
Ab Samstagabend geht der Regen von Tief Tristan in Schneefall über. Bis Montagmorgen schneit es in fast ganz Norddeutschland durchgehend. Der Schneefall beginnt Samstagabend um 18 Uhr, ungefähr auf einer Linie vom Ruhrgebiet bis nach Leipzig. Am Sonntagmorgen ist der Schneefall dann schon bis nach Bremen und an die Elbe vorgedrungen. Dann beginnt das große Einschneien.
Schneeverwehungen sehr wahrscheinlich
Starker Dauerschneefall lässt die Schneedecke in Norddeutschland immer höher steigen. Am Sonntagvormittag nimmt dann auch der Wind stark zu. Im Schneefall weht dabei meist ein Ostwind. Am südlichen Rand des Schneefalls können die Flocken zwar nass sein, aber sonst ist leichter Schnee zu erwarten. Daher sind Schneeverwehungen auch sehr wahrscheinlich.
Und es trifft nicht nur das platte Land. Bis zu 25 Großstädte sind betroffen. Hier unsere Einschätzung, wann es wo zur Sache geht.
Fahrplan für die Schneefälle
Berlin und Potsdam
In Berlin setzt der Schneefall erst in der Nacht zu Sonntag ein. Im Berliner Süden kommt deutlich mehr Schnee zusammen als im Norden. Es kann durch den kräftigen Ostwind auch viel Schnee verfrachtet werden. Im Moment sind Schneemengen von bis zu 40 Zentimeter in Berlin möglich. Jedoch könnte der Schneefall auch geringer ausfalle. Es gibt Wettermodelle, die zwischenzeitlich nur noch wenige Zentimeter Neuschnee angeben.
Magdeburg, Wolfsburg, Braunschweig und Hannover
Es ist ziemlich sicher, dass es in diesen vier Städten sehr viel Schnee geben wird. Die Schneemengen bewegen sich zwischen 20 und 50 Zentimeter. Durch den starken Wind kann es auch innerhalb einer Stadt sehr unterschiedlich sein.
Die Autobahn 2 könnte aber einschneien, wird aber wahrscheinlich als wichtige Verkehrsader schnell geräumt. Auch hier ist Sonntag der extremste Tag. Spannend wird es dann nochmal Montagmorgen. Es droht ein Verkehrschaos.
Halle, Leipzig und Erfurt
Hier ist es nicht ganz sicher, dass wirklich viel Schnee fallen wird. Die Gefahr von 20 Zentimeter Neuschnee ist aber gegeben. Hier fängt der kräftige Schneefall bereits am Samstagabend an. Es schneit am Sonntag weiter. Doch hier sind schon am Sonntagvormittag signifikante Schneemengen zu erwarten. Aber wie gesagt: die genaue Schneelage ist für diese drei Städte noch unsicher.
Hamburg, Bremen und Oldenburg
Diese Städte bereiten den Meteorologen mit am meisten Bauchschmerzen. Es gibt immer wieder Wettermodelle, die auch hier 30, 40 oder 50 Zentimeter Neuschnee angeben. Doch im nächsten Modelllauf ist davon plötzlich nichts mehr zu sehen. In Bremen und Oldenburg ist die Gefahr höher als in Hamburg, dass es zu einem Einschneien kommt. An Hamburg gehen die größten Schneemassen wahrscheinlich vorbei. Schneien wird es trotzdem. Die drei Städte könnten aber auch Glück haben (Arktische Luft flutet den Norden: Polarwirbel-Split legt Teile Deutschlands lahm).


Dortmund, Hamm, Bochum, Bottrop, Essen und Gelsenkirchen
Das Ruhrgebiet war lange nicht so richtig auf der Agenda für die Schneebombe im Norden. Doch in den letzten Tagen rückte das Ruhrgebiet mit seinen vielen Großstädten immer mehr in den Fokus der Vorhersagen. Wenn es ungünstig läuft, dann schneit das ganze Ruhrgebiet ein. Besonders der Saharastaub in der Luft könnte für mehr Schnee sorgen als prognostiziert. Wir müssen also den Samstag abwarten, um wirklich zu wissen, wieviel Schnee das Ruhrgebiet abbekommt.
Münster, Osnabrück, Gütersloh, Paderborn und Bielefeld
Hier wird die Hauptschneelast erwartet. Es werden 40 oder 50 Zentimeter Neuschnee zusammenkommen. Bitte bleiben Sie nachts zu Hause. Aber auch am Tag kann man mit dem Auto in Schneeverwehungen steckenbleiben. Hier sitzt man das schlechte Wetter am besten zu Hause aus.
Kassel und Göttingen
Auch im Süden von Niedersachsen und im Norden von Hessen wird viel Schnee erwartet. Besonders in den Kasseler Bergen kommt es zu starkem Schneefall. Aber Kassel liegt auch am Übergang von Schnee und Regen. Es kann passieren, dass Göttingen bis zu 30 Zentimeter Schnee bekommt, während es in Kassel kaum eine Flocke zu sehen gibt.
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Die Unsicherheiten in den einzelnen Prognosen sind nicht zu übersehen. Daher sollte sich jeder angemessen auf eine Jahrhundertschneelage vorbereiten. Die Wettermodelle sind teilweise recht unterschiedlich. Hier wurde versucht, die Risiken darzustellen, die sich in den unterschiedlichen Wettermodellen zeigen.
Saharastaub sorgt für noch mehr Schnee
Das große Problem ist der massive Saharastaub in der Luft. Dieser Staub sorgt für stärkere Kondensation in den Wolken und damit für mehr Schnee. Das wird von Wettermodellen so nicht dargestellt. Im ganzen Norden ist äußerste Vorsicht ab Samstagabend geboten. Es ist möglich, dass Ortschaften von der Außenwelt abgeschnitten werden und Straßen unpassierbar werden. Man sollte im Hinterkopf behalten, dass auch Autos – besonders bei Schneeverwehungen – stecken bleiben können.



