Transhumanismus ante portas: Der Mensch als Auslaufmodell (Videos)

Dass Start-Up-Milliardäre bisweilen technikverliebt sind, wissen wir spätestens seit Bill Gates. Nur halb im Spaß wird oft auch der Verdacht geäußert, diese Spezies Mensch empfinde womöglich für die Technik mehr Zuneigung als für den gemeinen Mitmenschen.

Steve Jobs, Elon Musk oder Jeff Bezos sind weitere berühmte Namen, die sich gern durch gewisse Visionen von technischer Zukunftsbeglückung mit künstlicher Intelligenz und Datenvernetzung hervortun.

Auch der chinesische Technik-Unternehmer-Milliardär Jack Ma trägt oft jene Ideen und Ziele vor, die zumeist der in diesen Kreisen populären Ideologie des Transhumanismus entspringen. Nun stehen erste Projekte in den Startlöchern.

Die wichtigsten rein praktischen Ziele des Transhumanismus sollen die „Steigerung menschlicher Intelligenz“ durch technische Hilfsmittel und die Vernetzung dieser untereinander und mit dem Menschen sein (Der Kriegswahn der USA: Pentagon testet Mikrodrohnen mit künstlicher Intelligenz! (Video)).

Da in den letzten Wochen gleich mehrere entsprechende Projekte von den „Big Playern“ dieses Feldes verkündet wurden, kann man durchaus von einem „Mainstream-Startschuss für die bisher eher subkulturell verfolgte Agenda“ sprechen. Florian Hauschild berichtet dazu in seinem lesenswerten Artikel:

Ende März gab der milliardenschwere Unternehmer und Gründer der Unternehmen SpaceX und Tesla, Elon Musk, bekannt, mit dem neurowissenschaftlichen Startup Neuralin eine Mensch-Computer-Schnittstelle (BCI) entwickeln zu wollen.

Ins Gehirn implantierte Elektroden sollen es künftig Menschen erlauben, per Gedankenübertragung mit Maschinen und anderen Menschen zu kommunizieren. Sprache und Bilder hätten schlicht eine zu geringe Datenrate, um die Kommunikation der Zukunft zu bewerkstelligen, so Musk.

Auch Facebook kündigte vor zwei Wochen die Entwicklung eines Brain-Computer-Interfaces an. Jack Ma hingegen warnte zuletzt auf einer Konferenz vor den Folgen der ungeregelten Digitalisierung und Entwicklung von KI (künstlicher Intelligenz).

Er sieht vor allem schwere Konflikte aus der zunehmenden Automatisierung von Arbeitsprozessen und dem Austausch von Menschen durch Roboter im Arbeitsalltag heraufziehen.

 

Doch wie Hauschild weiter zum Thema schreibt, dürfen Ma’s Worte nicht „als Plädoyer gegen künstliche Intelligenz und Augmented Reality“ missverstanden werden. Im Gegenteil, solche Warnungen kommen regelmäßig von den Technik-Fürsprechern und werden dahin gedreht, dass der Mensch ein Wettrennen gegen die Maschinen gewinnen müsse, die, wenn er sich nicht bereitwillig zum Cyborg macht, ihm irgendwann den Rang ablaufen (Mensch 2.0: Wie uns die schöne neue Cyborg-Welt schmackhaft gemacht werden soll (Videos)).

Elon Musk warnte auch schon vor der Übernahme der Kontrolle durch die Maschinen. Man könnte meinen, Musk und Konsorten schauen zu viel Science Fiction a la „Terminator“, doch diese Herrschaften sind womöglich näher an der technischen Entwicklungs-Wirklichkeit dran als wir normalen Beobachter.

Die Tatsache, dass all das für den nüchternen Normalbürger zu abenteuerlich klingt, ist wohl auch der Hauptgrund, warum der Transhumanismus als Tendenz so lange unterschätzt wurde und immer noch wird. Dabei hat er sich schon längst über eine bloß „philosophische“ Denkrichtung unter technikverliebten Gelehrten und Entrepreneuren hinausentwickelt.

Diese vertreten oft mit einem erstaunlichen Maß an Euphorie und Selbstgewissheit die Ansicht, hier einen ultimativen Segen gefunden zu haben, den die menschliche Spezies dringend braucht. Doch das ist mehr als fraglich und könnte sich im Gegenteil sogar als ein ultimativer Reinfall entpuppen, aus dem uns dann auch kein Rettungspaket mehr hinaushilft.

Zumindest legt das dieser schon etwas ältere, aber nach wie vor hochaktuelle Artikel des Berliner Sein-Magazins nahe. Man bekommt bei dieser sehr informativen Lektüre den Eindruck, dass man in einer wirklich hochstehend entwickelten Menschheit doch wohl irgendwie skeptischer und vorsichtiger mit der Anwendung derart eindimensionaler Technologierezepte vorgehen müsste.

Doch es scheint, als ob die tonangebenden Tech-Nerds offiziell tatsächlich nur in die technische Richtung denken.

