Zweifel an ominösem „Selbstmord“ der britischen Irak-Chefin des IWPR

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Am 17. Oktober wurde die 50-jährige kommissarische Leiterin der irakischen Sektion des Londoner „Institute for War and Peace Reporting“ (IWPR), Jacqueline Ann Sutton, erhängt in einer Toilette des Istanbuler Flughafens aufgefunden. Sutton war von 1998 bis 2000 Reporterin für „BBC World Service“ und arbeitete auch für die Vereinten Nationen in zahlreichen leitenden Positionen, die sie nach Afghanistan, Iran, West-Afrika und Gaza führten. Zudem war sie Doktorandin und Lehrbeauftragte am „Centre for Arab and Islamic Studies“ an der Australian National University (ANU).

Nach Angaben der türkischen Zeitung „Hürriyet“ wollte sie weiter nach Erbil im Irak fliegen, hatte jedoch den Anschlussflug verpasst und soll kein Geld für ein weiteres Flugticket bei sich gehabt haben, weshalb sie besorgt ausgesehen haben und in Tränen ausgebrochen sein soll. Doch kann dies ein hinreichender Grund für einen Selbstmord sein, oder ist sie vielleicht Opfer eines Gewaltverbrechens oder gar eines politisch motivierten Mordanschlags geworden? Während ihre Familie nach Einsicht von Überwachungsaufnahmen mittlerweile von einem Selbstmord ausgehen soll, halten dies ihre engen Vertrauten jedoch für abwegig. Selbst die örtliche Polizei stuft den Vorfall als „verdächtig“ ein.

Selbstmord oder Mord?

Jacky Sutton soll nach Angaben von Freunden eine starke Frau gewesen sein, während der irakische Journalist Mazin Elias einen Selbstmord gar als „unmöglich“ bezeichnet. Auch Anthony Borden, ihr ehemaliger Chef und Geschäftsführer des IWPR, sagte dazu:

„All ihre Freunde und Kollegen, die sie besser kannten als ich, können es einfach nicht verstehen. Es passt überhaupt nicht mit irgendetwas zusammen, das irgendjemand über sie weiß. Ich will nicht behaupten, dass ich weiß, was sie auf dem Herzen hatte und was sie bedrückte, aber sie hatte eine positive Einstellung und Zukunftsperspektive.“

Ist es angesichts solcher Aussagen überhaupt denkbar, dass sie trotzdem wegen eines verpassten Fluges so verzweifelt gewesen ist, dass sie sich mit ihren Schnürsenkeln auf einer Flughafentoilette erhängte?

Hiergegen spricht auch, dass Sutton nach neuen Untersuchungsergebnissen der Polizei nicht nur 2.300 Euro Bargeld, sondern auch zwei Kreditkarten bei sich trug. Außerdem soll sie auf allen Videoaufzeichnungen ruhig und gefasst ausgesehen haben. Dies deutet auf zweierlei hin: Zum einen, dass es ihr mit diesen Zahlungsmöglichkeiten ein Leichtes gewesen wäre, ein weiteres Flugticket zu buchen, weshalb es auch keinen Grund zur Verzweiflung wegen des verpassten Anschlussfluges gegeben haben dürfte. Zum anderen spricht diese Tatsache gegen einen Raubmord, da es kaum anzunehmen ist, dass die Täter eine so große Summe Bargeld zurücklassen würden. Somit bleibt als dritte Möglichkeit eigentlich nur noch ein politisch motivierter Mord, der mit ihrer beruflichen Tätigkeit in Zusammenhang steht.

Angesichts dieser Indizien und der Bewertung des Falles durch die Polizei, klingt es daher umso seltsamer, dass die Familie des Opfers aufgrund der vorläufigen Ermittlungsergebnisse der türkischen Behörden nun doch davon überzeugt sein soll, dass Sutton „allein gehandelt habe“, d.h. Selbstmord begangen habe. Die Familie und das IWPR kündigten jedoch an, dass nach dem Abschluss der offiziellen Ermittlungen ein unabhängiger Experte mit der Untersuchung des Falles beauftragt werden soll.

Bereits vierter Todesfall beim IWPR innerhalb eines Jahres

Sutton war als kommissarische Leiterin der irakischen Sektion des IWPR in das Kurdengebiet im nördlichen Irak unterwegs (Dokument: der Bush-Blair-„Blut Deal“ gegen den Irak – Täuschung der Öffentlichkeit). In einem Interview aus dem Jahre 2008 sagte sie selbst, dass der Irak der gefährlichste Ort der Welt für Medienprofis sei. Diese Aussage wird auch dadurch untermauert, dass in diesem Jahr bereits drei ihrer Kollegen getötet wurden, darunter ihr Amtsvorgänger Ammar al-Shahbander im Mai dieses Jahres durch einen Bombenanschlag in Bagdad. Sutton war erst eine Woche vor ihrem eigenen Tod von Erbil nach London gereist, um an einer Gedenkfeier für ihren Amtsvorgänger teilzunehmen.

