Falschmeldung: Mann erleidet Nierenversagen wegen Krankheit, nicht wegen Vitamin D

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Ein kanadischer Mann soll durch eine Überdosis Vitamin D ein Nierenversagen erlitten haben, berichten die Medien – Experten widersprechen.

Medien berichten von Nierenversagen durch Vitamin-D-Überdosis

Eine aktuelle Medienmeldung, die gerade von diversen großen Nachrichtenmagazinen verbreitet wird, behauptet, ein kanadischer Mann habe durch eine Überdosis Vitamin D ein Nierenversagen erlitten. Die Einnahme von etwa 12.000 IE Vitamin D soll dafür verantwortlich sein.

Die Meldung beruht auf einer im Canadian Medical Association Journal erschienenen Fallstudie, in welcher die Autoren diesen Fall schildern.

Der Mann nahm unbeabsichtigt über einen Zeitraum von 2 Jahren etwa 8000 bis 12.000 IE, da er der fälschlicherweise davon ausging, sein Präparat liefere 400 IE pro Tropfen, obwohl es eigentlich 1000 IE waren (Vitamin D hochdosiert: Sinn und Unsinn hoher Dosen).

Der Mann wurde wegen Nierenversagens in ein Krankenhaus überwiesen. Bluttests ergaben stark erhöhte Kreatinin- und Calciumwerte, einen Vitamin-D-Spiegel von 96 ng/ml und einen sehr hohen Spiegel des aktiven Vitamin-D-Hormons Calcitriol. Untersuchungen zeigen ein nicht-invasives Nierenkarzinom, das operativ entfernt wurde, Multiples Myelom (Krebserkrankung des Blutes) und granulomatöse Erkrankungen wie Sarkoidose.

Als Diagnose wurde Hyperkalzämie gestellt und der Mann wurde mit Hydroxychloroquin behandelt, um die Calcium-Werte im Blut zu senken. Es dauerte jedoch über ein Jahr, bis sich die Spiegel von Calcium und Calcitriol völlig normalisierten (Neue Erkenntnisse: Sonnenexposition liefert oft weniger als 500 IE Vitamin D – langfristige Folgen).

Medizinskandal Alterung

Dosis viel zu niedrig für toxische Reaktion

Der Bericht machte nicht nur informierte Leser stutzig: Eine Überdosierung bei gerademal 8.000 bis 12.000 IE ist höchst unwahrscheinlich – gewöhnlich tritt eine Hyperkalzämie erst bei deutlich höheren Dosen auf. Auch der gemessene 25-OH-D-Spiegel ist weit von den für eine Hyperkalzämie üblichen Spiegeln von über 150 ng/ml entfernt.

Dies fiel auch Nipith Charoenngam auf, einem Forscher an der Boston University School of Medicine mit dem Schwerpunkt Endokrinologie. In einem aktuellen Artikel, der ebenfalls im Canadian Medical Association Journal veröffentlich wurde, legt er dar, warum eine Überdosierung mit Vitamin D allein nicht die Ursache des Nierenversagens gewesen sein kann und welche Zusammenhänge hier wirklich eine Rolle spielten.

Im „Misconception for the cause of vitamin D toxicity“ betitelten Artikel schreibt er:

„Der von Auguste et al. berichtete Patient erlitt die Vitamin-D-Vergiftung aufgrund eines zugrunde liegenden pathologischen Zustands, den die Autoren nicht erkannten. Sie folgerten zu Unrecht, dass eine tägliche Dosis von 8000 bis 12.000 IE zu einer Vitamin-D-Vergiftung führen kann. Vitamin D-Toxizität tritt im Allgemeinen auf, wenn der Spiegel an 25-Hydroxyvitamin D über 150 ng/ml liegt. Dieser Patient hatte ein 25-Hydroxyvitamin D von 96 ng/ml. Diese Konzentration liegt innerhalb der normalen Grenzwerte (30-100 ng/ml).“

Gestörte Vitamin-D-Regulation

Seine Analyse der Situation kommt dann zu ganz anderen Schlüssen: Das gefundene Krebsgeschwür im Nierenbecken war die viel wahrscheinlichere Erklärung für diesen Fall:

„Die 1,25-Dihydroxyvitamin-D3-Spiegel sind bei Patienten mit Vitamin-D-Intoxikation mit Hyperkalzämie nicht erhöht, da durch die Unterdrückung des Parathormons die renale Umwandlung von 25-Hydroxyvitamin-D zu 1,25-Dihydroxyvitamin-D reduziert wird.

Das hohe Dihydroxyvitamin-D3 und die Tatsache, dass die Autoren beobachteten, dass die Behandlung mit Hydroxychloroquin zu einem raschen Rückgang des zirkulierenden 1,25-Dihydroxyvitamin-D3-Spiegels führte, hätte die Autoren darauf aufmerksam machen müssen, dass die wahrscheinliche Erklärung der Symptome in einer unregulierten extrarenalen Umwandlung von 25-OH-D zu 1,25-Dihydroxyvitamin-D zu suchen ist.

Die renale 25-Hydroxy-Vitamin-D-1-alpha-Hydroxylase (CYP27B1) ist nicht empfindlich gegenüber Hydroxychloroquin, Ketoconazol oder Glucocorticoiden, wie von den Autoren behauptet. Nur das extrarenale CYP 27B1 ist gegenüber diesen Medikamenten empfindlich.

