Die feindliche Übernahme des UFO-Narrativs: Das Offensichtliche und das eigentliche Mysterium (Teil 1)

Seltsames geht seit einiger Zeit in der amerikanischen UFO-Szene vor sich: Haben sich kritische Forscher jahrzehntelang durch das Dickicht aus Zeugenaussagen und Dokumenten gewühlt und diese auf belegbare und glaubwürdige Elemente abgeklopft, warten neuerdings immer mehr „Whistleblower“ mit haarsträubenden Geschichten auf, die zwar konsistent und detailliert erscheinen, sich aber jeder Überprüfung entziehen.

Die jetzt entbrannte Debatte zwischen Gläubigen und Kritikern droht die altehrwürdige MUFON und mit ihr die gesamte Ufologie zu zerreißen. Dabei deutet vieles auf eine ausgeklügelte PSYOP hin, mit der der ernsthaften Forschung endgültig der Garaus gemacht werden soll.

Ich war noch keine vier Stunden in Kalifornien, da hatte ich bereits in einem selbstfahrenden Tesla-Taxi gesessen und eine Verhaftung miterlebt. Während ich vor einem Hotel in Palm Springs auf meine Mitfahrgelegenheit zum Joshua Tree Retreat Center wartete, kamen zwei Polizisten auf mich zu und erkundigten sich nach meinem Namen. Nachdem sie meine Unschuld erkannt hatten, verschwanden sie im Hotel und kamen fünf Minuten später mit einem nur eine Hose (und Handschellen) tragenden Herrn wieder heraus. Es versprach ein turbulentes Wochenende zu werden.

Eigentlich hatte ich die letzten Tage meiner Nordamerika-Rundreise entspannt mit einem Kumpel am Pazifikstrand verbringen wollen. Zwar wusste ich, dass zur selben Zeit ganz in der Nähe die größte UFO-Konferenz der Welt in ihre fünfte Runde gehen würde – die alljährlich in der kalifornischen Wüste östlich von Los Angeles stattfindende „Contact in the Desert“ –, doch ich hatte eigentlich genug erlebt, skurrile Konferenzen und spannende Begegnungen inbegriffen.

Erst als ich einen Blick auf die Rednerliste warf und einige Freunde schon ihre Koffer packten, wurde ich hellhörig. Denn dort fand ich praktisch alle großen Namen der Szene versammelt: Steven „Disclosure Project“ Greer, der UFO-Historiker Richard Dolan, EvD und sein Kompagnon Giorgio „Aliens!“ Tsoukalos hatten sich ebenso angekündigt wie der Exopolitics-Begründer Michael Salla, Altmeister Whitley Strieber, Linda Moulton Howe von Earthfiles.com, Michael Tellinger und Graham Hancock.

Mit David Wilcock, Corey Goode und Laura Eisenhower war auch die Fraktion der Zeit- und Marsreisenden vertreten; für den erkrankten (und mittlerweile verstorbenen) Jim Marrs sprang mit Peter Levenda eine nicht weniger bedeutende Koryphäe ein. Selbst der hochbetagte Jacques Vallée hatte sich auf den Weg gemacht – der Forscher, nach dem Steven Spielberg die Figur des französischen Wissenschaftlers in „Unheimliche Begegnung der Dritten Art“ konzipiert haben soll.

Zusammen mit vielen weiteren namhaften Referenten würden sie vier Tage lang auf fünf Bühnen über Präastronautik, geheime Weltraumprogramme, interdimensionale Entitäten, Zeitreisen, Kornkreise, Bigfoot und andere Mysterien sprechen.

Es war jedoch insbesondere die Aussicht, das merkwürdige Nebeneinander nüchterner und bei aller Alternativität doch wissenschaftlich arbeitender Forscher auf der einen Seite und – wie soll ich mich ausdrücken – bejubelter Verfasser abenteuerlicher Narrative auf der anderen live miterleben zu können, die mich zum Ticketkauf motivierte.

