
Bis heute stellen die Pyramiden von Gizeh und andere antike Bauwerke die Wissenschaft vor ein Rätsel. Von wem und vor allem wie wurden sie erbaut?
Seit Jahrhunderten rätseln Forscher, mit welcher Technologie die tonnenschweren Kalksteine transportiert und präzise Stein an Stein aufeinandergesetzt wurden. Der französische Chemiker Joseph Davidovits glaubt eine Antwort auf die Frage gefunden zu haben. Von Frank Schwede
Die Pyramiden von Gizeh sind eines der letzten großen Rätsel unserer Geschichte. Laut offiziellen Angaben entstanden sie etwa 2620 bis 2500 v. Chr. in der 4. Dynastie.
Der griechische Geschichtsschreiber Herodot erfuhr auf seiner Reise nach Ägypten 450 v. Chr., dass an dem Bau der großen Pyramide mehr als hunderttausend Arbeiter in dreimonatigen Schichten beteiligt waren.
Und Herodot fand heraus, dass die Pyramiden in mehreren Stufen von innen nach außen errichtet wurden, wobei die Steine mit Hilfe von Maschinen von einer Stufe zur nächsten gehoben wurden. Dazu schrieb er:
„Nachdem sie das Unterste gelegt hatten, hoben sie die weiteren Steine mit Hebewerken, die aus kurzen Balken gebaut waren, und so hoben sie die vom Boden auf den ersten Absatz der Stufenfolge.
Und wenn ein Stein dann auf ihm war, wurde er auf ein weiteres Hebewerk gelegt, das auf der ersten Stufe stand, und von dieser Stufe wurde der Stein, mit dem weiteren Hebewerk, auf die zweite Stufe gehoben. Denn soviel Stufen es waren, soviel Hebewerk waren es auch; oder es war auch dasselbe Hebewerk, ein einziges nur und leicht zu transportieren und das schafften sie von Stufe zu Stufe, nachdem sie den Stein von ihm weggenommen hatten. Denn ich will beide Arten angeben, so wie man es mir auch erzählt hat.“
Ägyptologen behaupten hingegen, dass es keine Aufzeichnungen über den Bau der Pyramiden gibt, einige Experten vermuten sogar, dass die Pyramiden viel älter sind als von der Wissenschaft angenommen. (Pyramiden als Tore des Bewusstseins: Die Theorie der kosmischen Resonanz)
Das eigentliche Geheimnis ist bis heute der Bau dieser Meisterwerke. Und dabei geht es nicht alleine nur um die Frage, wie die rund zwei Tonnen schweren Steinblöcken transportiert und in die Höhe gestapelt wurden, sondern auch um die Frage, ob die Blöcke aus abgebauten Naturstein sind, oder ob sie künstlich hergestellt, also gegossen wurden.
Der Ägyptologe Moustafa Gadalla behauptet in seinem Buch The Egyptian Pyramids Revisited, dass es sich um hochwertigen, künstlichen Kalksteinbeton und nicht um Naturstein handelt.
Laut Gadalla stimmen die Eigenschaften mit künstlich geformten Betonblöcken durchaus überein, was bedeutet, dass sie nicht, wie ja vielfach angenommen, natürlicher Bruchstein sind.
Da das Gebiet um die Khafra-Pyramide abschüssig ist, musste der Boden, auf dem die Pyramide errichtet wurde, zunächst einmal abgetragen werden, um eine ebene Fläche zu schaffen.
An dieser Stelle ist noch heute der ursprüngliche natürliche Fels rund um das Gizeh- Plateau zu erkennen. Gadalla schreibt, dass es nahezu unmöglich ist, aus dem brüchigen Gestein Blöcke in einer nahezu vollkommen einheitlichen Abmessung zu schneiden. Hat Gadalla mit seiner Theorie recht?
Eine mögliche Antwort auf diese Frage könnte die Felsinschrift, eine sogenannte Hungersnotstehle, auf der Insel Sehel an der Südgrenze des alten Ägypten liefern. Sie wurde 1889 von Charles Edwin Wilbour entdeckt.
Wurden die Pyramiden mithilfe der Geopolymer-Technologie erbaut?
