Größte Eishöhle der Welt: Eine Eisriesenwelt unter der Erde (Videos)

Bis zu acht Stockwerke hoch türmen sich Wälle und Mauern aus Eis, Gebilde aus gefrorenem Wasser überziehen die Wände, von der Natur geschaffene Eisskulpturen stehen in den Felshallen.

In der Eisriesenwelt bei Werfen im Salzburger Land herrscht das ganze Jahr über Väterchen Frost. Seit Ende April können Besucher die größte Eishöhle der Welt wieder besuchen und für kurze Zeit besondere Eisformationen bestaunen.

Geschichte

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war diese Höhle – nicht zuletzt aufgrund der ausgesetzten Lage im Hochgebirge und auch wegen des damals mangelnden Interesses an der Höhlenforschung – noch vollkommen unbekannt.

Erst 1879 drang der Salzburger Naturforscher Anton von Posselt-Czorich alleine rund 200 Meter weit ins Dunkel dieser Höhle vor und entdeckte die Eisriesenwelt damit offiziell. Ein Jahr später veröffentlichte er einen ausführlichen Bericht über seine Entdeckung in der Zeitschrift des Alpenvereins. Dennoch geriet die Höhle wieder in Vergessenheit.

Alexander von Mörk, Begründer der Salzburger Höhlenforschung, erkannte die Bedeutung von Posselt´s Dokumentation und folgte diesem Forschungsdrang im Jahr 1913 gemeinsam mit weiteren Pionieren der Höhlenforschung, wie Angermayer und Riehl.

Nach dem ersten Weltkrieg folgten dann die bahnbrechenden Erkundungen der kilometerlangen Labyrinthe dieses Höhlensystems durch weitere Forscher, wie Friedrich und Robert Oedl oder Walter Czernig.

Mit zunehmender Bekanntheit dieses einzigartigen Naturwunders wuchs bald auch ihr touristischer Wert. Bereits 1920 errichtete man eine „Forscherhütte“ und die ersten primitiven Steiganlagen zur und in der Höhle, um den Besuchern die Besichtigung zu erleichtern.

1924 war der Eisteil der Höhle durchgehend auf einfachen Holzstegen begehbar. 1925 entstand neben der Forscherhütte ein für damalige Verhältnisse sehr großzügiges Schutzhaus, das in Anerkennung der Verdienste Friedrich Oedls um die Erschließung der Eisriesenwelt seinen Namen erhielt.

 

Rund 35 Jahre lang war der Anstieg zur Höhle ausschließlich zu Fuß möglich. Unter eher abenteuerlichen Bedingungen konnte man ab 1953 die zunächst einspurige und unasphaltierte „Eisriesenweltstraße“ befahren und ab 1955 anschließend auch zusätzlich in die Seilbahn umsteigen, die den steilsten Teil des vormaligen Fußweges (1084 m bis 1586 m) in wenigen Minuten bewältigt.

Grundeigentümer der Eisriesenwelt sind die Österreichischen Bundesforste. Mit ihnen hatte der Salzburger Verein für Höhlenkunde zunächst eine vorläufige Pacht vereinbart.

1928, nach Gründung einer eigenen Eisriesenwelt-Gesellschaft, wurden langfristige Verträge abgeschlossen (50.000 Jahre alte Lebensform in Kristallhöhle entdeckt – der Fund stellt Forscher vor ein Rätsel (Videos)).

Höhlenentstehung

Die Eisriesenwelt ist ein Höhlenlabyrinth von über 40 Kilometern Gesamtganglänge. Die Entstehung erfolgte über einen sehr langen Zeitraum. Die ersten Spalten und Klüfte im Kalkfelsen entstanden bereits im Zuge der Gebirgshebungen vor etwa 100 Millionen Jahren.

Durch chemische Auflösungsvorgänge und Wassererosion über Jahrtausende hinweg vergrößerten sich die unterirdischen Spalten und es wurden große Hohlräume ausgeformt.

Die Höhlen in den Alpen sind auch heute noch in einem Entwicklungsprozess, wenngleich sich viele Höhlensysteme – auch große Teile der Eisriesenwelt – durch Austrocknung nicht mehr bedeutend weiterentwickeln (Tschechien: Verborgene Unterwelt – weltweit tiefste Unterwasserhöhle entdeckt (Video)).

Eis in der Höhle

Es gibt verschiedene Systeme, die Höhleneis verursachen. Die Eisriesenwelt ist eine dynamische Eishöhle. Das bedeutet, dass die Höhlengänge und Klüfte eine Verbindung von tiefer gelegenen Eingängen zu höher gelegenen Öffnungen bilden, die einen Luftzug – beispielsweise wie in einem Kamin – ermöglichen.

Je nach Außentemperatur befindet sich im Gebirgsinneren eine entweder kühlere oder wärmere Temperatur, die aufgrund des jeweils anderen spezifischen Gewichtes einen Luftzug von oben nach unten oder umgekehrt verursacht (Zeitportal in die Anderswelt: Der Untersberg-Code (Video)).

 

Das führt dazu, dass im Winter, wenn die Luft im Berg wärmer ist als außerhalb, kalte Luft in den Berg einströmt und den unteren Teil der Höhle auf unter 0°C abkühlt.

Wenn nun im Frühjahr Schmelzwasser durch die Felsritzen einsickert und in den unterkühlten Bereich der Höhle kommt, gefriert es und bildet die großartigen Eisgebilde im Bergesinneren.

Seit dem 29. April ist die Höhle wieder geöffnet.

Literatur:

Unterirdisch (DuMont Bildband): Verborgene Orte in Deutschland von Hans-Joachim Schneider

Verwunschene Orte: Atlas der unheimlichen Orte. Eine düstere Reise um die Welt. Über 40 verfluchte Plätze der Welt und ihre geheimnisvollen Geschichten, illustriert mit historischen Karten. von Olivier Le Carrer

Höhlen. Verborgene Welten

Tore zur Unterwelt: Das Geheimnis der unterirdischen Gänge aus uralter Zeit … von Heinrich Kusch

Videos:


Quellen: PublicDomain/t-online.de/eisriesenwelt.at am 08.05.2017

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