Dass Joe Biden im Rahmen seiner gestern Morgen gehaltenen Rede an die Nation zu ähnlichen Worten griff, lässt erstens nichts Gutes für die nächsten Wochen und Monate erahnen und zweitens werden ihm gestandene Finanzmarktakteure wahrscheinlich auch kein Wort geglaubt haben.
Wen verwundert es angesichts der miserablen Umfragewerte von Joe Biden und dessen Administration überhaupt noch, wenn Joe Biden in den sozialen Medien hier und dort „Brandon, f**k off“, und „Schleich Dich von der Bühne“ zugerufen wurde?
Erinnert sei in diesem Zusammenhang auch daran, welche Person in der Administration von Joe Biden als Finanzministerin fungiert. Ganz Recht, es handelt sich um Janet Yellen, und damit jene bereits betagte Dame, die sich noch vor gar nicht allzu langer Zeit felsenfest davon überzeugt gezeigt hatte, „zu unseren Lebzeiten keine Finanzkrise mehr zu erleben“.
Verwundert darf auch niemand sein, dass sich nach den jüngsten Aussagen von Janet Yellen, wonach es dieses Mal zu keinen Bailouts durch die US-Regierung, sondern vielmehr auf die Fokussierung eines Schutzes der durch kommerzielle Geschäftsbanken gehaltenen Einlagen und Ersparnisse von deren Kunden kommen werde, zu Beginn des gestrigen Handels die folgenden Entwicklungen beobachten ließen.
Bei Licht besehen, kommt es gerade zum zweiten Banken-Bailout in den Vereinigten Staaten innerhalb von nur fünfzehn Jahren. In diesem Zusammenhang sei auf einen Bericht des Wall Street Journal verwiesen, aus dem ich wie folgt in eigener Übersetzung zitieren möchte:
„Man kann nicht das rücksichtsloseste Geld- und Fiskalexperiment in der Geschichte des Landes betreiben, ohne dass hierfür ab einem bestimmten Zeitpunkt die Rechnung präsentiert wird. Die erste Rechnung wurde in Form von Inflation präsentiert. Die zweite Rechnung wird nun in Gestalt einer Finanzpanik präsentiert. Der hieraus resultierende ökonomische Schaden wird vielleicht nicht bei der Silicon Valley Bank enden.“
Diese Worte reflektieren ganz klar die berechtigte Furcht vor einer sich schnell ausweitenden und auf die breite Wirtschaft übergreifenden Krise. Wie in Gottes Namen hätte es auch anders sein können?
Bondmärkte sind der Elefant im Raum – nicht die Aktienmärkte
Erst vor wenigen Tagen war an dieser Stelle der Titel: Bondmärkte erweisen sich als Elefant im Raum – nicht die Aktienmärkte zu lesen. Rückblickend sei gesagt, dass die Zinsen im März 2020 so niedrig gewesen sind, um dem US-Finanzministerium die Möglichkeit einzuräumen, Staatsanleihen mit einer zehnjährigen Laufzeit zu einem Zinssatz von 0,08 Prozent zu emittieren.
Die Zinsen sind seitdem allerdings so stark gestiegen, dass sich der Zinssatz im zehnjährigen Laufzeitbereich zwischenzeitlich auch schon einmal oberhalb der Marke von vier Prozent befunden hatte. Jedermann wird erkennen, dass es sich hierbei um einen enormen Unterschied handelt.
Die Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC), der vorrangige Bankenregulierer in den USA, geht laut aktuellen Berechnungen momentan davon aus, dass sich die unrealisierten Verluste unter Amerikas kommerziellen Geschäftsbanken auf rund 650 Milliarden US-Dollar belaufen.
Heißt also, dass diese geschätzten Verluste hauptsächlich aus immerfort als „sichere Häfen“ bezeichneten US-Staatsanleihen resultieren, die über die letzten Monate massiv an Wert eingebüßt haben. 650 Milliarden US-Dollar an unrealisierten Verlusten entsprechen in etwa jenen in den USA im Jahr 2008 angefallenen Subprime-Verlusten.
