Roboter und Humanoide: Japaner sind verliebt in ihre Maschinen (Video)

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Japaner lieben Roboter. Oft bleibt es zwar bei der Entwicklung genialer Prototypen. Doch kaum ein anderes Land ist gegenüber Robotern so aufgeschlossen wie Japan. Das zeigt sich auch im Alltag.

Die freundliche Japanerin im rosa Pullover sitzt aufrecht auf dem Sofa und hört dem Besucher dezent lächelnd zu. Wie es ihr gehe, erkundigt sich ein Gesprächspartner. „Vielen Dank, mir geht es gut“, antwortet die junge Dame und neigt ihren Kopf zur Seite. Nach einigen Minuten friert ihr Lächeln plötzlich ein, ihr Körper erstarrt. Dies ist kein Anzeichen plötzlichen Tods: „Otonaroid“ ist quasi unsterblich. Sie ist kein Mensch, sondern ein weiblicher Androide. Ein Roboter, der einem Menschen täuschend ähnlich sieht und sich auch ähnlich verhält.

(Bild: Von links „Kodomoroid“, der Erschaffer Hiroshi Ishiguro, Professor an der Osaka University, Mamoru Mori, ehemaliger Astronaut und Direktor des Miraikan und „Otonaroid“)

Roboter als Bereicherung des Lebens

„Otonaroid“ ist eine der Hauptattraktionen im japanischen National Museum of Emerging Science and Innovation, auch Miraikan genannt. Mirai bedeutet auf japanisch Zukunft. Wer einen Blick in die Zukunft werfen will, wie die Japaner sie sich vorstellen, muss hierher auf die künstliche Insel Odaiba in der Bucht von Tokio kommen. „Wir Japaner sehen Roboter als eine Bereicherung unseres Lebens an“, erklärt Miraikan-Sprecher Marine Chiba, während einer seiner Kollegen auf einem UNI-CUB durch den Saal braust.

Mit diesem Roboter-Gefährt des Autokonzerns Honda, einer Art fahrbarem Hocker, wird man durch Verlagerung des Körpergewichts schneller oder langsamer, fährt Kurven oder stoppt. Ein paar Meter weiter tänzelt „Asimo“ unter dem Beifall der Besucher in den Saal. Der wie ein kleiner Astronaut aussehende humanoide Roboter sorgte bei seinem Debüt vor Jahren weltweit für Aufsehen und unterstreicht noch heute Japans Stellung als eine der führenden Roboternationen.
Humanoide 2050 auch Polizisten?

„Es kann sein, dass wir im Jahr 2050 mit „Asimo“ zusammenleben“, erklärt Chiba. So könnten Humanoide die Rolle von Polizisten übernehmen oder als Wegweiser auf Parkplätzen arbeiten. Schließlich ist Japan ein Land, dessen Bevölkerung angesichts der rapiden Überalterung schrumpft. Statt den Arbeitskräftemangel mit Immigration auszugleichen, baut sich Japan lieber Menschenersatz. Bereits bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio könnten Roboter ausländische Besucher empfangen. „Es geht schneller, Roboter zu entwickeln, die Englisch sprechen, als den Japanern Englisch beizubringen“, erklärt Miraikan-Sprecher Chiba.

Doch noch haben „Asimo“ und seine Kollegen den Weg in den Alltag nicht gefunden. „Es braucht Zeit, ein Umfeld zu schaffen, in dem sich Roboter bewegen können“, erklärt Chibas Kollege Atsushi Ozawa. Der Weg dahin scheint geebnet: Wohl kaum ein anderes Volk ist Robotern gegenüber so aufgeschlossen wie die Japaner. Dazu trug nicht nur die berühmte Comic-Figur „Tetsuwan Atomu“ (Astro Boy) des Zeichners Osamu Tezuka aus den 1950-er und 60-er Jahren bei, die zum Ausdruck der seit Generationen andauernden Begeisterung für Technik und Roboter aller Art wurde.

Experten verweisen auch auf die Naturreligion Shinto. Danach haben für Japaner nicht nur Lebewesen eine Seele, sondern auch Dinge wie Steine und Bäume, aber auch Haushaltsgeräte – und eben Roboter. Es ist in Japan nichts Ungewöhnliches, dass Shinto-Priester vor ihren Schreinen neugekaufte Autos spirituell reinigen. „Für die Menschen im Westen sind Roboter Maschinen, für uns Japaner sind es Freunde“, sagt Chiba.

Roboter sind für Japaner gute Freunde

Zu den Vertretern im Alltag gehört der im Land äußerst beliebte Staubsauger-Roboter „Roomba“. Auf die künstliche Insel Odaiba in Tokio führt eine Hochbahn, die ohne menschlichen Fahrer auskommt und sich den Windgeschwindigkeiten anzupassen vermag. Im Stadtteil Shinagawa, so Ozawa, stehe ein Getränkeautomat, der das Gesicht des Kunden lesen könne und ihn anspreche mit Worten wie: „Sie scheinen erschöpft zu sein.“ Woraufhin der Getränke-Roboter ein passendes Getränk vorschlage.

