Menschenhandel: „Der Krieg macht die Mädchen billiger“

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Nach Naturkatastrophen oder während kriegerischer Auseinandersetzungen haben es Menschenhändler besonders leicht, aus der Verzweiflung von Flüchtlingen Kapital zu schlagen.

Heiratsagentur, Partnervermittlung, Model- oder Jobbörse: Die Bezeichnung klingt seriös, die Tätigkeit ist es oft nicht. Denn Agenturen für die Vermittlung von diversen Tätigkeiten oder von Personen bieten die beste Tarnung für jene, die Geschäfte mit dem Kauf und dem Verkauf von Menschen machen. Ob in der Ukraine, in Indien, in Mexiko oder in Syrien.

Menschenhändler weltweit setzen darauf, dass Frauen und Männer ihrer verzweifelten Lage entkommen wollen und bereit sind, dafür alles zu riskieren. Der versprochene Job als Au-pair in Großbritannien, als Model in Österreich oder als Frau eines reichen Mannes in einem Golfstaat entpuppt sich nur allzu oft als Falle. Kaum sind die Betroffenen in ihrer neuen Heimat angekommen, werden ihnen ihre Dokumente abgenommen, sie werden geschlagen und bedroht, zur Prostitution, zur Sklavenarbeit im Haushalt oder in der Landwirtschaft gezwungen. Geld bekommen sie nie, meist müssen sie Berge an Schulden abarbeiten, die angeblich durch die Reise entstanden sind.

Solche Szenarien gehören zu den häufigsten Formen von Menschenhandel weltweit: Die Betroffenen sind größtenteils Frauen (49 Prozent), seit Jahren steigt aber die Zahl der gehandelten Kinder an. Sie kommen aus Schwellenländern bzw. aus Länder mit großen wirtschaftlichen Problemen und werden meist zur Sexarbeit gezwungen (53 Prozent). Die Mittelsmänner, die sie anwerben, sind fast immer ihre Landsmänner (72 Prozent). Weltweit werden laut einem Bericht des Wiener UN-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung pro Jahr 2,4 Millionen Menschen verkauft und versklavt. Das Business, von den Vereinten Nationen als organisiertes Verbrechen eingestuft, gilt als milliardenschwer mit Gewinnen von geschätzten 32 Milliarden US-Dollar.

„Es gibt Agenturen, die vor allem sehr junge Frauen aus Syrien für ältere Männer aus Jordanien, dem Libanon, aus den Golfstaaten und sogar aus Europa suchen“, sagt Claire Healy vom Wiener Forschungsinstitut Internationales Zentrum für die Entwicklung von Migrationspolitik (ICMPD) im Gespräch mit der „Presse am Sonntag“. Die Wissenschaftlerin untersucht die Auswirkungen des Syrien-Krieges auf den Menschenhandel. Manche Mädchen seien noch „wirklich Kinder und kaum älter als zwölf“, die Männer viel, viel älter. Da das legale Heiratsalter in den jeweiligen Ländern variiere, sei die Grenze zwischen Legalität und Illegalität verwaschen.

Naturkatastrophen und Kriege verschärfen das Problem des Menschenhandels: Nach dem verheerenden Erdbeben auf Haiti 2010 oder dem zerstörerischen Tropensturm Haiyan Ende 2013 auf den Philippinen wurden besonders viele Kinder gehandelt. Die Folgen des andauernden Bürgerkriegs in Syrien und des Vormarsches der Terrororganisation Islamischer Staat sind nicht zu übersehen: Millionen Menschen sind entweder im eigenen Land auf der Flucht oder versuchen, in Nachbarländern Unterschlupf zu finden. In den Flüchtlingslagern haben die Geschäftemacher leichtes Spiel. Ein bisschen Geld, das die Familie für eine Tochter bekommt, kann das Überleben aller sichern. Oder allein das Versprechen, dass das Kind etwas zu essen und ein Dach über dem Kopf haben wird, überzeugt die Eltern, ihr Kind einem Fremden zu übergeben. Eines steht fest: „Mit dem Krieg sind die Mädchen billiger geworden. Es ist viel einfacher für die Menschenhändler, jemanden zu finden“, sagt Healy.

Ehe auf Zeit. Reiche Männer aus Golfstaaten kommen so zu einer jungen Zweit- oder Drittfrau. Oder vermeintliche Ehemänner entpuppen sich als Zuhälter und „verborgen“ ihre Frau an Freunde. Und für noch ein Phänomen in der islamischen Welt müssen die Kriegsflüchtlinge herhalten: die Zeitehe. Schiitische Muslime nehmen sich für eine gewissen Zeitspanne eine Syrerin. „Da geht es nur um Sex“, sagt Healy. Die Frau wird nach Ablauf der Ehe entweder zurück zu ihrer Familie geschickt – oder steht auf der Straße.

Zahlen:

2,4 Millionen Menschen weltweit werden pro Jahr verkauft und versklavt.

32 Milliarden US-Dollar – so hoch werden die Gewinne der international vernetzten Menschenhändler geschätzt.

Quellen: diepresse.com/Reuers vom 22.02.2015

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