Köln (ots) – Im Laufe des Neujahrtages (1. Januar) erhielt die Polizei Köln Kenntnis über unterschiedliche Vorfälle bei denen Frauen Opfer von Übergriffen geworden sind. In der Silvesternacht nutzten Tätergruppen das Getümmel rund um den Dom und begangen Straftaten unterschiedlicher Deliktsbereiche. Die Polizei Köln hat eine Ermittlungsgruppe zur Aufklärung der Fälle eingerichtet.
Bei der Polizei Köln und der Bundespolizei erstatteten bis zum jetzigen Zeitpunkt knapp 30 Betroffene Anzeige und schilderten in diesen Fällen die gleiche Vorgehensweise der Täter. Die Geschädigten befanden sich während der Neujahrsfeier rund um den Dom und auf dem Bahnhofsvorplatz, als mehrere Männer sie umzingelten. Die Größe der Tätergruppen variierte von zwei bis drei, nach Zeugenaussagen nordafrikanisch Aussehenden bis zu 20 Personen. Die Verdächtigen versuchten durch gezieltes Anfassen der Frauen von der eigentlichen Tat abzulenken – dem Diebstahl von Wertgegenständen. Insbesondere Geldbörsen und Mobiltelefone wurden entwendet. In einigen Fällen gingen die Männer jedoch weiter und berührten die meist von auswärts kommenden Frauen unsittlich.
Zur Klärung der Taten und Tatzusammenhänge hat die Polizei Köln eine Ermittlungsgruppe gegründet. Zur Arbeit der Ermittler gehört unter anderem die Auswertung umfangreicher Videoaufnahmen.
Weitere Geschädigte, die sich in der Silvesternacht am Bahnhofsvorplatz und um den Dom in der Zeit zwischen Mitternacht und vier Uhr aufgehalten haben und noch keine Anzeige erstattet haben, werden gebeten sich mit der Polizei in Verbindung zu setzen.“
Viele Redaktionen dürften nicht auf diese PM geklickt haben, die meisten übernahmen die dpa. Doch selbst wenn man diese PM liest, muss man sich als Journalist fragen: Kann man in dieser Allgemeinheit über „nordafrikanisch Aussehende“ schreiben? Was heißt das? Nach welchen Kriterien hat die Polizei entschieden, dass die Verdächtigen wie „Nordafrikaner“ aussehen? Hat die Polizei Vorlagen, nach denen sie auswählt?

Der Hinweis auf „nordafrikanisch Aussehende“ muss von jedem Redakteur mit humanistischer Grundbildung als rassistisch interpretiert werden. Denn vom Aussehen kann man auf überhaupt nichts schließen. Es gibt in Schwaben, Bayern, Berlin und Kassel sicher jede Menge Menschen, die „nordafrikanisch“ aussehen. Schwarze Haare, dunkler Teint, dunkle Augen, hervorstehende Backen-Knochen – das kann jeder haben. Der Rassen-Irrsinn der Nationalsozialisten hat auf genau solche Merkmale abgestellt, um Menschen anhand ihrer äußeren Merkmale als minderwertig zu klassifizieren. Und daher tun Journalisten im Deutschland des 21. Jahrhunderts gut daran, solche Begriffe nicht zu verwenden.
Und daher hat die dpa vermutlich darauf verzichtet, diese Beschreibung in ihre Agenturmeldung zu übernehmen. Redaktionen, die die PM der Polizei an diesem Abend gelesen haben, werden in der Regel so reagiert haben: Die dpa streicht es raus, also sind wir auf der sicheren Seite, wenn wir es auch weglassen. Wer möchte am Montag vor seinen Chef treten, wenn sich herausstellt, dass es andere Gruppen waren – die Russenmafia, Rechtsextreme, deutsche Trunkenbolde – und sich dafür rechtfertigen, dass er die dpa korrigiert hat? Kein Journalist macht das, schon gar nicht an Neujahr, ohne die Möglichkeit, sich rückzuversichern.