In den letzten Jahren waren immer mehr vermeintliche Whistleblower aufgetaucht, die etwa behaupteten, in der Zeit zurückgeschickt worden zu sein oder in ultrageheimen Projekten Seit’ an Seit’ mit Extraterrestrischen gearbeitet zu haben – gerne auf dem Mars oder jenseits unseres Sonnensystems. Oft sind die verblüffend detaillierten Schilderungen in das allgemeinere Szenario eines angeblichen geheimen Weltraumprogramms eingebettet, das eine hoch entwickelte „breakaway civilization“ – eine „Splitter“- bzw. „Abspaltungszivilisation“, die von der Erde stammt und hinter den Kulissen im Weltraum aufgebaut wurde – betreiben soll.

Interessanterweise finden diese Geschichten nicht nur bei UFO-Enthusiasten, sondern auch unter gestandenen Forschern zunehmend Anklang – obwohl die „Whistleblower“ handfeste Belege für ihre Behauptungen stets schuldig bleiben. Besondere Brisanz gewinnt das Geschehen vor dem Hintergrund, dass andere Forscher wie der Historiker Richard Dolan, die sich der Wahrheit hinter dem UFO-Phänomen ausschließlich über dokumentierte Quellen und vorsichtige Schlussfolgerungen nähern, die Existenz eines geheimen Weltraumprogramms und einer Abspaltungszivilisation tatsächlich für wahrscheinlich halten – ohne das wilde Beiwerk der „Whistleblower“ allerdings, denen sie mehr als kritisch gegenüberstehen.

Einer der Letztgenannten, der „intuitive Empath“ Corey Goode, und dessen Mentor David Wilcock waren als Höhepunkte der Contact-Konferenz angekündigt. Gemeinsam würden sie in der Wüste über die praktisch schon besiegte Kabale sprechen, die Wahrheit über die Vorgänge in der Antarktis enthüllen und uns im Namen der „Blauen Avianer“ darin unterweisen, liebevoller zueinander zu sein und die Menschheit in das neue Zeitalter zu führen (Die Ausschaltung des Tiefen Staates ist gekommen und die Rolle des geheimen Weltraumprogramms (Videos)).

Bei solcher Gewichtigkeit verwundert es nicht, dass das Gespann ausschließlich auf der deutlich größeren Hauptbühne, mehrfach und jeweils zur besten Sendezeit auftrat. Für Richard Dolan blieb da nur ein Termin im kleineren Saal – um acht Uhr in der Früh.

Corey Goode & David Wilcock: Das neue Dream-Team der UFO-Szene

Goode ist, wie es der deutsche Exopolitik-Chef Robert Fleischer ausdrückte, der „aufsteigende Stern im Olymp der neuen UFO-Götter“. Schon als Sechsjähriger sei er für ein militärisches Geheimprojekt rekrutiert und später aufgrund seiner Empathie dazu auserkoren worden, die Kommunikation mit verschiedenen nichtirdischen Spezies zu vermitteln. Als er nach zwanzig ereignisreichen Dienstjahren in zahllosen Geheimprogrammen ausschied, sei er allerdings einer Gehirnwäsche und obendrein einer „Zeit- und Altersregression“ unterzogen worden – sprich, in der Zeit zurückgereist –, sodass er leider keinerlei Beweise für seinen Verbleib während der fraglichen Zeit vorlegen könne.

Er habe die zwanzig Jahre eben noch einmal durchlebt, im zweiten Durchgang aber ein ganz unspektakuläres Leben geführt. Als er sich vor einigen Jahren zu „erinnern“ begann, bot ihm zunächst das Internetforum des von Bill Ryan geführten Project Avalon die Plattform, seine „Insiderinformationen“ bekanntzumachen.

Insbesondere stehe er mit den „Blauen Avianern“ in Kontakt, die wie die „Allianz der Kugelwesen“ (engl.: „Sphere Being Alliance“), der sie angehören, der Menschheit wohlgesonnen seien. In ihrem Talkformat „Cosmic Disclosure“ enthüllen Wilcock und Goode seit 2015 die Einzelheiten über das galaktische Kampfgetümmel, in dem die Allianz der – andernfalls chancenlosen – Menschheit helfend zur Seite springt und nicht nur die „Kabale“ für uns niederringt, sondern auch spirituelle Hilfe zur Anhebung unseres Bewusstseinsniveaus gibt.

