US-Arbeitsmarkt: Vom Tellerwäscher zum Obdachlosen

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Wirtschaftswunder. Viele Analysten zeigen sich mit der Entwicklung auf dem US-Arbeitsmarkt zufrieden. Doch es gibt Grund zur Skepsis. Die Lage ist nicht so rosig wie es auf den ersten Blick scheint.

Der „amerikanische Traum“ beschreibt die weit verbreitete Vorstellung, dass ein hart arbeitender Amerikaner auch bei einer schwierigen finanziellen Ausgangslage einen hohen Lebensstandard erlangen kann. Die Vision von einem für jedermann erreichbaren guten Leben wird sprichwörtlich im Ausdruck „Vom Tellerwäscher zum Millionär“ besonders schön versinnbildlicht. Doch leider ist vom amerikanischen Traum nicht mehr viel über. Es müsste eigentlich vielmehr heißen „Vom Tellerwäscher zum Obdachlosen“, wie eine gründliche Analyse der US-Arbeitsmarktdaten zeigt.

Nicht öffentlich beachtet

Mit dem US-Arbeitsmarktbericht wird eine Vielzahl von Statistiken veröffentlicht. In den Medien öffentlich besprochen, wird davon leider aber zumeist nur ein sehr kleiner Teil, wodurch ein falsches Bild über die tatsächliche Lage entsteht. So suggeriert die Berichterstattung vieler Medien, dass der US-Arbeitsmarktbericht für Februar eine erfreuliche Entwicklung gezeigt haben soll. Es wurden mehr neue Stellen geschaffen als von den Analysten erwartet.

Mit 295.000 neuen Jobs wurde der Konsens von 240.000 prognostizierten neuen Stellen überboten. Zugleich war die saisonbereinigte Arbeitslosenquote rückläufig und sank von 5,7 auf 5,5 Prozent. Viele Analysten interpretieren diesen begrenzten Datenkranz als eine deutliche Verbesserung. Da das Ziel der Vollbeschäftigung angeblich in eine greifbare Nähe rückt, könne die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) eine geldpolitische Straffung ins Auge fassen und die sich seit Dezember 2008 in einer Spanne von 0,00 bis 0,25 Prozent befindlichen Leitzinsen bald anheben. An dieser Stelle endet die Berichterstattung dann meistens. Wir wollen hier ein wenig tiefer graben.

Arbeitslosenquote höher

Neben der offiziell besprochenen Arbeitslosenquote U-3 in Höhe von saisonbereinigt 5,5 Prozent veröffentlicht das amerikanische Statistikamt „Bureau of Labor Statistics“ auch eine Arbeitslosenquote mit dem Namen U-6. Diese findet in der medialen Berichterstattung nur selten Beachtung und war im Februar saisonbereinigt mit 11,0 Prozent doppelt so hoch.

Um von der U-6-Quote zur U-3-Quote zu kommen, werden zur Berechnung der U-3-Quote beispielsweise Menschen ohne Arbeit heraus gerechnet, welche in der Vergangenheit zwar gelegentlich eine Stelle suchten, mangels Erfolgsaussichten die Suche dann aber irgendwann aufgegeben haben. Arbeitslose die gerne eine Tätigkeit ausüben würden, werden somit in der öffentlich besprochenen U-3- Quote gar nicht erst erfasst. Ihnen ist gemein, dass sie keinen Anspruch auf staatliche Leistungen mehr haben.

Doch nicht nur die Arbeitsmarktstatistiken aus den USA sind mit Vorsicht zu genießen. Die Ermittlung der Arbeitslosenquote in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union durch das Statistische Amt des Staatenverbunds ist durch vergleichbare Unzulänglichkeiten gekennzeichnet.

Eine große Lüge

Jim Clifton, Vorstand von Gallup, hat die offizielle US-Arbeitslosenquote von 5,5 Prozent auf dem Fernsehsender Fox News kürzlich als eine „große Lüge“ bezeichnet. Zum einen kritisierte er die seiner Auffassung nach mit Mängeln behaftete Art der Erhebung, zum anderen zielte er auf die Attraktivität der Arbeitsplätze ab.

„Es ist wichtig auch die Qualität der Arbeitsplätze zu berücksichtigen. Wer studiert hat und dann in Teilzeit arbeiten muss, da er keine Vollzeitarbeit findet, ist unterbeschäftigt. Ich würde daher einen 30-Stunden-Job zum Mindestlohn nicht als eine gute Arbeit bezeichnen wollen. In Wahrheit hat sogar mehr als die Hälfte der Erwachsenen in den USA derzeit keinen guten Arbeitsplatz“, so die Meinung.

