Die Geschichte der Oder-Neiße-Linie: »Westverschiebung« und »Umsiedlung« – Kriegsziel der Alliierten oder Postulat polnischer Politik?

Wer trägt die tatsächliche Verantwortung für die Oder-Neiße-Grenze?

In der Endphase des Zweiten Weltkrieges entstand die »Oder-Neiße-Linie«, die heutige deutsch-polnische Grenze. Infolge der »Verschiebung« der deutsch-polnischen Grenze nach Westen und der Aufrichtung der Oder-Neiße-Linie wurden Millionen Deutsche getötet, vertrieben oder umgesiedelt.

Das Buch “Die Geschichte der Oder-Neiße-Linie” von Michael Hartenstein beantwortet im Wesentlichen folgende Fragen:

Wie kam es zur Oder-Neiße-Linie?
Wer wollte diese Grenze seit wann und aus welchen Gründen?
Wer hat die Oder-Neiße-Linie tatsächlich als Staatsgrenze durchgesetzt und verwirklicht?
War im Grunde Hitler schuld an der Oder-Neiße-Grenze und damit an der Vertreibung der Ostdeutschen?
Gab es je eine Möglichkeit der Revision dieser Grenze?
War die neue deutsch-polnische Grenze tatsächlich als gemeinsamer Beschluss der Siegermächte des Zweiten Weltkrieges eine Folge der Potsdamer Konferenz?

Der Autor stellt die Geschichte der Oder-Neiße-Linie erstmals zusammengefasst von ihrer Vorgeschichte im 19. Jahrhundert bis zur völkerrechtlichen Anerkennung im Jahr 1990 dar. Schwerpunkt des Buches sind die Jahre 1939 bis 1950.

Hartenstein kommt zu einem fundierten und pointierten Ergebnis, das der derzeitigen »offiziellen« Geschichtslesart in Deutschland und Polen widerspricht (Deutsche Staatsangehörigkeit: Wussten Sie schon – Ihnen gehört zur Zeit nichts!).

Vorwort

Von Deutschland wurde am Ende des Zweiten Weltkriegs etwa ein Viertel seines Staatsgebietes innerhalb der Grenzen vom 31. Dezember 1937, mithin also des Staatsgebietes der vormaligen „Weimarer Republik“, abgetrennt. Neue deutsch-polnische Grenze wurde eine willkürliche Linie an Oder und Lausitzer Neiße.

Das Thema „Oder-Neiße-Grenze“ scheint heute, zumal nach den deutsch-polnischen Verträgen der Jahre 1990/91, uninteressant geworden zu sein. Weite Teile der Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland können sachlich oder emotional mit diesem Thema heute kaum noch etwas anfangen.

Nach den politischen Umbrüchen in den sechziger und siebziger Jahren in Westdeutschland, der daraufhin dort folgenden weitgehenden Ausblendung der Thematik im Geschichtsunterricht sowie nach der jahrzehntelangen Tabuisierung der Problematik in der DDR assoziieren viele Deutsche mit den Begriffen Oder-Neiße, Pommern, Schlesien oder Ostpreußen diffus allenfalls etwas „Ewiggestriges“ bzw. „Heimattümelei“ – oder wittern gar immer noch „Revanchismus“.

Für andere heutige Deutsche liegen Breslau, Stettin, Danzig, die Marienburg, Masuren, das Riesengebirge schlicht in „Polen“, ohne daß sie wissen, daß diese und andere Stätten jahrhundertelang von Deutschen bewohnt waren und zu Deutschland gehört haben. Die einseitige historische Erinnerungskultur in der Bundesrepublik Deutschland und die damit einhergehende notorische Geschichtsvergessenheit konnte, wie in Gesprächen manchmal festzustellen ist, sogar dazu führen, daß es heute Deutsche (darunter sogar Nachfahren von Ostvertriebenen) gibt, die ernsthaft glauben, die alten Ostgebiete Deutschlands seien 1939 von Hitler erobert worden – und 1945 mußten diese Gebiete nach solcher Auffassung eben gerechterweise wieder zurückgegeben werden (Hitler – eine Schachfigur der Rothschilds und der Illuminaten).