 

Ein Vorspiel davon, wie zweischneidig der Vernetzung- und Effizienzhype ist, bekommen wir jetzt schon bei ganz trivialen Vorgängen wie dem Diebstahl von Geld. Hier macht es die Vernetzung teilweise auch Kriminellen leichter – heute schon, noch ein gutes Stück entfernt von menschlichen Schnittstellen und Implantaten. Die hier in der Epochtimes gemeldeten Onlinekonto-Diebstähle sind dabei in mehrerer Hinsicht aufschlussreich.

Demnach konnten die Diebe sowohl auf die Kontodaten als auch die Mobilfunkverbindung ihrer Opfer zugreifen und damit eine Onlineüberweisung auf ihr eigenes Konto tätigen. Zwar waren sie immer noch von einem gehörigen Maß an „Mitarbeit“ bzw. Naivität ihrer Opfer abhängig, die offenbar auf gefälschte Phishing Mails reagierten und dort sensible Daten preisgaben, doch es zeigt sich eindeutig, wie risikoreich die vielbeschworene „Vernetzung“ verschiedener Datensätze ist.

Die Sicherheit beim Onlinebanking hängt ja gerade von der sauberen Trennung der verschiedenen Informationspakete über einen Menschen ab.

Noch viel aufschlussreicher im Hinblick auf die Risikobewertung künftiger Transhumanismus-Vorhaben ist die Tatsache, dass die von den Kriminellen ausgenutzte Schwachstelle schon seit mehreren Jahren bestand und den Mobilfunkbetreibern bekannt war (»Transhumanismus« – Mensch, Übermensch, Gott).

Eine Tatsache, die nicht unbedingt das Vertrauen in die Großunternehmen stärken sollte, die in nicht allzu ferner Zukunft gern noch viel mehr Daten von und über uns in den Händen halten möchten. Dass es große Unternehmen sein werden, ist klar, denn nur diese verfügen über die Technik und Infrastruktur, um die Segnungen des Transhumanismus für uns zusammenzufügen und ins Laufen zu bringen.

Dass Unternehmen mit wachsender Größe schon heute eine Tendenz zeigen, die eigene Kundschaft als eine Art irrelevante und eher störende Masse zu betrachten, zeigt sich in der eben erwähnten nicht behobenen Sicherheitslücke einmal mehr.

Aber eigentlich passt das prima zum Transhumanismus, denn dort scheint das unfrisierte und ungetunte Menschsein mit all seinen ineffizienten und fehlerhaften Abläufen auch eher eine Art zu überwindende Unzulänglichkeit zu sein.

Das kommt ja im Grunde schon in der Wortwahl TRANShumanismus – durch und über das menschliche hinaus – ganz offen zum Ausdruck (Forscher züchten erstmals Ohren aus Apfelscheiben und künstlichen Embryo (Videos)).

Auch wenn es teils so klingen mag, geht es hier keineswegs darum, Technik zu verteufeln oder nur das Negative in der Technisierung zu sehen. Wir sollten uns nur darüber im Klaren sein, dass diese science-fiction-artigen Entwicklungen schon viel näher an uns dran sind, als man das mit der Alltags- und Zerstreuungsbrille sehen kann.

Es scheint jedenfalls, als ob wir uns ab sofort aktiv um diese Entwicklungen kümmern müssen, sofern wir nicht als passive Verschiebemasse davon überrollt werden wollen. Dazu abschließend nochmal Florian Hauschild:

Doch es wäre zu einfach, die Musks, Zuckerbergs und Mas dieser Welt als reine Wiedergänger von Dr. Seltsam zu sehen, die ihre Macht lediglich zu finsteren Zwecken einsetzen wollen. Denn die Unternehmer formulieren recht offen ihre Zukunftsvisionen und legen damit eigentlich für alle sichtbar die Karten auf den Tisch.

Die Frage lautet vielmehr: Erkennen die Gesellschaften, dass das Spiel um die Zukunft längst begonnen hat oder wenden diese sich mit Schrecken und Grauen ab, verlieren sich in Zerstreuung oder debattieren lieber über Belanglosigkeiten? (Willkommen in der Zukunft: Künstliche Intelligenz ersetzt Menschen)

Der bloße Statist wird immer nur Getriebener und am Ende Leidtragender der geschichtlichen Entwicklung bleiben.

Literatur:

Robokratie: Google, das Silicon Valley und der Mensch als Auslaufmodell (Neue Kleine Bibliothek) von Thomas Wagner

Reader zum Transhumanismus

Posthumanes Menschsein?: Künstliche Intelligenz, Cyberspace, Roboter, Cyborgs und Designer-Menschen – Anthropologie des künstlichen Menschen im 21. Jahrhundert von Bernhard Irrgang

Digitale Herrschaft: Über das Zeitalter der globalen Kontrolle und wie Transhumanismus und Synthetische Biologie das Leben neu definieren von Markus Jansen

Videos:

Quellen: PublicDomain/krisenvorsorge.com am 04.05.2017

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