
Die Konsum Falle: Das Zalando-Angebot war sehr verlockend, die H&M-Hose auch und das neue Smartphone lässt sich ja auch ganz prima mit ein paar Raten abstottern. So denken sicher viele, doch wenn sich die Raten häufen, beginnt schnell ein Abstieg auf Raten. Vor allem bei jungen Menschen, die im Netz zu Hause sind und sich dort glücklich klicken kaufen.
Peter Zwegat, der wohl bekannteste Schuldnerberater Deutschlands, macht für die Überschuldung junger Menschen vor allem ein gestiegenes Anspruchsdenken (der neue Narzissmus) verantwortlich. „Ich beobachte schon, dass die Altersgruppe unter 30 höhere Konsumansprüche hat als die Älteren“, sagte Zwegat in der neuen Ausgabe der Ver-braucherzeitschrift „Guter Rat“. „Ein Smartphone zu nutzen, bis es wirklich kaputt ist, wäre für viele der Jüngeren ein Unding.“
Den Konsumwünschen stehe aber entgegen, dass junge Menschen oft noch nicht viel Geld verdienen. Auf die Frage, ob mehr Bescheidenheit eine Lösung sei, antwortete Zwegat: „Lassen Sie es mich so sagen: Wo immer ich als Schuldnerberater hinkam, war der Flachbildfernseher vor mir da.“
Dramatische Entwicklung
Es reicht ein Blick auf wenige Zahlen, um zu merken: Zwegats kritische Anmerkungen sind berechtigt. 2004 waren 53.000 junge Leute unter 20 in den Miesen, 2013 waren es schon 213.000 – ein Anstieg von knapp 302 Prozent in nur wenigen Jahren. Auch ein Blick auf die Altersgruppe der 20- bis 29-Jährigen ist wenig rosig: Hier sind 1,58 Millionen Menschen in den Schulden (plus 60 Prozent). Die Zahl junger Schuldner bis 29 Jahre sei „erschreckend hoch“, bilanzierte die Wirtschaftsauskunft „Creditreform“ in ihrem „Schuldneratlas 2013“. Das Schuldenvolumen der Menschen unter 30 liegt bei 26 Milliarden Euro.
„Unwirtschaftliche Haushaltsführung“ nennen Forscher das, was Zwegat als Verschuld-ungsgrund anführt. Die größten Kostenfallen bei den 18- bis 24-Jährigen sind laut den deutschen Inkasso-Unternehmen Handy-Verträge (90 Prozent) und Versandhändler-Bestellungen (84 Prozent).
Der Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen hat weitere Gründe aufgelistet:

Viele Bildungsexperten fordern daher seit Jahren die bundesweite Einführung eines einheitlichen Faches „Wirtschaft“, auch die Mehrheit der Schüler fordert mehr Ver-mittlung ökonomischer Zusammenhänge. Das scheint in der Tat sinnvoll, schließlich stöhnen Schuldnerberater, dass junge Menschen nicht einmal den Unterschied zwischen einem Giro- und einem Sparkonto kennen. Doch was tut sich an den Schulen: wenig bis nichts. Schuld ist, wie so häufig, der bildungspolitische Flickenteppich, das Länder-Klein-Klein auf Kosten der Bildung.
Vide: BBC Dokumentation „The Money Trap“ / „Die Geld-Falle“ – wie Banken Menschen in die Falle locken, die gar zum Selbstmord führt
Quellen: PRAVDA TV/huffingtonpost.de vom 23.05.2014
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