Wir haben den Chefredakteur der dpa, Sven Gösmann, befragt, warum die Agentur diese Qualifizierung aus der Pressemeldung der Polizei nicht in die Agentur übernommen hat. Ein Sprecher des dpa-Chefredakteurs teilte uns dazu mit:
„dpa hat auf die Polizei-Pressemitteilung vom Samstag, ca. 17.00 Uhr, mit einer Meldung um kurz nach 18.00 Uhr reagiert. Zuvor hatte die Polizei die Silvesternacht in der Innenstadt als „friedlich“ bezeichnet. Dies war auch die Einschätzung bei unserer telefonischen Anfrage im Laufe des Neujahrstages bei den Lagediensten im Land gewesen.
In der Pressemitteilung der Polizei ist ebenso wie in der dpa-Meldung von einer Tätergruppe die Rede, deren Größe nach Zeugenaussagen zwischen 2 und 20 Personen geschwankt habe. Zur Nennung der Nationalität bzw. ethnischer Zugehörigkeit mutmaßlicher Täter möchten wir auf den entsprechenden Passus im Pressekodex verweisen, an den sich dpa hält. In der Richtlinie 12.1 heißt es dazu: ,In der Berichterstattung über Straftaten wird die Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erwähnt, wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht. Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte.‘
In der Pressemitteilung vom Samstag berichtete die Polizei unter anderem: ,Die Verdächtigen versuchten durch gezieltes Anfassen der Frauen von der eigentlichen Tat abzulenken – dem Diebstahl von Wertgegenständen. Insbesondere Geldbörsen und Mobiltelefone wurden entwendet.‘ In einer weiteren Pressemitteilung am Sonntag ging es dann konkret um das Bedrängen von Personen durch sogenannte ,Antänzer‘. Dieses Vorgehen von Kriminellen ist in der Tat ein Vorgang, der regelmäßig von Polizeistellen – nicht nur in NRW – berichtet wird.
Selbstverständlich wertet dpa kontinuierlich und unabhängig vom Verbreitungsweg regionale, überregionale und internationale Medien aus.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die dpa-Kollegen die am Samstag vorliegenden Informationen korrekt bewertet und angemessen in Berichterstattung umgesetzt haben.“
Am Sonntag haben die Lokal-Medien wie der Kölner Express und der Kölner Stadtanzeiger über die Vorfälle berichtet. Deren Berichte ließen jedoch nicht eindeutig erkennen, dass es sich um Asylbewerber gehandelt hat. Schon gar nicht war zu erkennen, dass es sich um 1.000 Gewalttäter gehandelt hat, wie der Polizeipräsident am Montag bekanntgab. Am Sonntag waren auch erste Videos von Privatpersonen im Umlauf. Sie zeigte zahlreiche junge Männer, aber auch Frauen und ältere Leute, am Bahnhofsvorplatz beim Böller-Schießen. Wir bei den DWN haben das Videomaterial gesichtet und kamen zu dem eindeutigen Ergebnis: Das sind zwar ziemlich rustikale Praktiken, wie die Feuerwerkskörper da abgefeuert wurden. Doch das läuft zu Silvester in jeder Großstadt so ab. Die Jugendlichen, so ergab sich zumindest aus den vorliegenden Videos, veranstalteten keinen „Krieg“, wie ein Video betitelt war. Sie waren grenzenlos leichtsinnig und handelten sicher unverantwortlich. Aber es war in diesen Videos keinerlei Aggressivität gegen andere zu erkennen. Die Auswertung von Facebook und anderen sozialen Netzwerken war zu diesem Zeitpunkt schwierig: Eine Facebook-Seite, die schon früh auf die Ereignisse hingewiesen hat, hätte die Redaktion auf ihre Glaubwürdigkeit hin überprüfen müssen – eine Tätigkeit, die mindestens einen Tag in Anspruch nimmt, wenn sie seriös durchgeführt wird.

Am Sonntagabend konnten die Medien also nicht zweifelsfrei erkennen,dass es sich um Massenbelästigungen und sexuelle Übergriffe gehandelt hat, an denen Asylanten beteiligt waren. Die Bild-Zeitung war in dieser Causa überhaupt kein Leitmedium. Sie titelte andauernd vom „Sex-Mob“, worunter man sich etwas anderes vorstellt als Gewalttaten von Asylanten oder Flüchtlingen.
