Amerikas Schattenkrieg – Die Ausbreitung des US-Militärs in Afrika

In keinen Erdteil entsandten die USA in den vergangenen Jahren mehr Spezialkräfte als nach Afrika. Ein zentraler Bestandteil der militärischen Planungen ist dabei das US Africa Command (AFRICOM). “Nation Building” für Freiheit und Demokratie ist out, die Ziele bleiben ähnlich.

Im Jahr 2007 wurde der US Africa Command (AFRICOM) aus der Taufe gehoben und ist seither für militärische Operationen und Übungen der USA auf dem afrikanischen Kontinent verantwortlich. Ziel ist eigenen Angaben zufolge:

Gemeinsam mit ressortübergreifenden und internationalen Partnern Verteidigungs-Kapazitäten aufzubauen, auf Krisen zu reagieren und transnationale Bedrohungen zu verhindern und zu vereiteln, um die nationalen Interessen der USA zu fördern und regionale Sicherheit, Stabilität und Wachstum zu fördern.

Dies beinhaltet auch “eventuelle Operationen, wenn es erforderlich ist”. Die Kommandozentrale liegt jedoch nicht auf dem Kontinent selbst, sondern in Stuttgart, wo rund 1.500 Menschen für AFRICOM arbeiten.

Dass sich die Zentrale in Stuttgart befindet, hat auch seine Gründe. Diese liegen in erster Linie im Misstrauen der Afrikaner gegenüber einer weiteren ständigen Präsenz des US-Militärs auf afrikanischem Boden. So rufen Stationierungsvorhaben etwa in der Zivilgesellschaft und lokalen Medien regelmäßig erheblichen Widerstand hervor. Dazu meint Professor Gerrie Swart, Politikwissenschaftler an der University of South Africa:

AFRICOM könnte als ein Mittel gesehen werden, der US-Militärpräsenz ein aufgeschlosseneres und menschlicheres Antlitz zu geben. Das wurde jedoch dem afrikanischen Kontinent so nicht zu verstehen gegeben. Daher die aktuell bestehenden Sorgen.

Nach Ansicht von Swart vermuten die Afrikaner, dass es bei dem militärischen Engagement AFRICOMS vor allem darum geht, auf Dauer die Zahl der amerikanischen Truppen auf dem Kontinent zu erhöhen und letztendlich in die Außen- und Innenpolitik afrikanischer Staaten einzugreifen.

Ezekiel Pajibo, der ehemalige Leiter von Liberias “Center for Democratic Empowerment” geht in seiner AFRICOM-Analyse sogar noch einen Schritt weiter. Er ist davon überzeugt, dass die wahren Motive für die Gründung AFRICOMS im wachsenden Bedürfnis der USA nach afrikanischem Öl, Washingtons Wunsch nach einer “neuen Front im Kampf gegen den Terrorismus” und der Eindämmung des wachsenden Einflusses Chinas auf dem afrikanischen Kontinent begründet liegen (Afrika: Der Fluch des Reichtums).

Auch aufgrund der in vielen afrikanischen Staaten vorherrschenden Skepsis fand sich, bis auf das kriegsversehrte Liberia, bisher kein afrikanischer Staat, der bereit gewesen wäre, AFRICOM in den eigenen Grenzen willkommen zu heißen.

Dessen ungeachtet steigt derweil das Ausmaß der Entsendung von US-Spezialeinheiten auf den afrikanischen Kontinent in bisher ungekannte Höhen. So wurde noch im Jahr 2006 weltweit nur ein Prozent der US-Kommandotruppen in den Operationsbereich des US Africa Command entsandt. Im Jahr 2016 waren es hingegen bereits 17,26 Prozent aller ins Ausland entsandten US-amerikanischen Spezialeinheiten – unter ihnen auch Navy Seals und die so genannten “Green Berets”.

Die Zahlen basieren auf Informationen, die der “US Special Operations Command” (USSOCOM) an das Portal The Intercept übermittelt hatte. Damit rangiert Afrika global an zweiter Stelle, übertroffen nur vom Mittleren Osten, in dem die USA gegen ihre Feinde in Afghanistan, dem Irak, Syrien und dem Jemen Krieg führen.

