
terra-mystica.jimdofree.com berichtet:
Wissenschaftler haben die eigentümliche Fähigkeit des Gehirns enträtselt, wie es Erinnerungen in chronologischer Reihenfolge abrufen kann.
Wenn man sich an vergangene Erlebnisse erinnern, werden die Erinnerungen daran normalerweise nicht alle auf einmal abgerufen, sondern exakt in der Reihenfolge, in der die Ereignisse auch tatsächlich stattgefunden haben – als wenn man eine Videoaufnahme dieser Erlebnisse abspielen würde. Doch wie genau diese Funktionsweise im Gehirn funktioniert, blieb unseren Wissenschaftlern lange Zeit ein Rätsel.
Doch nun hat ein Expertenteam unter der Leitung der Neurowissenschaftlerin Leila Reddy vom französischen Centre de Recherche Cerveau et Cognition (CerCo) in Toulouse eine große Entdeckung gemacht, die neue Erkenntnisse darüber liefern, welche Teile des Gehirns für diese chronologische Ordnung unserer Erinnerungen verantwortlich sind.
Wie sie in ihrer im Fachjournal Journal of Neuroscience veröffentlichten Studie schreiben, hatten sie für ihre Forschungsarbeit die Gehirnfunktionen von Patienten überwacht, während sie sich an vergangene Ereignisse erinnerten, und stießen dabei auf Hinweise, die auf eine starke Zeit-Repräsentation im menschlichen Hippocampus hindeuten.
„[Dies offenbart] eine Repräsentation eines internen oder inhärenten Zeitflusses, der nicht von etwas angetrieben wurde, das in der äußeren Welt vor sich ging“, erklärte Reddy in einem E-Mail-Interview mit Vice.
Durch die Untersuchung dieser »Zeitzellen« im Hippocampus können Wissenschaftler zukünftig nicht nur mehr darüber erfahren, wie wir uns an vergangene Ereignisse erinnern, sondern auch Fortschritte bei der Bekämpfung von Krankheiten machen, die das Gedächtnis beeinflussen.
„Der Hippocampus ist unter anderem wichtig für die Einordnung der zeitlichen Abfolge von Ereignissen, und eine Schädigung des Hippocampus kann zu einer Beeinträchtigung des Gedächtnisses für die zeitliche Abfolge führen (zum Beispiel das Erinnern an die Reihenfolge einer Liste von Gegenständen).
In naher Zukunft wird es wichtig sein, die zeitliche Präzision zu verstehen, mit der zeitliche Informationen in diesen Neuronen repräsentiert werden“, schrieb Reddy und fuhr fort: „Zum Beispiel: Kodieren unterschiedliche Zeitzellen Ereignisse mit langer und kurzer Dauer? Können sich Zeitzellen je nach Kontext an unterschiedliche zeitliche Skalen anpassen?“ (Selbstregulation des Gehirns durch Meditation – wie das Herz die Wahrnehmung beeinflusst)

Reddy und ihr Team hoffen nun, einige dieser Fragen mit neuen Experimenten klären zu können, die die komplizierten Prozesse, die unserem Zeitempfinden zugrunde liegen, weiter eingrenzen.(Gesundheit: Die verblüffenden Effekte von Meditation).
Denn auch wenn wir diese Fähigkeit der »mentalen Zeitreise« für selbstverständlich halten, ist unsere Vorstellung vom Fluss der Zeit ein grundlegender Teil der gemeinsamen menschlichen Wahrnehmung der Realität – Grund genug, um zu versuchen, ihre Geheimnisse zu entschlüsseln.
„Ich denke, eine große Frage ist es, letztlich zu verstehen, wie die Erinnerungen kodiert werden. Insbesondere das episodische Gedächtnis ist die Erinnerung daran, was, wann und wo passiert ist. Zeitzellen könnten das Gerüst für die Darstellung des ‚Wann‘ liefern.
Neue Erkenntnisse deuten darauf hin, dass dieselben Neuronen im Hippocampus auch das ‚Wo‘ und das ‚Was‘ kodieren könnten und damit einen breiteren Rahmen für die Kodierung von Erinnerungen bieten. Es ist daher wichtig zu verstehen, wie zeitliche Informationen im Gehirn repräsentiert werden, um Interventionen oder Behandlungen zu entwerfen, die diese Defizite im Gedächtnis reduzieren.
Die Ergründung der Mechanismen für die Kodierung von Zeit und Gedächtnis wird ein wichtiges Forschungsgebiet sein“, konstatiert Reddy.
© Fernando Calvo für terra-mystica.jimdofree.com am 07.07.2021



