Alternatives Leben: Warum immer mehr Menschen zu Selbstversorgern werden

Von den meisten Produkten, die uns umgeben, kennen wir die Geschichte nicht mehr. Wir wissen nicht, wie sie gemacht wurden und wo sie herkommen. Damit geht auch die Aufmerksamkeit für Rohstoffe und deren Verarbeitung verloren. Eine Gegenbewegung zum Massenkonsum und Materialismus ist die Selbstversorgung, die derzeit einen enormen Boom erlebt.

Warum? Weil Bodenständigkeit, Einfachheit, Unmittelbarkeit und Selbstbestimmtheit unverzichtbare Werte im Leben sind, weil Selbstversorgung Ausstieg aus den Zwängen und Verhängnissen der Globalisierung bedeutet.

„Ist das der ersehnte Ausweg aus dem entfremdeten Konsum, die Rückkehr zum Echten und Ehrlichen?” Fragt Marie Schmidt in ihrer kleinen Geschichte vom richtigen Leben (DIE ZEIT, 18.6.2015).

Es ist zumindest eine Möglichkeit, das eigene Lebensumfeld bewusster zu gestalten. So pachten viele junge Städter Ackerboden zur Selbstversorgung. Sie möchten mit den Händen in der Erde arbeiten und die Natur wieder spüren. Und sie wollen saisonales Bio-Obst und Gemüse aus der Region essen.

Das Unternehmen „Ackerhelden”, das 2012 gegründet wurde, stellt landesweit Bioland-zertifizierte Felder zum Selbsternten bereit. In Deutschland gibt es hunderte Urban-Gardening-Projekte, die zugleich echte Verbundenheit Gemeinschaft stiften und von Forschern als Vorstufe der Stadt der Zukunft bezeichnet werden.

Seit 2008 leben weltweit mehr Menschen in Städten als auf dem Land. Bis 2030 rechnet der Bevölkerungsfond der Vereinten Nationen mit fünf Milliarden Städtern.

Vor diesem Hintergrund braucht es „diesen Enthusiasmus, um die Städte lebenswert zu machen”, sagt Falko Feldmann, Geschäftsführer der Deutschen Phytomedizinischen Gesellschaft (Focus 14/2015). Mit den Gärten würde urbane Landwirtschaft erprobt. Anbau und Ernte erfolgen dort, wo auch gegessen wird (Natürlich gärtnern mit der »Wundererde« Terra Preta).

Internet der nachhaltigen Dinge

Mit der Selbstversorgung ist zugleich der Wunsch nach etwas Handfestem verbunden und dem Rückblick auf das, was gut war und auch heute noch zu einem besseren Leben beiträgt. Öko-Pioniere wie der Online-Versender memo AG integrieren dieses Wissen in ihre Kommunikationsmaßnahmen.

So findet sich im memolife Katalog, der Produkte und Ideen rund um das nachhaltige Leben enthält, in der durchgängigen Rubrik „Gut zu wissen…” folgender Hinweis:

„Fragen Sie Eltern oder Großeltern: Die meisten von ihnen kennen den wahren Wert von Lebensmitteln noch und haben nach dem Prinzip kochen gelernt, dass möglichst alles Verwendung findet.” Auch „Omas Schönheitstipps” sind hier zwischen Produktinformationen eingearbeitet.

Der Katalog ist zugleich ein Kompendium, das Konsumenten darin unterstützt, sich der schönen Dinge des Alltags wieder bewusst zu werden und sich auch zu fragen: „Wo und von wem wurden sie hergestellt? Wie hoch war die Umweltbelastung bei Herstellung und Transport?”

Viele der angebotenen Produkte sind auch vor dem Hintergrund der Selbstversorgung von Interesse: Dazu gehört beispielsweise eine Solartaschenlampe, dessen Lithium-Polymer-Akku auch Handys, MP3-Player, Kameras u.v.m. bei genügend Ladung kurzfristig mit Energie versorgt.

