Geisterteilchen aus dem All: Stammen wir nicht von der Erde?

geisterteilchen

Astrobiologen wollen den Beweis für außerirdisches Leben entdeckt haben. In der Stratosphäre fanden sie gleich zwei Partikel organischer Natur, die nicht von der Erde stammen. Ihre These: Sie sind mit Genmaterial gefüllt und sollen die Saat des Lebens auf anderen Planeten verbreiten.

Eines der Teilchen soll eine Art organischer Ballon sein, der in seiner natürlichen Umgebung mit leichten Gasen gefüllt ist.

Zweites aufgespürtes Teilchen ist eine mikroskopisch kleine Kugel, in deren Innern eine „organische Flüssigkeit mit schleimiger Konsistenz“ enthalten ist.

(Bild: Das „Geisterteilchen“: Wie ein geisterhaft wallender Nebel erscheint der Gewebeteppich unter dem Mikroskop)

Es gibt Leben außerhalb der Erde – davon sind die meisten Naturwissenschaftler überzeugt. Der britische Astrobiologe Milton Wainwright, der an der Universität University of Sheffield und am Centre for Astrobiology der University of Buckingham forscht, will jetzt den endgültigen Beweis dafür entdeckt haben. Mit seiner Arbeitsgruppe präsentierte er im Abstand von wenigen Wochen zwei mikroskopisch kleine Objekte, die nach seiner Lesart organischer Natur sind und aus den Tiefen des Alls stammen sollen. Beide Partikel fanden sich in Proben, die Ballons in 27 Kilometer Höhe in der Stratosphäre sammelten.

Noch nie gefundener Organismus entdeckt

Eines davon ist eine Art Gewebeteppich, der unter dem Mikroskop wie ein geisterhaft wallender Nebel erscheint. Aufgrund seines Aussehens nennen es die Forscher das „Geisterteilchen“. Auf der Erde sei es unbekannt, so Wainwright, daher könne es nur aus dem All selbst stammen. „Dies ist ein schönes Neujahrsgeschenk aus dem Weltall“, erklärte er im britischen „Daily Express“. „Mit der Breite eines menschlichen Haares gleicht dieser Organismus einem Chiffonschal und ist definitiv biologischer Herkunft. So etwas wurde auf der Erde noch nie gefunden“.

Kommt das Geisterteilchen aus dem Weltraum?

Es sei verwunderlich, dass das Geisterteilchen in den Proben fast jungfräulich rein auftauchte, ohne Beimengungen von Pflanzenmaterial wie Pollen oder anderen Partikeln, etwa Aerosolen. „Wenn es keinen Transportmechanismus gibt, der diese Organismen selektiv von der Erdoberfläche empor tragen kann und dabei anderes Material aussiebt, können sie nur aus dem Weltraum kommen“, resümiert Wainwright.

Organischer Ballon soll über ferne Planeten driften

Der Forscher liefert auch eine Interpretation über die Natur seines Fundes, der gerade zehn Mikrometer groß ist: Es handle sich um eine Art organischen Ballon, der in seiner natürlichen Umgebung mit leichten Gasen gefüllt ist. Damit könne er durch die Lufthülle oder den Ozean eines fernen Planeten driften oder sich in einer noch unbekannte Umwelt bewegen. „Auch wenn der Organismus auf unseren Bildern eher wie ein geplatzter Ballon aussieht, so ist er in seinem natürlichen Zustand wahrscheinlich aufgeblasen“, vermutet Wainwright.

Kugel mit organischer Flüssigkeit und metallischer Hülle

Noch rätselhafter erscheint das zweite Teilchen, das die Briten in ihren Proben aufgespürt haben. Nach ihren Angaben handelt es sich um eine mikroskopisch kleine Kugel mit einer metallischen Hülle, die Röntgenanalysen zufolge aus Titan und einem kleinen Teil Vanadium besteht. Aus ihrem Innern sei eine „organische Flüssigkeit mit schleimiger Konsistenz“ ausgetreten.

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(Bild: Eines der Teilchen, die die Forscher untersuchten, ist eine mikroskopisch kleine Kugel mit einer Hülle aus Titan. Aus ihrem Innern soll eine „organische Flüssigkeit mit schleimiger Konsistenz“ ausgetreten sein)

Soll die Kugel fremdes Leben auf der Erde verbreiten?