Im Jahr 2014 wiederum operierten etwa 700 US-Kommandos auf afrikanischem Boden. Nach Angaben von General Donald Bolduc, Leiter des “US Special Operations Command Africa” (SOCAFRICA) sind heute “etwa 1700 Spezialeinheiten” vor Ort in der Region präsent. Bei SOCAFRICA handelt es sich um ein Verbundkommando, das die AFRICOM-Spezialeinsatzkräfte in sich vereint und führt. Bolduc erläutert:

Dieses Team ist in 20 afrikanischen Nationen aktiv und unterstützt sieben bedeutende Operationen. Boldruc betont ebenfalls: Wir befinden uns in Afrika nicht im Krieg, aber unsere afrikanischen Partner tun dies.

Dies würde vermuten lassen, dass die Vereinigten Staaten durch militärische Maßnahmen möglicherweise zur Einhaltung und Schaffung von “Frieden” beitragen möchten. Dies scheint nicht nur ein Widerspruch in sich zu sein, denn faire Handelsbedingungen und ein Entgegenkommen im Rahmen der Welthandelsorganisation WTO wären in diesem Zusammenhang wohl wesentlich effektiver (USA bereitet in Eritrea (Afrikas Kuba) Regimechange wie in Libyen vor).

Es stellt sich auch die Frage, was die Vereinigten Staaten bisher für den Frieden auf dem Kontinent geleistet haben. Angefangen bei der Unterstützung vonseiten der CIA hinsichtlich der Ermordung des ersten demokratisch gewählten Präsidenten im Kongo – ehemals Zaire -, Patrice Lumumba, über Libyen bis hin zu Somalia ist die Friedensdividende sehr bescheiden. In Angolas Bürgerkrieg der Jahren 1976 bis 1992 förderte die CIA wiederum die vom damaligen Apartheidstaat Südafrika unterstützten Rebellen (Ermordeten CIA, MI5 und Südafrika den UN-Generalsekretär? und Südafrika: CIA soll hinter Mandelas Verhaftung stecken).

Als AFRICOM 2007 als jüngstes von sechs weltumspannenden US-Regionalkommandos gegründet wurde, lag der Schwerpunkt offiziellen Angaben zufolge auf humanitären Einsätzen und Ausbildungsmissionen. Das änderte sich jedoch spätestens im Jahr 2011, als das Kommando die ersten Luftangriffe auf Libyen befehligte.

Im Falle Libyens brachte die NATO-Intervention einen zwar undemokratischen, aber immerhin prosperierenden und stabilen Staat an die Grenze zum “failed state”, der nun ein Hort islamistischer Terroristen und einander auch militärisch bekämpfender politischer Fraktionen ist.

Nach der staatlichen Implosion des nordafrikanischen Staates geriert sich der “Partner” aus Übersee nun wiederum als Unterstützer im Kampf gegen den grassierenden Terror und den so genannten Islamischen Staat, der sich während und nach dem militärischen Eingreifen der NATO in Libyen festsetzte. Einen Terror, der nun die gesamte Region destabilisiert.

Doch die militärischen Aktivitäten der USA sind bei weitem nicht auf Libyen oder etwa Somalia beschränkt. Nach Angaben von The Intercept wurden US-Spezialeinheiten insgesamt bereits in 33 afrikanische Staaten entsandt, was 60 Prozent der insgesamt 54 diplomatisch anerkannten Staaten des Kontinents entspricht.

In seiner “Area of Responsibility” macht der Africa Command deutlich, dass er sich auf dem afrikanischen Kontinent auch für 53 Staaten verantwortlich fühlt. Boldruc erläutert, worum es den Vereinigten Staaten seiner Ansicht nach geht:

Wir unterstützen die afrikanische Professionalisierung des Militärs und die Bemühungen um die Stärkung der entsprechenden Kapazitäten. Das Netzwerk an Spezialeinheiten hilft dabei, speziell entwickelte Trainingsmaßnahmen für Partner-Nationen zu entwickeln, um sowohl das Militär als auch die Institutionen der Exekutive in die Lage zu versetzen, Operationen gegen unsere gemeinsamen Feinde durchzuführen.

 

Die überwiegende Zahl der afrikanischen Regierungen, die im Laufe des Jahres 2016 US-Kommandos beherbergten, sahen ihre eigenen Sicherheitskräfte jedoch selbst mit Vorwürfen von Menschenrechtsverletzungen konfrontiert. Unter den betroffenen Staaten befinden sich etwa Algerien, Botswana, Burkina Faso, Burundi, Kamerun, die Demokratische Republik Kongo, Djibouti, Kenia, Mali, Mauretanien, der Niger, Nigeria und Tansania (USA bereitet in Eritrea (Afrikas Kuba) Regimechange wie in Libyen vor).