Die von Gaia TV (vormals Gaiam TV, eine Art Netflix für Spirituelle) ausgestrahlte Show hat „seither so viele verschiedene Geschichten fabriziert, dass es Mühe macht, den Überblick zu behalten. Inzwischen geht die ‚Cosmic Disclosure‘-Show bereits in die siebte Staffel, ohne dass Goode je wegen Geheimnisverrat verhaftet worden wäre“, fasst Fleischer zusammen.1

Michael Salla zitierte Goode 2015 mit der Nachricht, dass „bis zu 100 kugelförmige Raumschiffe in unser Sonnensystem gelangt seien. […] Diese Sphere Alliance würde die Menschheit darin unterstützen, sich von der Kontrolle zu befreien, die von mächtigen Organisationen der Elite auf dem ganzen Planeten ausgeübt wird.“ Als verantwortungsvoller Rechercheur und Autor machte sich Salla natürlich auch Gedanken über die Glaubwürdigkeit solcher Aussagen (Geheime Weltraumprogramme und Allianzen mit Außerirdischen (Video)):

„Wie glaubwürdig ist Goode nun? Wilcock zufolge passen seine Aussagen mit den Informationen mehrerer anderer Insider-Quellen bezüglich (eines oder mehrerer) geheimer Raumfahrtprogramme bzw. außerirdischer Lebensformen zusammen. Auch beim Abgleich mit meiner eigenen Datensammlung […] konnte ich keine Ungereimtheiten feststellen.“2

Andere Forscher wie Richard Dolan wollten sich dieser neuen Form der Plausibilitätsprüfung wildester Behauptungen nicht so recht anschließen. „Michael hat in der Frage der Beweisführung eine andere Einstellung als ich“, erläuterte er in einer spontanen Livediskussion3 mit Bill Ryan, mit der sie einen Monat nach der Konferenz eine längst überfällige öffentliche Diskussion der skurrilen Vorgänge in der UFO-Szene lostraten.

„Ich möchte zunächst sagen, dass ich Michael persönlich mag. […] Aber er argumentiert so: Coreys Aussagen werden durch Leute wie William Tompkins4, Andrew Basiago oder Randy Cramer gestützt. Ich würde dem entgegenhalten, dass das keine wirkliche Bestätigung ist. […] Wenn der Hintergrund keiner dieser Personen bestätigt werden kann und sich auch keine ihrer Geschichten durch irgendetwas tatsächlich Bestätigtes unabhängig untermauern lässt, können sie nicht als Beweis gewertet werden.“

Um zu ergründen, wie Goode eigentlich ins Rampenlicht geraten war, lud ich meinen Kumpel Chris zum Frühstück ein, der zur fraglichen Zeit Moderator beim Avalon-Forum war. Goode sei ihm, so erinnerte er sich, häufig durch großspurige und wenig glaubhafte Behauptungen aufgefallen. So will er bereits im Alter von sieben Jahren regelmäßig außerkörperliche Erfahrungen gemacht und auch die Kunst der Fernwahrnehmung schon im Kindesalter – quasi im Vorbeigehen – ohne große Anstrengungen gemeistert haben.

Ohne Hemmungen habe Goode von seinen angeblichen spirituellen Fähigkeiten und Erfahrungen gesprochen, war die Beweise aber stets schuldig geblieben. Zudem habe er bereits vorhandene Versatzstücke übernommen und ausgebaut; die Geschichte seiner angeblichen Verjüngung etwa habe er von jemand anders adaptiert. Besonders aufschlussreich sei seine Verwicklung in die MILAB-Gruppe innerhalb des Forums gewesen. Über private Nachrichten habe er Kontakt mit vielen MILABs aufgenommen, um ihnen professionelle psychologische Hilfe anzubieten.

Seine „anmaßenden und grob fahrlässigen“ Aktivitäten seien erst aufgeflogen, als sich eine der Betroffenen an Bill Ryan wandte, da Goode ihre persönliche Geschichte in völlig verzerrter Form öffentlich wiedergegeben hatte. Auf meine Frage, welche Motive Goode wohl angetrieben hätten, äußerte sich Chris vorsichtig und betonte, dass er da nur spekulieren könne; von Anfang an habe er jedoch ein starkes Verlangen wahrgenommen, sich durch abenteuerliche Behauptungen anzubiedern und zu profilieren.

