Cannabis: Bittere Medizin für Big Pharma

Cannabismedikamente reduzieren den Schmerzmittelverbrauch, zeigt eine US-Studie. Der Pharmaindustrie schmeckt das gar nicht.

Über die Legalisierung von Cannabis wird international seit Jahrzehnten gestritten. Mal waren die berauschenden Blüten erlaubt, mal verboten, in einigen Ländern befinden sie sich rechtlich sogar in einer Kategorie mit harten Drogen wie Heroin.

Doch die medizinische Wirkung von Cannabis wird immer breiter anerkannt. In Deutschland ist die Behandlung mit dem Cannabis-Wirkstoff THC in Sonderfällen erlaubt. Wer Cannabis als Tinktur oder Öl zu sich nehmen will, braucht aber nicht nur ein Rezept vom Arzt, sondern auch eine Genehmigung des Bundesamtes für Gesundheit.

Eine Studie mit deutlichen Resultaten

Anders in den USA: In derzeit 25 Bundesstaaten ist der therapeutische Einsatz von Cannabis erlaubt. Ein Wissenschaftler und eine Wissenschaftlerin der University of Georgia haben nun Daten analysiert, die die Auswirkung der Legalisierung auf den Medikamentenverbrauch in den betreffenden Staaten aufzeigen, berichtet die «Washington Post».

In allen 17 untersuchten Staaten, schreiben die Autoren, verschrieben Ärzte von 2010 bis 2013 deutlich weniger Medikamente als vor der Legalisierung: Ein durchschnittlicher Arzt verschrieb pro Jahr 265 Dosen weniger Antidepressiva, 486 Dosen weniger krampflösende Medikamente (Antikonvulsiva) und 1‘826 Einheiten weniger Schmerzmittel (10 seltene Krankheiten, gegen die Cannabis helfen kann).

Bei Krankheiten, für deren Behandlung Cannabis nicht relevant ist, hatten sich die verschriebenen Mengen im gleichen Zeitraum nicht verändert. «Ein deutlicher Beweis, dass die Veränderung auf die Legalisierung von Cannabis zurückzuführen ist», sagen Ashley und W. David Bradford. «Die Resultate zeigen auch, dass Patientinnen und Patienten Cannabis als Medikament nutzen und nicht nur zur Freizeitgestaltung.»

Der staatlichen Krankenversicherung Medicare, bei der ältere Bürger der USA ab 65 Jahren pflichtversichert sind, habe das in den 17 untersuchten Staaten im Jahr 2013 rund 165 Millionen Dollar gespart, rechneten die Forscher vor. Medicare-Daten bildeten auch die Basis für die Berechnung des Forscherteams, was ein Kritikpunkt an der Studie ist: Sie bildet nicht den Gesamtbedarf der US-Bevölkerung ab. Allerdings nehmen ältere Menschen am häufigsten dauerhaft Schmerzmittel und Psychopharmaka ein.

(Cannabismedikamente sorgen bei bestimmten Krankheiten für einen deutlichen Rückgang von Verschreibungen anderer Medikamente)

Umsatzrückgang für die konventionelle Pharmaindustrie

Was die beiden Wissenschaftler herausgefunden haben, dürfte der Pharmaindustrie Kopfzerbrechen bereiten. Viele Pharmaunternehmen wollten keine Umsatzeinbussen in Kauf nehmen und wehrten sich deshalb vehement gegen eine Legalisierung von Cannabis. Pharmafirmen unterstützten auch Anti-Cannabis-Gruppen wie die Community Anti-Drug Coalitions of America (CADCA) oder Wissenschaftler, die sich gegen die medizinische Verwendung aussprechen.

Auch auf Ebene der US-Bundesstaaten wird Einfluss genommen, um zu verhindern, dass weitere US-Gliedstaaten Cannabis legalisieren. Auf Bundesebene stellte das amerikanische Gesundheitsministerium HHS vor einigen Monaten bei der Drogenkontrollbehörde DEA (Drug Enforcement Administration) den Antrag, Cannabis und dessen Wirkstoff THC von der höchsten Drogen-Gefahrenklasse «Schedule 1» in eine niedrigere einzugruppieren.

Diese bisherige Klassifizierung verbietet die Forschung und den Anbau von natürlichem Cannabis. Dafür ist eine spezielle Erlaubnis der DEA nötig. Bisher gebe es eine einzige Lizenz für den Anbau, beschreibt der Antrag. Das sei zu wenig. Im vergangenen Jahr habe die DEA auch nur zwei Forschungslizenzen für Wissenschaftler ausgestellt. Einzelne Bundesstaaten, welche Cannabis legalisiert haben, wenden die Bundesvorschriften allerdings nicht an.

Das Drug Scheduling der US-Behörden

Die US-Behörde DEA (Drug Enforcement Administration) teilt Substanzen nach dem Controlled Substance Act (CSA) in fünf verschiedene Klassen ein. Die ersten drei sind:

  • Schedule I: (illegale) Drogen mit hohem Abhängigkeitspotential, deren medizinische Nutzung verboten ist, beispielsweise Heroin, LSD, Ecstasy, Cannabis, THC.
  • Schedule II: Substanzen mit hohem Missbrauchspotential in Konzentration von weniger als 15 Milligramm wie Kokain, MDMA, Oxycodon, Methadon, Fentanyl und Ritalin.
  • Schedule III: Substanzen mit mittlerem oder niedrigem Missbrauchspotential in Konzentrationen von weniger als 90 Milligramm, zum Beispiel Tylenol (Markenname für Paracetamol) in Verbindung mit Codein, Ketamine, anabole Steroide, Testosteron.