Die dargestellte Szene erzählt, wie Pharao Djoser die Lokalgottheit Chnum um Hilfe bittet. Laut dem Präsidenten des Geopolymer-Instituts, Joseph Davidovits, soll es sich dabei um eine technische Anleitung zur Herstellung eines künstlichen Kalksteins aus Geopolymerbeton handeln..
Wurden die Pyramiden möglicherweise mithilfe der Geopolymer-Technologie erbaut? Im September 2002 ließ Davidovits Nachbildungen der massiven Steinblöcke der Gizeh-Pyramiden anfertigen. Dazu wurden dieselben natürlichen Zutaten verwendet, die möglicherweise auch die alten Ägypter vor 4500 Jahren nutzten.
Die massiven Blöcke hatten die gleiche chemische Zusammensetzung und das gleiche Erscheinungsbild wie die Blöcke, aus denen die Pyramiden von Gizeh entstanden sein könnten.
Der Kalkstein, der verwendet wurde, besteht aus fossilen Muscheln, sogenannten Numoliten, wie sie auch im Gestein des Gizeh-Plateaus vorkommen. Wie in Gizeh ist auch der französische Kalkstein locker gebunden, dass er nicht vorab zerkleinert werden muss.
„Doch im Gegensatz zu Gizeh enthält der französische Kalkstein keine Tonerde. Diese Komponenten reagieren im Wasser und bilden vor Ort einen geologischen Klebstoff, der anschließend den harten Geopolymeren wiederverfestigten Kalkstein entstehen lässt“, erklärt Joseph Davidovits.
Natriumkarbonat, das auch im ägyptischen Natron vorkommt, wurde zusammen mit Kalk in 500 Liter Wasser vermischt. Als weitere Zutat wurde Kaolin, ein weißes, feinkörniges Gestein, hinzugefügt, das auch im Gizeh-Kalkstein enthalten ist. Anschließend wurde die Mischung mit einem großen Holzwerkzeug umgerührt.
Schließlich wurde noch eine Tonne Kalksteinbruch hinzugefügt und mit dem Zement vermischt. Wenige Tage später war das Wasser verdunstet und der aufgelockerte Kalkstein konnte entnommen werden, um daraus Blöcke herzustellen.
Bei der Prüfung der Mischung ergab sich ein Verhältnis von 95 Prozent Kalksteinaggregaten zu nur fünf Prozent Bindemittel mit 12 bis 17 Prozent Wasser, was der Masse die Konsistenz von feuchtem Sand verleiht.
Drückt man die Masse mit der Hand zusammen, behält sie ihre Form und verfestigt sich sehr schnell. Die fertige Kalksteinmischung wurde in eine Form gegossen und mit einem Rammer verdichtet.
Der Druck des Rammers fördert die innere Kohäsion der Mischung, was bereits in der ersten Aushärtungsphase zu einer hohen Festigkeit führt. Die Form, in der die Mischung gegossen wurde, bestand aus einfachen Holzbrettern, die viele Male wiederverwendet werden konnten.
Kein Beweis, aber eine mögliche Theorie
Nach nur vier Stunden konnte die Form entfernt werden. Der synthetische Kalkstein war von echtem Naturstein nicht zu unterscheiden. Insgesamt wurden vier Blöcke hergestellt. Joseph Davidovits erklärte bei der Präsentation:
„Die beiden größten Blöcke haben einen höheren Wasseranteil und sind rund 4,5 Tonnen schwer. Sie haben eine glatte Oberfläche. Die beiden kleinen Blöcke sind etwa 1,3 Tonnen schwer, haben einen geringeren Wasseranteil und zeigen eine rauere Struktur.
Wenn man sich die Steine der Pyramide ansieht, sieht man genau das gleiche Bild. Entweder sind die Blöcke glatt oder grob. Wir haben diese Oberflächen einfach durch die Variation des Wassergehalts reproduzieren können, je nach Klima und Witterung.“
Sogar die Fugen zwischen den Blöcken waren perfekt. Aufgrund des kühleren Klimas in Nordfrankreich dauerte es rund drei Monate, bis die Steine vollständig ausgehärtet waren.
Die Struktur der Steine entspricht nahezu exakt den zum Bau der Pyramiden verwendeten Steinblöcken, was natürlich kein Beweis ist, dass die Kalksteinblöcke nach demselben Verfahren hergestellt wurden, geschweige, ob sie überhaupt künstlich hergestellt wurden.