US-Eliteeinheiten befinden sich darüber hinaus auch im Sudan, neben dem Iran und Syrien eine der drei Nationen, die laut der US-Regierung “staatliche Sponsoren des Terrorismus” seien.

Auch wenn AFRICOM von Stuttgart aus operiert, verfügen die USA über eine militärische Basis auf dem afrikanischen Kontinent. Dazu erklärte der ehemalige AFRICOM-Oberbefehlshaber General Carter Ham im September 2011:

Wir streben nicht nach Militärbasen über eine operative Basis in Dschibuti hinaus. Große Militärbasen sind nicht Teil unseres Plans. Sie sind nicht geeignet für die Pläne, die wir mit unseren afrikanischen Partnern haben. […] Daher war es eine praktische Entscheidung, in Deutschland zu bleiben. Zunächst gab es Überlegungen, ein Hauptquartier in Afrika aufzubauen, aber das würde mit immensen Kosten einhergehen und die Vereinigten Staaten befinden sich, ebenso wie Algerien und wie viele andere Staaten in einer Periode, in der wir sehr vorsichtig sein müssen, was unsere Ausgaben angeht.

Zusätzlich zum Camp Lemonnier in Dschibuti verfügen die USA seit 2007 auch über drei permanente Operations-Standorte, so genannte “Permanent Contingency Operating Locations”. Zwei davon befinden sich in Äthiopien, nämlich Bilate und Hurso, und eine in Manda Bay, Kenia.

Darüber hinaus bauen die Vereinigten Staaten seit einigen Jahren verstärkt auf den Ausbau von Basen für den Einsatz von Drohnen. Ein Report der Washington Post aus dem Jahr 2011 deckte auf, dass die US-Regierung ihr kontrovers diskutiertes Drohnen-Programm auf dem gesamten afrikanischen Kontinent weiter ausbaut.

 

Offizielles Ziel des Einsatzes der unbemannten Drohnen ist es, ihren Beitrag zum “Kampf gegen den Terror” zu leisten. Im Jahr 2015 entschied sich die US-Regierung zur Entsendung von 300 Soldaten, um den Aufbau einer Drohnen-Basis zu gewährleisten. Die Aufgabe soll darin bestehen, Boko-Haram-Extremisten “ausfindig zu machen”.

Nach Angaben der BBC ließ die US-Regierung im Jahr 2007 zudem auf São Tomé und Príncipe einen Militärhafen errichten, um ihre Ölinteressen zu schützen.

Der Verzicht auf große und teure Militärbasen sollte daher nicht über das militärische Interesse der USA an Afrika hinwegtäuschen. Die gewählte Vorgehensweise ist wohl vielmehr ein weiterer Beleg für einen Wandel im strategischen Denken innerhalb der Armee, die sich verstärkt mit Budgetkürzungen und einer Vielzahl globaler Herausforderungen konfrontiert sieht. Das neue militärische Vorgehen wird dabei als die Strategie des “Light Footprint” bezeichnet.

Anstelle des “Nation Building” unter Zuhilfenahme großer, traditioneller Truppenverbände sieht die neue Strategie den verstärkten Einsatz von Luftstreitkräften, Spezialeinheiten, Nachrichtendiensten, einheimischen bewaffneten Gruppen und privater Militärdienstleister vor.

Im Jahr 2011 nahm der damalige US-Verteidigungsminister Robert Gates mit folgenden Worten auf die Notwendigkeit einer Abkehr von der vorhergehenden Strategie Bezug:

Meiner Ansicht nach sollte jeder zukünftige Verteidigungsminister, der dazu rät, eine große amerikanische Landstreitmacht nach Asien, in den Mittleren Osten oder nach Afrika zu entsenden, “seinen Kopf untersuchen lassen”, wie es General Mc Arthur so treffend formulierte.

Literatur:

Killing Business. Der geheime Krieg der CIA von Mark Mazzetti

Geheimer Krieg: Wie von Deutschland aus der Kampf gegen den Terror gesteuert wird von Christian Fuchs

Der Fluch des Öls in Nigeria: Ein Land zwischen Reichtum und bitterer Armut von Caroline Lange

Am Fuße der Festung: Begegnungen vor Europas Grenze von Johannes Bühler

Quellen: PublicDomain/deutsch.rt.com am 08.01.2017

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