Rentner mit Geldsorgen: Alt, arm und abhängig

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Immer mehr Senioren reicht das Geld nicht. Oft sind die Rentner nun auf ihre Kinder angewiesen. Doch diese Umkehrung der Eltern-Kind-Beziehung bringt viele Schwierigkeiten mit sich – für beide Seiten.

Ihre Kinder wollen mit ihrer Armut nichts zu tun haben. Nicht sehen, wie Marie Bauer ihr Leben sorgsam Kästchen für Kästchen in Beträge einsortiert: Miete, Krankenkasse, Versicherung, Arztbesuch – von Zeile zu Zeile werden die Zahlen kleiner. Ganz unten auf das karierte Blockblatt schreibt die 77-Jährige: 47,30 Euro.

Andere zahlen so viel für ein Essen im Restaurant oder einen Einkauf im Supermarkt. Bauer dagegen musste den ganzen Januar damit auskommen. „Dabei habe ich nahezu mein ganzes Leben lang gearbeitet“, sagt die Rentnerin und ihre Stimme klingt dabei fast entschuldigend. Denn ihre Söhne lassen dieses Argument nicht gelten. „Wir schämen uns für dich“, sagte einer der beiden einmal am Telefon.

Wenn die eigenen Eltern alt werden, können über Jahre verinnerlichte Familien-strukturen plötzlich in sich zusammen brechen. Für ihre Eltern, die im Kindesalter so lange die Verantwortung übernommen haben, tragen die Kinder nun selbst Ver-antwortung – eine noch größere, wenn – wie bei Bauer – finanzielle Probleme hinzukommen. Früher steckten die Eltern ihren Kindern das Taschengeld in die Jackentaschen. Jetzt könnten sie oft selbst ein Taschengeld brauchen.

Marie Bauer musste ihre Arbeit immer wieder unterbrechen

Bauer bediente nach ihrer Ausbildung zur Bürokauffrau lange in der Gastronomie, die Maßkrüge vom Spatenbräu drängen sich heute noch auf den Oberschränken in der Küche. Von jedem Oktoberfest-Jahr einer. Wenn die Rentnerin erzählt, wie sie damals durch die Reihen eilte, schließt sie die Augen und lächelt. Das Alter schien in diesen Tagen noch so weit weg. Doch dann musste sie ihre Arbeit immer wieder unterbrechen, einmal wegen der Kinder, einmal wegen Brustkrebs.

Heute, in ihrer kleinen Zwei-Zimmer-Wohnung im Münchner Norden, fällt ihr das Laufen lange nicht mehr so leicht wie damals in den Festzelten – eine Nervenentzündung erschwert jeden Schritt. Die Wege zu Supermarkt und Apotheke sind für sie sehr viel weiter, der Maßstab ihrer Welt ist so viel kleiner geworden.

Etwa 930 Euro Rente bleiben Bauer, die nicht mit ihrem echten Namen in der Zeitung stehen will, von den vielen Jahren Arbeit. Nach Abzug aller Fixkosten sind es zum Ausgeben meist nur noch etwa 120 Euro. In besonders schweren Monaten wie im Januar, wenn Haftpflicht- und Hausratversicherung den kläglichen Rest weiter aufzehren, weniger. Weil sie das Licht nur wenn unbedingt nötig anschaltet, um Strom zu sparen, stürzte sie einmal im Dunkeln, erzählt sie. Wegen der hohen Arztkosten hätte sich das Sparen am Licht wohl kaum gelohnt.

Eine hohe Dunkelziffer

Nach Angaben des statistischen Bundesamtes hat sich in den vergangenen zehn Jahren die Zahl der Rentner in Armut fast verdoppelt. 2012 lebten in Deutschland etwa 465 000 Menschen über 65 Jahre allein von der staatlichen Grundsicherung. Ursache für das wenige Geld im Alter sind wie bei Marie Bauer oft unterbrochene Biografien – wenn aufgrund von Arbeitslosigkeit oder Kindererziehung über längere Zeit nur geringe oder sogar gar keine Beträge in die Rentenversicherung einbezahlt wurden. Nach einer Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung gibt es eine hohe Dunkelziffer an Betroffenen, mehr als die Hälfte aller Berechtigten beantrage die Grundsicherung gar nicht. Entweder aus Unkenntnis – oder aus Scham.