Das Solar-Ladegerät „ULTRA 2013″ mit integrierter LED-Taschenlampe lädt über einen Lithium-Polymer-Akku unterwegs nahezu alle mobilen Geräte.

Auch Aufbewahrungsboxen sind hervorzuheben, deren Material ein spezieller Bio-Werkstoff ist, der aus dem nachwachsenden Rohstoff und Biopolymer Zucker sowie natürlichen Mineralien und Wachsen besteht. Die Behälter sind zu 100 % recyclebar und hergestellt in Deutschland.

Die Schwammtücher bestehen ausschließlich aus natürlichen Rohstoffen wie Zellulose, Baumwollfaser und Glaubersalz, ohne Synthetikgitter und künstliche Feuchtmacher. Spülbürsten sind aus FSC®-zertifizierter Buche, stabilem Metalldraht und kräftigen Fibre-Borsten aus den Metallrippen der Agavepflanze.

Angeboten werden auch Recycling-Glaswaren im Landhausstil und Qualitätsbesen aus deutscher Fertigung. Frisierkämme und Haarpflegebürsten wurden handgefertigt in Bayern mit Holz aus heimischen Wäldern.

Das Handwerkliche spielt auch beim Kochen eine immer stärkere Rolle. So pökeln, räuchern und fermentieren inzwischen viele Hobbyköche selbst. „Mich interessiert das handwerkliche Element der Kochkunst”, sagt der britische Food-Journalist Tim Hayward, der das Erfolgsbuch „Hausgemacht” geschrieben hat.

„Wer Schweinefleisch zerlegt, versteht das Tier, wer pökelt, fühlt sich Generationen von Kleinbauern verbunden.” (Focus 37/2014)

Reinhold Messner, der berühmteste Bergsteiger der Welt, bewirtschaftet ebenfalls Selbstversorger-Höfe – ohne Subventionen. Ihm geht es ebenfalls um Aufklärung, wie Selbstversorgung funktioniert, „und dass wir die Kulturlandschaft künftig nicht nur pflegen und schützen, sondern auch richtig nutzen müssen.” (stern, 11.9.2014)

Selbstversorgung Energie

Einige Städte und Gemeinden versorgen sich inzwischen selbst mit Strom. Dazu gehört auch die Stadt Schönau im Schwarzwald. Aus einer Bürgerinitiative entstand dort ein Stromanbieter, der auf erneuerbare Energien setzt.

Die Genossenschaft übernahm auch das lokale Verteilernetz und bietet inzwischen deutschlandweit Ökostrom an.

Der niederösterreichische Landwirt Wolfgang Löser ist mit seinem Bauernhof seit mehr als zwölf Jahren „energieautonom”:

„In Summe kann ich den gesamten Jahresenergiebedarf auch selbst abdecken. Wenn weder die Sonne scheint noch der Wind geht, kann ich mit einem Stromaggregat, das mit eigenem Pflanzenöl betrieben wird, unseren Hof mit Strom versorgen.” (GEWINN, 5/2015)

Aus dem fossilen System ist er ausgestiegen, weil die Mineralölkonzerne den Preis diktieren können. Die Wertschöpfung wollte er wieder auf seinem Bauernhof behalten.

Auch aus wirtschaftlicher Sicht ist ein energieautarkes Österreich unumgänglich – im Bewusstsein, dass das Gesamtsystem auf nachhaltige Wirtschaftsweise und regionale Kreisläufe umgestellt werden muss.

Selbstversorgung in guten und schlechten Zeiten

2010 erschien im Kopp Verlag von Marion und Michael Grandt „Das Handbuch der Selbstversorgung“, das sich dem Überleben in der Krise widmet:

Wie wahrscheinlich ist der Zusammenbruch? Wie ist unsere Versorgungslage in Wirklichkeit? Wie viel Nahrung und Wasser braucht der Mensch? Was ist zu tun, wenn es keine Lebensmittel mehr zu kaufen gibt, wenn Geld kein Zahlungsmittel mehr ist, und es keine ärztliche Versorgung mehr gibt?