Am Montag gab der Kölner Polizeipräsident schließlich bekannt, dass es sich bei den Tätern um Männer handeln soll, die „dem Aussehen nach aus dem arabischen oder nordafrikanischen Raum“ stammen. Genauso wurde der Präsident auch von der dpa zitiert – die nun offenbar zu dem Ergebnis gekommen war, dass die Herkunft wichtig werden könnte. Die Deutschen Wirtschafts Nachrichten veröffentlichten diesen Beitrag am Montag um 19.14 Uhr, nachdem wir mehrere Kölner Quellen befragt hatten, ob diese Aussage des Polizeipräsidenten plausibel sei.
Dem Zögern der Medien, die in der Regel sehr stark der dpa folgen, liegt in eine wichtige journalistische Praxis zugrunde, der die meisten hier offenbar instinktiv gefolgt sind: Das Aussehen ist für einen Täter-Begriff irrelevant. Es ist rassistisch, weil mit der Berufung auf das „Aussehen“ eine viel zu große Gruppe wegen ihrer ethnischen Herkunft unter Verdacht gerät – wie die oben erwähnten Ärzte, Taxifahrer, Künstler usw., die allesamt „arabisch“ oder „nordafrikanisch“ aussehen können, aber deutsche oder EU-Staatsbürger oder ganz und gar unbescholtene Ausländer sind und mit den Gewalt-Exzessen in Köln und in anderen Städten genauso wenig zu tun haben wie ein blonder schwedischer Student oder eine rothaarige französische Kellnerin.
Die Polizei hat den Begriff vermutlich in Panik gewählt, weil sie unter erheblichem politischen Druck steht – wie die ganze deutsche Gesellschaft. Ihr wurde eingeschärft, dass bei den Flüchtlingen gilt: „Wir schaffen das!“. Wie tief die Verunsicherung sitzt, zeigen die Beispiele von Hessen und NRW: Dort haben die Behörden offenbar eine Anweisung, Straftaten mit Flüchtlingen unter Verschluss zu halten.
Genau diese falsch verstandene Diskretion, die auf eine politische Indoktrination zurückzuführen ist, führt allerdings direkt zum Rassismus: Das „Aussehen“ stellt automatisch Menschen unter Generalverdacht, weil sie einer ethnischen Gruppe angehören. Die Verdächtigung einer Person aufgrund ihres Aussehens ist rassistisch. Die Praxis der deutschen Polizei, die vor einigen Monaten in den Zügen „Verdächtige“ herausgefischt hat, weil sie in deren „Aussehen“ einen Hinweis sahen, dass es sich um einen illegalen Einwanderer handelt, wurde aus genau diesem Grund als rassistisch bezeichnet.
Diese Entwicklung würde verhindert, wenn Deutschland oder die EU ihre Grenzen wirksam schützen und kontrollieren würden: Ob sich jemand in Deutschland illegal aufhält, kann man niemals an seinem Aussehen erkennen, wohl aber an seinen Reisedokumenten.
Der zentrale Denkfehler, der auch der dpa unterlaufen ist, besteht darin, dass der Pressekodex ganz klar ist, wenn er sagt, dass die Zugehörigkeit „zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten“ nicht gesondert hervorgehoben werden darf. Der Pressekodex spricht ausdrücklich nicht von anderen Nationalitäten oder Personengruppen, die einen bestimmten Status in der Gesellschaft innehaben: Die Nennung der Tatverdächtigen als „Asylbewerber“ ist zwar, wie ein Kölner Polizist gesagt hatte, schmerzhaft, weil wir allem wollen, dass jedem einzelnen, der nach Deutschland kommt, die Integration gelingt und er hier ein glückliches und erfolgreiches Leben führt. Jemand, der als Asylbewerber einer Straftat verdächtigt wird, darf auch als Asylbewerber bezeichnet werden – vor allem in einer gesellschaftlichen Situation, wo hunderttausende Flüchtlinge und Immigranten sich in Deutschland aufhalten und die Gesellschaft verständlicherweise besonders korrekte und sachliche Aufklärung erwartet.
Diese entbindet die Medien allerdings nicht einer besonderen Verantwortung. Sie müssen so berichten, dass auch nur der Anschein von pauschalen Verurteilungen vermieden wird.