Zeitreise im Gehirn: Eine neue Illusion lässt euch etwas sehen, das gar nicht existiert
Tagtäglich werden unsere Sinne mit einer Flut an Informationen sowie Reizen überrollt. Unser Gehirn ist dabei rund um die Uhr dafür verantwortlich diese zu filtern und zu verarbeiten, um unsere individuelle Wahrnehmung der Welt — unsere Realität — zu konstruieren.
Diese Wahrnehmung kann jedoch leicht ausgetrickst werden, was bereits durch viele vergangene Experimente bezüglich der optischen Täuschung bewiesen wurde. Nun sind Forscher des California Institute of Technology (Caltech) noch einen Schritt weiter gegangen und haben in einem Versuch gezeigt, wie sich mehrere unserer Sinne gegenseitig beeinflussen und dadurch schließlich zu einer Wahrnehmungstäuschung führen.
Die ‚Kaninchen-Illusion‘ beschreibt wie das Gehirn unsere Sinne rückwirkend verändert
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Die Entdeckung der sogenannten ‚Kaninchen-Illusion‘ (‚Illusory Rabbit‘) machten die Wissenschaftler im Rahmen einer Studie namens „What You Saw is What You Will Hear: Two New Illusions with Audiovisual Postdictive Effects.“, die diesen Monat in der Fachzeitschrift „PLOS ONE“ erschienen ist.
Im entsprechenden Experiment, das seinen außergewöhnlichen Namen der ebenso sprunghaften Fortbewegung von Kaninchen zu verdanken hat, setzten die Forscher zu verschiedenen Zeitpunkten visuelle sowie auditive Reize in Form von Blitzen und kurzen Pieptönen und fanden heraus: Reize, die bereits vergangen sind, beeinflussen diejenigen Reize, die im Anschluss gesetzt werden, was bedeutet, dass das Gehirn eine Zeitreise zu vorangegangenen Informationen unternimmt und deren Wahrnehmung teilweise verändert rekonstruiert. Dadurch entsteht eine falsche Erfahrung, also eine Illusion, die es so nicht gegeben hat.
Genauer: In einer besonders kurzen Zeitspanne von weniger als 200 Millisekunden erklingen drei Signaltöne, von denen lediglich der erste sowie der letzte von einem kurzen Blitz begleitet werden. Tatsächlich gibt es also insgesamt nur zwei Blitze, wobei die meisten Menschen zu jedem Ton einen entsprechenden Blitz wahrnehmen.
„Nachdem die letzte Piepton-Blitz-Kombination wahrgenommen wurde, geht das Gehirn davon aus, es habe lediglich den zweiten Blitz verpasst, und erfindet folglich einfach die Tatsache, dass es diesen gegeben haben muss“, erklärt Noelle Stiles, die als Autorin an der Studie beteiligt war.



‚Postdiktion‘ — eine geheimnisvolle Rekonstruktion der Vergangenheit?
Für den einen oder anderen mag das Ergebnis des Versuchs durchaus geheimnisvoll und unerklärlich erscheinen. Tatsächlich, so bestätigt auch Wissenschaftler Shinsuke Shimojo, sei dieses Phänomen, das sich ‚Postdiktion‘ nennt, aufgrund der langen Verarbeitungszeit, die unser Gehirn benötigt, aber ganz normal.
Vor allem sei seine Entdeckung aber wichtig, da sie Forschern zukünftig ermögliche, optimale Parameter für die multisensorische Integration zu finden, die beispielsweise im Hinblick auf die Förderung sensorisch eingeschränkter oder sehbehinderter Menschen relevant seien, so Shimojo.
Literatur:
Codex Humanus – Das Buch der Menschlichkeit
Die Wahrnehmungsfalle, Teil 2: Oder … alles nur Mumpitz. Ja, ALLES.
Die HerzIntelligenz(R)-Methode: Gesundheit stärken, Probleme meistern – mit der Kraft des Herzens (HeartMath – HerzIntelligenz)
Das Ego im Dienste des Herzens: Ein neues Eden
Quellen: PublicDomain/businessinsider.de am 07.07.2021