Die früher angewandte polnische Propagandaformel von den „wiedergewonnenen Gebieten“ mag dazu das Ihrige auch bei den Deutschen von heute beigetragen haben. Die verbreitete Tabuisierung, die in der deutschen Öffentlichkeit über den endgültigen Verlust der deutschen Ostgebiete nach wie vor vorherrscht, gehört wohl mit zu den eigenartigsten Phänomenen in der Bundesrepublik Deutschland. Daran haben auch Fernsehserien über die Vertreibung oder Günter Grass’ Buch „Im Krebsgang“ sowie die Diskussion um das „Zentrum gegen Vertreibungen“ wenig geändert.

Entsprechend unbekannt sind heute in Deutschland (und übrigens auch in Polen!) die Umstände und Abläufe, die 1945 dazu führten, daß diese Grenze entstehen konnte, sowie die Folgen dieser Grenzziehung.

Das Buch “Die Geschichte der Oder-Neiße-Linie” soll eine übersichtliche geschichtswissenschaftliche Darstellung der Vorgänge sein, die zur Faktizität der heut gen deutsch-polnischen Grenze führten.

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Die Zeit der konkreten Entstehung der „Oder-Neiße-Grenze“ fällt eigentlich in den Zeitraum des Zweiten Weltkrieges. In dessen Endphase führten die Alliierten USA, Großbritannien und Sowjetunion auf „Kriegskonferenzen“ in Teheran, Jalta und Potsdam von 1943 bis 1945 intensive Verhandlungen zum Thema polnische Nachkriegsgrenzen, in die direkt und indirekt auch die polnische Exilregierung bzw. die von Moskau unterstützte kommunistische polnische Regierung einbezogen waren.

Die Entstehungsgeschichte der Oder-Neiße-Linie als Grenze war mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges jedoch noch nicht abgeschlossen, da es auch noch eine lange Geschichte der völkerrechtlichen Anerkennung dieser Grenze gab. Auch existierte ein polnischer „Drang nach Westen“ nicht erst seit dem Zweiten Weltkrieg, eine Tatsache, die bisher nicht genügend Aufmerksamkeit seitens der Historiographie erhalten hat.

In diesem Buch wird demzufolge die Geschichte der Oder-Neiße-Linie von ihrer „Vorgeschichte“ in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg bis zu ihrer endgültigen völkerrechtlichen Anerkennung 1990/92 im Zuge der „abschließenden Regelung in bezug auf Deutschland“ erstmals in diesem Umfang zusammenfassend dargestellt. Ein ein-deutiger Schwerpunkt der Darstellung liegt dabei in der Zeit der schon erwähnten „Kriegskonferenzen“ von Teheran, Jalta und Potsdam, in der für die neue deutsch-polnische Grenze die Entscheidungen getroffen und verwirklicht wurden.

Ferner werden jedoch ausführlicher die für die Entstehung dieser Grenze wichtige, lange vor dem Zweiten Weltkrieg entstandene polnische Ideologie des „Westgedankens“ behandelt, sowie für die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg westliche Revisionsvorstellungen der unmittelbaren Nachkriegszeit und die Haltung zur Oder-Neiße-Linie in den direkt davon betroffenen Staaten sowie bei den Siegermächten des Zweiten Weltkrieges.

Die grobe Zweiteilung der vorliegenden Darstellung in die Zeit einer reinen Entstehungsgeschichte und die Zeit der „Anerkennungsgeschichte“ der Oder-Neiße-Linie soll den sachlichen Unterschied zwischen einerseits der eigentlichen Entstehungsgeschichte der Grenzlinie vor allem in der Zeit der „Anti-Hitler-Koalition“ und andererseits dem späteren politischen und völkerrechtlichen „Oder-Neiße-Konflikt“ verdeutlichen.

