Atomkrieg, Naturkatastrophen, Terroranschläge: Deutschland fehlen Schutzbunker (Videos)

Während in den USA die Angst vor einem Atomangriff das Bunker-Geschäft antreibt, die Schutzräume in der Schweiz zum Alltag gehören, gibt es in Deutschland keine funktionstüchtigen Schutzräume mehr. Warum ist das so?

Es gibt keine funktionstüchtigen öffentlichen Schutzräume in Deutschland mehr. Die Schweiz handhabt das komplett anders. Auch in Russland werden ständig neue Bunker gebaut und die Bevölkerung in ein großes Zivilschutzkonzept eingebunden.

Die scheinbare Drohkulisse könnte auch aus früheren Zeiten des Kalten Krieges stammen. Die eine Seite, diesmal Nordkoreas Diktator Kim Jong-un, droht mit dem Einsatz von Interkontinentalraketen mit Atomsprengkopf. Die andere Seite, diesmal US-Präsident Donald Trump, erklärt seine Waffen als „geladen und entsichert“ (Nordkorea: Geheime Fluchtpläne – Bunker, Tunnelsystem und Kleinflugzeuge).

Vor diesem Hintergrund keimt eine diffuse Sorge über einen neuen Krieg. Dabei ist das Kapitel Schutz der deutschen Bevölkerung durch Bunker oder gar der Neubau von Schutzräumen längst abgeschlossen.

Beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe heißt es, dass der Bund bereits 2007 mit den Ländern das frühere Schutzraumkonzept aufgeben hat. Derzeit gebe es keine funktionstüchtigen öffentlichen Schutzräume mehr.

Vor einem Jahrzehnt waren es noch rund 2000 Schutzräume für etwa zwei Millionen Menschen, inzwischen sind es noch etwa 1000 Anlagen. Die werden aber seit Jahren vom Bund praktisch nicht mehr gewartet und nicht mehr funktionsfähig gehalten.

Experten sprechen davon, dass die öffentlichen und privaten Schutzräume „nach und nach aus der Zivilschutzbindung entlassen“ werden. Mit dem Wegfall des „baulichen Veränderungsverbotes“ können die Räume hinter dicken Betonwänden verkauft, umgebaut oder das Gebäude abgerissen werden.

Dabei gibt es sogar einen historischen Bezug zwischen deutschen Bunkern und Korea-Krisen. Der Korea-Krieg Mitte der 50er-Jahre löste nämlich ein Sofortprogramm aus, bei dem viele deutsche noch funktionsfähige Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg im Schnellverfahren wieder nutzbar gemacht wurden.

 

Durch das Eingreifen der USA und später Chinas in den Korea-Krieg wurde er zu einem Stellvertreterkrieg der Großmächte und davor hatte die damalige Regierung Angst. In den 60er-Jahren wurden die deutschen Bunker nach der Kuba-Krise und der atomaren Bedrohung nochmals erweitert. Das Ende des Ost-West-Konflikts Anfang der 90er-Jahre leitete dann aber das Ende der Bunker ein – zumindest in den meisten europäischen Ländern.

Eine Ausnahme ist die Schweiz. Dort ist der Schutzraumbau immer noch Pflicht. Jeder Bürger soll möglichst einen Schutzraum in unmittelbarer Nähe haben, lautet die Grundformel. So finden sich auf aktuellen Ausschreibungen für Mietshäuser regelmäßig Bedingungen wie „2 Waschräume, 3 Fahrradräume, 2 Schutzräume“.

Bunker im Kalten Krieg

Im Kalten Krieg existierte rund 25 Kilometer südlich von Bonn der sogenannte „Ausweichsitz der Verfassungsorgane des Bundes im Krisen- und Verteidigungsfall zur Wahrung von deren Funktionstüchtigkeit“. Die mehr als 17 Kilometern lange Bunkeranlage entstand unter großer Geheimhaltung in den 1960er Jahren, um insgesamt 3.000 Regierungsbeamten ein Ausharren von mindestens 30 Tagen zu ermöglichen.

Der Bunker entstand unter großer Geheimhaltung in den Jahren 1960 bis 1972 in zwei von fünf Anfang des 20. Jahrhunderts gebauten Tunneln einer nie fertiggestellten Eisenbahnstrecke. Der Bunker war insbesondere für die zivilen Behörden aus der damaligen Bundeshauptstadt Bonn bestimmt und sollte der deutschen Bundesregierung als Ausweichsitz und unterirdische Führungsanlage im Kriegsfall dienen.

Die Anlage selbst sollte gegen den Angriff mit atomaren Waffen sicher sein und war weitgehend autark in der Versorgung mit elektrischer Energie, Frischluft und Trinkwasser. Im Gegensatz zu anderen Festungen oder militärischen Bunkern war sie allerdings nicht bewaffnet.