Sehr wichtig ist in diesem Zusammenhang die Rolle verschiedener Meinungsmacher – auch und gerade in der Politik, aber auch in den Medien – die keine Gelegenheit auslassen, um jeden, der auf Missstände hinweist oder vor Gefahren warnt, die die massenhafte, unkontrollierte Zuwanderung mit sich bringt, als Gegner der Gesellschaft denunziert. Dieses Trommelfeuer von seltsamen Agitatoren, das in Deutschland von den Netzwerken aus dem Umfeld der Öffentlich-Rechtlichen, den hierzulande tätigen US-Medien oder etwa der aus den USA stammenden Wikipedia munter betrieben wird, führt zu Verunsicherung nicht nur bei der Polizei, sondern auch bei den kritischen Medien.
Die Medien müssten aus dem Kommunikations-Desaster von Köln eine wichtige Erkenntnis ziehen: Der Asylanten-Status drückt nicht die Zugehörigkeit „zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten“ aus, sondern beschreibt denpersonenrechtlichen Stand eines vor einem Krieg Geflohenen. Der Begriff Migrant beschreibt den Lebensweg eines Menschen, der seine ursprüngliche Heimat verlassen hat – aus welchen Gründen auch immer. Er beschreibt nicht die Zugehörigkeit „zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten“. Und selbst die Erwähnung der Zugehörigkeit „zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten“ wäre laut Presserat zulässig, wenn für diese „für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht“.

Wie absurd die Debatte in der Folge wurde, zeigt das kleine Detail, dass viele Medien einen Zusammenhang herstellten, der von Politikern und der sich rechtfertigenden Polizei in Umlauf gebracht wurde: Ein Großteil der Täter soll betrunken gewesen sein – und daraus wurde dann eine Warnung konstruiert, dass eine „muslimische Männlichkeitskultur“ von Deutschland fernzuhalten sei. Gläubige Muslime trinken keinen Alkohol.
Die Medien stehen, wie die Polizei und die ganze deutsche Gesellschaft, vor einer großen Herausforderung. Die späte Berichterstattung von Köln war, so kann man für die deutschen Medien feststellen, keine konzertierte Aktion. Sie war einerseits der Tatsache geschuldet, dass man sich als Medium – trotz der Schwalls an Internet-Postings – in einem kritischen Fall auch mal zwei Tage Zeit nehmen muss, um sich Klarheit über die Fakten zu verschaffen.
Die Erschütterung, die in vielen Medien wegen des „Versagens“ förmlich mit Händen zu greifen ist, sollte nun einer nüchternen Überprüfung der Arbeitsweise weichen. Dazu gehören handwerkliche Mittel, Check- und Gegen-Check und gelegentlich einmal das Nicht-Berichten – wenn man eben keine präzisen Informationen hat.
Die lange Verzögerung der Medien bei der Berichterstattung über die Ereignisse an Silvester in Köln hat ihre Ursache nicht darin, dass die privaten Medien in diesem Fall bewusst etwas verschwiegen haben. Das heißt nicht, dass es andere Fälle gibt, in denen das aus unterschiedlichen Gründen geschieht. Doch in diesem konkreten Fall trifft der Vorwurf für die meisten privaten Medien nicht zu. Die Tatsache, dass viele Medien ab Montag sehr ausführlich und ohne Voreingenommenheit berichtet haben, bestätigt diesen Befund (Gewalt in Köln und anderswo – Der Staat ein SpielOmat).
Ob man den Medien dies als glaubwürdige Erklärung auch abnimmt, ist schwer vorherzusagen. Es wird entscheidend davon abhängen, ob die Journalisten ihre eigene innere Unabhängigkeit wiedergewinnen und sich nicht mehr von politischen PR-Maschinen und ideologischen Agitatoren beeindrucken lassen. Der guten Sache schadet der Journalist am meisten, wenn er sich mit ihr gemein macht.
Literatur:
Wenn das die Deutschen wüssten…: …dann hätten wir morgen eine (R)evolution! von Daniel Prinz
Böse Gutmenschen: Wer uns heute mit schönen Worten in den Abgrund führt von Bernd Höcker
Mekka Deutschland: Die stille Islamisierung von Udo Ulfkotte
Die Asyl-Industrie von Udo Ulfkotte
Quellen: PublicDomain/Deutsche-Wirtschafts-Nachrichten am 10.01.2016
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