Auch hätten die Webmaster schnell durchschaut, dass er mit Sicherheit kein IT-Experte war, wie er eines Tages zu behaupten begann. Chris’ Schilderung deckt sich weitgehend mit Bill Ryans ursprünglich internem und mittlerweile öffentlich gemachten Forumsbeitrag „Die Wahrheit über Corey Goode“5, der zahlreiche weitere Details enthält.

Über seine finanzielle Situation habe er z.B. rundweg gelogen; interessant ist auch der Screenshot eines Skype-Gesprächs zwischen einer dritten Person und Goode, in dem Letzterem herausrutscht, er würde auf jemandes Gehaltsliste stehen und einen „Vorgesetzten“ haben.

Corey Goode ist der Schützling von David Wilcock, einem im Gegensatz zu Goode bühnenaffinen und redegewandten Star der Esoterikszene, der seit anderthalb Jahrzehnten gefeierte Bücher über wissenschaftliche Grenzthemen, UFOs, frühe Zivilisationen und den vermeintlich anstehenden Bewusstseinswandel verfasst und von seinen Fans als Edgar Cayces Wiedergeburt gehandelt wird.

Wilcock ist dafür berühmt, die als „Ra“ bekannte Wesenheit gechannelt zu haben, die seit 75.000 Jahren in die Geschicke der Menschheit involviert sein soll. „Der Bursche ist an diesen Themen ehrlich interessiert, aber hoffnungslos frei von jeder kritischen Analyse und raucht viel zu viel von seinem eigenen Quatsch […] im Endeffekt ein jämmerlicher Hochstapler. Je mehr Zeit ins Land geht, desto offenkundiger und peinlicher wird es“, heißt es in dem beliebtesten Kommentar unter dem Channelvideo.

In der Tat wird der Superstar, der am Joshua Tree die große Bühne abonniert hatte, mehr und mehr zum Quell skurriler Äußerungen und Meldungen. In seinem neuesten Werk etwa findet sich unter dem Foto eines (noch mit Essensresten beladenen) zersprungenen Tellers die Erläuterung:

„Irgendwann im Verlauf des Treffens [mit den angeblichen Insidern Pete Peterson und ,Jacob‘] saßen wir gemeinsam zu Tisch, und ich hörte ein lautes Klirren. […] Als ich dann das nächste Mal meine Gabel in die Hand nahm, um etwas auf dem Teller aufzuspießen, brach dieser in zwei saubere Hälften auseinander – und gleich am nächsten Tag hatte ich einen Wasserrohrbruch in meinem Haus, der die ganze Küche unter Wasser setzte. Ich nehme an, dass es sich bei beiden Zwischenfällen um Warnschüsse aus einer Teilchenstrahlwaffe handelte, die mir Angst einjagen sollten. Doch ich ließ mich nicht davon beirren und machte weiter.“6

Amerikaner sagen in solchen Momenten gerne: „So was kannst du dir nicht mal ausdenken.“

Von ähnlichen Perlen waren auch Wilcocks Auftritte durchsetzt. „Die Mehrheit des amerikanischen Verteidigungsministeriums befindet sich gerade in diesem Moment in einem Bürgerkrieg […] gegen die Kabale“, ließ er uns beispielsweise wissen, die rechte Hand lässig in der Hosentasche vergraben. Wir befänden uns in einem „inoffiziellen Bürgerkrieg, der extremer, intensiver und politisch weitreichender ist, als es der Bürgerkrieg im 19. Jahrhundert war. Wir stecken mitten im Dritten Weltkrieg.“

Dass noch irgendjemand Zweifel an seinen Aussagen hat, ist ihm unverständlich, sei doch alles in den jüngsten Hollywood-Blockbustern offengelegt worden: „Wer also zu mir meint, die Idee einer Allianz sei nicht glaubwürdig, dem entgegne ich: Blödsinn! Schau dir einfach diese Filme an!“ (Gemeint sind „Iron Man 3“ und „Captain America: The Return of the First Avenger“.) Mehrmals bestätigte er uns unter Beifallsstürmen seine Unkäuflichkeit:

