
Im Spätherbst 2017 beobachten Astronomen am hawaiianischen Haleakala-Observatorium auf Maui einen seltsamen Himmelskörper. Auffällig ist, dass offenbar nicht allein nur Anziehungskräfte von Sonne und Planeten Auswirkungen auf die Beschleunigung des Objekts haben.
Irgendetwas Unbekanntes hat nach Ansicht der Forscher den Himmelskörper beschleunigt. Bis heute haben Wissenschaftler keine genaue Vorstellung von dem geheimnisvollen Objekt. Für die Zukunft will die Forschung gewappnet sein.
Die für 2029 geplante ESA-Mission „Comet Interceptor“ könnte zukünftig wichtige Informationen über unbekannte Himmelskörper liefern. Von Frank Schwede.
Die unheimliche Zigarre wurde am 19. Oktober 2017 durch das Pan-STARRS Teleskop am hawaiianischen Haleakala-Observatorium auf Maui entdeckt, als sie schon an der Sonne vorbeigeflogen war. Das Objekt hat die Erde in einer Entfernung von 33 Millionen Kilometern passiert. Das ist die 85-fache Distanz zwischen Mond und Erde.
Aufgrund der ungewöhnlichen Bahn und der Geschwindigkeit war Astronomen bald schon klar, dass es sich um kein gewöhnliches Objekt handelt. Asteroiden, Kometen oder andere größere und kleinere Gesteinsbrocken kamen zunächst nicht in Frage, weil der klassische Schweif fehlte. Der Schweif zeigt an, dass der Himmelskörper an Masse verliert.
Das Objekt war nach Ansicht vieler Forscher möglicherweise der erste jemals beobachtete Besucher aus einem anderen Sonnensystem. Ein Bote aus der Vergangenheit. Deshalb tauften ihn die Astronomen auf den Namen Oumuamua, was auf Hawaiisch so fiel wie Späher oder Anführer heißt. .
Am meisten aber beeindruckte die wissenschaftliche Gemeinde die nicht gravitative Beschleunigung. Nach Ansicht der Forscher konnte die Schwerkraft der Sonne die Bahn und die Geschwindigkeit nicht erklären.
Auch Shuel Bialy und Abraham Loeb von der Harvard University wurden in den Bann von Oumuamua gezogen. Beide Forscher brachten die Theorie ins Spiel, dass das Objekt möglicherweise Sonnensegel an Bord hatte.
Loeb schrieb in seinem neuen Buch Extraterrestrial: Mankind at the First of Intelligent Life Beyond Earth, dass Oumuamua von einer außerirdischen Zivilisation hergestellt wurde.
Sonnensegel könnten laut Loeb durch den Strahlungsdruck des Sonnenlichts Kursänderungen ermöglichen. Das aber würde tatsächlich bedeuten, dass das Objekt von einer außerirdischen Intelligenz gebaut wurde.



Nur ein Besuch des Himmelskörpers kann Klarheit liefern
Bis vergangenes Jahr herrschte Rätselraten unter den Wissenschaftlern. Dann kam Darryl Seligman von der University of Chicago und schlug in einem Fachartikel vor, dass Oumuamua kein Besucher aus einem fremden Sonnensystem war, sondern dass das Objekt aus einer riesigen Gas- und Molekülwolke stammt, von der Sorte, aus denen einmal Sternschuppen werden, Vorläufer einer Sternentstehungsregion.
Allerdings ist sich Seligman sicher, dass seine Interpretation von Oumuamua nicht von der kompletten wissenschaftlichen Community akzeptiert werden wird. Endgültige Sicherheit könnte nach Worten Seligman nur ein Besuch des Himmelskörpers liefern. Doch das ist jetzt so gut wie ausgeschlossen.
Seligman ist sich aber sicher, dass bald schon ein ähnliches Objekt auftauchen wird. Und möglicherweise ist das sogar schon geschehen. Am 30. August 2019 erblickte ein Amateurastronom wieder so ein seltsames Objekt am Himmel. Es erhielt die Bezeichnung Borisov, benannt nach seinem Entdecker.
Wissenschaftler sind sich sicher, dass auch dieses Objekt nicht aus unserem Sonnensystem stammt. Andererseits ähnelt es in seiner Oberflächenzusammensetzung eisigen Klumpen aus der Oortschen Wolke im äußersten Bereich unseres Sonnensystems. Dabei wurde seine Bahn während seiner nahen Jupiter-Passage auf eine hyperbolische Bahn gelenkt.
Allerdings wird es auch im Fall Borisov nicht möglich sein, dem Himmelskörper ein Besuch abzustatten. Obwohl nach Meinung von Adam Hibberd von der gemeinnützigen Organisation Institute for Interstellar Studies durchaus die Möglichkeit bestehen würde, in dem man eine Sonde startet und sie in eine elliptische Umlaufbahn um die Sonne steuert. Hibberd:
„An der Erde vorbei fliegt er dann mit Kurs auf Jupiter. An Jupiter wird ein Vorbeischwungmanöver zur Sonne durchgeführt, und bei der Sonne gibt es erneut ein derartiges Manöver.“


