Mikroplastik breitet sich auch an Land aus

Lange Zeit ging man davon aus, dass nur die Ozeane von Mikroplastik bedroht seien. Ökologen fanden jetzt allerdings heraus, dass Mikroplastik sich auch in Binnengewässern und auf dem Land ausbreitet. Mit negativen Folgen für Fauna und Flora.

Forscher der Universität Bayreuth fanden bei Untersuchungen von Seen und Flusswasser winzige Kunststoffteilchen, die auf den ersten Blick unspektakulär wirkten. Doch diese Mikropartikel aus Plastik, die eine Größe von weniger als fünf Millimeter haben, werden für immer mehr Ökosysteme der Erde zur Gefahr.

Die drohende und zunehmende Gefahr von großen Plastikteilen sowie Mikroplastikpartikeln in Ozeanen ist schon länger bekannt. Jetzt werden auch die Risiken für die Lebensräume an Land und in Binnengewässern deutlich. Allerdings hatte man erst vor kurzem begonnen, dort zu forschen.

Die Universität Bayreuth mit ihrem Forscherteam unter Christian Laforsch hat im Auftrag der Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz untersucht, wie stark unterschiedliche Binnengewässer mit Mikroplastikpartikeln belastet sind.

Dabei verwendeten die Forscher ein selbst entwickeltes Netz, das neben einem Boot hergezogen wird. Das Netz filtert nicht nur Plastikpartikel aus dem Wasser, sondern misst gleichzeitig die untersuchte Wassermenge, so dass Rückschlüsse auf die Belastung einer bestimmten Wassermenge gezogen werden können. Die Forscher analysierten die gesammelten Partikel im Labor.

Insgesamt fanden sie in 52 Wasserproben rund 4300 Kunststoffpartikel. Mehr als 60 % waren mikroskopisch klein. Die Analysen ergaben, dass die Plastikpartikel aus in Europa gängigen Kunststoffen bestehen. Doch auch Kunstfasern aus Kleidung und anderen Textilien wurden oft gefunden.

Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass es sich bei der Belastung mit Mikroplastik um ein weltweites Problem handelt. Denn bei der Studie wurde an sämtlichen Probeorten Mikroplastik gefunden. Lediglich die Konzentration der Partikel war unterschiedlich.

Die Forscher halten es jedoch für schwieriger, die Plastik-Belastung an Land einzuschätzen. Das liege an der Form der Analysetechnik. Denn es sei wesentlich schwieriger, in einer so komplexen Materie wie Boden Mikroplastik zu identifizieren, als in Wasser (So viel Plastik nehmen Sie mit Trinkwasser zu sich – vier Supermärkte beweisen, warum Plastik überflüssig ist (Videos)).

Sie befürchten allerdings, dass die Konzentration im Boden wesentlich höher ist, weil hier nicht wie in Wasser ein Verdünnungseffekt vorliegt. Die Partikel dürften sich also mit der Zeit immer mehr im Boden anreichern, so die Meinung der Forscher.

Ihren Schätzungen zufolge soll die Mikroplastikkonzentration an Land um das 4 bis 23-fache höher liegen, als in Gewässern.

Mikroplastikpartikel stammen aus zerkleinertem Plastikmüll. Jedes Jahr werden hunderte Millionen Tonnen Plastikmüll produziert, die später als Abfall in der Umwelt landen.

Mit der Zeit zerfällt Plastik, da Wind, Wetter und Sonne den Kunststoff brüchig werden lassen. Mechanische Belastungen und Reibung zerkleinern die Partikel immer weiter.

Die Kosmetikindustrie produziert allerdings Kosmetika, die Mikroplastik beimischt. So beispielsweise in Zahnpasta, Peelings, Duschgels aber auch in Reinigungsmitteln. Durch das Abwasser gelangen diese Mikropartikel in die Gewässer.

Kläranlagen sind bislang nicht dafür ausgerüstet, Mikroplastik und Mikrofasern aus dem Abwasser zu filtern. Die Partikel landen entweder direkt in Binnengewässern oder im Klärschlamm, der dann als Dünger auf Feldern ausgebracht wird.

Wie gefährlich sind jedoch Mikroplastikteilchen für Tiere und Ökosysteme? Die Forschung steht bei diesem Thema noch am Anfang, sagen die Forscher aus Bayreuth. Die Auswirkungen lassen sich daher nur schwer einschätzen (Plastik im Blut: Wie wir uns und die Umwelt täglich vergiften).

Jedoch bewirken die unterschiedlichen Bestandteile in Kunststoffen unterschiedliche Effekte. So können Weichmacher aus Kunststoffen frei werden, die das Hormonsystem von Mensch und Tier durcheinanderbringen.

Zudem gibt es Hinweise darauf, dass mit der Nahrung aufgenommene Mikroplastikpartikel im Verdauungstrakt direkt vom Organismus ins Gewebe und in Zellen aufgenommen werden können. Sie sollen sogar die Blut-Hirn-Schranke überwinden können und so im Gehirn landen.

Was Mikroplastik dort bewirkt ist noch unerforscht. Der gesunde Menschenverstand legt aber den Schluss nahe, dass die Auswirkungen auf die Gesundheit dramatisch sein dürften.

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Literatur:

Fünf Hausmittel ersetzen eine Drogerie: Einfach mal selber machen! Mehr als 300 Anwendungen und 33 Rezepte, die Geld sparen und die Umwelt schonen

Wie wir es schaffen, ohne Müll zu leben: Zero Waste als Lifestyle

Zero Waste Home Glücklich leben ohne Müll!: Reduziere deinen Müll und vereinfache dein Leben

Quellen: PublicDomain/watergate.tv am 05.05.2018

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