Das heißt, wir haben es hier lediglich mit einer von vielen Theorien zu tun. Und schließlich bleibt immer noch die Frage, wie wurden die tonnenschweren Blöcke transportiert. Um sie zu bewegen, wären 400 bis 600 Männer nötig gewesen.
Ein weiteres Mysterium in Ägypten, und auch vielen anderen antiken Stätten der Welt, sind zahlreiche offenbar in Fels geschnittene Untergrundanlagen mit verschmolzenen Übergängen zwischen natürlichem Gestein und von Menschenhand bearbeiteten Steinblöcken.
Wie kann so ein Prozess entstehen? Liefert die Geopolymer-Technologie auch auf diese Frage eine Antwort? Möglicherweise. Wenn ein Stein direkt in eine Nische gegossen wird, kann es passieren, dass sich beim Aushärten die chemische Grenze zwischen den beiden Gesteinen vermischen.
Das heißt, aus heutiger Sicht betrachtet, sieht das dann so aus, als ober der Stein und der Felsen miteinander verschmolzen wären.
Natürlich kann auch Regenwasser vom natürlichen Fels und von den angrenzenden gegossenen Blöcken Substanzen herauswaschen, die den Verschmelzungsprozess begünstigen.
Ist das ein möglicher Grund, warum überall auf der Welt zu beobachten ist, dass Steinblöcke offensichtlich mit dem Felsen verschmolzen sind? Moderner Beton würde einfach zerfallen oder Risse bekommen, Geopolymer hingegen scheint mit dem umliegenden Gestein zu verschmelzen – ein Prozess, der sich im Laufe der Geschichte verstärkt haben könnte.
Den Geopolymer-Effekt umkehren
Interessant ist, dass der Geopolymere-Effekt auch umgekehrt werden kann. Es ist nämlich möglich, mit einfachen primitiven Mittel Granit zu verflüssigen. Dazu sind nur zwei Zutaten nötig: Potassium Hydroxid (Kaliumhydroxid) aus Holzasche und Granit.
Das hat der Autor des Buches The Natron Theory, Marcel Fóti in einem Experiment bewiesen. Fóti schreibt in seinem Werk, dass die Technologie noch im 19. Jahrhundert bekannt war.
In den USA, in Deutschland und den Niederlanden wurden sogar Bücher zu diesem Thema veröffentlicht. Erst als der wesentlich günstigere Portlandzement den Markt eroberte, geriet das Verfahren in Vergessenheit.
Fóti vermutet, dass der Prozess zur Herstellung von Kunststein von den Menschen eher zufällig entdeckt wurde. Der Autor schreibt, dass noch in der Antike die klassischen vier Elemente – Erde, Wasser, Feuer, Luft – eine reale und auch praktische Bedeutung hatten.
Ein wesentlicher Grund dafür ist nach Aussage Fótis, dass die Chemie in der Antike noch eine echte, praktische Wissenschaft der Stoffumwandlung war. Viel von diesem Wissen ging allerdings im Laufe der Geschichte verloren.
Die Geopolymere-Theorie könnte viele ungelöste Fragen der Geschichte klären. Möglicherweise auch die der geschmolzenen Treppe des Tempels von Dendera. Viele Besucher sind verblüfft stellen sich die Frage, wie das möglich ist.
Vielleicht war das Ganze ja bloß ein Unfall, einem Ägypter fiel der Bottich mit Kaliumhydroxid aus der Hand und der gesamte Inhalt hat sich über die Treppen ergossen und sie zum Schmelzen gebracht – wie schön, wenn sich Geschichte so leicht erklären lässt.
Video:
Quellen: PublicDomain/Frank Schwede für PRAVDA TV am 23.12.2025



















Damals gab es dort einen Nebenarm des Nils. Die Steinblöcke wurden also mit Schiffen von den Steinbrüchen bis in die Nähe des Bauplatzes geschafft. Dann wurden kilometerlange Rampen gebaut, die immer nur eine so geringe Steigung hatten. dass jeder Block auf Holzrollen nach oben gezogen werden konnte. Die gute Nachricht: Je höher die Pyramide wurde, um so weniger Steine brauchte man.