Der zeitliche Schnitt wurde dabei an der Zeit nach der Potsdamer Konferenz angelegt, da schon kurz nach dem Ende dieses interalliierten Gipfeltreffens das die Niederringung des „Dritten Rei-ches“ und damit auch die Oder-Neiße-Linie ermöglichende Zweckbündnis „Anti-Hitler-Koalition“ im beginnenden „Kalten Krieg“ zerbrach, nachdem seine Hauptaufgabe erfüllt war.

Dieses Buch will im wesentlichen folgende Fragen beantworten: Wie kam es zur Oder-Neiße-Linie? Wer wollte diese Grenze seit wann und aus welchen Gründen? Wer hat die Oder-Neiße-Linie tatsächlich als Staatsgrenze durchgesetzt und verwirklicht? War im Grunde Hitler schuld an der Oder-Neiße-Grenze und damit an der Vertreibung der Ostdeutschen? Gab es je eine Möglichkeit der Revision dieser Grenze?

Welche Bedeutung für die Entstehung der Oder-Neiße-Linie hatte eigentlich die Konferenz von Potsdam, die kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa stattfand, wirklich? War die neue deutsch-polnische Grenze tat- sächlich als gemeinsamer Beschluß der Siegermächte des Zweiten Weltkrieges eine Folge der Potsdamer Konferenz?

Da das Problem der Entstehung der Oder-Neiße-Linie sehr umfangreich ist, mußte für die Beantwortung dieser Fragen im Rahmen eines bewußt kurz und lesbar gehaltenen Buches eine Beschränkung auf das Wesentliche und Exemplarische erfolgen. Es wurde versucht, konkrete Entscheidungen, die Schritte in die Richtung der neuen deutsch-polnischen Grenze erbrachten, im Rahmen der teils auseinanderlaufenden, teils deckungsgleichen übergeordneten Interessen der Hauptsiegermächte des Zweiten Weltkrieges darzustellen, da zwar die Polenfrage für die Alliierten ein zentrales Problem der Nachkriegsordnung war, die Grenzfrage demgegenüber jedoch eine vergleichsweise untergeordnete Bedeutung besaß, Entscheidungen oder Kompromisse in der Grenzfrage also immer in Zusammenhang mit für die Sieger übergeordneten Interessen gesehen werden müssen.

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Zur Entstehung der Oder-Neiße-Linie ist seit Ende der 1940er Jahre bis heute eine sehr große Zahl an relevanten Quellenveröffentlichungen, Erinnerungsliteratur und wissenschaftlichen Darstellungen erschienen. Es sei diesbezüglich auf die Fußnoten sowie auf das Quellen- und Literaturverzeichnis verwiesen, in welchem alle für die Erarbeitung dieses Buches berücksichtigten Titel aufgeführt sind.

Jede in diesem Buch getroffene Aussage wird durch einen oder mehrere Fundstellennachweise belegt, wodurch nicht nur eine Überprüfbarkeit, sondern auch der Anreiz zu weiterem Nachlesen gegeben wer- den soll.

Mehrere Kartenskizzen verdeutlichen das im Text Dargestellte.

Diese Untersuchung möchte über die reine Darstellung historischer Tatsachen hinaus auch eine Auseinandersetzung mit der schwierigen und tragischen deutsch-polnischen jüngeren Vergangenheit leisten. Eine ehrliche Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ist jedoch nur möglich, wenn man diese auch kennt.

Eine ehrliche Auseinanderset-zung mit der Vergangenheit, die nichts ausspart, auch keine unbequemen Wahrheiten, ist darüber hinaus eine wichtige Voraussetzung dafür, daß eine zukunftsweisende deutsch-polnische Verständigung, die diesen Namen verdient, überhaupt stattfinden kann. Auch hier gelten die Worte Richard von Weizsäckers, der im Zusammenhang mit der Ermordung der Juden durch das NS-Regime am 8. Mai 1985 ausführte, „daß es Versöhnung ohne Erinnerung gar nicht geben kann“.