Viele der üblichen Hightech-Toiletten mit einstellbarer Wasser- und Sitzbeheizung öffnen den Deckel automatisch beim Nähertreten. Displays von Bankautomaten begrüßen den Kunden beim Nähern über Lautsprecher, während sich eine Zeichentrickdame auf dem Bildschirm höflich vorbeugt. In japanischen Badezimmern wird man über eine Lautsprecherstimme informiert, sobald das Badewannenwasser die einprogrammierte Temperatur erreicht hat.

Auch sonst begleiten Lautsprecherstimmen die Japaner auf Schritt und Tritt, als wären es unsichtbare Roboter, die einen sicher durch den Alltag führen. Rolltreppen im ganzen Land fordern die Menschenmassen unentwegt dazu auf, Acht zu geben, sich auf der linken Seite einzureihen und sich gut festzuhalten. Manche Lastwagen teilen Fußgängern beim Setzen der Blinker akustisch mit, dass sie jetzt abbiegen. „Es ist die Kultur in Europa und in den USA, denke ich, dass man sich um sich selber kümmert. Dagegen ist es die japanische Kultur, dass man etwas für andere tut und dass wiederum andere sich um einen kümmern“, erläutert Chiba.

„Helden, die Probleme lösen“

„Ich glaube, eine ideale Gesellschaft für Japaner ist, wenn Roboter solche Rollen übernehmen“, sagt der Experte. Schon im Mittelalter gab es eine Puppe, die – damals noch mittels eines Aufziehmechanismus – den Tee servierte. Seit den 1950er Jahren seien Roboter für Japaner „Helden, die Probleme lösen, mit denen die Menschen allein nicht zurechtkommen“, so Chiba. Ein Feld, auf das sich Entwickler derzeit konzentrieren, ist der Pflegebereich.

So hat der Elektronikriese Panasonic ein Roboterbett entwickelt, das sich eigenständig in einen Rollstuhl verwandeln kann. Als nächstes ist ein Roboter geplant, der alten Menschen beim Laufen und auf der Toilette helfen soll. Bislang erschwerte der Mangel an Industriestandards den entwickelnden Unternehmen oft den Sprung vom Prototypen zum kommerziellen Erfolg. Das ist mit ein Grund dafür, dass Roboter noch nicht allzu weit verbreitet sind im Land.

Ein neuer globaler Sicherheitsstandard für Roboter könnte nun dabei helfen, die von Regierungschef Shinzo Abe erst kürzlich angekündigte „Roboter-Revolution“ in Gang zu bringen. Große Hoffnung setzen japanische Fachleute auch auf den humanoiden Roboter „Pepper“ des Telekommunikationskonzerns Softbank, der Emotionen deuten und im Februar auf den Markt kommen soll. „In der Vergangenheit haben Roboter einfach nur das getan, was Menschen ihnen einprogrammiert hatten“, so Softbank-Chef Masayoshi Son. „Was wir aber anstreben, ist ein Roboter mit Persönlichkeit, der auf eigenen Willen hin zum Glück einer Familie beitragen kann.“

Pepper hilft im Haushalt

Zu diesem Zweck sei der 121 Zentimeter große und 28 Kilogramm schwere Roboter mit modernster künstlicher Intelligenz und Stimmenerkennungstechnologie ausgestattet. Damit und dank mehr als einem Dutzend Sensoren kann „Pepper“ verschiedene Stimmlagen, Gesichtsausdrücke und Gesten erkennen. „Pepper“ soll nicht nur in Büros eingesetzt werden. Mit seinem relativ günstigen Preis von 198 000 Yen (1350 Euro) könne er auch in privaten Haushalten Einzug halten, so Ozawa.

Doch die Erfinder von Robotern in Japan denken noch viel weiter. Ozawa zeigt von Tüftlern gemalte Bilder, auf denen sie ihre Roboterfantasien festhielten. Eines zeigt ein Roboterinsekt, das zu einer Katze aufschaut. Eines Tages, so erläutert Ozawa, könnten Menschen sich mittels Robotern in die Welt von Käfern und anderen Tieren hineinversetzen. Alte und gebrechliche Menschen könnten mit einem Roboter als ihrem Vertreter mit den Enkeln zum Tiefseetauchen oder Bergsteigen gehen. „Was viele japanische Forscher antreibt, ist der Wunsch, ihre Kindheitsträume von Robotern zu verwirklichen.“

Video: Kodomoroid and Otonaroid: Professor Ishiguro’s new androids at Miraikan

Quellen: PRAVDA TV/japantimes.co.jp/n24.de/dpa vom 27.12.2014

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