Vor Vorwürfen, wie sie Bauer am Telefon ertragen musste, haben viele Rentner Angst. Sie schweigen deshalb über ihre finanzielle Not, selbst vor der eigenen Familie. Verstecken die Mahnungen, wenn die Kinder zu Besuch kommen. Erfinden Ausreden, warum es im nächsten Monat schon wieder nicht mit dem Besuch am neuen Wohnort klappt.

Grundschullehrerin Mareike Nitt kennt das: Auch ihren Eltern reicht die Rente nicht, auch sie reden mit ihrer Tochter nur ungern darüber. Die beiden führten ihr Leben lang eine erfolgreiche kleine Firma, doch wurden kurz vor der Rente um den Verkaufspreis ihres Unternehmens betrogen. Etwas über 1000 Euro haben sie jetzt gemeinsam pro Monat, inklusive der Grundsicherung vom Staat. Die Miete für die kleine Wohnung und die private Krankenversicherung lassen davon kaum etwas übrig.

Was zahle ich den Eltern, was zahle ich der Tochter?

Mareike Nitt zahlt ihren Eltern meistens um die 200 Euro dazu, je nachdem was an Ausgaben anfällt. Die 41-Jährige will ihren echten Namen ebenfalls nicht in der Zeitung lesen – im Freundeskreis ist die Not der Eltern absolutes Tabuthema. Andere erzählen von den Geldgeschenken von Vater und Mutter, Nitt bleibt dann still. Sie muss immer abwägen: Was zahle ich den Eltern, was zahle ich der Tochter? Trotz Doppelverdiener-Haushalt sind Urlaube oder große Ansparungen bei ihr momentan nicht drin. Bei jedem Anruf Zuhause schwingt immer das Unbehagen mit: Ist wieder etwas kaputt, steht ein Arztbesuch an?

Ihre Eltern sind heute beide 68 Jahre alt, Nitt weiß, dass sie vielleicht noch 20 weitere Jahre für Vater und Mutter sorgen muss. Vor allem eine eventuelle Pflegebedürftigkeit fürchtet sie. Die Eltern könnten die Kosten für ein Pflegeheim von ihrem Vermögen wohl kaum zahlen, das Sozialamt könnte dann von Nitt Elternunterhalt verlangen. „Das macht natürlich Angst. Ich kann heute gerade so für meine Zukunft vorsorgen, aber nicht noch auch für sie ansparen“, sagt Nitt.

Erst Mitte Februar hat der Bundesgerichtshof entschieden, dass Kinder die Heimkosten für ihre Eltern auch dann tragen müssen, wenn der Kontakt seit Jahren abgebrochen ist. Bei Nitt stand solch ein Bruch nie zur Debatte. Aber die Beziehung zu ihren Eltern leidet unter dem neuen Abhängigkeitsverhältnis. Wer jahrzehntelang im eigenen Unternehmen gewohnt war, selbst zu entscheiden, lässt sich nur ungern reinreden. Die Eltern wollen ihre Tochter außerdem nicht belasten, versuchen die Probleme kleinzureden. Einfacher macht es das für Nitt nicht. Oft muss sie zwischen dem Gesagten herauslesen, was eigentlich los ist.

„Es darf keine Bittsteller-Haltung entstehen“

Trotz allem ist die 41-Jährige aber auch stolz, dass sie es finanziell überhaupt schafft, ihren Eltern etwas abzugeben. Das hat sie letztendlich auch deren Erziehung zu verdanken, das weiß Nitt. Für sie erfüllt sich der Generationenvertrag: Ihr habt mich über Jahre unterstützt und umsorgt, nun tue ich das Gleiche für euch.

Ähnlich sieht das Maximilian Ziss, dessen Name ebenfalls in Wahrheit anders lautet. Er selbst hat zwar kein Problem mit dessen Veröffentlichung, möchte aber seine Mutter schützen. Nachdem sein Vater kurz nach dem Eintritt in die Frührente verstarb, bleiben ihr im Monat noch etwa 800 Euro.

