
Wie jeden Sonntag in diesem Jahr waren auch an diesem Sonntag die Eskalationen in der Ukraine wieder Thema im russisches Wochenrückblich. In Kiew wird inzwischen offen von einem Krieg mit Russland gesprochen. Von Thomas Röper
Natürlich waren die Eskalationen aus Kiew und deren Unterstützung aus den USA am Sonntag wieder Thema im Wochenrückblick des russischen Fernsehens.
Neben dem, wovon im russischen Fernsehen die Rede war, sind noch einige andere Dinge in Kiew vorgefallen, über die ich in den nächsten Tagen ein neues Ukraine-Update schreiben werde. Hier beschränke ich mich auf die Übersetzung des Berichtes aus der russischen Sendung „Nachrichten der Woche.“
Die deutschen Medien haben Kiews Schritte zur Eskalation seit Januar verschwiegen. Aber da sie das Thema Ukraine nun auch wieder für sich entdeckt haben und Russland schon jetzt die Schuld für das geben, was demnächst kommen wird, dürfte es für viele interessant sein, wie im russischen Fernsehen darüber berichtet wird.
Beginn der Übersetzung:
Schlechte Nachrichten aus der Ukraine. In Kiew spricht man mehr und mehr von Krieg. Auf der Website des ukrainischen Verteidigungsministeriums wurde ein Bericht über die Telefongespräche von Verteidigungsminister Andrej Taran mit seinem amerikanischen Amtskollegen Lloyd Austin veröffentlicht.
Taran hat dabei Russland natürlich militärische Aggression vorgeworfen und Austin versprach der Ukraine militärische Unterstützung: „Der US-Verteidigungsminister betonte, dass die Vereinigten Staaten im Falle einer Eskalation der russischen Aggression die Ukraine nicht allein lassen werden.“
Pentagon-Sprecher John Kirby seinerseits fügte hinzu, Austin Lloyd habe in diesem Gespräch die Eskalation der „Eskalationen russischer Provokationen“ verurteilt und die Position von US-Verteidigungsminister Austin klargestellt: „Er bekräftigte auch das Engagement der USA, die Fähigkeiten der ukrainischen Streitkräfte aufzubauen, um sich wirksamer gegen die russische Aggression zu verteidigen.“
Gleichzeitig erinnerte Kirby selbst daran, dass Washington der Ukraine in den vergangenen fünf Jahren mehr als zwei Milliarden Dollar für der Bereich der Sicherheit bereitgestellt habe (Was für einen Krieg die USA gegen Russland vorbereiten).

Dieses Geld ist Kiew zu Kopf gestiegen und jetzt zieht es den Krieger in die Schlacht. Ihre Vorbereitungen rechtfertigen sie plötzlich mit den regelmäßig stattfindenden russisch-weißrussischen Militärübungen. Dabei ist bei „Sapad-21“ nichts Neues geplant, aber es werden echte Ängste geschürt. (Anm. d. Übers.: Die Manöver „Sapad“ finden derzeit alljährlich statt, sind also tatsächlich nichts Neues, auch wenn es im Westen jetzt oft so dargestellt wird)
Und es wurde über das erste Telefongespräch zwischen den Präsidenten Biden und Selensky berichtet. Informationen gibt es kaum, aber laut dem Weißen Haus hat „Präsident Biden die anhaltende Unterstützung der Vereinigten Staaten für die Souveränität und territoriale Integrität der Ukraine angesichts der anhaltenden russischen Aggression im Donbass und auf der Krim bestätigt.“ (Russisches Außenministerium: „Deutsche Regierung stuft Russland als Feind ein“).
Die Bedeutung all dieser diplomatischen Fragmente kann man beispielsweise mit einem Blick auf die jüngste Rede des Oberbefehlshabers der ukrainischen Streitkräfte, Khomtschak, im Parlament beurteilen. Er klang recht aggressiv und versicherte den Abgeordneten, dass die Ukraine zu einem Krieg mit Russland bereit sei:
„Unser gemeinsames Ziel ist es, den Krieg zu gewinnen, einen dauerhaften Frieden zu gewährleisten und die territoriale Integrität wiederherzustellen. Dies erfordert die Konsolidierung der Kräfte des ganzen Volkes.“