Sollten die Zinsen in den USA also weiter klettern, was der Finanzsender CNBC trotz der anhaltenden Verwerfungen und der Tumulte im Bankensystem am gestrigen Abend für eine durchaus vorstellbare Möglichkeit hielt, werden die unrealisierten Verluste in Amerikas Bankensystem weiter wachsen.

Nach wie vor wollen viele Leute die Zusammenhänge nicht wahrnehmen
Um auf Michael Hudson zurückzukommen, so führten spezifische Erklärungen zu dem aktuell zu beobachtenden Kollaps im amerikanischen Bankensystem vielerorts nach wie vor zu einer gewissen Empörung.
Denn diese Erklärungen drehten sich im Kern darum, warum und auf welche Weise die aktuell zu beobachtenden Geschehnisse an den Bankenmärkten bis hin zu den durch die Regierungen von George W. Bush und Barack Obama einst beschlossenen Banken-Bailouts in den Jahren 2008 und 2009 zurückzuführen seien.
Danach habe sich eine fünfzehnjährige Periode angeschlossen, in der es – mit zeitlich kurzen Ausnahmen – fast durchgängig zu Quantitative Easing (QE) durch die Federal Reserve Bank gekommen ist.
Primäres Ziel der Federal Reserve sei es in dieser Zeit gewesen, die Preise für verbriefte Hypotheken – und mit ihnen die Preise für heimische Immobilien, Aktien und Anleihen – zu reinflationieren.
Neun Billionen US-Dollar in Form von QE – die im Budgetdefizit der US-Regierung keine Berücksichtigung fanden – haben eine Vermögenspreisinflation ausgelöst, die Haltern von Finanzvermögenswerten Billionen von US-Dollars in die Taschen gespült haben.
Federal Reserve Bank hat sich selbst in Sackgasse manövriert
Ein Anteil von gut achtzig Prozent dieser Finanzvermögenswerte wurde und wird durch die oberen zwanzig Prozent an der Spitze der Gesellschaftspyramide gehalten. Gleichzeitig war es zum größten Boom an den Bondmärkten in der Geschichte der USA gekommen, nachdem die Zinsen unter ein Prozent gesunken waren.
Kommerziellen Banken und deren Investoren diesen Dienst erweisend, hat sich die Federal Reserve Bank mehr und mehr in eine Sackgasse manövriert. Denn stets lautete die alles entscheidende Frage, was geschehen würde, wenn die Zinsen schlussendlich wieder steigen würden?
Gewiss zählte Michael Hudson neben dem Chef von Euro Pacific Capital, Peter Schiff, Dr. Ron Paul oder auch Jim Rogers zu den namhaftesten Kritikern einer solchen Geldpolitik. Denn steigende Finanzmarktzinsen führen nun einmal dazu, die Preise von zuvor emittierten Anleihen in den Keller zu schicken – ebenso verhält es sich mit den Preisen für Aktien und Immobilien.
Zu einer eben solchen Entwicklung ist es laut Michael Hudson in dem durch die Federal Reserve Bank aufgenommenen Kampf gegen die Inflation und der gleichzeitig verkündeten Opposition gegen steigende Löhne und Gehälter sowie eine wachsende Beschäftigung an den Arbeitsmärkten gekommen.
Die Bondpreise sind ebenso wie verbriefte Hypothekenanleihen und andere „Sicherheiten“ in den Keller gerauscht. Doch in eben jenen Instrumenten hält ein Löwenanteil der Banken seine bilanziellen Vermögenswerte, welche wiederum zur Absicherung von Kundeneinlagegeldern dienen sollen.
Im Umkehrschluss werden durch kommerzielle Geschäftsbanken gehaltene Vermögenswerte preislich unterhalb von jenen durch Kunden veranlagten Konten- und Spareinlagen befördert. Auf diese Weise wird nicht nur deren Eigenkapital aufgezehrt, sondern auch die Aktienkurse der Banken werden gleich mit in die Tiefe hinab gezogen.
Und somit ist die aktuelle Bankenkrise durchaus mit jenen Ereignissen im Jahr 2008 zu vergleichen – die Risiken und Gefahren rühren jetzt nur aus anderen Bereichen als zum damaligen Zeitpunkt her.
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Quellen: PublicDomain/cashkurs.com am 15.03.2023