Anschließen möchte ich mich an dieser Stelle auch den Worten des Historikers Michael Wolffsohn, der zum Volkstrauertag 1996 in der Frankfurter Paulskirche u. a. ausführte, daß man seelische Abwehrreaktionen erzeuge, „wenn aufgrund der verbrecherischen Nationalgeschichte des sogenannten ‚Dritten Reiches‘ das millionenfache individuelle Leid von Deutschen, zum Beispiel Flucht, Vertreibung oder der Bombenhagel auf Zivilisten, tabuisiert, minimiert oder nicht ernstgenommen wird.

Die Rache an Deutschen war nach dem Zivilsationsbruch von Deutschen ihrerseits ein Rückfall ins vorzivilisatorische Zeitalter der Selbst- und Lynchjustiz. Mit ‚Aufrechnung‘ oder gar Verharmlosung der vorangegangenen deutschen Verbrechen hat dies nichts zu tun, alles aber mit Aufrichtigkeit, Wahrhaftigkeit, Vollständigkeit, Seele und Mitgefühl.

Ohne Mitgefühl kein Miteinander, ohne Miteinander kein innerer, seelischer Frieden und neues Gegeneinander. Wer nicht die Toten des eigenen Volkes betrauert, wird erst recht nicht die Toten anderer Völker betrauern. Wer eigenes Leid kennt und öffentlich nennt, wird das Leid anderer eher nachfühlen können – und wollen. Ausschließlichkeit des nationalen oder individuellen Leids verhärtet Herz und Verstand den anderen gegenüber.“

Möge dieses Buch ein wenig dabei mithelfen, daß ein besonders dunkles Kapitel der europäischen Geschichte – immerhin wurden infolge der Aufrichtung der Oder-Neiße-Grenze Millionen von Menschen getötet, vertrieben oder umgesiedelt – vor dem Vergessenwerden oder vor der Verharmlosung bewahrt bleibt.

 

Rezension

Das Postulat, “alle Deutschen östlich der Isthmuslinie Triest-Stettin zu vertreiben”, ist keineswegs, wie man glauben könnte, eine sowjetische Propagandaformel aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Vielmehr handelt es sich um eine Forderung, die bereits der Prager Slawenkongreß von 1848 explizit erhob. Entsprechende Territorialvisionen wurden in der Folgezeit immer wieder entworfen, wenn es galt, dem vermeintlich ewigen “deutschen Drang nach Osten” das Programm einer slawischen Westexpansion entgegenzusetzen – auch und gerade in Polen.

Um die Jahrhundertwende profilierten sich die Gründerväter der polnischen “Nationaldemokratie”, Roman Dmowski, der 1919 polnischer Delegierte während der Friedenskonferenz in Paris sowie Mitunterzeichner des Versailler Vertrags war, und Jan Ludwik Popławski als Vordenker eines polnischen “Westgedankens” und erklärten den Erwerb der östlichen Gebiete Preußens zur Überlebensfrage für einen künftigen polnischen Staat.

Getragen war ihr Programm von einem sozialdarwinistisch argumentierenden Nationalismus, dem “Kampf” und “Expansion” als Gradmesser für den Selbstbehauptungswillen einer Nation galten. Die polnische Geographie skizzierte bereits vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges die Flußläufe von Oder und Lausitzer Neiße als die kürzeste und damit “natürliche”, weil strategisch günstigste Westgrenze Polens.

Und 1917 forderte der Arzt Bolesław Jakimiak erstmals expressis verbis die Einverleibung der gesamten Oder-Neiße-Gebiete, deren vermeintlich slawischstämmige Bewohner er zum Großteil allerdings nicht vertreiben, sondern “repolonisieren” lassen wollte.

Da die polnischen Expansionswünsche auf der Pariser Friedenskonferenz von 1919 nur teilweise befriedigt wurden, blieb die neue Grenzziehung in der polnischen Öffentlichkeit der Zwischenkriegszeit ebenso umstritten wie in der deutschen. So konnte der nationaldemokratische Politiker Jędrzej Giertych 1947 stolz verkünden, “das Postulat der Westgrenze an Oder und Neiße” sei “keine sowjetische Erfindung aus dem Jahre 1945, sondern ein seit langem formuliertes Postulat der polnischen Politik” gewesen. Daß Enkelsohn Roman Giertych heute als Vertreter der extrem deutschfeindlichen “Liga polnischer Familien” dem Kabinett von Ministerpräsident Jarosław Kaczyński als Erziehungsminister angehört, sei nur am Rande vermerkt.