Wenn es zu einem Crash kommen sollte, der zu Versorgungsengpässen führt, bleiben nach Meinung der Autoren nur wenig Alternativen: Flucht aus der Stadt, Selbstversorgung, Tauschmittel.

Das Buch zeichnet ein düsteres Szenario der Zukunft, eine unheimliche Stimmung, die schleichend zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung wird, wenn wir uns darin verlieren.

Der (sich selbst) bewusste Leser weiß, dass Zukunft auch Optimismus braucht. „Ja, aber ich kann eh nichts ändern.” Sätze wie diese befriedigen Menschen wie den österreichischen Unternehmer Josef Zotter nicht.

Der Choclatier wollte schon immer Lebensmittel herstellen, die kompromisslos ehrlich und fair zu Menschen und Umwelt sind. Und das mit großem Erfolg.

Buchtip: Das große Buch der Selbstversorgung: Erneuerbare Energien nutzen, Obst und Gemüse anbauen, Nutztiere halten, Einlegen, Einkochen und Räuchern, Naturheilmittel und mehr

Nachhaltig leben leicht gemacht! Jeder, der Wert auf seine Umwelt legt, profitiert von diesem fundierten Selbstversorger-Buch mit seinen detaillierten Schritt-für-Schritt-Anleitungen und über 800 frischen Abbildungen.

Es ist ein Ratgeber, der die Themen Umwelt und Nachhaltigkeit mit all ihren Facetten umfassend beleuchtet – und zwar ganz individuell auf die persönlichen Lebensbedingungen angepasst. Die hochspannende Theorie wird verständlich erklärt und die Praxis leicht nachvollziehbar beschrieben. Inklusive Jahresplan für den Selbstversorger-Garten!

Egal, ob in der Stadtwohnung, im Vorort-Haus oder auf einem ländlichen Hof – jeder kann hiermit zum Selbstversorger werden. Alle Aspekte für ein umweltbewussteres, gesünderes Leben werden im Selbstversorger-Buch äußerst gründlich dargestellt: Welche erneuerbaren Energien können genutzt werden und wie werden Tiere am besten gehalten? Wie gelingt das Energiesparen zu Hause, der eigene Anbau von Obst, Gemüse und Kräutern, die Herstellung von Naturheilmitteln und das Haltbarmachen von Produkten?

Die Autoren des umfangreichen Ratgebers sind ein Vater-Sohn-Duo, das sich einem nachhaltigen Leben verschrieben hat. Weil Dick Strawbridge in seiner Zeit als Ingenieur bei der Armee von der Nähe zur Natur träumte, verwandelte er seine New House Farm in Cornwall in einen Selbstversorgerhof (Unabhängig und selbstversorgerisch: Autarkes Leben in Deutschland).

Mit der Idee begeisterte er nicht nur Sohn James, der sich ebenfalls für Umweltprojekte einsetzt und Seminare hält, sondern zahlreiche Fernsehzuschauer der BBC-Doku-Serie It’s not easy being green – und jetzt auch die Leser dieses fachkundigen Selbstversorger-Buchs.

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Literatur & Produkte:

Terra Magica ® – Schwarze Erde (Terra Preta) mit mikrobiologisch aktiver Pflanzenkohle (Doppelpack 2 x 20 Liter Sack)

Frisches Gartengemüse auch im Winter: Anbau und Ernte 40 ausgewählter Kulturen

Der Selbstversorger: Mein Gartenjahr: Säen, pflanzen, ernten. Inkl. DVD und App zur Gartenpraxis: Storl zeigt, wie’s geht! (GU Garten Extra)

Meine kleine Farm: Anleitung für Selbstversorger

Quellen: PublicDomain/huffingtonpost.com am 24.04.2018

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