Auch wenn es heißt, dass sie die Feierlichkeiten nicht deprimiert verlassen habe, so soll sie kurz vor ihrem Tod über Ängste gesprochen haben, zum Ziel des Islamischen Staates (IS) zu werden. Auch ihre Kollegin Lorna Tychostup, die 2010 mit ihr zusammen wohnte, macht in ihrem Kommentar über Suttons Tod eine Andeutung, dass sie offenbar politische Feinde hatte:

„Ich lebte mindestens vier Monate mit ihr in Bagdad in ihrem Lager in ihrer Villa. Ich sah, dass sie einem enormen Stress ausgesetzt war. Sie rang sich Würde und Stärke ab. Deshalb ist es Unsinn zu behaupten, dass sie weinte, weil sie einen Flug verpasst hatte. Die Vorstellung, dass sie über nicht genügend Mittel verfügte, um dorthin zu gelangen, wo immer sie wollte, ist lächerlich. Sie hat ganz sicher Leute verärgert. Ich bin sicher, es gab einige Leute, die es nicht mochten, sie in einflussreichen Positionen zu sehen.“

Denn sie wussten zu viel ...: Mysteriöse Todesfälle und ihre wahren Hintergründe von Andreas von Rétyi (3. November 2008) Gebundene Ausgabe

Mögliche Feinde: Islamischer Staat und türkische Sicherheitskräfte

Es spricht also alles dafür, dass sich Sutton durch ihre Arbeit für das IWPR, das sich für Journalisten in Krisengebieten einsetzt, Feinde gemacht hat und somit Opfer eines politisch motivierten Mordes ist. Da sie sich selbst vom Islamischen Staat bedroht fühlte, deutet zunächst einiges in diese Richtung. Da sie sich vor ihrem Tod mit der Propaganda des IS und der „Wachstumsbranche“ Lösegelderpressung beschäftigt hatte (Warum ist ISIS immer noch mit dem weltweiten Finanzsystem verbunden?), fühlte sie sich in der ihr zur Verfügung gestellten Unterkunft in Erbil nicht mehr sicher, weil diese keine Möglichkeit zur Flucht geboten hätte, wenn jemand gekommen wäre, um sie zu töten. Nun habe sie zu ihrem Schutz bewaffnete Wachen und fühle sich dadurch sicherer, wie sie im Juni in einer E-Mail an Amanda Whitley vom Online-Magazin „Her Canberra“ schrieb (Das mysteriöse Sterben von Top-Bankern und „Staatsfeinden“ setzt sich fort (Videos) und Zufall? Innerhalb von 24h sterben drei Journalisten – sie planten Dokumentarfilm über 9/11).

Doch die Kurdenaktivistin Amy Beam vermutet, dass nicht der IS, sondern türkische Sicherheitskräfte für Suttons Tod und die Vertuschung der Tat zumindest mitverantwortlich sind: Bereits im Dezember 2014 soll sie ihren Angaben zufolge selbst einen ähnlichen Vorfall erlebt haben, bei dem sie als politisch unerwünschte Person so lange am Flughafen festgehalten wurde, bis sie ihren Anschlussflug verpasst hatte (Autounfall nachdem sie Nato-Unterstützung für ISIS aufdeckte: Warum starb Serena? (Videos)). Sie musste daraufhin ihren Weiterflug auf eigene Kosten bestreiten und wurde von der Polizei bedroht, die wörtlich zu ihr gesagt haben soll:

„Sie sind jetzt nicht mehr in Amerika, wo Sie Rechte haben. Sie sind jetzt in der Türkei und Sie haben hier keine Rechte. Wir sind die türkische Polizei. Wenn Sie sich nicht anständig benehmen, werden wir Sie festnehmen und einsperren.“

Angesichts der Ähnlichkeit von Beams Erfahrungen mit Suttons Todesumständen und des gleichen Motivs – der Verhinderung einer kritischen Berichterstattung aus dem Kurdengebiet –, kann kaum noch ernsthaft bezweifelt werden, dass Jacky Sutton ermordet wurde und dass die Hintermänner der Täter offenbar aus kurdenfeindlichen Kreisen stammen. 

Mehr zweifelhafte “Selbstmorde” finden Sie unten bei “Weitere Artikel”.

Literatur:

Tod eines Investmentbankers: Eine Sittengeschichte der Finanzbranche von Nils Ole Oermann

Krieg um jeden Preis: Gier, Machtmissbrauch und das Millardengeschäft mit dem Kampf gegen den Terror von James Risen

Denn sie wussten zu viel …: Mysteriöse Todesfälle und ihre wahren Hintergründe von Andreas von Rétyi

Inside IS – 10 Tage im ‘Islamischen Staat’ von Jürgen Todenhöfer

Quellen: thetelegraph.co.uk/maki72 für PRAVDA TV vom 26.10.2015

Weitere Artikel:

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