Wainwright und seine Kollegen waren sogleich mit einer gewagten Hypothese über den Ursprung des Objekts bei der Hand: Es könne sich um einen künstlichen Mikroorganismus handeln, der programmiert sei, fremdes Leben auf der Erde zu verbreiten. Möglicherweise enthalte er genetisches Material als Vorläufer künftiger neuer Organismen. Dann müsse es außerirdische Intelligenzwesen geben, die das Kügelchen schufen, um andere Welten zu infizieren. Womöglich würden die Fremden die Erde und die weitere Entwicklung auf ihr auch beobachten.

Forscher glauben, Dellen weisen auf außerirdische Herkunft hin

Als Beweis für die außerirdische Herkunft der Teilchen führen die Forscher an, dass diese Dellen in den Probensammler schlugen. Sie müssten also mir großer Geschwindigkeit heran geflogen sein, ein von der Erde aufgewirbelter Organismus werde beim Zurücksinken nicht schnell genug, um solche Schäden zu verursachen.

Außerdem seien die gefundenen Partikel zu schwer, um allein durch Luftströmungen 27 Kilometer hoch in die Stratosphäre transportiert zu werden. Dies könnten allenfalls Vulkanausbrüche bewirken, doch in den letzten drei Jahren vor den Ballonflügen, die im Juli 2014 stattfanden, habe es keine ausreichend starken Eruptionen gegeben.

„Ein weiterer Beweis für die Existenz außerirdischen Lebens“

Schon 2013 und zuletzt im Oktober 2014 hatte die Gruppe um Wainwright angebliche Organismen aus der Stratosphäre präsentiert – darunter das wegen seiner Form so genannte „Drachenteilchen“ – und über deren außerirdische Herkunft spekuliert. Die neuen Funde, bekräftigt jetzt der Astrophysiker Chandra Wickramasinghe, der das Buckingham Centre for Astrobiology leitet, seien „ein weiterer Beweis für die Existenz außerirdischen Lebens“. Die alte Frage „sind wir im All allein“ sei damit beantwortet.

Kritiker glauben, Organismen könnten auch von der Erde stammen

Darüber ist nun ein heftiger Forscherstreit entbrannt. Kritiker wenden ein, dass es sich bei den Objekten durchaus um Organismen handeln könne, die von der Erde stammen.

Beim Geisterteilchen etwa handle es sich vermutlich um die Hülle bestimmter Algen (so genannte Diatomeen), die von russischen Forschern vor einiger Zeit auch an der Bordwand der Internationalen Raumstation (ISS) gefunden wurden. Wie sie dorthin kamen, ist aber unklar, zudem bestritt die US-Raumfahrtbehörde Nasa die Existenz der Mikroorganismen.
Kritik wegen unwissenschaftlicher Art des Publizierens

Kritik richtet sich insbesondere auch gegen die unwissenschaftliche Art, mit der die Briten ihre Entdeckungen und Ergebnisse publizierten. Diese erschienen im umstrittenen Fachmagazin „Journal of Cosmology“, dem andere Forscher vorwerfen, es werde im Eigenverlag von einer kleinen Gruppe veröffentlicht, die die alte Idee der Panspermie vertreten. Daneben publiziere es Außenseitermeinungen und spekulative Ideen zur Astrobiologe. Ansonsten hätten Wainwright und seine Kollegen das Boulevardblatt „Daily Express“ zu ihrem Sprachrohr gemacht, was ebenfalls als wissenschaftlicher Sündenfall gilt.

Panspermie: Viren und Bakterien bewegen sich durch das All

Tatsächlich ist Institutschef Wickramasinghe einer der Väter der Theorie von der Panspermie, die er gemeinsam mit dem britischen Astronomen Sir Fred Hyole entwickelte. Sie besagt, dass sich einfache Lebensformen wie Viren oder Bakterien über große Distanzen durch das Universum bewegen. Diese regnen unablässig auf die zahllosen darin kreisenden Planeten und befruchten sie gleichsam. So soll die Saat des Lebens auch auf die Erde gelang sein.

Die Verfechter der Theorie wollen den vermeintlichen Widerspruch zwischen der hohen Komplexität der Organismen auf der einen Seite und der vergleichsweise kurzen Zeit für deren Entstehung auf der anderen Seite auflösen. Den meisten Astrobiologen gilt die Panspermie jedoch als reine Spekulation, da sich bislang noch kein Lebenskeim fand, der aus den Tiefen des Alls zur Erde gekommen wäre.