„Man versuchte mich zu bestechen, aber ich habe abgelehnt. Es gab Angebote über hunderte Millionen Dollar. Doch ihr könnt mir glauben, dass ich lieber sterben würde, als mich an die verfickten Illuminati zu verkaufen. […] Wer immer da draußen denkt, ich würde für die Verschwörer arbeiten, hat seinen verfickten Verstand verloren. […] Sehen Sie es mir nach, dass ich das F-Wort benutze – aber ich riskiere hier schließlich mein Leben!“

Warum er sich desselben noch erfreut, erklärte er auch: Die Kabale könne niemanden umlegen, der „ rausgeht, mutig Wissen verbreitet […] und dem Planeten hilft. […] Man muss einen wahrhaft integren Charakter besitzen, um diesen [kosmischen] Schutz zu genießen.“7

Das Offensichtliche und das eigentliche Mysterium

Ich versuche stets einen offenen Geist zu bewahren und mein Weltbild flexibel zu halten; hatte ich Letzteres doch immer wieder erweitern und einsehen müssen, dass zunächst unglaublich erscheinende Behauptungen doch einen wahren (und oft finsteren) Kern enthalten können. Ich denke etwa an den okkulten Hintergrund von Geheimdiensten, NASA und UNO, die psychologische Lenkung ganzer Gesellschaften oder MK Ultra, aber auch an Palmblattbibliotheken, schwarzäugige Kinder, die Zeitphänomene vom Untersberg oder den falschen Paul McCartney.

Doch die Öffnung des persönlichen Weltbildes zur Realität hin sollte, will man nicht in Teufels Küche geraten, immer auch mit einem zunehmenden Verständnis der spirituellen und psychologischen Zusammenhänge einhergehen. Der Grund, warum das vielen alternativ interessierten Zeitgenossen abzugehen scheint, dürfte der sein, dass man dazu auch in den Spiegel schauen und sich selbst kennenlernen muss.

Die Gesellschaft scheint fraktal zu sein – in der alternativen Szene erlebe ich denselben hohen Prozentsatz bornierter und gefühlstoter Zeitgenossen wie im Mainstream. Die einfachsten psychologischen Zusammenhänge sind ihnen unbekannt; zumindest scheinen sie außerstande, die emotional-geistigen Prozesse, denen jedes menschliche Individuum unterliegt (und auf deren Manipulation die gesamte Arbeit jener basiert, die man zu bekämpfen – und zu besiegen – meint), bei sich selbst wahrzunehmen. Spätestens seit Stewart Swerdlow vor laufender Kamera erzählte, wie er in der Zeit zurückgeschickt worden war, um Jesus zu erschießen, dann aber nicht abdrücken konnte, als er ihm in die Augen sah8 – und niemand irgendetwas dabei fand –, sind meine Alarmglocken im Dauereinsatz, wenn ich mich in der alternativen Szene bewege.

Ich werde nie meine erste Begegnung mit einem Flacherdler vergessen. Wir hatten uns am Rande einer Bilderberger-Konferenz kennengelernt und ein paar nette Stunden zusammen verbracht, bis das unsägliche Thema aufkam. Von einem Moment auf den anderen konnte ich meine Sätze nicht mehr beenden, war ich nicht „offen“ und kam selbst mit den einfachsten Aussagen nicht mehr gegen den aggressiven Wortschwall des jungen Mannes an.

Das Schlimmste aber war das plötzliche Einfrieren aller Menschlichkeit, während er sich gleichzeitig völlig sicher war, das Gute und Wahre zu verkörpern – ein um sich greifendes Phänomen, das wir in verschiedener Gestalt mittlerweile überall beobachten können. Ähnliche „Schwingungen“ spürte ich auch, als ich in der Wüste Corey Goode lauschte. Schon am Frühstückstisch hatte eine Dame voller Vorfreude gerufen: „Der Mann ist hundert Jahre alt! Stell dir das mal vor!“ (Ich hatte nicht mitbekommen, dass er nicht nur einmal, sondern gleich drei Mal 20 Jahre „zurückgeschickt“ worden war.)

Ich war entsetzt, einen Menschen zu erleben, der selbst bei den abstrusesten Behauptungen keinerlei Verdacht schöpft. Die Dame war übrigens praktizierende Psychotherapeutin.