Seltenes Wetterphänomen: Der Blutschnee
Durch den Saharastaub könnte es auch Blutschnee geben. Das ist ein sehr seltenes Ereignis. Allerdings wird man es nicht sehen können, denn der Ostwind ist einfach zu stark. Am Sonntag ist mit Sturmböen bis 80 km/h zu rechnen. Über den Bergen kann es auch zu orkanartigen Böen bis 110 km/h kommen. Es ist eher wahrscheinlich, dass es im Süden zu Blutregen kommt.
Schnee wie 1979?
Tatsächlich werden ein paar Schneerekorde von 1979 (Titelbild) fallen. So wird es im Münsterland und im Osnabrücker Land wahrscheinlich mehr Schnee als im Jahrhundert-Ereignis von 1979 geben. In anderen Regionen – wie beispielsweise auf Rügen, wo sich 2 Meter Schnee im Jahr 1979 auftürmten – wird diesmal so gut wie kein Schnee fallen (Klima: Antarktis erlebt den kältesten Januar seit 1978 – globales Meereis wächst – heftiges Erdbeben).
Aber in Magdeburg kann es neue Rekorde geben, oder vielleicht auch in Bremen. Auf jeden Fall sieht es so aus, als ob nicht nur Norddeutschland hart getroffen wird, sondern auch unsere niederländischen Nachbarn. In Holland sind auch bis zu 50 Zentimeter Neuschnee möglich und selbst in London kann es noch schneien.
Um es kurz zu machen: Wir stehen vor einem neuen einschneidenden Wetterereignis. Von diesem Wintereinbruch wird man auch Jahre, wenn nicht Jahrzehnte noch sprechen.
Netzbetreiber in „erhöhter Alarmbereitschaft“
Angesichts der vorhergesagten Unwetter mit Schnee, Sturm und Eisregen stellen sich Netzbetreiber auf mögliche Störungen ein. „Mit Blick auf die nächsten Tage halten wir eine erhöhte Alarmbereitschaft und vielfältige Leitungsreserven vor und stehen dazu auch mit anderen Netzbetreibern im Austausch“, sagt Mathias Fischer, ein Sprecher des Stromnetzbetreibers „Tennet“.



Sollten Leitungen beschädigt werden, könne das Unternehmen den Schaden durch Sicherheitsreserven über andere Leitungen ausgleichen. Auch ein kurzfristiges Hochfahren zusätzlicher Kraftwerke sei möglich. „Tennet“ betreibt von Schleswig-Holstein bis Bayern das längste Höchstspannungsnetz in Deutschland (Wieder Blackout: Der nächste große Stromausfall – diesmal in Pakistan).
Bei früheren Sturmereignissen habe man Erfahrungen gesammelt, die in Netz-Instandhaltungsprogramme eingearbeitet wurden – so sei zum Beispiel die Standsicherheit von Strommasten erhöht worden, sagte Fischer.
Im November 2005 führte etwa eine ungewöhnliche Kombination aus orkanartigem Wind und viel nassem Schnee im Münsterland dazu, dass zahlreiche Strommasten umstürzten – Tausende waren ohne Strom.
Der Netzbetreiber „Avacon“, dessen Hochspannungsnetz von der Nordsee bis an den Main reicht, hat mehrere hundert Techniker und Monteure in Bereitschaft gerufen. „Die sind als potenzielle Verstärker verfügbar“, sagte Unternehmenssprecher Ralph Montag. Auch Dienstleister und Tiefbauunternehmen seien mit Blick auf mögliche Störungen vorsorglich alarmiert worden. In der Leitstelle in Salzgitter werde die Lage beobachtet.
Sorge bereitet „Avacon“, dass sowohl größere Schneemengen als auch Eisregen parallel die Netze belasten könnten. „Vor allem die Metallleitungen sind eine Angriffsfläche“, erklärte Montag. Wenn sich bis zu 30 Zentimeter dicke Eispanzer auf den Stromleitungen festsetzten, könnten die Leitungen abreißen. Eine weitere Gefahr gehe von schwerem, nassen Schnee aus, sagte der Sprecher. Unter der Schneelast zusammenbrechende Bäume könnten dann etwa auf Leitungen fallen und für Kurzschlüsse sorgen.
Beim Oldenburger Energieunternehmen „EWE“ sieht man sich für den Wintereinbruch gut gerüstet. Die Nieder- und Mittelspannungsleitungen, die der Versorger betreibt, liegen eigenen Angaben vollständig unter der Erde. „Wir gehen nicht davon aus, dass es da zu Problemen kommt“, sagte ein EWE-Sprecher. Dennoch beobachte das Unternehmen die Wetterentwicklung genau (Deutschlands unsichere Stromversorgung – Kaufen Sie Taschenlampen! Kaufen Sie Vorräte! Kaufen Sie Kerzen!).