Ziss überweist seiner Mutter alle vier Wochen einen festen Betrag, mehrere Hundert Euro zusätzlich. Er findet die Regelmäßigkeit am wichtigsten: „Es darf keine Bittsteller-Haltung entstehen. Sie muss mit dem Geld fest rechnen können.“ Mittlerweile redeten er und seine Mutter sehr offen über die Situation, von den gewohnten Rollenbildern hätten sie sich weitgehend befreit, sagt Ziss.

Marie Bauer und ihre Söhne dagegen verharren noch immer in diesen Vorstellungen. Das Verhältnis zwischen ihnen war ohnehin schon länger zerrüttet, die finanzielle Not der Mutter erdrückt es nun zusätzlich. Der gemeinnützige Verein Lichtblick, der in München Menschen in Altersarmut hilft, unterstützt Bauer mittlerweile beim Kauf ihrer Medikamente. Mit dem Verein unternimmt sie Ausflüge, oft essen sie gemeinsam. Die Menschen dort ersetzen für Bauer die Familie.

Denn auch wenn sie die Hochzeitsfotos der beiden Söhne noch immer gerahmt in ihrem Schrank aufbewahrt, Kontakt hat sie zu ihnen kaum noch. Meist sind es nur Anrufe an Geburtstagen oder Feiertagen, die ihr ab und an noch Einblicke in das Leben der Kinder gewähren. Dann werfen sie ihr meist vor, warum sie denn mit dem Verein noch immer so viel durch die Gegend fahre. Bauer hätte doch sowieso kein Geld – und wenn sie etwas habe, solle sie doch bitte ihnen, den Söhnen, etwas davon abgeben. So wie es sich eben gehöre.

Quellen: dpa/sueddeutsche.de vom 12.04.2014

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23 comments on “Rentner mit Geldsorgen: Alt, arm und abhängig

  1. Die Armut der alten Leute, ist leider nicht verhinderbar von uns.
    Aber wenn Kinder sich für ihre Eltern schämen und ihnen nicht helfen wollen ect…
    Da sist eine Sauerei, und aus meinem Weltbild raus nicht entschuldbar und verabscheuungsdwürdig.
    Also wir in unserer Familie helfen einander, da is noch jeder für jeden da (wer noch da ist….).
    so muss das sein, und nicht anders, nur wenn man zusammen am Strang dieses beschissenen Lebens zieht, bleibt man wenigstens über wasser.
    (von Lageverbesserung oder sowas will ich nichtmal mehr Träumen, die Zeiten sind vorbei, mehr als Existieren ist nichtmehr machbar)

    1. Hallo Xentor,

      Da bin ich völlig einig mit Dir. Unterstützung in dem Sinne, dass Not verhindert oder zumindest vermindert wird, ist selbstverständliche moralische Pflicht. Mit nur vermindert meine ich, dass viele Familien mit Kindern selbst so wenig Geld haben, dass halt nur eine Teilunterstützung möglich ist.

      Was mir aber sehr sauer aufstösst ist, dass der Staat sich erlaubt ein Gesetz auf die Beine zu stellen, die diese Unterstützung zur juristischen Pflicht macht, jedoch gleichzeitig auf der Seite derjenigen ist, welche zu den Reichen und Superreichen zählen, deren Geld eigentlich dem Volk gehören müsste. Diese Volksvertreter, die in Wahrheit Vertreter ihres eigenen Wohlergehen sind und ihre persönliche Ehrgeizsucht befriedigen, sind die eigentlichen Schuldigen an dem was Du als beschissen bezeichnest. Es könnte nämlich auch ganz anders sein…

      Diese Politik(er) des abscheulichen und menschenverachtenden Turbo-Kapitalismus auf der Grundlage eines kranken Wirtschafts-Fundamentalismus verfilzt mit der Hochfinanz. Dies alles verurteile ich auf das Allerschärfste. Das ist billiger, würdeloser und amoralischer Abschaum! Und das sind meine Feinde!

      Noch ganz kurz zum kranken WIRTSCHAFTS-FUNDAMENTALISMUS. Dazu gehört die Einstellung, dass es diese Superreichen unbedingt braucht, damit es genug Arbeitsplätze gibt und auch das Volk ein gewisses Wohlergehen hat. So denken nicht wenige. Das ist aber nichts anderes als ein billiges und von Intelligenz befreites Dogma, das nicht beweist, dass es keine Alternative gäbe. Dogmen sind bekanntlich immer hirnlos und saumässig gefährlich, wenn sie die Basis der Wissenschaft ist und diese erst noch die notwendigen erkenntnistheoretischen Richtlinien z.B. eines Karl Popper, bewusst oder unwissentlich, weil zu blöd, ignoriert.