Während der Vorträge von Goode und Wilcock gab es immer wieder begeisterten Applaus, etwa wenn vom liebevollen Miteinander, dem Bewusstseinssprung oder dem bevorstehenden Ende der „Scheiß-Kabale“ die Rede war. Um meinen Sitzplatz hatte ich dabei zuvor regelrecht kämpfen müssen: Statt Sitzgelegenheiten gab es vor der Hauptbühne nur Sandboden, sodass ich mir früh am Morgen einen Campingstuhl gekauft und aufgestellt hatte.

Als der Vortrag begann, musste ich eine ältere Dame, die es sich zwischenzeitlich darin gemütlich gemacht hatte, bitten ihn freizugeben. Weder für sie noch für mich war das ein Problem. Dafür fuhr mich völlig unvermittelt der Bursche hinter uns an: „Also eigentlich ist das mein Stuhl!“ Die Verpackung des Stuhls noch im Rucksack, sah ich mich extra nochmal um: Weit und breit gab es keinen auch nur entfernt ähnlichen Stuhl, mit dem er den meinen hätte verwechseln können. Er war einfach überzeugt, dass ich ein egoistischer Arsch sein müsse, der eine arme Omi aus einem fremden Stuhl verscheuchen will, und war ihr entschlossen und rechtschaffen zur Seite gesprungen.

Verstehen Sie, worauf ich hinaus will? Zur Ehrenrettung der Wilcock-Fans sei gesagt, dass es unter ihnen auch wunderbare, liebenswerte Menschen gibt, wie etwa die, mit denen ich meine Unterkunft teilte.

Doch zurück zum Thema. Es hatte mich immer amüsiert zu sehen, wie unterschiedlich Fleischer und Salla, die Initiatoren der deutschen bzw. amerikanischen Exopolitik-Bewegungen, die Frage nach der außerirdischen Präsenz auf der Erde angehen. Insgeheim kritisierte ich Fleischer dafür, dass er ganz auf die physischen ETs abstellte und, auf die breite deutsche Bevölkerung zielend, die spirituellen bzw. multidimensionalen Aspekte im öffentlichen Diskurs praktisch völlig zu erwähnen vermied – obwohl ihm diese bewusst sein müssen.

Doch vermutlich hat er damit gleich doppelt weise gehandelt: Erstens kann man Otto und Lieschen in dem (einzigen) Land, in dem sämtliche faktischen Belege für die Existenz von UFOs noch immer einfach in den Wind geschlagen und verlacht werden, nicht auch noch mit Spiritualität und Astralwelten kommen; und zweitens sinkt die Titanic – die amerikanische Ufologie-Szene, zu der auch die altehrwürdige MUFON gehört – nun zumindest ohne ihn.

In seiner knapp zwei Monate nach der Wüstenkonferenz veröffentlichten Analyse mit dem wuchtigen Titel „Der Untergang der amerikanischen UFO-Forschung“9 führt Fleischer aus:

„Zwar gibt es hin und wieder glaubhafte Dokumente, doch diese beziehen sich auf Nebensächliches und bestätigen in keiner Weise die viel weiter reichenden Behauptungen über Zeitreisen, Alien-Kontakte etc.“

Fleischers Schlussfolgerung aus all dem lautet:

„Es gibt für mich mehrere Indizien dafür, dass das Narrativ des geheimen Weltraumprogramms eine orchestrierte Desinformationskampagne der Geheimdienste darstellt. […] Insbesondere Corey Goode kommt mit immer neuen Einzelheiten aus den verschiedensten Bereichen hervor, die so breitgefächert sind, dass dieser Mann wahrscheinlich mehrere hundert Jahre lang an jeder einzelnen Schaltstelle des US-Geheimapparates mitgewirkt haben müsste, um all diese Dinge selbst bezeugen zu können. […] Die immer neuen Veröffentlichungen treiben immer bizarrere Blüten und folgen demnach der bekannten Strategie der ‚expandierenden Desinformation‘. […] Damit muss man konstatieren, dass die ganze Aktion einen durchschlagenden Erfolg hat, wenn es Geheimdienstkreisen darum geht, die UFO-Debatte vom eigentlichen Phänomen der unidentifizierten Flugobjekte wegzulenken.“

So weit, so offensichtlich. Im Nachsatz räumt er auch die Möglichkeit ein, dass die Kampagne dazu dienen könnte, von einem tatsächlichen geheimen Weltraumprogramm abzulenken. Doch auf eine winzige Frage, die sich dem wohlwollenden Beobachter zwangsläufig aufdrängt, geht Fleischer gar nicht erst ein: Wie machen die das?