Mit jedem Wendemanöver würde die Sonde an Geschwindigkeit zulegen, sodass sie schnell genug wäre, das Objekt einzuholen. Die Ankunftszeit wäre aber erst voraussichtlich in zwanzig Jahren.
In einem Fachartikel aus dem Jahre 2018 erörtert Seligman, wie man ein Objekt wie Oumuamua genauer unter die Lupe nehmen kann. Etwa mithilfe der Impaktor-Methode.
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In diesem Fall wird eine Sonde per Rakete auf Abfangkurs geschossen was zur Folge hat, dass ein Teil der Sonde auf das Objekt aufprallt und zerstört wird. Allerdings könnte laut Seligman aus dem durch den Aufprall aufwirbelnden Material der verbleiende Teil der Sonde Messungen vornehmen.
In einem ähnlichen Verfahren ist die US Weltraumbehörde NASA 2005 im Rahmen der Deep Impact Mission vorgegangen, als sie eine Sonde auf der Oberfläche des Kometen Tempel 1 zerschellen ließ. Ziel war es, den Kern des Kometen zu erforschen.
Dazu wurde ein 372 kg schweres Projektil, ein Impaktor, in die Flugbahn des Kometen gebracht, das dort einschlug und einen Krater hinterließ. Der Einschlag und das herausgeschleuderte Material wurden mit den Instrumenten der Sonde und mit Teleskopen untersucht.
Doch die harte Tour ist nach Worten Seligmans nicht immer die geeignete Vorgehensweise bei so einer Mission. Besser wäre es laut Seligman die Sonde langsam passieren zu lassen. Dann könne man, so der Forscher, den Besucher in relativer Ruhe beobachten und dabei vielleicht auch noch ein paar Proben einsammeln. Seligman:
„Und am besten wäre eine Mission, bei der man Material auf die Erde bringt. Aber das haben wir sofort ausgeschlossen. Denn dazu müsste man einen Satelliten in eine Umlaufbahn um das Objekt bringen und dann mit einer Landesonde Proben einsammeln.“
Ein weiteres Problem bei Objekten wie Oumuamua ist die hohe Geschwindigkeit. Das heißt, die Sonde müsste erst einmal dazu in der Lage sein, das Objekt einzuholen.



Oumuamua war, von der Sonne aus betrachtet, mit einer Geschwindigkeit von rund 26 Kilometer pro Stunde unterwegs. Borisov sogar mit 32 Kilometer. Eine Raumsonde auf diese Geschwindigkeit zu beschleunigen ist nach Meinung von Wissenschaftler kein leichtes Unterfangen, vor allem sei das Bremsmanöver eine heikle Mission, dass aber ist nötig, um eine Landemanöver durchzuführen.
Welche Option bei einer derartigen Mission auch immer in Frage kommt, wichtig ist in jedem Fall, dass das Objekt rechtzeitig entdeckt wird, möglichst Monate oder schon Jahre im Voraus, um überhaupt eine entsprechende Mission planen zu können.
Interstellare Besucher wie Oumuamua sind in der Regel nicht besonders hell. Und genau das ist nach Meinung von Wissenschaftlern wie Derryl Seligman das Problem. Auch Oumuamua wurde erst entdeckt, als es schon so gut wie zu spät war und der Besucher sich bereist wieder aus unserem Sonnensystem verabschiedet hat.
Auf die Lauer legen
Um zukünftig besser vorbereitet zu sein, schlugen Jennifer Hudson und Gabriel Vivan von der Western Michigan University kürzlich in einem Fachartikel vor, mehrere Satelliten innerhalb unseres Sonnensystems in Stellung zu bringen, die sich gewissermaßen auf die Lauer legen, um so außergewöhnliche Objekte wie Oumuamua abpassen zu können.
Dafür bieten sich laut der Autoren so genannte Lagrange Punkte an, an denen man eine massearme Sonde aufgrund des Zwischenspiels der Schwerkraft zwischen Sonne und Planet ideal parken könne.
Einen solchen Punkt gibt es sogar schon. Lagrange-Punkt L2. Er befindet sich rund 1, 5 Kilometer auf der sonnenabgewandten Seite und wird bereits von zahlreichen Weltraumteleskopen genutzt.
In ihrem Artikel sind die Autoren zu dem Schluss gekommen, dass die Erde als Ausgangspunkt für derartige Missionen keine gute Option ist. Jupiter bietet laut Hudson und Vivian interessantere Möglichkeiten, weil ein Satellit in der Nähe von Jupiter mehr Energie hat, um einen Besucher mit hoher Geschwindigkeit einzufangen.