  2. Hallo Thomas und Xentor, ich lese mit Interesse Eure Post. Richtig ist, dass wir die Armut nicht verhindern können. Jedenfalls nicht unter den jetzt geltenden Prinzipien.
    Nicht gut ist, dass wir uns mit der gerade noch laufenden Existenz abfinden. Das ist nicht menschenwürdig, das ist Selbstverrat. Wir nehmen Prämissen und Prinzipien ernst, die menschenunwürdig sind.
    Dogmenl, Xentor, sind doch immer konstruiert für eine Interessenrichtung. Hirnlos, herzlos und richtig, gefährlich. Ich denke, wir brauchen keine davon gegeneinander abzuwägen. Ich denke immer wieder des Satz von Adorno: Im Falschen gibt es kein Richtig.
    Und so sehr wir kotzen und verurteilen können, damit lösen wir nichts. Damit sind wir Vertreter oder Zeugen oder Anwender des zerstörerischen Systems … Wir haben uns daraus noch nicht gelöst und sind darum ohnmächtig. Denn das ganze Ding ist gegen uns konstruiert und läßt immer weniger Lebensspielraum.
    Es ist wichtig, grundlegend die Dinge zu verstehen, wie wir ticken und wie das System tickt und dass beides fatal miteinander verbunden ist. Wir müssen lernen, ganz strickt, strukturiert zu denken, nur das anzuwenden und das Wahre, das es natürlich gibt, zu verstehen. Denn: „Nur aus dem Wahren erkennt man das Falsche!“ (Zitat ?) Wenn wir das erkennen, können wir genau das lassen … Einen anderen Weg gibt es nicht. Die Wahrheit ist einfach und eindeutig, und so ist der Weg in diesem Geiste.
    Wir resignieren nur, wenn wir nicht über die Wand hinaus blicken, die für uns ganz extra hergestellt ist und die wir für gegeben halten – von „Natur“ aus.
    Wir müssen für den Lösungsprozess noch mal einige Dinge komplett überhaupt und neu lernen. Ein Selbsterkenntnisprozess ist unerläßlich, ohne ihn bekommen wir keine klare Sicht, ohne ihn fressen uns die eigenen unbewußten Verwicklungen unser Energie weg.
    Für mich ist die beste Hilfe dafür das Buch Ein Kurs in Wundern gewesen. Ich kenne eigentlich fast nur Menschen, die dieses Buch ablehnen, als Gehirnwäsche und zu anstrengend sowieso. Sie bevorzugen die gewohnten Ergebnisse der negativen Gehirnwäsche. Und ihnen fehlt das treibende Verlangen nach richtiger Veränderung. Sie wollen auch nicht genug wissen über Details und Ursache-Folge-Dinge der globalen und speziellen Gegebenheiten. Und sie wollen letztlich einfach nur „leben“, essen, schlafen, unterhalten werden und nicht aufwachen. Diese Lebensweise ist schon anstrengend genug. Aber sie ist auch so anstrengend, weil man nie ankommt und sich auf einem Gipfel ausruhen kann und ausgedeht in die Weite schauen kann. Man ist immer unter Druck und will nichts weiter als Ruhe, die aber niemals eine sein kann.

    1. Hallo Ootis,

      Von Resignieren kann bei mir keine Rede sein, aber das wirst Du in diesem Posting noch bemerken…

      > Für mich ist die beste Hilfe dafür das Buch Ein Kurs in Wundern gewesen. Ich kenne eigentlich fast nur Menschen, die dieses Buch ablehnen, als Gehirnwäsche und zu anstrengend sowieso.

      Da stellt sich jetzt die Frage, haben diese Menschen dieses Buch gelesen, sich ernsthaft Gedanken zum Gelesenen gemacht, vielleicht auch das eine oder andere mit Dir oder andern diskutiert und sind dann zur Ablehnung gelangt? Wenn dem so ist, also eine gewisse Anstrengung zugrunde liegt, dann muss man dies doch wohl aus demokratischer Gesinnung respektieren. Akzeptieren muss man es nicht.