Denn nicht nur sind die ausufernden „wirklich amüsanten Lagerfeuergeschichten“ (Dolan) in sich und zueinander weitgehend konsistent – auch wird kaum jemand, der sich mit den vermeintlichen Whistleblowern unvoreingenommen auseinandergesetzt und sie auf sich hat wirken lassen, ernsthaft behaupten, dass es sich bei diesen um eiskalte, durchtriebene Lügner handelt. Nehmen wir z.B. den Rechtsanwalt Andrew Basiago, der in den 1970er Jahren als Kind in ein Geheimprogramm involviert gewesen sein will, das sich mit Teleportation und Zeitreisen befasste.

So habe er unter anderem Lincolns berühmter Gettysburg-Rede persönlich beigewohnt, was sogar durch ein berühmtes Foto dokumentiert sei. Ähnlich wie Goode habe er infolge der Zeitsprünge ganze Lebensabschnitte mehrmals durchlebt. Damit nicht genug, sei er in den 1980ern über eine als „Jump Room“ bezeichnete Technik mehrmals zum Mars teleportiert worden – gemeinsam mit dem jungen Barry Soetoro alias Barack Obama (Weltraumwaffen gegen Außerirdische: Schattenregierung und die streng geheimen Abkommen mit den Aliens).

Rechercheure wie Dolan und Ryan, die Basiago persönlich kennengelernt haben, beschreiben ihn einhellig als hochintelligenten, angenehmen und wohlmeinenden Zeitgenossen; zudem hätten sie den Eindruck gewonnen, dass er definitiv glaubt, was er sagt. Das bestätigte auch eine Expertin für Körpersprache, die Ryan schon frühzeitig inkognito eingeladen hatte, einer Konversation mit Basiago beizuwohnen.

„Ich habe kein Wort von seinen Ausführungen verstanden, aber ich versichere dir, dass er absolut von dem überzeugt ist, was er sagt“, paraphrasiert Ryan ihr Fazit. Freilich erkennt Ryan die ungeheure Implikation, die sich daraus ergibt – zumal im Lichte der Detailgenauigkeit und Konsistenz der Aussagen, die sich schlecht mit der Vorstellung etwa einer konventionellen wahnhaften Erkrankung in Einklang bringen lassen:

„Das ist ein gewaltiger Kaninchenbau […] diese ganze Bewusstseinskontrollgeschichte […] Ein Individuum, das man irgendwie dahingehend beeinflusst hat bzw. kontrolliert, an seine Aussagen absolut zu glauben, stellt den idealen falschen Zeugen dar […] aus der Sicht von jemandem, der die Person in eine bestimmte Gemeinschaft einschleusen will, um aus derselben Kleinholz zu machen.“

Ryan weist noch auf einen anderen Umstand hin: Bei den ersten, unglaublich detaillierten Gesprächen mit Basiago im Jahr 2007 habe dieser ihm seine ganze ausufernde Story dargelegt – jedoch mit keinem Wort den Mars erwähnt. Das habe erst drei Jahre später begonnen:

„Wir holten [Basiago] vom Flughafen ab und machten einige Filmaufnahmen mit ihm. Dann einmal, als ich mit ihm beim Mittagessen saß, erklärte ich ihm freundlich und genau, dass der Grund, warum er jetzt auf einmal über den Mars und Jump Rooms sprach, möglicherweise darin lag, dass er a) seine eigene frühere Geschichte und b) auch andere Leute in Misskredit bringen sollte, die ebenfalls über das geheime Weltraumprogramm sprachen. […] Und hier ist der interessante Punkt: Andy ist ein äußerst gescheiter Mann und hörte höflich und sorgfältig zu. Unser Gespräch war vollkommen frei von irgendwelchen Animositäten. Doch er hatte die allergrößten Schwierigkeiten zu verstehen, was ich zu sagen versuchte. Dabei bin ich wirklich nicht schlecht darin, anderen etwas zu erklären. Er hatte echte Probleme damit. Erst nach 30 bis 40 Minuten begriff er, dass ich von der Möglichkeit sprach, jemand könnte auf unbemerkte Art [in seine Gedanken] eingegriffen haben.“