Es ist das unbestrittene Verdienst von Michael A. Hartenstein, daß er diese Voraussetzungen in seiner “Geschichte der Oder-Neiße-Linie” in breiter Form berücksichtigt und so den teilweise bis heute gepflegten Mythos, Polen sei 1945 lediglich das handlungsunfähige Objekt einer von den Alliierten in Jalta und Potsdam ausgekungelten “Westverschiebung” gewesen, nachhaltig erschüttert. Hierbei handelt es sich um die inhaltlich erweiterte Fassung seiner bereits 1997 vorgelegten Schrift “Die Oder-Neiße-Linie. Geschichte der Aufrichtung und Anerkennung einer problematischen Grenze”.

Hartenstein zeichnet die diplomatische Auseinandersetzung innerhalb der Anti-Hitler-Koalition um die künftige polnische Westgrenze detailliert nach und stellt die verschiedenen dabei diskutierten Grenzmodelle vor, wobei sich das beigefügte Kartenmaterial als nützlich erweist. Im Ergebnis stellt er heraus, daß die ersehnte Oder-Neiße-Grenze bereits Mitte 1944 zwischen der Sowjetunion und der kommunistischen polnischen “Nebenregierung” vertraglich vereinbart worden war, eine Entscheidung, die in der ersten Jahreshälfte 1945 von polnischer Seite mit Unterstützung Stalins faktisch umgesetzt wurde.

Der Potsdamer Konferenz vom Juli/August 1945 blieb es übrig, die längst geschaffenen Tatsachen vorbehaltlich einer künftigen friedensvertraglichen Regelung zu sanktionieren – einschließlich der kurz zuvor erfolgten Übergabe der auf dem Westufer der Oder gelegenen Hafenstadt Stettin und der die Odermündung kontrollierenden Stadt Swinemünde an die polnischen Behörden. Hartenstein arbeitet die Haltung aller relevanten Beteiligten – der Westmächte, der UdSSR und Polens – heraus und berücksichtigt dabei auf polnischer Seite auch die katholische Kirche, die sich ohne Rücksichtnahme auf ihre deutschen Glaubensbrüder zum Vollstreckungsgehilfen der Vertreibungspolitik machte.

Den zweiten Teil des Buches könnte man als “Anerkennungsgeschichte” der Oder-Neiße-Linie bezeichnen. Hier richtet sich der Blick auf die innerdeutsche Diskussion der Grenzfrage sowohl in den westlichen Besatzungszonen bzw. der 1949 daraus hervorgegangenen Bundesrepublik als auch in der sowjetischen Besatzungszone und späteren DDR.

Während die DDR-Führung unter Walter Ulbricht die Grenze bereits 1950 im Görlitzer Abkommen anerkannte und das Thema von da an aus der öffentlichen Diskussion verbannte, was sich unter anderem auch in der verschämten Bezeichnung “Umsiedler” für die Ostvertriebenen zwischen Rügen und Erzgebirge ausdrückte, bildete in Westdeutschland die Forderung nach einer friedlichen Grenzrevision zunächst einen parteiübergreifenden Konsens.

Öffentliche Solidaritätsbekundungen mit den Vertriebenen (Willy Brandt noch 1963: “Verzicht ist Verrat!”) und konkrete Politik liefen dabei aber rasch auseinander. Zurückhaltend bleibt der ehemalige Adenauer-Stipendiat Hartenstein bei der Schilderung der Politik der Bundesregierung in den fünfziger Jahren.