2029 startet der ESA-Comet Interceptor. Eine dreiteilige Raumsonde, die auf Abruf neu entdeckte Kometen oder interstellares Objekt wie Oumuamua ansteuern und untersuchen soll.
Die Sonde wird zusammen mit dem Weltraumteleskop Ariel starten und am Lagrange Punkt L2 des Erde-Mond-Systems parken. Von dort aus soll sie, sobald sich eine Gelegenheit bietet, zum Zielobjekt weiterfliegen, was aber Monate oder sogar Jahre dauern kann.
Die drei Teile der Raumsonde sollen sich vor Erreichen ihres Ziels voneinander trennen und das Objekt im Vorbeiflug aus verschiedenen Perspektiven untersuchen.
Die Sonde besteht aus der Hauptsonde A und den zwei kleineren Sonden B1 und B2. B1 wird übrigens von der Japanischen Weltraumbehörde beigesteuert.
Die Wissenschaft hofft mit der Untersuchung von Kometen und interstellaren Objekten zukünftig mehr Erkenntnisse über unser früheres Sonnensystem. zu erlangen. Sollte also ein Objekt wie Oumuamua noch einmal auftauchen, würde die ESA-Sonde sofort aus der Deckung kommen und die Verfolgung aufnehmen.
Einziges Problem: die Mission muss beim ersten Anlauf gelingen. Sobald die Sonde ihre Position verlassen und sich dem Objekt genähert hat, wird sie in eine Umlaufbahn um die Sonne einschwenken und dort auch verharren.
Oumuamua und Borisov sind zweifellos außergewöhnliche Objekte, die nicht nur die Phantasie von UFOlogen anregen, sondern auch die von Astronomen und Astrophysikern. Es ist davon auszugehen, dass Oumuamua spätestens Mitte der 2030er Jahren wieder den interstellaren Raum erreichen wird.
Sollte das Objekt aber tatsächlich unter intelligenter Kontrolle stehen, könnte es seinen Kurs durchaus wieder ändern und in ein anderes Sonnensystem wechseln. Möglicherweise handelt es sich ja um ein Forschungsschiff, das Sonnensysteme erkundet.
Vielleicht gibt es aber auch noch eine ganze andere Erklärung. Neue Computersimulationen legen nahe, dass Oumuamua möglicherweise ein Fragment eines zerstörten Planeten ist.
Einige dieser Fragmente könnten bereits schon vor Millionen von Jahren in den interstellaren Raum geschleudert worden sein und erreichen jetzt unser Sonnensystem.

Sollte diese Theorie zutreffen, ist damit zu rechnen, dass in den kommenden Jahren weitere Objekte dieser Art unser Sonnensystem passieren könnten. Von dieser Vermutung geht auch der Forscher Héctor Socas-Navarro vom Instituto de Astrofisica de Canarias aus. Gegenüber Euronews sagte er, dass Oumuamua nur das erste bekannte Objekt ist und dass davon auszugehen ist, dass weitere Objekte dieser Art im interstellaren Raum unterwegs sind, die gelegentlich auch in unser Sonnensystem eindringen.
Socas-Navarro betont, dass die Schwierigkeit, diese Objekte zu entdecken, darin besteht, dass sie sehr klein und dunkel sind, aber neue Instrumente, die sich aktuell in der Entwicklung befinden, bessere Beobachtungsmöglichkeiten liefern. Wörtlich sagte Socas-Navarro:
„Oumuamua war der erste, dann wurde Borisov entdeckt und viele weitere werden in den kommenden Jahren folgen.“
Allerdings ist auch Socas-Navarro wie viele seiner Kollegen davon überzeugt, dass Oumuamua kein Alien-Schiff ist. Auch wenn die nötigen Daten fehlen, die dass beweisen.
Abraham Loeb ist weiterhin davon überzeugt, dass Oumuamua ein Raumschiff ist. 2019 stellte Loeb in einem Interview mit dem Magazin New Yorker die Hypothese auf, dass Oumuamua eine Botschaft aus der Vergangenheit ist.
Oumuamua könnte eine Flaschenpost sein, und wir sollten aufgeschlossen bleiben, so der Astrophysiker. Denn nach Worten Loebs können wir viel von Außerirdischen lernen.
Bleiben Sie aufmerksam!
Literatur:
Die geheime Raumfahrt
UFOs: Sichtungen seit 1945 (Typenkompass)
DAS OMNIVERSUM: Transdimensionale Intelligenz, hyperdimensionale Zivilisationen und die geheime Marskolonie
Verschlusssache UFOs
Quellen: PublicDomain/Frank Schwede für PRAVDA TV am 07.02.2021