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(Bild: Das Bild zeigt das sogenannte „Drachenteilchen“)

Mikroben an der ISS als Beweis

Jetzt aber interpretieren Wickramasinghe und Wainwright die möglichen Diatomeen an der ISS als Stütze der Theorie. Der Fund beweise, dass Mikroben auch außerhalb eines Planeten existieren können. Dies habe auch ein Experiment gezeigt, das schwedische Forscher 2011 mit einer Rakete durchführten. In einem Außenbehälter schossen sie einen ringförmigen Strang der Erbsubstanz DNS ins All. Dieses so genannte Plasmid dient in der Gentechnik dazu, fremde Gene in das Erbgut eines Lebewesens zu schleusen.

Liegt der Ursprung des Menschen nicht auf der Erde?

Beim Wiedereintritt in die Atmosphäre wurde die Probe auf 1000 Grad Celsius erhitzt, doch im Labor zeigte sich, dass das Plasmid seine biologischen Eigenschaften beibehalten hat. Beide Ergebnisse seien Indizien dafür, dass der Ursprung irdischen Lebens und damit des Menschen sonst wo im Universum liegen könne.

Exotische Teilchen könnten auch von Kometen stammen

Ein Hintertürchen lassen sich die Briten aber offen: Ihre exotischen Teilchen, gestehen sie zu, könnten auch von einem Kometen stammen. Die Schweifsterne aber sind Bestandteile unseres Sonnensystems, sie fliegen also nicht unzählige Lichtjahre weit durch den Weltraum. Zudem ist bekannt, dass sie reichlich organische Moleküle enthalten.

Sollte die Kugel die Menschen mit lebensbedrohlichen Krankheiten infizieren?

„Dass die kleine Kugel willkürlich freigesetzt wurde, um die menschliche Rasse mit lebensbedrohlichen Krankheiten zu infizieren, ist eine Theorie, eine andere ist, dass sie Millionen von Meilen mit einem Kometen geflogen sein könnte“, konstatiert Wainwright. „Solange wir nicht mehr Details über die Zivilisation herausfinden, die das Material möglicherweise aussandte, ist die erste Theorie nicht beweisbar.“

Andere Wissenschaftler sind skeptisch

Skeptische Forscher wie der Astronom Seth Shostak, der das Seti-Institut (Seti = Suche nach Außerirdischer Intelligenz) im kalifornischen Mountain View leitet, erkennen zwar an, dass es Panspermie geben könne – aber nur in vergleichsweise kurzen Distanzen, über die Organismen von Himmelskörpern wie etwa Kometen transportiert werden können. Nun müssten andere Forscher Wainwright’s Hypothese überprüfen. „Bisher ließen sich solche Funde eher irdischer Kontamination zuschreiben als außerirdischen Ankömmlingen“, erklärte er dem Internetjournal „Tech Times“.

„Außergewöhnliche Behauptungen erfordern außerordentliche Beweise“

In die gleiche Kerbe schlägt der Astrobiologe Chris McKay vom Ames Research Center der Nasa. Zwar seien in der Stratosphäre durchaus merkwürdige Dinge zu finden, bekennt er, doch „außergewöhnliche Behauptungen erfordern außerordentliche Beweise“. Ein solcher wäre der Nachweis, dass die rätselhaften Partikel eine andere Biochemie aufweisen als das Leben auf der Erde. Danach müsse die Fachwelt nun suchen. „Wenn sich herausstellte, dass die Biomoleküle aus rechtsdrehenden Aminosäuren aufgebaut sind, und nicht ausschließlich aus linksdrehenden wie bei den irdischen Organismen, wäre das für mich ziemlich überzeugend“, betont McKay.

Weitere Untersuchungen angekündigt

Solche Untersuchungen kündigte Wainwright nun an. So wolle er mit seiner Gruppe die Isotopenzusammensetzung des Geisterteilchens messen. Die Mengenverhältnisse bestimmter Isotope ließen erkennen, ob der Partikel von der Erde stammt oder aus dem All. Womöglich hilft aber ein Forschungsballon der Nasa, das Rätsel um die mysteriösen Teilchen zu lösen. Er holt derzeit ebenfalls Proben aus der Stratosphäre zur Erde. „Hoffentlich kommen sie zu den gleichen Resultaten wie wir – egal, ob sie es dann als eigene Entdeckung verkünden“, sagt Wainwright. Unterstützung könnte er zudem von einem Institut namens ISPA (Institute for the Study of Panspermia and Astroeconomics) erhalten. Britische und japanische Forscher wollen es eigens gründen, um zu beweisen, dass das Leben ursprünglich aus dem All auf die Erde kam.

Quellen: The University of Buckingham/FocusOnline vom 02.02.2015

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