Gallup definiert einen guten Job als eine Tätigkeit von mehr als 30 Stunden je Woche für einen Arbeitgeber, der auch ein regelmäßiges Gehalt zahlt. Seiner Einschätzung nach sind zurzeit 17,8 Millionen Amerikaner arbeitslos oder zumindest unterbeschäftigt. So haben in den USA derzeit mehr als 100.000 Hausmeister, 317.000 Kellner und 365.000 Kassierer einen College-Abschluss.

Ganz ähnlich sehen es die Newsletter-Herausgeber von „Shadow Government Statistics, American Business Analytics & Research“. Dort glaubt man, dass die tatsächliche Arbeitslosenquote derzeit sogar bei 23,2 Prozent und damit auch noch deutlich über der U-6-Quote liegt.

Not in Labor Force

Neben den offiziell saisonbereinigt als arbeitslos ausgewiesenen 8,705 Millionen US-Bürgern gibt es derzeit 93,686 Millionen Amerikaner, welche im US-Arbeitsmarktreport nicht saisonbereinigt unter einer Rubrik mit dem etwas sperrigen Namen „Not in Labor Force“ geführt werden. Dies sind allesamt US-Bürger, die aus diversen Gründen in keinem Beschäftigungsverhältnis stehen. Es sind zum Beispiel Menschen, die nicht nach einer Arbeitsstelle suchen, da sie die Suche als chancenlos einschätzen. Wenn der Anspruch auf staatliche Hilfen ausläuft, fallen diese Menschen aus der offiziellen Arbeitslosenstatistik heraus.

Ein wenig suspekt erscheint insbesondere die Entwicklung in den letzten Jahren. Im Jahr 2000 waren „nur“ rund 70 Millionen Amerikaner dieser Rubrik zugeordnet. Aufgrund des starken Anstiegs in der jüngeren Vergangenheit darf zumindest der Verdacht geäußert werden, dass mehr Personen als „Not in Labor Force“ deklariert werden, um die Arbeitsmarktlage letztlich etwas besser darzustellen als sie ist.

Erwerbsquote sinkt

Ein Blick auf die Erwerbs- und Beschäftigungsquoten trübt das Bild noch weiter ein. Die saisonbereinigte Erwerbsquote (Arbeitskräfte, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung im erwerbsfähigen Alter über 16 Jahren) lag im Februar nur bei 62,8 Prozent. Dies ist das geringste Niveau seit 33 Jahren. Zuletzt standen im Jahr 1978 vergleichsweise wenige US-Amerikaner im Erwerbsleben. Seit dem Jahr 2000 ist die Erwerbsquote kontinuierlich im Sinkflug, was ebenso eher ein Indiz für eine schwierige Arbeitsmarktlage ist.

Bei der Beschäftigungsquote, die das Verhältnis der Beschäftigten zur Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter über 16 Jahren erfasst, sieht es auch nicht erfreulicher aus. Im Jahr 2000 lag der Quotient noch deutlich über 64 Prozent, zuletzt waren es nur noch 59,3 Prozent.

Lebensmittelhilfen nötig

Der Arbeitsmarkt ermöglicht es zudem vielen Menschen offenbar nicht, ausreichend Geld für ein eigenes Auskommen zu verdienen. Die Zahl der Bedürftigen, die auf Lebensmittelmarken angewiesen ist, steigt in den USA seit Jahren an. Daten der Statistikbehörde United States Census Bureau zufolge war 2014 fast jeder siebte US-Bürger auf eine staatliche Lebensmittelunterstützung angewiesen – mehr als doppelt so viele, wie offiziell als arbeitslos gelten. Die Zahl der US-Haushalte, die Lebensmittelmarken erhielt, lag Ende 2014 den 38. Monat in Folge über 46 Millionen.

Erschreckend sind auch die Statistiken der Verbraucherschutzbehörde „Consumer Financial Protection Bureau“ der zufolge 43 Millionen Amerikaner mangels finanzieller Möglichkeiten auf nicht bezahlten Medizinrechnungen sitzen. Ein Grund dafür liegt an der Entwicklung des Haushaltseinkommens (Median), welches seit dem Jahr 2007 um 5000 $ gefallen ist. Dies wiederum stützt die These von Jim Clifton, dass sich viele Beschäftigte mangels Alternativen mit Jobs herumschlagen müssen, für die sie eigentlich überqualifiziert sind.

Einer Studie des Pew Research Center zufolge äußerte im Jahr 2008 jeder vierte US-Bürger im Alter zwischen 18 und 29 Jahren die Einschätzung, der Unterschicht anzugehören. 2014 war es sogar schon jeder Zweite. Als dies sind Indizien dafür, dass die US-Arbeitsmarktlage derzeit vermutlich nicht ganz so rosig ist, wie es laut den offiziell besprochenen Daten scheint.

Quellen: hartgeld.com/wirtschaftsblatt.at vom 30.03.2015

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