Immerhin konzediert er, Konrad Adenauer habe wohl spätestens seit 1953 nicht mehr an eine “reale Möglichkeit” einer Revision geglaubt. Daß Adenauer, für den nach eigener Aussage östlich von Magdeburg ohnehin die “asiatische Steppe” begann, die Frage der Ostgebiete bei der Durchsetzung seiner Politik der unbedingten Westintegration eher als lästigen Klotz am Bein empfand, ist wohl unzweifelhaft. Auch der Widerstand, den die CDU/CSU zu Beginn der siebziger Jahre den Ostverträgen mit ihrer faktischen Grenzanerkennung entgegensetzte, erschöpfte sich weitgehend in Wählermobilisierung – gerade einmal 17 Unionsabgeordnete stimmten 1972 im Bundestag gegen die Ratifizierung des Warschauer Vertrages (Deutschlands Zerstörung im Auftrag der Neuen Weltordnung – ein Jahrhundertplan kann aufgehen (Phase 1 & 2)).

1990/91 brauchte die schwarz-gelbe Bundesregierung dann keinen ernsthaften Protest der Öffentlichkeit mehr zu fürchten, als sie die Oder-Neiße-Linie im Rahmen des Zwei-Plus-Vier-Vertrags bzw. des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrags endgültig anerkannte. An dieser Stelle bricht Hartenstein seine Darstellung jedoch nicht ab, sondern gibt einen Ausblick auf die aktuelle Debatte um die Vertreibung in Deutschland und Polen und insbesondere um das heftig umstrittene Zentrum gegen Vertreibungen.

Daß dabei auf polnischer Seite neben nachdenklichen Stimmen immer wieder auch Äußerungen zu hören sind, die noch ganz dem Mythos von den “piastischen” bzw. den “wiedergewonnenen” Westgebieten Polens verhaftet sind, ist Ausdruck einer unbewältigten Vergangenheit, aus deren Perspektive Hartensteins Buch sicher als Provokation empfunden werden dürfte.

Literatur:

Durch globales Chaos in die Neue Weltordnung

Geboren in die Lüge: Unternehmen Weltverschwörung

Die Eroberung Europas durch die USA: Eine Strategie der Destabilisierung, Eskalation und Militarisierung Eine Strategie der Destabilisierung, … und komplett überarbeitete Neuausgabe

Weltverschwörung: Wer sind die wahren Herrscher der Erde?

Quellen: PublicDomain/Kopp Verlag/jungefreiheit.de am 08.08.2018

About aikos2309

3 comments on “Die Geschichte der Oder-Neiße-Linie: »Westverschiebung« und »Umsiedlung« – Kriegsziel der Alliierten oder Postulat polnischer Politik?

  1. Vollkommen absurd! Da marschieren die Deutschen unter Lügen in Polen ein, ermorden 4 Millionen polnische Juden und 2 Millionen polnische Christen, darunter insbesondere die Intelligenz, während Millionen “Untermenschen” systematisch versklavt werden, täglich Züge-weise Raubgüter von Polen ins “Reich” transportiert werden. Es fanden 100 Millionen!! Vergewaltigungen von Deutschen an Frauen in Osteuropa statt (ca. 600000 Vergewaltigungen deutscher Frauen durch Russen). Im Schnitt mehrere Vergewaltigungen auf jeden deutschen Mann! Schon 150 Jahre vorher wurde Polen von Russland und Deutschland zerrieben und von der Landkarte getilgt. Mit einer extremen Germanisierungspolitik insb. auch unter Bismarck. Also wer war der Aggressor? Und jetzt soll mit solchen Büchern den Polen die Schuld gegeben werden? Aufgrund ihrer bösen Expansionsbestrebungen? Aufgrund ein paar Zitaten? Da möchte jemand die Geschichte vollständig auf den Kopf stellen. Und: eine polnische Exilregierung gab es nur in London. General Sikorski wurde ermordet, weil er Katyn aufklären wollte. Die kommunistischen Vasallen Stalins waren keine polnische Vertretung.
    Was die Grenze betrifft: Vor ca. 1000 Jahren entsprach das Siedlungsgebiet der Slawen versus der Germanen exakt den heutigen Grenzen (Wroclaw/Breslau hieß Wratislawa). Davor (500 nChr.) waren die Slawen schon weiter westlich (bis ca. Magdeburg), weiter davor (bei Chr. Geburt) waren die Germanen weiter östlich (Vandalen). Die Grenze kann so ruhig bleiben. Und ich ziehe irgendwann zurück nach Schlesien, wo meine Mutter geboren wurde. Mit der polnischen Regierung habe ich keine Probleme.

