
Indien geht auch in Sachen Bargeldabschaffung und Totalüberwachung mit Riesenschritten voraus. Derzeit steht ein Programm zur biometrischen Erfassung aller Inder im Fokus, welches den ausufernden Sozialmissbrauch und Identitätsdiebstahl im Land eindämmen soll.
Doch an edle Absichten in der Politik zu glauben, ist mittlerweile ziemlich gewagt und sie dürften sich auch hier als Wunschdenken erweisen. Denn es läuft auf eine Weitergabe der Daten an weitere Behörden und die Banken hinaus, die diese dann als Zugangsbedingung zum Zahlungsverkehr einsetzen wollen. Und nicht nur Indien zieht die Überwachungsschlinge enger (Bild: Menschen mit einer Maske von Indiens Premierminister Narendra Modi und einer 2.000 Rupien Banknote)
Immerhin: das indische Programm zur Identifizierung aller Einwohner durch eine „Unique Identification Number“ (UID) kommt nicht so überfallartig daher wie die Bargeldreform vom 9. November.
Das wäre allerdings auch kaum möglich, denn die Erfassung der biometrischen Daten von 1,2 Milliarden Menschen braucht eine Menge Zeit (Bargeldverbot: Auf der Strecke blieben die Freiheit und die Bürger).
So startete das Programm bereits 2010 und hat bis April 2015 814,5 Millionen Inder registriert und biometrisch erfasst. Zur Erfassung gehören die Fingerabdrücke aller 10 Finger, die Netzhaut beider Augen und ein frontales Gesichtsbild. Kurz, der Traum der Sicherheitsfanatiker und Überwachungsfetischisten:
„Zuständig für die Erfassung ist die Unique Identification Authority of India (UIDAI), die jedem Bürger eine 12-stellige Identifikationsnummer namens Aadhaar zuteilt, die ein Leben lang gilt. Aadhaar dient nicht als Nachweis für die indische Staatsbürgerschaft und beinhaltet damit kein Recht auf z.B. staatliche Leistungen. Sie dient allein der Identifizierung und als Kriterium zur Zuordnung der erfassten biometrischen Daten.“
Vorgebliches Ziel des Plans ist wie erwähnt die Verhinderung von Missbrauchs des durchaus beachtlich ausgebauten indischen Sozialsystems:
„Ein großes Problem in Indien ist der ausufernde Betrug, der diese (sozialen) Netze an den Rand der Leistungsfähigkeit bringt. Korrupte Politiker und Bürokraten bereichern sich gern mittels gefälschter bzw. nicht existierender Personen(daten), um das Geld in die eigene Tasche zu stecken. Die Aadhaar soll nach offiziellen Angaben dabei helfen diesen Betrug einzudämmen.“

Wetten, dass sich unter diesen absahnenden Politikern und Bürokraten so einige befinden, die gleichzeitig die Datenerfassung und das Bargeldverbot forcieren? Die neue Identifikationsnummer wird wohl kaum verhindern, dass zwischen „Normalsterblichen“ und Eliten auch künftig mit zweierlei Maß gemessen wird.
Die dunklen Geschäfte Letzterer werden das Letzte sein, was mit neuen, „sicheren“ Technologien und Maßnahmen angetastet wird – genauso wie neue Banknoten wenig bis gar nichts gegen Geldfälschung und -Wäsche ausrichten.
Es liegt also nahe, weitere und andere Motive hinter der Gemeinnützigkeit zu vermuten. So ist es wohl kaum ein Zufall, dass die Identifikationsnummer „eine der wichtigsten Grundvoraussetzung darstellt, um eine bargeldlose Gesellschaft einführen zu können“.
Premierminister Narendra Modi ist ein ausgewiesener Befürworter dieser bargeldlosen Gesellschaft, die am besten so schnell wie möglich kommen soll. Denn diese stelle „für meine kleinen Kaufmannsbrüder- und Schwestern“ die Chance dar, „die digitale Welt zu betreten“, so der Premier.
Als ob dieses Betreten für sich allein irgendein besonders toller Wert sei. Wahrscheinlich erwartet Modi bei solch einer großartigen Verheißung, dass seine „kleinen“ Staatsbürger das damit einhergehende Mehr an Überwachung und Kontrolle offen und freudig begrüßen.
Vielleicht hat er ja den Standortvorteil, dass seine kleinen Brüder und Schwestern den Segnungen der Datentechnik mit ihren angeblichen Erleichterungen noch nicht so „miesmacherisch“ gegenüberstehen wie wir Mitteleuropäer.
Banken, Konzerne und Behörden sind natürlich auch hierzulande niemals miesmacherisch, sondern immer „fortschrittlich“ eingestellt. So ist es hier bei uns mal wieder der Leuchtturm Deutsche Bank, der vorneweg marschiert: das deutsche Bankenflaggschiff eröffnete jüngst eine pompöse Hauptstadtfiliale, in der es keine Kasse zum Geldwechseln mehr gibt. Grund dafür ist die freudige Vorwegnahme der Tatsache, dass es ja sowieso bald kein Bargeld mehr geben werde (Die Abschaffung des Bargelds und die Folgen: Der Weg in die totale Kontrolle).
Tatsächlich hätte die Deutsche Bank in einer bargeldlosen Gesellschaft Grund zur Freude: sie könnte so manches ihrer drückenden Schulden- und Liquiditätsprobleme viel einfacher „lösen“ als in der momentanen, rückständigen Bargeldepoche.
Bei den Berliner Hipstern wird sie jedenfalls wenig Probleme mit der Überzeugungsarbeit haben, wie Thomas Castorp von Geolitico süffisant anmerkt:
„Sieh’ an“, dachte ich. „So wird’s gemacht.“ Man schafft einfach eine Bank, baut statt der Kassen und Kundenschalter eine Lounge mit Computern für die polyglotten Hipster hinein und tut so, als sei es wahnsinnig cool, ohne Bargeld auszukommen oder umgekehrt, wahnsinnig uncool, noch Geld in der Tasche bei sich zu tragen.“

Nicht nur uncool, sondern eigentlich auch nur was für Kriminelle, die was zu verbergen haben. In diese Kerbe hauen Finanzpolitiker, Banken und „Sicherheits“politiker bekanntlich schon lange. Und sie brüten weiter unaufhörlich an den nächsten Zwischenschritten, die auf das Ende des Bargelds und den Anfang der Totalumzäunung des Staatsbürgers hinauslaufen.
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Auch wenn es nur vereinzelt sichtbar ist: die Arbeiten an der Verbots- und Überwachungsfront laufen auf vollen Touren.
Literatur:
Wer regiert das Geld?: Banken, Demokratie und Täuschung von Paul Schreyer
Beuteland von Bruno Bandulet
Rettet unser Bargeld! von Max Otte
Quellen: PublicDomain/krisenvorsorge.com am 01.012.2016
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