Der militaristische Qualm im Parlament war so dicht, dass er sogar Abgeordnete der Fraktion „Diener des Volkes“ des Präsidenten erschreckt hat. Eine von ihnen, Anna Kolesnik, schickte zwei Textnachrichten an Freunde, die von Journalisten auf ihrem Handybildschirm fotografiert wurden:
„Wir hören Khomchak. Aus diesem Land muss man verschwinden.“ (Anm. d. Übers.: Die Bilder werden in dem Beitrag gezeigt und mal wieder ist bemerkenswert, dass ukrainische Abgeordnete, die vehement gegen alles Russische hetzen, ihren Freunden Textnachrichten auf Russisch schreiben)
Währenddessen sprach Putin mit Merkel und Macron am Telefon unter anderem über die Ukraine. Die Pressestelle des Kremls berichtet: „Während eines ausführlichen Meinungsaustauschs über die Lage in der Ukraine wurde die Alternativlosigkeit des Minsker Abkommens aus dem Jahr 2015 als Grundlage für die Lösung des inneren Konflikts in dem Land bestätigt. Der russische Präsident betonte, wie wichtig es sei, dass die Kiewer Regierung alle zuvor auf höchster Ebene getroffenen Vereinbarungen erfüllt, vor allem die Aufnahme eines direkten Dialogs mit Donezk und Lugansk und die Lösung der rechtlichen Aspekte des Sonderstatus des Donbass.
Auf russischer Seite wurde ernste Besorgnis über die von der Ukraine provozierte Eskalation der bewaffneten Konfrontation auf der Kontaktlinie und über die faktische Weigerung geäußert, die im Juli 2020 in der Kontaktgruppe vereinbarten „zusätzlichen Maßnahmen zur Stärkung der Waffenruhe“ umzusetzen. Die politischen Berater der Staats- und Regierungschefs werden die gemeinsame Arbeit fortsetzen.“
Selensky war bei dem Gespräch nicht dabei. Er setzt seine Versprechen nicht um, auch nicht die, die er während des Normandie-Treffens in Paris gemacht hat. Das bedeutet, dass es erst einmal nichts mit ihm zu besprechen gibt.

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Dafür ist er auf einem anderen Gebiet aktiv, dem amerikanischen. Und die drängen ihn in den Krieg. Was bedeutet ihnen schon Selensky? Oder die Ukraine?
In Kiew wird das nicht einmal verborgen. Zum Beispiel sagt der Vertreter der Ukraine in der Trilateralen Kontaktgruppe zum Donbass, Alexej Arestovich, was der Sinn der kommenden Nato-Manöver „Defender Europe 2021“ im Mai und Juni ist:
„Defender Europe 2021 bedeutet übersetzt „Europa schützen“. Der Sinn ist, dass von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer – nun, lassen Sie es uns offen sagen – der Krieg gegen Russland geübt wird, die bewaffnete Konfrontation mit Russland trainiert wird“, sagte Arestovich.
Defender Europe 2021 ist das größte Manöver seit dem Kalten Krieg.
Für den Donbass ist die alarmierende Situation auch ohne Berichte über militärische Garantien aus Amerika an Kiew klar. Die Zahl der Soldaten der ukrainischen Streitkräfte im Donbass wurde in letzter Zeit unter dem Deckmantel der Rotation um ein Drittel erhöht. Das Minsker Abkommen ist vergessen. Im Donbass spürt man das alles am Boden. Zum ersten Mal seit Ende Juli wurde das Gebiet der Lugansker Republik beschossen. Die Eskalation ist offensichtlich. Kiew wetzt die Krallen.
Ende der Übersetzung
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Thomas Röper, Jahrgang 1971, hat als Experte für Osteuropa in verschiedenen Versicherungs- und Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet, bevor er sich entschloss, sich als unabhängiger Unternehmensberater in seiner Wahlheimat St. Petersburg niederzulassen. Er lebt insgesamt über 15 Jahre in Russland und betreibt die Seite www.anti-spiegel.ru. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.
Thomas Röper ist Autor des Buches „Vladimir Putin: Seht Ihr, was Ihr angerichtet habt?“
Literatur:
Durch globales Chaos in die Neue Weltordnung
Geboren in die Lüge: Unternehmen Weltverschwörung
Die Eroberung Europas durch die USA: Eine Strategie der Destabilisierung, Eskalation und Militarisierung Eine Strategie der Destabilisierung, … und komplett überarbeitete Neuausgabe
Weltverschwörung: Wer sind die wahren Herrscher der Erde?
Quellen: PublicDomain/anti-spiegel.ru am 06.04.2021
