
Mineralöl in Lebensmitteln stammt in erster Linie aus Altpapier. In diesem befinden sich die giftigen Kohlenwasserstoffe vor allem in den Druckfarben. Beim Recyclingprozess werden circa 90 Prozent dieser Stoffe ausgewaschen. Der Rest verbleibt im Karton und kann in Lebensmittel übergehen, von dort in den Körper des Menschen. Vor allem trockene Lebensmittel sind betroffen – Reis, Nudeln, Paniermehl, Müsli, Kartoffelknödel und zuletzt auch verschiedene Baby-Breie.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung stellte 2009 fest, dass sich Mineralöle im menschlichen Körper anreichern können. In Tierversuchen stellte man fest, dass sie hochgiftig sind und Leberentzündungen, Herzschäden oder sogar Krebs verursachen können. Aufgrund dieser Daten kommt es in seiner Bewertung zu dem Schluss, „dass der Übergang von Mineralölen auf Lebensmittel dringend minimiert werden sollte.“
Ein Verbot von Mineralöl in Druckfarben wurde vom Gesetzgeber auf den Weg gebracht. Die Pressestelle des Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucher-schutz (BMELV) teilt lapidar mit: „Einen genauen Zeitpunkt zur Verabschiedung der Verordnungen kann ich Ihnen noch nicht nennen.“
Es fehlen nämlich verbindliche Grenzwerte und Messmethoden, mit deren Definition das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) beauftragt wurde. Das BfR sagt weiter, der Findungsprozess sei komplex und schwierig: „Über den Zeitrahmen für die Verab-schiedung einer Regelung zu Mineralölbestandteilen aus Recyclingpapier und -karton kann das BfR keine Auskunft geben.“
Doch: Selbst wenn mineralölfreie Druckfarben durchgesetzt werden, betrifft das nicht die 3.000 Millionen Tonnen Recyclingpapier, die Deutschland jährlich importiert. Das Problem wäre nicht gelöst.
„Manchmal hundertfach über den Höchstmengen“
Eine Studie des Verbraucherschutzministeriums 2012 kommt darüber hinaus bei der Testung von 119 Lebensmitteln zu der Schlussfolgerung, dass nicht nur Mineralöl, sondern weitere 250 Stoffe aus Altpapierkartons in Lebensmittel übergehen können, und zwar „oft zehnfach, manchmal hundertfach über den zur Diskussion stehenden Höchst-mengen.“ Darunter krebserregende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Klebstoffe, Weichmacher und Photoinitiatoren.
Dr. Koni Grob vom Kantonalen Labor in Zürich, der an dieser Studie maßgeblich beteiligt gewesen ist, erklärt, die Forschung sei noch nicht so weit, das Problem umfassend zu lösen. Momentan seien vor allem massenproduktionsgeeignete Lacke in der Erforschung und Testung, da Barriere-Schichten wie Aluminium auf Dauer zu teuer und zu un-ökologisch seien. Der schweizerische Forscher erklärt darüber hinaus, dass Deutschland europaweit das einzige Land sei, das überhaupt aktiv nach einer Lösung für das Mineral-ölproblem und allgemein den Übergang von Schadstoffen aus Kartons in Lebensmittel suche. Dem Verbraucher nützt es natürlich erst einmal nichts, wenn vieles auf dem Weg ist, aber eine wirkliche Lösung noch Jahre dauern kann.
Achten Sie auf den Lebensmittelkarton
Vorsicht bei Altpapierkartons, vor allem aus Wellpappe: Man erkennt Recyclingkartons an der grauen Färbung, zum Teil sieht man es schon an den Kartonkanten (vor dem Kauf) oder spätestens beim Aufreißen der Packungen nach dem Kauf.
Altpapierkartons mit einer braunen Innen-Färbung sind nach Ansicht unserer Expertin Birgit Hinsch von der Zeitschrift Ökotest beschichtet. Ob diese Beschichtungen aus-reichend sind um Lebensmittel zu schützen, ist zurzeit noch nicht generell erwiesen.
Selbst Frischfaserkartons, die eine helle Färbung haben, sind keine Garantie für eine Freiheit von Schadstoffen – diese können dann über die Druckfarben ins Lebensmittel gelangen, oder durch sogenannte Umkartons, die bei Transport und Lagerung verwendet werden.
Viele Hersteller versuchen, der Gefahr durch neue Barriereschichten oder Alubeutel zu begegnen. Andere nehmen keine Veränderungen vor. Die zuletzt von Ökotest positiv getesteten Produkte waren zwei Babybreie von der Firma Sunval und die Bio-Schmelzflocken der Firma Kölln.
Quelle: wdr.de vom 22.05.2013
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