      Ich kenne dieses Buch nicht und ich weiss nicht ob ich vielleicht mal Zeit dafür finden werde. Von Adorno weiss ich nur, dass die Inhalte offenbar sehr schwer sind. Ich habe dies vor bald zwei Jahrzehnten in den Weltanschauungs-Newsgruppen des UseNet mitbekommen, wo ein gewisser Herrn Blumentritt (Realname in seinen NG-Postings) sich sehr gut auskannte und immer wieder den Adorno zitierte. Ich erwähne dies hier, ich weiss ja nicht, vielleicht hast Du diese „Szene“ von damals auch miterlebt…

      Was ich hier zum Ausdruck bringen will, ich respektiere selbstverständlich was Du hier schreibst. Nur ist es halt so, Menschen sind verschieden und das universell Wahre gibt es nicht, denn Wahrheit ist schliesslich immer eine Ableitung des Wahrnehmens und das ist logischerweise individuell und so auch, wie eigentlich so ziemlich alles, relativ.

      Ich gehöre zu den pragmatisch praxisorientierten Menschen und ich bin der Meinung, wenn es denn keinen andern Ausweg gibt, dann muss man gegen die Ungerechtigkeit kämpfen. Über die Mittel dazu diskutiere ich hier nicht. Gut überlegt sein muss das, weil Uneinigkeiten in den eigenen Reihen sind stets der Tod einer Revolution, wie dies eigentlich sehr schön Lenin zum Ausdruck brachte, bevor er in den Zug von Genf zurück in die damals junge UdSSR stieg.
      Und nein, ich bin kein Fan von Lenin. Ganz bestimmt nicht!

      Mit diesen Ausführungen steige ich aus Zeitgründen von dieser Diskussion aus.
      Anderes wartet auf mich. 🙂

      1. Hallo Thomas, aus Zeitgründen antworte ich jetzt kurz – Resignation habe ich bei Dir Seite gar nicht angenommen. Ich verfolge Deine Post schon ein Weilchen interessiert und freue mich über gute Mitteilungen.
        Zum Buch und zu den Abneigungen – ich akzeptiere natürlich. Was sonst? Ich habe schließlich das Buch Jahre durchgekaut ;-). Ich las von Leuten, dass sie gegen das Buch sind, ich kenne Leute, die gegen das Buch sind. Jeder hat ein unterschiedliches Verlangen nach echtem Wissen, und es gibt unterschiedlich starke Widerstände gegen Veränderung. Ich gehe da mit meiner Einfühlung in die Hintergründe sehr weit und verstehe das. Außerdem hat jeder Mensch diese Widerstände, schon aufgrund der Konditionierungen, auch ich. Meine eigene Auseinandersetzung und Beobachtung dieser Sache ist gründlich und nie abgeschlossen…
        Wahrheit gibt es. Es ist reifeabhängig, wie weit ein Mensch mit hohem Wissen verbunden ist und sein Ego eben nicht die Steuerung übernimmt – das bestimmt wie weit ein Mensch so gering wie uns eben möglich ist, selbstlos oder weitgehend frei von Angst um sich selbst, eine Sache angehen kann. Es gibt das, was Du wohl mit objektiver Wahrheit meinst. Dazu muss man auch sehen, dass alles was es gibt, ein reiches Netz von ineinandergreifenden kleinen und großen Systemen gibt. Alles funktioniert nach den selben Gesetzen. Darum ist möglich, die Grundstrukturen zu verstehen und mit ihnen Beobachter und Nachdenker zu sein. Es ist Vorsicht geboten, uns auf das was wir für Denken halten zu verlassen. Wir haben so 3 bis 8 % unseres Hirnleistungsvermögens in Funktion. Um systemisch und analog denken zu können, müssen wir eigentlich neu lernen und üben. Jetzt denken wir linear, na ja. Damit nähern wir uns kaum Verständnis an, zu bruchstückhaft … Wir drehen uns im Kreis, bestätigen uns mehr oder weniger immer wieder was wir schon sagten – das Übliche eben, aber nicht den Teufelskreis überschreiten…

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