Schwarze Schwäne und die Truthahnillusion
In der Broschüre des BBK wird gleich zu Anfang anhand der in Bild 9 wiedergegebenen Grafik erläutert, dass Deutschlands Stromversorgung europaweit zu den sichersten zählt. Und Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur, erklärte am 22.10.2020: „Wir beobachten die niedrigsten Ausfallzeiten seit Beginn unserer Erhebungen.
Die Energiewende und der steigende Anteil dezentraler Erzeugungsleistung haben weiterhin keine negativen Auswirkungen auf die Versorgungsqualität.“ Muss man sich angesichts solcher Tatsachen überhaupt noch Gedanken um einen Blackout machen?

Die Frage führt uns zum Begriff des „Schwarzen Schwans“, der in der Natur extrem selten ist, aber immerhin vorkommt. Seit dem 2007 erschienenen Buch von Nassim Nicholas Taleb „Der Schwarze Schwan: Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse“ hat sich dieser Begriff als Bezeichnung für Ereignisse eingebürgert, die wegen ihrer geringen Eintrittswahrscheinlichkeit üblicherweise gar nicht in Betracht gezogen werden. Das Erscheinen eines Schwarzen Schwanes widerlegt alle Prognosen und trifft uns üblicherweise völlig unvorbereitet, weil wir immer wieder der „Truthahn-Illusion“ erliegen.
Mit jedem Tag, den der Truthahn gefüttert und umsorgt wird, steigt seine Gewissheit, dass dies auch so bleibt. Für ihn ist ausgerechnet am Tag vor der Schlachtung die Wahrscheinlichkeit weiteren Wohlergehens am größten. Wir erliegen der gleichen Illusion häufig bei der Beurteilung sehr komplexer Systeme; ein Beispiel ist das weltweite Finanzsystem. In diesem System ereignete sich 2008 nach vielen Jahren ungebrochener Prosperität gänzlich unvermutet eine Krise, die es fast völlig zum Absturz gebracht hätte.
Komplexe Systeme weisen besondere Eigenschaften auf, welche ihre Steuerung erschweren und ein komplettes Systemversagen möglich machen. Es sind dies:
– lange Ursache-Wirkungsketten,
– Rückkopplungen, die zu schwer durchschaubarer Eigendynamik führen können,
– zeitverzögerte Wirkung von Eingriffen,
– kleine Ursachen, die große Wirkungen entfalten (Schmetterlingseffekt),
– mögliche Irreversibilität von Eingriffen.
Daraus resultieren mögliche Konsequenzen:
– einfache Ursache-Wirkungszusammenhänge sind nicht mehr gegeben; es entsteht die Gefahr einer Übersteuerung,
– es entstehen indirekte, kaum abschätzbare Wirkungen, die durch etablierte Risikobewertungsmethoden nicht erfasst werden,
– es kommt zu Domino- und Kaskadeneffekten, deren negative Folgen mit dem Umfang der Vernetzung zunehmen,
– Die Steuerbarkeit des Systems wird signifikant erschwert und geht im Extremfall völlig verloren.



Ein Beispiel zur Auswirkung der vorbeschriebenen Phänomene auf das Stromnetz ist der europaweite Blackout vom 4.November 2004, der erst Jahre später durch das Braess-Paradoxon erklärt werden konnte. Gerade im Fall unseres Stromnetzes sollten wir die Existenz Schwarzer Schwäne für möglich halten und nicht der Truthahn-Illusion unterliegen.
Literatur:
Codex Humanus – Das Buch der Menschlichkeit
S.O.S. Erde – Wettermanipulation möglich?
HAARP ist mehr (Edition HAARP)
Quellen: PublicDomain/Focus/weather.com/eike-klima-energie.eu am 05.02.2021