Die Sicherung sollten Bundeswehreinheiten in feldmäßigen Stellungen übernehmen. Die Kosten für das Bauwerk wurden auf rund drei Milliarden DM geschätzt, genaue Zahlen stehen wegen der Geheimhaltung nicht zur Verfügung.

Tore und in Sekundenbruchteilen zu schließende Lüftungsdeckel an den Zuluftbauwerken konnten den Bunker hermetisch abschließen. Eine Trinkwasserversorgung aus zwei eigenen Tiefbrunnen, eigene Stromerzeuger, Luftfilter und Vorräte sowie eine Infrastruktur mit Küchen, Lazarett, Zahnarzt usw. ermöglichten einen 30 Tage langen Aufenthalt ohne Kontakt nach draußen.

Damit sollte im Verteidigungsfall (V-Fall) sichergestellt werden, dass die Bundesrepublik Deutschland auch in einem nuklear eskalierenden Krieg weiterhin regiert und die Bundeswehr geführt werden konnte.

 

Alle zwei Jahre übte man darin im Rahmen der NATO-Pläne den Verteidigungsfall. Zur Wartung, Instandhaltung und für den Betrieb waren ungefähr 180 Personen im Dreischichtenbetrieb ständig im Einsatz. Aus Geheimhaltungsgründen wurden die Beschäftigten mit Beamten- und Angestelltenstatus nur in der Region angeworben und auf strenge Geheimhaltung verpflichtet.

Wie 2008 bekannt wurde, hätte die Bunkeranlage gerade einmal einer 20-Kilotonnen-Bombe, vergleichbar mit der Sprengkraft einer „Hiroshima-Bombe“, standgehalten. Obwohl bereits im Jahr 1962 geheime Gutachten mit 250-fach stärkeren Waffen rechneten und es klar war, dass die Anlage im Ernstfall bei einem Atomschlag kollabieren würde, wurde das Bauprojekt aus politischen Gründen weitergeführt.

Der Auslandsgeheimdienst der DDR war außerdem über den spionierenden Handwerker Lorenz Betzing bestens informiert.

Bunkerbau heute

Bislang handelt es sich aber nur um ein verlockendes Werbeversprechen. Vivos hat noch nicht genügend Kunden für den tatsächlichen Umbau seiner Bunkeranlage zusammen, wie Heitmann sagt. Dabei blüht besonders in den USA das Geschäft mit der Kriegsangst.

Während in Nordamerika Anbieter von Privatbunkern ihre Schutzräume wie den Kauf eines neuen Autos bewerben, ist das in Europa kein öffentliches Thema mehr. Es wird eher im Verborgenen gebaut. Offizielle Zahlen, wie viele private Bunker existieren, gibt es nicht (In diesem Luxusbunker in Deutschland kann sich die Elite vor der Apokalypse verstecken (Videos)).

Beim Berliner Unternehmen BSSD (Bunker Schutzraum Systeme Deutschland), das sogar einen „Schutzraum-Atomsicher“ im Programm hat, gibt man sich auf Anfrage zugeknöpft und will nicht kurzfristig und nur abgestimmt Auskunft geben. Dabei wird sogar auf der Homepage ein möglicher Nuklearkrieg thematisiert.

So behauptet der Bunker-Anbieter: „Immer wieder hört man die Behauptung, ‚in einem Atomkrieg gibt es keinen Schutz!‘ Das stimmt nicht. Diese Behauptung wäre nur dann richtig, wenn man sich einen Krieg vorstellt, in dem ein Land mit einem dichten Teppich von Atombomben belegt würde.“

  

Fragt man Experten, klingt das etwas anders. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hat bei Wissenschaftlern und Konfliktforschern eine Gefahrenstudie beauftragt, die 2015 veröffentlicht wurde.

Danach sind ein klassischer konventioneller Krieg auf deutschem Boden und ein globaler Nuklearkrieg kurz- und mittelfristig unwahrscheinlich (Getreide, Gold, Erdöl: Geheime Bunker sollen deutsche Bevölkerung retten, wenn ein Krieg ausbricht).

Dann folgt eine nüchterne Analyse. Bei einem globalen Nuklearkrieg wäre das Schadensausmaß so katastrophal, „dass sich die Frage des Bevölkerungsschutzes nicht mehr stellen dürfte“.

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Literatur:

Das Prepper-Handbuch: Krisen überleben von Walter Dold

What if? Was wäre wenn?: Wirklich wissenschaftliche Antworten auf absurde hypothetische Fragen von Randall Munroe

BLUFF!: Die Fälschung der Welt von Manfred Lütz

Zutritt streng verboten!: Die 24 geheimsten Orte dieser Welt von Nick Redfern

Video:

Quellen: PublicDomain/recentr.com/WeltOnline am 04.01.2017

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