Alchemie: Die Werkstatt des Goldmachers (Video)

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Glasscherben, die bei Ausgrabungen in Wittenberg entdeckt wurden, entpuppen sich als Sensation: Sie stammen aus dem Labor eines Alchemisten, der fliehen musste. Was aber bedeuten die vielen Knochen?

Zeitzeugen behaupten, er sei bei einem seiner chemischen Experimente zu Tode gekommen. Andere sagen, ein böser Geist habe sich beizeiten seiner bemächtigt, und mithilfe seiner Bücher hätte man später noch Menschen in Gespenster verwandeln können. Die Rede ist von dem „wunderlichen Negromanten“ Dr. Johann Georg Faust, der schon vor seiner Auferstehung in Goethes Drama sich schwarzer Popularität erfreute. Denn Faust galt nicht nur als großer Wahrsager und Heilkünstler, sondern als Meister der Alchemie.

(Bild: Auf der Suche nach dem Stein der Weisen: alchemistisches Laboratorium und Bibliothek nach Matthaeus Merian d. Älteren (1593-1650)

Wenngleich der historische Dr. Faustus eher im Südwesten gelebt haben soll, lässt ihn der Weimaraner Höfling Goethe auch im Sächsischen sein Unwesen treiben. Tatsächlich waren die Universitäten Leipzig und Wittenberg in der Frühen Neuzeit Zentren dieser Kunst. Das belegt auch ein sensationeller Fund, der jetzt im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle aufgearbeitet wird: die Hinterlassenschaft einer Alchemisten-werkstatt.

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(Die Hinterlassenschaft eines Alchemisten aus Wittenberg)

Seit 2008 wird auf dem Areal des ehemaligen Franziskanerklosters in Wittenberg gegraben. Dabei wurden mehrere Abfallgruben entdeckt. In einer kamen mehrere Tausend Glasscherben ans Licht, die ins 16. Jahrhundert datiert wurden, jene Epoche, in der Martin Luther Dozent an der Universität war und an der Schlosskirche der Stadt seine Thesen zur Reformation der Kirche anschlug. Nach zweijährigen Untersuchungen sind sich die Forscher sicher, dass die Relikte Zeugnisse einer anderen philosophischen Denkschule sind.

„Das sind die ältesten in Mitteleuropa gefundenen Hinterlassenschaften aus einer Alchemistenwerkstatt“, sagt der Archäologe Alfred Reichenberger vom Landesmuseum. „Derartige Stücke sind extrem selten. Alchemistische Stücke in diesem Umfang wurden nur noch in Oberstockstall in Österreich vor einigen Jahrzehnten entdeckt.“

Zunächst sah alles nach Hausrat aus der Luther-Epoche aus, wurden die Funde doch auf die Zeit zwischen 1520 und 1540 datiert. „Allerdings passten die rötlichen und braunen Anhaftungen an den Scherben nicht zu dieser These“, sagt der Archäo-Chemiker Christian-Heinrich Wunderlich vom Landesmuseum.

Eine chemische Analyse ergab denn auch, dass es sich bei diesen Ablagerungen um Antimonverbindungen handelt. „Ein untrügliches Indiz, dass es sich um die Reste von Glasgefäßen einer Alchemistenwerkstatt handelt“, sagt Wunderlich. „Das Experimentieren mit Antimon war typisch für die Goldsucher in den Alchemistenküchen.“

Beim weiteren Graben fanden die Archäologen auch ausgeschmolzene Antimonstücke. „Antimon ist wie Arsen hochgiftig“, erklärt Wunderlich. „Aber mithilfe dieses Elements konnten die natürlichen, im Gold vorkommenden Beimischungen gelöst und das Gold sehr rein gemacht werden.“

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(Labor eines Alchemisten, wie es auf einem Holzschnitt von Francesco Petrarca („Von der Artzney bayder Glueck“, Augsburg 1532) zu sehen ist)

Die Restauratorin Vera Keil hat in mühseliger Kleinarbeit die Glasstücke wie in einem Puzzle zusammengesetzt. „Für mich war das eine große Herausforderung“, sagt Keil. Es dauerte rund 2800 Arbeitsstunden, bis plastisch sichtbar wurde, um was es sich dabei handelte: Sieben große Destillierkolben, dazu zwölf Retortengefäße, mehrere Destillier-hauben und weitere Glasgefäße.