  2. Vollkommen absurd! Da marschieren die Deutschen unter Lügen in Polen ein, ermorden 4 Millionen polnische Juden und 2 Millionen polnische Christen, darunter insbesondere die Intelligenz, während Millionen “Untermenschen” systematisch versklavt werden,

    Wo haben sie dich den entlassen

  3. Es ist immer wieder zu erkennen, wie Aggressivität, das Streben nach Profit und die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, die Menschheitsgeschichte prägt. So auch das Streben nach immer mehr Absatzmärkten und Rohstoffen und deren Gebiete, die man durch Raub/Krieg sich zu eigen machen wollte und bis heute kontrollieren will. Nicht dabei zu vergessen die ultrareichen Urheber, die mit ihrem Geld die Politik steuern und Kriege finanzieren. Und heute brauchen sich die großen Nationen nicht zu rühmen, etwas Besseres zu sein oder humaner in Kriegen gehandelt zu haben. Ob nun Mord, Vergewaltigungen oder Massenhinrichtungen, keiner ist und war besser. Ob es nun Hitler war mit Eroberungskrieg, der so die Deutschen und deutschen Boden den Siegermächten zum Schlachten serviert hat oder ob es z.B. die USA sind, die im Kosovo gewütet haben oder den Irak und Libyen in die Steinzeit gebombt haben, Vietnam und die Atombomben auf Japan nicht zu vergessen. Man könnte noch Vieles aufzählen.
    Stets ist der Verlierer im Anschluß im Nachteil. Entweder es wird Land geraubt (wie nach dem II.Weltkrieg) und/oder willige Regierungen installiert, die die eigene Nation ausbeuten sowie verraten und dem Gewinner zuarbeiten und Rohstoffe und Menschen ausliefern.
    Bestes Beispiel ist nun mal Deutschland. Als (verdienter) Verlierer des II.WK und Rechtloser wird Land geraubt. Man nimmt sich begehrte Gebiete, an Deutschland grenzende Länder profitieren von wunderschönen Landstrichen. Der größte Profitör sind bis heute die USA mit ihren Verbrecherorganisationen wie NATO und CIA. Deutschland ist nicht sein eigener Herr im Land, ist bis heute besetzt und wird für Kriege und Raubzüge gegen andere Nationen benutzt. Zudem wird eine enge Zusammenarbeit bzw. Friedens-Bündnis mit Rußland verhindert. Die vielen US-Militärbasen erhalten eine Kriegsaura, um zu regieren und die Kontrolle über deutsches Gebiet und der Deutschen selbst zu behalten. Der „Hit“ ist natürlich die neuere Ausradierung der deutschen Rasse über die von der Volksmehrheit nicht gewollte Massenmigration. So wird durch das finanzgebende Kapital den Deutschen ihre Werte, Traditionen, technische sowie kulturelle Errungenschaften genommen. Über den finanzierten Weg (hier ist Geld ohne Ende da) mittels Überflutung mit Menschen mittelalterlichen Glaubens (Islam), die der europäischer Kultur niemals anpaßbar sind, wird gegen innerlichen Frieden gearbeitet. Es werden Gewalt-Kriminalität, Krankheiten, Analphabetentum und Frauenfeindlichkeit in Massen importiert. Auf Jahre hinweg gesehen bedeutet dies den Genozid der Deutschen, Uneinigkeit und Chaos.
    Man kann sich zwar heute über die Hintergründe der Gebietsaufteilung nach dem II.WK informieren, jedoch ist das momentan das geringste Problem, was Deutschland und die Deutschen haben.

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