Die Autoren machten mit bildgebenden Studien zwar bescheidene Anstrengungen, um granulomatöse Störungen auszuschließen. Die Autoren schätzten die Vorgeschichte des Patienten mit einem Urothelkarzinom jedoch nicht richtig ein. Es ist bekannt, dass dieses mit einer Vitamin-D-Toxizität assoziiert ist, die mit einer unregulierten extrarenalen Umwandlung von 25-Hydroxyvitamin D zu 1,25-Dihydroxyvitamin D zusammenhängt. Dies ist die wahrscheinliche Ursache der Intoxikation und des Nierenversagens und nicht die eingenommene Dosis von Vitamin D.“ (Starker Vitamin D-Mangel: 8 Symptome und Anzeichen, die darauf hindeuten)

Negativ-Schlagzeilen gegen Vitamin D

Der ärgerliche Unterton in dieser Analyse ist kaum zu überhören. Und man kann es Charoenngam kaum übel nehmen: Der aktuelle Medien-Rummel um diesen Fall ist nur ein Beispiel einer ganzen Reihe von negativen Artikeln über Vitamin D.

Der Großteil dieser Artikel ist eher schlecht recherchiert – dass nun auch Mediziner durch solche Fehlinterpretationen weitere Vorlagen liefern, ist tatsächlich bedauerlich. Denn der Schaden ist angerichtet, die Horror-Meldung dürfte vielen Menschen im Gedächtnis bleiben, die Richtigstellung zu diesem Fall hingegen werden wohl die wenigsten Menschen auch nur zur Kenntnis nehmen (Hochdosiertes Vitamin D – zentraler Faktor für Gehirn und Nerven).

Vitamin-D-Überdosierung durch die Sonne?

Können ausgedehnte Sonnenbäder zu einer Vitamin-D-Überdosierung führen? Zum Glück nicht: Die Haut besitzt einen Regulationsmechanismus, der verhindert, dass übermäßig viel Vitamin D durch die Sonne produziert wird. Die maximal produzierte Menge entspricht etwa der oralen Einnahme von 10.000 bis 20.000 IE (Vitamin D senkt das Risiko, an Krebs zu erkranken und erhöht die Überlebensrate).

In einigen Extremfällen, wie etwa Strandwachen in Israel, die bei spärlicher Bekleidung täglich bis zu acht Stunden extremer Sonneneinstrahlung ausgesetzt waren, konnten extrem hohe Vitamin-D-Spiegel festgestellt werden. (5) Dies führte auch zu einer übermäßigen Aufnahme von Kalzium, die sich jedoch in einem Bereich befand, der durch eine erhöhte Ausscheidung von Kalzium über den Urin ausgeglichen werden konnte.

Trotzdem entwickelten diese Strandwachen auffällig häufig Nierensteine, deren Auftreten gegenüber der normalen Population etwa um das 20-fache erhöht war. Dies zeigt, dass hohe Vitamin-D-Spiegel auch ohne Auftreten einer Hyperkalzämie durchaus Gesundheitsrisiken bergen.

Auch beim Sonnenbaden ist also ein maßvoller Umgang mit der Sonne anzuraten, der sich aber auch schon allein aus Gründen des Hautschutzes gebietet (Ein völlig neues Bild: Einfluß von Vitamin D auf die Augen).

Fazit: Vitamin-D-Überdosierung

Trotz all dieser Zusammenhänge ist Vitamin D grundsätzlich als sicher zu bewerten. Eine Überdosierung mit Vitamin D ist mit handelsüblichen Präparaten nicht zu befürchten. Allerdings sollten die Empfehlungen zur Vitamin-D-Dosierung (2000-5000 IE) beachtet und der Vitamin-D-Spiegel in einem gesunden Rahmen (35-70 ng/ml) gehalten werden (Nicht nur fürs Immunsystem und Knochen: Vitamin D ist für jede Zelle wichtig).

Die heute teilweise geforderten extrem hohen Vitamin-D-Spiegel über 50 ng/ml haben derzeit keine wissenschaftliche Grundlage und stellen ein relevantes Risiko für Verkalkungen dar.

Bei Einnahme von Vitamin-D-Präparaten ab 1000 IE sollte auf eine gute Versorgung mit Vitamin K2 geachtet werden. Beim Auftreten von Unwohlsein oder Nebenwirkungen oder bei chronisch niedrigem Vitamin-D-Spiegel trotz Supplementierung sollte Magnesium ergänzt werden (Das Märchen vom unnötigen und gefährlichen Vitamin D).

Literatur und Produkte:

BRAINEFFECT VITAMIN D3 K2 Tropfen | 20ml in hochwertigem MCT Oil auf Kokosbasis | Hochdosiert mit 1000 I.E. / 25 µg pro Tropfen | Vegetarisch

Gesund durch Vitamin-D: Der Ratgeber zum Vitamin-D und Vitamin-D-Mangel

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Gesund mit Vitamin D: Wie das Sonnenhormon hilft und schützt

Quellen: PublicDomain/vitamind.net am 08.05.2019

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One thought on “Falschmeldung: Mann erleidet Nierenversagen wegen Krankheit, nicht wegen Vitamin D

  1. Eine Dosis von 8.000-12.000 IE Vitamin D darf allerhöchstens acht Wochen lang eingenommen werden! (s. https://vitamin-d.info/einnahme-dosierung/) Bei einer Einnahmedauer von zwei Jahren kann tatsächlich eine Hyperkalzämie eintreten, die durchaus tödlich enden kann! Ich selbst musste mich neulich notgedrungen mit diesem Thema beschäftigen, da meine Blutwerte eine Hyperkalzämie nahelegen. Glücklicherweise gab es dann aber Entwarnung: Das Messergebnis war auf Fehler bei der Blutabnahme zurückzuführen. Hyperkalämie darf aber auch keinen Fall unterschätzt werden, auch nicht eine Überdosis von Vitaminen!

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