit seiner Warnung vor einem erneuten Börsencrash aber offenbar nicht. Geschichte wiederhole sich seiner Meinung nach nicht immer.
Finanzexperten und Anlagespezialisten hatten bereits nach Veröffentlichung des „Chart of Doom“ vor wenigen Wochen von einer Dramatisierung der Lage abgeraten. Sie glauben nicht, dass die Grafik eine wirkliche Prognosekraft besitzt.
Unbestritten ist die virale Kraft, die beide Grafiken besitzen. Untergangs-Prophezeiungen wie die „Charts of Doom“ sind daher nicht gerade förderlich für die Stimmung in der Finanzwelt, weil sie eine voreilige Massenpanik an den Märkten hervorrufen können.
„Solche falschen Parallelen können ihre eigene Realitäten schaffen, indem sie Investoren zu falschen Entscheidungen drängen“, schrieb Joshua Brown, Herausgeber des Börsen-briefs „The Reformed Broker“, damals in einem Kommentar.
Quellen: businessweek.com/huffingtonpost.de vom 08.04.2014
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