Verwirrend ist, dass Cannabis in der nationalen Gesetzgebung per se als illegal gehandhabt wird. Die abweichende Gesetzgebung der einzelnen Staaten wird von der DEA jedoch toleriert.

Das Missbrauchspotential eines offenen Cannabisanbaus sei zu hoch, lautete eine Einsprache. Geschrieben wurde sie ausgerechnet von «INSYS Therapeutics», einer Pharmafirma, die den Cannabis-Wirkstoff THC synthetisch herstellt. Das Gesuch der HHS wurde von der DEA kommentarlos abgelehnt (Warum ist Cannabis verboten? Die wahren Gründe sind schlimmer, als ihr denkt).

Cannabis gegen den Tod auf Rezept

Eine fast wichtigere Rolle spielen andere Fakten. Der Wirkstoff THC bietet gegenüber konventionellen Medikamenten einige Vorteile: Cannabis hat weniger Nebenwirkungen als starke Schmerzmittel und die Gefahr einer Überdosierung besteht kaum.

Jedoch, darauf weisen Wissenschaftler hin, sind noch sind nicht alle Neben- und Langzeitwirkungen bekannt. Es gibt jedoch starke Argumente, eine therapeutische Nutzung zu erlauben.

Eine Studie, die 2014 von einem anderen Forscherteam vorgestellt wurde, analysierte Daten aller 50 US-Staaten aus den Jahren 1999 bis 2010 und kam zu einem anderen aufsehenerregenden Ergebnis. Während fünf bis sechs Jahren nach der Legalisierung von Cannabis als Therapeutikum hatte in den betreffenden Staaten die Anzahl der Todesfälle durch Medikamentenüberdosen stark abgenommen.

In den «Medical Marijuana States» war die Anzahl der Menschen, die an Überdosen von Opiumderivaten wie Morphin und Oxycodon gestorben waren während fünf bis sechs Jahren um 33 Prozent zurückgegangen. Im gleichen Zeitraum vervielfachte sich die Zahl der Opioidopfer im Rest des Landes. 60 Prozent der Todesopfer hatten laut Reuters ein legales Rezept (Chemo bescherte Mann Blasen an Händen und Füßen: Dann heilte Cannabis-Öl seinen Krebs (Video)).

Selbst skeptische Ärzte äussern sich positiv über die Legalisierung

Der hohe Verbrauch von Schmerzmitteln ist ein drängendes Problem in den USA. Auch starke Schmerzmedikamente werden gerne und oft verschrieben. Ärzte versuchen diese Praxis mit vielen Mitteln einzudämmen. Selbst Ärzte, die sich skeptisch gegenüber einer therapeutischen Verwendung von Cannabis äussern, sehen sie diesbezüglich als Erfolg an.

«Alles, was wir bisher versucht haben, hatte keinen Effekt [zur Reduzierung des Schmerzmittelgebrauchs], ausser in den Staaten, in denen Cannabis zur medizinischen Verwendung freigegeben wurde», zitiert Reuters die Neurologin und Psychologin Marie J. Hayes von der University of Maine (Hanf – Die Kriminalisierung einer Kulturpflanze).

Literatur:

Der Cannabis Anbau : Alles über Botanik, Anbau, Vermehrung, Weiterverarbeitung und medizinische Anwendung sowie THC-Messverfahren von Lark-Lajon Lizermann

Haschisch Anno 1855: Das narkotische Genussmittel Hanf und der Mensch (Edition Rauschkunde) von Ernst von Bibra

Die Behandlung mit Cannabis und THC: Medizinische Möglichkeiten, Rechtliche Lage, Rezepte, Praxistipps von Franjo Grotenhermen

Quellen: PublicDomain/infosperber.ch am 21.12.2016

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4 comments on “Cannabis: Bittere Medizin für Big Pharma

  1. jetzt wo monsanto genmanipuliertes grass verkaufen will, haut die presse plötzlich PRO kiffer meldungen raus…
    <3 das monsanto zeugs ist nanopartikel gefüllt. das ist gefährlicher als sich chippenzu lassen oder arsen schlucken.
    es degeneriert die körpereigenen gen-codes und lässt den geist des menschen mutieren.
    ich hasse monsanto vom ganzen liebenden herzen <3
    MONSANTO gehört zu BAYER und BASF. (die chemie kartelle seit kaiser willhelms zeiten, brauten alle kriegs gifte die es bislang gab (giftgas bomben, KZ-euternasie folter labor versuche gediehen prima unter ihnen), haben fast alle natur kopier patente, so dass ihnen die natur chemisch "gehört", weswegen wir auch bald für wasser und luft steuern zahlen dürfen, weil patentiert)
    BAYER und BASF sind die bosse von Merkel. sie ist nebenbei auch noch bundeskanzlerin, als nebenjob sozusagen, soll alles in trockene freihandels tücher wickeln. wurde nur etwas gestört dabei, durch andere interessen. mennooo… 🙁
    helmut kohl war übrigens auch aus den chefsesseln der BASF oder BAYER kaste (weiss grad nicht genau welche firma) in den bundestag rekrutiert worden.
    geschäfte geschäfte geschäfte. bah!
    tja, vom stöckchen zum hölzchen, von maria johanna zu BRD GmbH 😀
    abgefahrener stoff <3

  2. Vivi genauso denk ich auch genmanipuliertes Gras stellt Bayer und Monsanto schon sehr lang her seit 2006 als die sich zusammenstellen gibt es nur noch künstliche THC auf Bud ähnlichen Knospen oder Gen Manipulation s Samen und jetzt wollen das alle legalisieren damit das schön Kran macht zum Glück kommt Jesus bald und verbrennt denn ganzen Müll hier.der lichtkörper lässt grüßen.

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