
Zusammenhang zu Mordfall Kiesewetter? / Ex-Freundin von Florian H. – der war im Herbst 2013 in einem Auto verbrannt / Frau hatte im Stuttgarter Ausschuss ausgesagt.
Nach dem überraschenden Tod einer Zeugin im Stuttgarter NSU-Untersuchungsausschuss hat die Obduktion nach Angaben der Polizei erst einmal keine Hinweise auf ein Fremdverschulden ergeben. Die 20 Jahre alte Frau aus Kraichtal (Kreis Karlsruhe) sei an den Folgen einer Lungenembolie gestorben, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Montag in Karlsruhe mit. Das sei das vorläufige Ergebnis der Untersuchung in der Universität Heidelberg. Die Behörden teilten weiter mit, die junge Frau habe am vergangenen Dienstag einen leichten Motorradunfall gehabt und sich eine Prellung im Knie zugezogen. Zwar sei die Frau mehrfach ärztlich behandelt worden, trotzdem habe diese Verletzung letztlich eine Verstopfung eines Blutgefäßes der Lunge ausgelöst.
(Bild: In diesem Auto war der Ex-Neonazis Florian H. verbrannt – angeblich ein Selbstmord)
Erneut ungeklärter Zeugen-Tod im NSU-Fall
Eine 20-jährige Frau, die Anfang des Monats als Zeugin im NSU-Untersuchungsausschuss des Stuttgarter Landtags ausgesagt hatte, ist aus zunächst ungeklärter Ursache gestorben. Wie Polizei und Staatsanwaltschaft in Karlsruhe am Sonntag mitteilten, fand sie der Lebensgefährte am Samstagabend mit einem Krampfanfall in ihrer Wohnung. Die Ärzte hätten das Leben der jungen Frau nicht mehr retten können.
Die 20-Jährige lebte den Angaben zufolge im Landkreis Karlsruhe. Wegen des brisanten Hintergrundes würden die Ermittlungen aber mit Nachdruck betrieben.
Bei der Toten soll es sich um eine Ex-Freundin von Florian H. handeln, einem ehemaligen Neonazi, der im Herbst 2013 in einem Wagen in Stuttgart verbrannt war. Florian H. soll angeblich gewusst haben, wer die Polizistin Michèle Kiesewetter 2007 in Heilbronn getötet hat. Der Mord wird den Rechtsterroristen des »Nationalsozialistischen Untergrunds« (NSU) zugerechnet. Am Tag seines Todes hatte H. noch einmal von der Polizei befragt werden sollen.
Die 20-Jährige hatte Anfang März als Zeugin im NSU-Ausschuss in Stuttgart in nicht-öffentlicher Sitzung ausgesagt, weil sie erklärt hatte, sie fühle sich bedroht. Der Ausschuss soll die Verbindungen der rechten Terrorzelle in den Südwesten Deutschlands und mögliches Behördenversagen genauer betrachten.
Der Ausschussvorsitzende Wolfgang Drexler sagte der Deutschen Presse-Agentur, es wäre fahrlässig, nun irgendwelche Spekulationen zum möglichen Hintergrund des Todes der Frau zu äußern. Der Tod könne vielerlei Gründe haben.
Die Staatsanwaltschaft hat nach dem ebenso schnellen Obduktionsergebnis wie bei Florian Heilig eingeräumt, dass man »weitere Analysen« angeordnet habe, um zu untersuchen, »ob die Frau womöglich vergiftet wurde«.
Der Extremismusexperte und Berliner Politikprofessor Hajo Funke, der den NSU-Untersuchungsausschuss verfolgt und Vertrauensperson der Familie von Florian H. ist, zeigte sich schockiert über den Tod der 20-Jährigen. »Die Sicherheitsbehörden sind gut beraten, wenn sie diesem Tod durch Obduktion und intensivster Aufklärung nachgehen«, sagte er der Deutschen Presse-Agentur am Sonntagabend. Ansonsten wäre dies unter Umständen ein weiterer ungeklärter Todesfall.
Allerdings haben die Behörden den Fall neu aufgerollt, nachdem schweren Ermittlungspannen bekannt geworden waren. Die Familie hatte bei der Durchsuchung des Wracks zahlreiche Gegenstände gefunden, die von der Polizei trotz intensiver Durchsuchung nicht entdeckt worden waren, darunter zwei Mobiltelefone, einen Autoschlüssel sowie ein Schmerzmittel. Die Schwester von H. hatte die Beweise dem NSU-Ausschuß des Landtags von Baden-Württemberg übergeben.
Literatur:
Zum Schweigen gebracht!: Rätselhaften Todesfällen auf der Spur von Andreas von Rétyi
Geheimsache NSU: Zehn Morde, von Aufklärung keine Spur von Frank Brunner
Quellen: dpa/neues-deutschland.de vom 30.03.2015
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