Dazu passten auch die ausgegrabenen dreieckigen Schmelztiegel sowie Tonmaterial, das zum Ummanteln der Destilliergefäße diente. Das bewahrte die Gefäße vor großer Hitze und damit vor dem Zerspringen. Feuerfestes Glas gab es damals noch nicht. Die gefundenen Gefäße sind auf zeitgenössischen Darstellungen von Alchemistenwerkstätten deutlich zu sehen.

Zudem wurde in einem Tontopf das Skelett eines kleinen Hundes entdeckt, eines Schoß-hundes, sagt Wunderlich. Es war üblich, dass Alchemisten kleine Hunde in ihren Laboren hielten. Sie mussten als Versuchskaninchen herhalten oder die Dinge testen, die bei den Versuchen entstanden waren. Gesund scheinen diese nicht immer gewesen zu sein.

Andreas Stahl, Historiker des Landesmuseums, wertet den Wittenberger Fund als einmalig und herausragend. „Ob es sich bei dieser Alchemistenwerkstatt aber um die des Dr. Faustus handelt, bleibt Spekulation. Allerdings war Alchemie mehr als Golderzeugung. Die medizinische Fakultät der Universität Wittenberg war in der Luther-Zeit führend.“

Die sogenannte spagyrische Medizin, ein Zweig der Alchemie, beschäftigte sich mit der chemischen Umwandlung von pflanzlichen, mineralischen und tierischen Substanzen zu Arzneimitteln. Um wirksame Präparate zu erhalten, wurden hauptsächlich die unterschiedlichsten Stoffe destilliert.

„Was auffällt, ist das vollständige Fehlen von Werkzeugen“, sagt Wunderlich. „Offenbar musste der Alchemist fliehen. Das war damals in einer derartigen Karriere nicht unüblich, denn Gold konnte nicht gewonnen werden, und die Geduld des Herrschers war irgendwann zu Ende. Das Werkzeug konnte er mitnehmen, die zerbrechlichen Gefäße nicht.“

Allerdings war die Suche nach dem Stein der Weisen, mit dessen Hilfe sich aus einfachen Substanzen Gold oder Silber machen lassen sollte, nicht die einzige Profession der Alchemisten. Die Anhänger dieser uralten Lehre, die im hellenistischen Ägypten aus der Verschmelzung pharaonischer Magie und hellenischer Naturphilosophie entstanden war, vertraten eine Vorstellung von den Elementen, die sich deutlich vom Unwissen ihrer Zeitgenossen abhob. Alle Materie sei aus kleinsten Einzelteilen zusammengesetzt, war der gemeinsame Nenner dieser frühen Naturforscher, die bei ihrer Suche nach dem Schlüssel der Transmutation (Umwandelbarkeit) nebenbei auch zahlreiche wissenschaftliche Erkenntnisse gewannen.

Nur die Umwandlung von Erde in Gold gelang nicht. Dafür entdeckte der Alchemist Johann Friedrich Böttger – ebenfalls in Sachsen – Anfang des 18. Jahrhunderts das Porzellan.

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(Nachbau einer Alchemistenwerkstatt)

Voraussichtlich ab Ende 2016 sollen die Funde in einer Ausstellung zu sehen sein. Neben den Originalen soll eine komplett nachgebaute Alchemistenwerkstatt mit funktions-tüchtigem Brennofen im Museum für Vorgeschichte gezeigt werden.

Dort wurde unlängst ein anderes eindrucksvolles Zeugnis der Aufklärung aus den Ruinen des Wittenberger Franziskanerklosters präsentiert: Bleilettern einer frühneuzeitlichen Druckerei. Offenbar unterhielt auch der Drucker Georg Rhau auf dem Klostergelände seine Druckerei. Als ehemaliger Thomaskantor, Drucker und Publizist gehörte er zu den maßgeblichen Bahnbrechern der Reformation im Sinne Luthers.

Video-Ausschnitt aus der Dokumentation: Faust – zwischen Legende und Wirklichkeit

Quellen: PRAVDA TV/PA/akg images/WeltOnline/dpa vom 01.12.2014

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