Pakistan: Im Schatten der Drohnen, der Tod lauert auf dem Friedhof

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Täglich kreisen über den Dörfern der pakistanischen Stammesgebiete Drohnen. Sie spähen nach Terroristen und schlagen blitzartig zu. Die Menschen leben in permanenter Angst.

Drohnenangriffe des US-amerikanischen Militärs und der CIA gelten als wichtigste Strategie im Kampf gegen den Terrorismus. Zugleich verschlechtert diese Art der Terrorbekämpfung aber die Lebensbedingungen von mehr als fünf Millionen Menschen in der Region. Für sie bedeuten die Drohnenangriffe eine weitere Quelle der Angst. Die Menschen fürchten jetzt nicht nur Übergriffe der Taliban und des pakistanischen Militärs, sondern auch die Drohnen.

Im September 2012 veröffentlichten die juristischen Fakultäten der Universitäten Stanford und der New York School of Law den Bericht „Leben unter Drohnen“. In mehr als 130 Interviews wurde deutlich, dass die US-Drohnen-Kampagne alle Lebensbereiche der Bevölkerung im Zielgebiet beeinträchtigen. Menschen vermeiden Menschenan-sammlungen, gehen nicht mehr auf den Markt, leben in dauerhafter Angst. Ein Zeuge beschreibt das bildlich: „Drohnen kreisen immer in meinen Gedanken. Sie sind wie ein Moskito. Auch wenn du sie nicht sehen kannst, hörst du sie, weißt du, dass sie da sind.“

Tod auf dem Friedhof

In Pakistan zum Beispiel sind mehrfach Beerdigungen Ziele von Drohnenangriffen geworden. Die kulturellen und religiösen Praktiken der Menschen würden dadurch untergraben „da Menschen fürchten, an Beerdigungen teilzunehmen“, heißt es in dem Bericht.

Am 18. Juni 2009 etwa starben bei einem Drohnenangriff in Makeen, einem Dorf in Wasiristan an der Grenze zu Afghanistan, auf einer Beerdigung 80 Menschen. Abdul Khalique ist ein lebender Zeuge des Angriffs. Er hat damals ein Bein verloren. Seine Augen schmerzen bis heute. Mehrere seiner Familienangehörigen wurden getötet. „Als ich mein Bewusstsein wiedererlangte, sah ich die Leichen meines Bruders, meiner drei Cousins und meines Onkels“, berichtet Khalique dem Reporter der Deutschen Welle. „Später kam ein anderer Onkel ins Krankenhaus. Er berichtete mir, dass es noch viele andere Opfer gab.“

Er habe sein Dorf verlassen und lebe heute in einem Mietshaus in Karachi, erzählt Khalique weiter. Er habe studiert, aber dann das Studium abgebrochen. „Viele wurden wie ich verletzt und unser Leben hat keinen Wert mehr.“ Abdul Khalique glaubt, dass er wegen seines Glaubens angegriffen wurde. „Der einzig logische Grund für den Angriff ist, dass wir Muslime sind.“

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(Foto: Abdul Khalique hat einen Drohnenangriff überlebt)

Der Zorn wächst

Hajji Khan hat ebenfalls einen Drohnenangriff überlebt. „Als Muslime wollen wir Frieden. Wir sind Pakistaner und wollen nur wissen, was Unrecht und was Recht ist. Wasiristan ist unberechtigt zum Ziel geworden. Wir haben alles verloren, was wir hatten. Wie können diese Kinder und Alten Terroristen sein? Die Zerstörungen, die angerichtet wurden, können in Jahrzehnten nicht wieder gutgemacht werden.“

Solche und vergleichbare Ansichten sind unter den Menschen der Region weit verbreitet. Sie führen zu einer Zunahme des Fundamentalismus sowohl in Afghanistan als auch in Pakistan. „Die zivilen Opfer schwächen die moderaten Stimmen der Region“, zu diesem Ergebnis kommt nicht nur der Bericht „Leben unter Drohnen“, sondern auch Armin Krishnan, Sicherheitsexperte von der Universität El Paso in Texas: „Es gibt überzeugende Hinweise darauf, dass die amerikanischen Drohnenangriffe Pakistan weiter destabilisiert haben. Sie haben die pakistanisch-amerikanischen Beziehungen geschädigt und zu einer weiteren Radikalisierung der pakistanischen Bevölkerung und deren Ablehnung der USA beigetragen.“

Der in Wasiristan lebende Journalist Umer Daraz berichtet im Gespräch mit der Deutschen Welle, dass große Teile der Bevölkerung auf die pakistanische Regierung und die USA zornig sind. Viele Menschen unterstützen zwar deren Kampf gegen die Taliban und Al-Kaida, halten aber Drohnenangriffe für das falsche Mittel. „Das Problem ist, dass die Leute glauben, die pakistanische Regierung habe die USA nie offiziell gebeten, die Drohnenangriffe einzustellen, obwohl die Regierung die Angriffe zugleich öffentlich verurteilt.“

Quelle: Deutsche Welle vom 18.01.2013

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