Fukushima: Bilder aus der atomaren Unterwelt – Roboter filmt geschmolzenen Kernbrennstoff (Video)

Ein Unterwasserroboter hat Videoaufnahmen gemacht, die am Boden des havarierten Reaktors Nummer 3 in Fukushima entstanden sind. Drei Tage dauerte die Untersuchung, die am Samstag endete.

Sechs Jahre nach dem dramatischen Reaktoren-Unfall sind damit wohl erstmals Aufnahmen des geschmolzenen Kernbrennstoff entstanden, wie der Betreiberkonzern TEPCO mutmaßte.

Der Roboter ist auf eine etwa ein Meter dicke Schicht Lava-ähnlicher Gesteine gestoßen, die sich in dem Sicherheitsbehälter in über sechs Meter tiefem, hoch verstrahltem Wasser befinden.

Gruselbilder, wie man sie noch nie aus einem Atomkraftwerk gesehen hat. Eine Kruste aus erstarrten Steinen wie Lava nach einem Vulkanausbruch bedeckt den Boden des mit Kühlwasser gefluteten Reaktors 3.

Nach fünf Tagen Suche könnten die Bilder zeigen, wohin bei der Kernschmelze im März 2011 der verflüssigte Brennstoff abgeflossen ist und vermutlich noch heute vor sich hin strahlt („Unerklärlich“: Höchste Strahlung seit dem GAU 2011 in Fukushima gemessen).

Es sind die ersten Bilder aus dieser atomaren Unterwelt, die den Experten detaillierte Einblicke in die bisher undurchdringlichen Behälter liefern. Nach Ansicht von Tadashi Narabayashi seien die gefundenen Substanzen „klar zu identifizieren“.

Der Professor für nukleare Ingenieurtechnik an der Hokkaido-Universität ist sich sicher: „Das sind geschmolzene Brennstoffüberreste, die auch mit den in Tschernobyl gefundenen übereinstimmen.“

Der Betreiberkonzern Tepco hatte den 30 Zentimeter langen und 13 Zentimeter breiten Roboter vergangene Woche in den völlig zerstörten und für Menschen nicht zugänglichen Reaktor geschickt, um vielleicht das Geheimnis zu lüften, wo sich der radioaktive Brennstoff befinden könnte (Fukushima: Strahlungswerte auf Allzeithoch zerstören nächsten Roboter (Videos)).

Auch mehr als sechs Jahre nach der Jahrhundertkatastrophe an der japanischen Nordostküste, bei der ein Megabeben mit nachfolgendem Tsunami das riesige Kernkraftwerk Fukushima Daiichi am Pazifik schwer verwüstete, kann noch niemand genau sagen, wohin sich die geschmolzene Kernmasse verflüchtigt hat.

Das Experiment war auch riskant. Tepco hatte bereits im Februar und März versucht, Erkundungsroboter in die Tiefen der Reaktorblöcke 2 und 1 zu schicken. Damals scheiterte die Suche nach den nuklearen Abfällen an dem riesigen Trümmerberg und der radioaktiven Verstrahlung. Im Reaktor 3 erwies sich über sechs Meter tiefes, hochverstrahltes Wasser als unüberwindliches Hindernis.

Jetzt könnte sich die Hypothese bestätigen lassen, dass sich der Brennstoff als Geröll auf dem Boden des Reaktors abgesetzt hat. Aber für endgültige Rückschlüsse ist es wahrscheinlich noch zu früh. Die Bilder müssen aufwendig analysiert werden, dämpfte Tepco-Sprecher Takahiro Kimoto die Erwartungen der Öffentlichkeit.

Alle Welt will natürlich vor allem wissen, ob von den geschmolzenen Kernelementen noch immer eine lebensbedrohliche Gefahr ausgeht (Fukushima: Radioaktiver Niederschlag in den USA und Kanada festgestellt – Cäsium dringt immer tiefer in die Erde ein).

  

Bisher lässt sich lediglich vermuten, dass der nukleare Brennstoff mit den Trümmern der Ruine verschmolzen ist. Dabei müssen sich enorme Hitze und Kraft entwickelt haben. Besonders wichtig sind den Experten jedoch verlässliche Kenntnisse über die Lokalisierung der atomaren Überreste.

Daraus ließe sich eventuell ableiten, wie die Atomruine möglichst sicher und endgültig zu entsorgen wäre. Eine solche Strategie könnte helfen, die hochgefährlichen Katastrophenrückstände halbwegs sicher zu bergen. Professor Narabayashi denkt, „das ist ein epochales Ereignis“, und „es gibt Aufschlüsse, wie Roboter zu entwickeln sind, die solche Rückstände beseitigen können“. (Fukushima: Pleiten, Pech und Pannen – die bewusst vergessene Katastrophe)

Schätzungen nach könnte es 30 bis 40 Jahre dauern, bis die Reaktoren tatsächlich „geräumt“ beziehungsweise stillgelegt sind.

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Literatur:

Reaktor 1F – Ein Bericht aus Fukushima 1 von Kazuto Tatsuta

Verschlusssache Tschernobyl: Die geheimen Dokumente aus dem Kreml von Alla Jaroschinskaja

Katastrophenalarm!: Was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur? von Stefan Engel

Fukushima 360º – Das atomgespaltene Leben der Opfer vom 11. März 2011: 44 Foto-Reportagen von Alexander Neureuter von Alexander Neureuter

Video:

Quellen: PublicDomain/diepresse.com/deutsch.rt.com/TEPCO am 26.07.2017

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