Die Liste derartiger Merkwürdigkeiten ist lang. Einmal hatte Goode während einer Präsentation einen etwa zehnsekündigen Aussetzer, bei dem er etwas wie „Ich krieg kein Signal mehr“ murmelte. Auf Youtube kursiert zudem ein Video mit zwei kurzen Sequenzen aus „Cosmic Disclosure“: Während in der ersten über den einstigen US-Verteidigungsminister James Forrestal gesprochen wird, von dem Goode offenbar noch nie gehört hat, weiß er im zweiten Ausschnitt – der aus der darauffolgenden Episode stammt – bestens über ihn Bescheid. Richard Dolan, der sich nicht scheut, die Dinge beim Namen zu nennen, sagte schon 2016 in einer Radiosendung:

„Ich denke, mit einigen der Leute, die jetzt als sogenannte Whistleblower auftauchen, stimmt etwas ganz und gar nicht. Irgendetwas ist da nicht in Ordnung.“ (Weltraumprogramm: Wenn Geheimdienste Fake News schreiben)

Im Gespräch mit Bill Ryan wird er deutlicher: Geisteskrankheiten könnten im Spiel sein, oder die Betroffenen waren in Geheimdienste involviert und sind Opfer von Bewusstseinskontrolle geworden.

„Die Techniken gibt es auf jeden Fall. Ob sie bei diesen Personen zur Anwendung gekommen sind, kann ich nicht wissen. Oder ob sie aufs Geld aus sind oder ihrem Seelenauftrag folgen. […] Im Grunde interessiert mich ihre Motivation und, ganz ehrlich, auch ihr Geisteszustand nicht. Vielleicht sind sie am Ende alle geistig völlig gesund. Ich wäre entsetzt, aber möglich ist es. Der Punkt ist, dass es in [ihren] Geschichten rein gar nichts gibt, an das ich mich als Forscher halten könnte.“

„Wir müssen uns fragen, ob diese Vorgänge vielleicht von Kräften, die die Zerschlagung der UFO-Forschung zum Ziel haben, auf sehr geschickte Weise choreografiert werden. Es sollte uns klar sein, dass sie darin unglaublich gewandt und erfahren sind“, kommt Ryan zu einem ähnlichen Schluss wie Fleischer.

Vor einem Jahr schon hatte Dolan angemerkt, er würde, wäre er für ein tatsächliches geheimes Weltraumprogramm verantwortlich, nach Leuten Ausschau halten, die wahrhaft haarsträubende Geschichten zu erzählen hätten.

„Eine der Strategien derjenigen, die die UFO-Forschung zerschmettern wollen, besteht darin, so viel offenkundig verrücktes Zeug einzuschleusen, dass jeder intelligente und geistig gesunde Interessierte das Weite sucht“, erläutert Ryan. Dazu passt nicht nur, dass der als CIA-Insider geltende Robert David Steele Anfang Juli in Alex Jones’ Radiosendung erklärte, auf dem Mars würden Kolonien von Kindersklaven betrieben10, sondern auch der Umstand, dass die NASA sich ausgerechnet in diesem Fall zu einer Richtigstellung genötigt sah11 – womit die wilde Behauptung in die Mainstreammedien gelangte.

Übrigens hatte es Jones, der gerne den von Dolan geprägten Begriff „Abspaltungszivilisation“ benutzt, nie für nötig gehalten, dessen Urheber einmal einzuladen…

Fortsetzung in Teil 2

Der Autor Daniel Loose ist seit vielen Jahren als freier Übersetzer, Autor und Webentwickler tätig. Unter dem Pseudonym LittleGiant bemüht er sich mit einer Vielzahl von Projekten, positive und nützliche Akzente zu setzen.

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Literatur:

Verschlusssache UFOs

Die echten Men in Black

Im Inneren der wahren Area 51

Zutritt streng verboten!: Die 24 geheimsten Orte dieser Welt

Quellen: PublicDomain/nexus-magazin.de am 10.05.2018

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